Teletäglich

Zoff-Duell bei Maybrit Illner: Marco Buschmann geht auf Michael Kretschmer los

„Maybrit Illner: Deutschlands Corona-Desaster – gibt es endlich einen Plan?“ ZDF, Donnerstag, 2.Dezember 2021, 22.15 Uhr.

Schockzahlen, Spinner, Chaos überall! Maybrit Illner gruselt sich. Ihre Gäste:

Michael Kretschmer (46, CDU). Der sächsische Ministerpräsident löst Großalarm aus: „Bei uns brennt die Hütte!

Marco Buschmann (44, FDP). Der designierte Justizminister setzt Prioritäten: „Wichtig ist für uns, dass es keinen neuen Lockdown gibt!“

Prof. Karl Lauterbach (58, SPD). Der Hansdampf in allen Talkgassen will 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten, die allgemeine Pieks-Pflicht und am Montag Gesundheitsminister werden.

Prof. Christine Falk (55). Die Immunologin warnt: „Die Omikron-Variante ist noch ansteckender als Delta!“

Eva Quadbeck (50). Die Journalistin (RND) schimpft: „Schuld an der jetzigen Lage haben Jens Spahn und die Ampel!“

Viel Expertise, viel Goodwill, viel Gemeinsamkeit, aber reicht das? Dem Zoff-o-Meter ist die Lage nicht geheuer:  Die Ministerpräsidentenkonferenz vom Tage lieferte Debattenkleinholz mit hohem Einheizwert!

Überraschendster Beginn

Lauterbach hat wieder seinen roten Partei-Pulli angelegt, setzt heute als Ministerkandidat aber voll auf Diplomatie. Er habe am Wochenende mit renommierten Experten die Wirkung der bisherigen Maßnahmen ausgewertet, berichtet er.

Sein abgeklärtes Statement: „Wir haben überlegt, welche Maßnahme würden jetzt die Welle bremsen? Darüber wurde dann mit Olaf Scholz gesprochen – diese Gespräche habe ich selbst geführt -, sodass er einen Instrumentenkasten hat. Weil, wenn man in so eine Verhandlung geht, muss man den Partnern auch Spielräume lassen.“ Ui!

Verbindlichster Kommentar

Auch Kretschmer setzt auf die hohe Kunst des Ausgleichens: „Dieses Gegeneinander musste jetzt dringend aufhören“, mahnt er. „Dieses Land ist in einer großen Gefahr. Und da geht es nicht darum, wer jetzt politisch profitiert, oder einen politischen Kampf gewinnt!“

Wichtig sei hingegen, dass die Länder mit noch sehr niedrigen Zahlen wie Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz „jetzt einschwenken auf eine gemeinsame Linie“, drängt der Ministerpräsident. Das heiße, „Schutzmechanismen einzuführen und die Bevölkerung auch mitzunehmen. Das sind wirklich harte Einschnitte!“

Selbstsicherstes Statement

„Wir stimmen uns sehr gut mit Olaf Scholz ab“, lobt Buschmann und lenkt flink Erfolgswasser auf seine Mühle: „Vieles von dem, was heute beschlossen worden ist, war ja in Wahrheit bei der Änderung des letzten Infektionsschutzgesetzes schon angelegt!“

Aber, so der Liberale großmütig: „Weil es einige Länder gibt, die der Meinung sind, dass sie eine ausdrücklichere Regelung haben wollen, geben wir ihnen die.“ Das sei indes kein „Nachbessern“, sondern von ihm schon vor der allgemeinen Kritik an seiner Gesetzestat so angekündigt worden. Uff!

Optimistischste Einschätzung

Er ärgere sich über das „Narrativ“, dass die neue Regelung weniger Instrumente zur Pandemiebekämpfung enthalte als die alte, gibt der FDP-Mann danach zu Protokoll. In Wirklichkeit sei es genau umgekehrt.

Buschmanns stärkster Trumpf: „In dem neuen Instrumentenkasten sind Instrumente drin, die es vorher nicht gab. Kaum eine Woche, nachdem sie in Kraft waren, haben wir hoffentlich jetzt den Peak erreicht. Wir haben jetzt einen R-Wert (Reproduktionszahl) unter 1!“ Heißt: Zurzeit stecken 100 Infizierte nur noch 92 Gesunde an.

Schwächste Defensivaktion

Prompt führt ihn die Talkmasterin in einem Einspieler vom 27.Oktober vor: „Es gibt keine systemische Überlastung des Gesundheitssystems!“, hatte der FDP-Mann damals verkündet.

