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Zins-Zoff in „Hart aber Fair“: Wagenknecht schießt gegen Sparkassen-Mann

„Hart aber Fair: Wer jetzt noch spart, ist selber schuld: Muss uns die Politik vor den Minuszinsen retten?“ ARD, Montag, 27.Januar 2020, 21 Uhr.

Christian Achilles, Kommunikationschef des Sparkassen- und Giroverbandes, ist in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag stark unter Druck geraten.

61 Sparkassen und andere Geldinstitute nehmen schon Negativzinsen von ihren Kunden, und es werden immer mehr. „Wir sind eigentlich dazu da, das Sparen zu fördern“, entschuldigte sich Achilles dafür. „Aber das geht nur, wenn es der Markt erlaubt.“

Doch, so der Kommunikations-Profi: „Die Sparkassen verteidigen ihre Kunden, so lange es geht!“

Schlimmste Prognose

„Die Kunden reagieren preissensibel und wechseln auch mal“, warnte daraufhin die Verbraucherschützerin Dorothea Mohn. Mitleid mit den Geldinstituten hat sie nicht: „Die Banken machen gute Geschäfte mit Verbraucher- und Immobilienkrediten!“

Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl ging gleich in die Vollen: „Die Banken sitzen in der Falle“, stellte sie fest.

Und schon ging der Zoff los

Den Sparer verantwortlich zu machen ist fast schon zynisch und unverschämt!“ schimpfte Kohl mit Blick auf den Sparkassenmann.

Die Ex-Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht ist sofort dabei: „Man nimmt es bei denen, die sich am wenigsten wehren können!“ polterte sie. „Gleichzeitig kassieren die Vorstandschefs Jahresgehälter in Millionenhöhe!

Populärste Forderung

 

Wagenknechts Vorschlag: „Die Bundesregierung sollte die Banken verpflichten, allen Kunden ein kostenloses Girokonto bereitzustellen!“

„Sparen muss sich lohnen!“ erklärte auch der CSU-Generalsekretär, doch: „Die Menschen haben das Gefühl, dass sich Schuldenmachen lohnt!“

Klarste Kante

Dabei nahm Blume wie schon in den Tagen zuvor den Ex-EZB-Chef aufs Korn: „Schwer verständlich, dass Mario Draghi jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet werden soll!“ wetterte er.

Denn: „Wir haben den Euro gerettet, Banken gerettet, Staaten gerettet. Jetzt ist es Zeit, auch mal etwa s für den Sparer zu tun!“ Applaus, Applaus: Selten hat ein CSU-Politiker in einer ARD-Talkshow schon mal so viel Beifall bekommen!

Ohrfeige des Abends

Verbraucherschützerin Mohn ärgerte sich über Geldinstitute, die jetzt langfristige Sparverträge kündigen, weil sie sich nicht mehr lohnen: „Bei Krediten erwarten Sie ja auch Vertragstreue!“ hielt sie dem Mann von der Sparkasse vor.

„Dafür machen wir den Betroffenen andere Angebote“, verteidigt sich Achilles etwas lahm.

Mohn bezweifelte sogar, dass diese Kündigungen überhaupt erlaubt seien. Ihr Rat: Betroffene sollten das in jedem Einzelfall rechtlich überprüfen lassen.

Schärfste Abrechnung

Wagenknecht im blauen Business-Look war wieder hart drauf: „Die Sparkassen sind gegründet worden mit einem Gemeinwohlauftrag!“ donnerte sie Achilles an. „Die Leute sollen für ihr Alter vorsorgen, und jetzt haben sie Banken, die ihnen den Stuhl vor der Tür setzen!“

Wenn das Vertrauen in das Geld brüchig wird, liegt etwas im Argen!“ bestätigte Blume.

Gelungenster Seitenhieb

Dann trug der CSU-General die jüngste Idee aus München vor: Eine staatliche Investitionsanleihe mit Zins- und Zukunftsbonus. Der Staat solle 100 Milliarden einsammeln, das Geld z.B. in Startups investieren und nach zehn Jahren mit zwei Prozent Zinsen auszahlen.

Das aber wurde von den anderen sofort in der Luft zerrissen. „Halbgarer Vorschlag!“ tadelte ARD-Kohl. „Typische CSU-Idee!“ spottete Wagenknecht. „Klingt erst mal gut, kann aber zum Milliardengrab werden – wie die Maut!“ Das saß: Hohngelächter im Publikum!

Überraschendste Analyse

Achilles verteidigte sich gegen den Vorwurf, seine Leute bräuchten das Geld ihrer Sparer doch nur besser anzulegen: „Das Problem ist, dass die EZB die besten Anleihen komplett wegkauft!“ klagte er. „Da ist einfach nichts mehr da!“

„Griechenland! Italien!“ assistierte ihm Talkmasterin Susan Link, die den erkrankten Frank Plasberg vertrat.

Schlimmstes Schreckensbild

„Der Schuldenstand ist dort inzwischen so hoch, dass sie gar nicht mehr tilgen können“, bestätigte Kohl und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf den Unterarm. „Die Politik muss handeln!“

Sonst, so das düstere Szenario der Börsenexpertin: „Banken kollabieren, Versicherungen können nicht mehr, das Rentensystem bricht zusammen!“

Denn: „Wir habe jetzt eine Welt ohne Zins, und nicht nur in den nächsten Jahren: Der Zins wird nicht wiederkehren!“

Interessanteste Zahl

Achilles nutzte die Gelegenheit, für ein eigenes Anlagemodell zu werben: „Wir machen Aktiensparen ab 25 Euro pro Monat!“

Doch Kohl goss ihm sofort Wasser in den Wein: Man müsse mindestens 15 Jahre dabeibleiben, auch wenn die Kurse fallen, warnte sie.

Wutanfall des Abends

Wagenknecht schnappte nach Luft. „Ich finde es fahrlässig, Kleinanleger in das Casino des Aktienhandels zu schicken!“ schimpfte sie.

Verbraucherschützerin Mohn hatte eine andere Idee: Ein Teil des Gehalts wird vom Staat automatisch einbehalten und angelegt. Bei 100 Euro pro Monat würde die Rente dann um 635 Euro steigen. Aber auch sie kam bei den anderen nicht durch.

Dialog des Abends

Zum Schluss knöpfte sich die ARD-Frau den CSU-Mann zu ihrer Rechten vor: „Soviel ich weiß, regieren Sie in einer Große Koalition“, sagte sie zu ihm. „Sie könnten einiges machen!“

Blume lächelte skeptisch: „Ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, wie schwierig es manchmal in eine Großen Koalition sein kann!“ antwortete er.

Doch so einfach kam er nicht davon: „Ich stelle mir das ganz einfach vor“, erwiderte die Börsenexpertin streng, und dann sprach sie mit Betonung ihr Zauberwort aus: „Man kann was b e s c h l i e ß e n!“ Und da waren die Zuschauer ganz ihrer Meinung.

Standpunkte ohne Wackeln, Starkreden ohne Dummstelltaktik, zum Schluss rauschender Beifall und sogar laute Jubelrufe für die Moderatorin: Das war ein Talk der Kategorie „Leistungsschau“.

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