„Da haben Sie ganz schön danebengelegen“, höhnt Illner. „Müssen sich die Bürger bei Ihnen bedanken, dass Sie sich jetzt korrigieren?“    

Man müsse die damalige Lage in Betracht ziehen, verteidigt sich Buschmann und aktiviert seinen politischen Blitzableiter: Andere wie etwa Gesundheitsminister Jens Spahn seien damals doch noch viel optimistischer gewesen. Uff!

Spitzeste Frage

„Man hätte es bis Ende des Jahre vielleicht einfach laufen lassen und sich diesen Stress nicht machen sollen“, stichelt Illner. Habe Olaf Scholz zu viel Rücksicht auf die FDP genommen?

Lauterbach druckst ein bisschen herum: „Was Olaf Scholz gemacht hat – ich finde das wirklich – also – äh – ja – das richtige Paradigma.“ Das ZDF blendet unter seinem Namen „Arzt und Epidemiologe“ ein.

Interessanter Austausch

„Wir kehren jetzt zu einer evidenzbasierten Politik zurück“, doziert Lauterbach dann flüssiger. „Das hat Olaf Scholz wieder eingeführt. Jetzt sehen wir die ersten Ergebnisse.“

„Da spricht schon der SPD-Politiker!“, spottet die Talkmaster. Hm – ist Lauterbach das nicht schon seit Jahrzehnten? SPD-Minister, hat Illner wohl gemeint.

Das ZDF wechselt inzwischen die Einblendung aus und schmückt den populären Talkgast mit dem Renommée einer bedeutenden US-Universität: „Karl Lauterbach SPD. Harvard-Professur für Gesundheitspolitik“, steht dort jetzt. Danke schön!

Dramatischster Alarmruf

„Es geht um Menschenleben!“ klemmt sich Prof. Falk aus Hannover auf ihrem Monitor dazwischen. „Über 70.000 Neuinfektionen an einem Tag! Patienten werden mit dem Hubschrauber verlegt! Wenn wir die Zahlen nicht in den Griff kriegen, werden die Intensivkapazitäten schon vor Weihnachten nicht mehr ausreichen!“

„Wir müssen runter auf mindestens ein Zehntel der heutigen Zahlen!“, assistiert der Ministerpräsident.

Schlimmster Vorwurf

Ein ZDF-Einspieler reibt Salz in Kretschmers Wunden: Inzidenz 1880 – Höchstwert in Deutschland. Nur 58 Prozent zweimal geimpft – der niedrigste Wert.“ Und: „Sachsen ist Hochburg von Corona-Leugnern. Jeder Vierte hält die Pandemie für eine Verschwörung.“ O weh!

Die Journalistin sieht eine Mitschuld bei der Polizei, etwa wenn „massiv gegen Corona-Regel verstoßen wird“. Ihre Anklage: „Die Polizei rückt an, man kennt sich untereinander, man zwinkert sich zu, die Polizei rückt wieder ab und es passiert rein gar nichts.“

Ehrlichstes Eingeständnis

„Sie haben, was die Kontrollen angeht, absolut recht: Es braucht da viel mehr Konsequenz“, gibt der Ministerpräsident umstandslos zu. „Deswegen ist die Polizei jetzt neben den Ortspolizeibehörden, die eigentlich zuständig sind, massiv dabei!“

Direkt an den künftigen Justizminister gegenüber meldet der Ministerpräsident dann ein gefährliches Problem mit einem umstrittenen Instant-Messaging-Dienst.

„Was mich umtreibt, sind diese ‚Telegram‘-Gruppen, diese rechtsextremen Gruppen von 80.000 Menschen, die bösartigste Propaganda, Hass, Hetze, wirklich zersetzende Dinge propagieren“, klagt Kretschmer. „Ich würde mir wünschen, wenn wir bald nach Ihrer Amtsübernahme in ein Gespräch kommen.“

Brutalste Zurückweisung

Doch Buschmann lässt den Ministerpräsidenten gnadenlos abblitzen: „Andere Dinge sind natürlich dringender“, tadelt er. „Der Bund hat Geld auch in Sachsen zur Verfügung gestellt, um die Impfkapazitäten auszubauen. Ich würde Sie dringend auffordern, dieses Geld zu nehmen und in Impfzentren zu stecken!“

Prompt springt das Zoff-o-Meter an

Echt jetzt? Kretschmer geht hoch wie eine Tellermine: „So können Sie mit mir nicht reden!“ funkelt er den FDP-Mann an. „Wenn jemand kommt aus Berlin und mir etwas über Geld erzählt, dann ist Schluss!“

„Reißen Sie sich am Riemen!“, blafft Buchschmann zurück. „So können Sie mir auch nicht reden!“

Schärfstes Zoffduell

„Das ist ein ernstes Thema!“ grollt der Sachse. „Sie wollen Justizminister werden und schieben das beiseite!“

„Sie haben eine katastrophale Lage in Ihrem Land, und die müssen Sie lösen!“ wettert der Westfale. „Ich bin nicht hier, um Ihnen zu erklären, wie das geht!“

„Sie bringen hier eine Aggressivität herein, die völlig jenseits von Gut und Böse ist!“, erbost sich Kretschmer.

Härtester Vorwurf

„Sie hatten alle Möglichkeiten“, wütet Buschmann weiter. „Sie haben sie nicht genutzt. Die Lage ist außer Kontrolle geraten, und jetzt versuchen Sie das mir oder dem Bund in die Schuhe zu schieben!“

„Sie erzählen mir was von Geld und Impfen, ohne zu wissen, was vor Ort passiert!“ kontert Kretschmer. „So geht es nicht!“

Ministrabelster Vermittlungsversuch

„Lassen Sie mich etwas Versöhnliches sagen“, schaltet sich Lauterbach ein. „Alle jüngsten Kontaktdatenauswertungen für Sachsen zeigen eine sehr positive Tendenz!“

Seine Analyse: „Besonders an den Wochenenden gab es immer starke Zunahmen. Jetzt wirken aber die Maßnahmen. Ich will mich in den Streit nicht einmischen, aber wenn wir zusammenhalten, schaffen wir das.“

„Wer über Monate oder Jahre nur noch Lügen hört, der weiß nicht mehr, was die Wahrheit ist“, warnt Kretschmer.

Bitterste Erinnerung

„Der Ernst der Lage ist jetzt in der Bevölkerung, aber auch in der Politik parteiübergreifend begriffen“, stellt Lauterbach fest. „Das war im August nicht so.“

Denn, so der Gesundheitsexperte: „Ich habe damals dafür plädiert, dass wir die Impfzentren offenlassen. Da bin ich fast ausgelacht worden. Im Juli kamen die Daten aus Israel, dass jeder geboostert werden muss. Als ich das vorgetragen habe: Hohngelächter!

Militärischste Expertise

Prof. Falk hält drei Finger in die Kamera: „Die erste Abwehrlinie sind die Abfangjäger, die Antikörper, die das Virus schon im Nasen-Rachen-Raum neutralisieren“, erläutert sie. „Die können unter Umständen nicht so gut auf (das neue) Omikron reagieren.“

Aber, so die Immunologin weiter: „Wir haben eine zweite Abwehrlinie, weil auch die Fresszellen aktiviert werden, die alle Varianten abdecken. Und als dritte Linie die T-Zellen, mobile Einsatzteams, die haben Killerkommandos dabei. Mit der dritten Impfung haben die Menschen einen langfristigen Schutz“

Gretchenfrage des Abends

Die Moderatorin piekst ihren Nachbarn zur Rechten an: „Herr Lauterbach überlegt sich immer noch, ob er unser Gesundheitsminister wird, und zwar der Herzen“, charmiert sie den SPD-Mann. Aber: „Auch Andrea Nahles könnte es werden. Dieses Gerücht gab es.“

Lauterbach hat bisher immer, wenn er die Kamera auf sich gerichtet sah, rasch den Rücken durchgedrückt. Jetzt aber zieht er den Kopf ein: „Ich möchte das nicht kommentieren“, brummt er. „Ich bin zuversichtlich, dass die SPD das Amt sehr kompetent besetzen kann.“

„Selbst Herr Merz wünscht sich jetzt Sie“, triezt ihn die Talkmasterin, „und Herr Söder.“ Allgemeine Heiterkeit!

„Das schmeichelt mir“, grient Lauterbach, „aber das ist vielleicht nicht die Hilfe, die ich jetzt brauche.“ Wer solche Freunde hat…

Fazit

Nach einem gefährlichen Leistungsverlust der deutschen Politikmaschine laufen verbissene Reparaturversuche am stotternden Motor. Das Publikum lässt sich geduldig die Elektronik erklären, und die Monteure hauen sich inzwischen die Schraubenschlüssel auf die Köpfe. Das war ein Talk der Kategorie „Explosionsgefahr“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.