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Wut-Attacke bei Maischberger! Grüne-Chefin: CDU soll Fehler eingestehen

„Maischberger“. ARD, Mittwoch, 29.Juni 2022, 23.10 Uhr.

Der kriegswütige Großrusse im Kreml feuert Tod und Terror in die Ukraine, die Nato stärkt den Widerstand und Deutschland gibt das Mauern bei den Waffenlieferungen endlich auf. Im Kampf gegen Putin geht es auch um Gas und Geld. Sandra Maischbergers Gäste:

Hanna Polonska (32). Die Deutschlehrerin verlor in der Hölle von Butscha ihren Mann und ihr ungeborenes Kind.

Ricarda Lang (28, Grüne). Die Parteichefin weiß: „Der Krieg in der Ukraine ist ein Umbruch für Europa und unsere ganze Gesellschaft.

Torsten Frei (48, CDU). Der Fraktionsgeschäftsführer möchte die letzten drei Kernkraftwerke noch nicht abschalten.

Sabine Adler (59). Die Journalistin (DLF) twitterte kurz nach Kriegsbeginn: „Was ich vor allem von der deutschen Politik in diesem Moment am allermeisten vermisse, ist Empathie!

Rainer Hank (69). Der Wirtschaftsjournalist (FAS) hofft: „Wenn das Gas ausgeht, rettet uns die Marktwirtschaft!“

Eckart von Hirschhausen (54). Der ARD-Entertainer will schon länger „nicht mehr nur der lustige Arzt sein“.

Schicksale, Schockmeldungen und auch Streit?

Zum Start ein Sorgengewitter

Der Entertainer, der nicht mehr nur witzig sein will, nutzt das Grauen für dramatische klimapolitische Warnungen: „Fossile Energien waren schon immer mit Krieg verbunden!“, schimpft er über Öl und Gas. „Dieser Krieg zeigt, dass Menschen, die nichts mit ihm zu tun haben, hungern müssen!“

„Jetzt wird uns Feuer unter dem Hintern gemacht!“, kommentiert DLF-Journalistin Adler und warnt schon vor der nächsten Erpressung: „Aus China kommen wichtige Rohstoffe für die erneuerbaren Energien, um die sich die Welt noch mehr kloppen wird!“

Widersprüchlichste Kanzlerkritik

Wirtschaftsjournalist Hanke lobt den Klimaclub der Willigen, mit dem die G7 ihre Märkte gegen Klimasünder abschirmen wollen: „Olaf Scholz war einer der ersten, die gesagt haben, das ist der entscheidende Tipping Point!“, erinnert der FAS-Mann.

Von seiner Kollegin kassiert Scholz dagegen eine Rüge: Nach einem ARD-Einspieler mit dem dreisten „Nö“ des Kanzlers auf die Frage, ob er Einspartipps für Gasverbraucher habe, kritisiert Adler: „Das ist einfach nicht ok, weil man doch die Haltung des Kanzlers gerne wissen möchte!“

Interessanteste Frage

„Möchte uns der Kanzler jetzt alle erziehen, indem er sagt, also bitte nur noch fünf Minuten duschen, bei soundso viel Grad?“, rätselt die Journalistin. „Oder sagt er, ich rechne hier mit dem mündigen Bürger, der eine Verantwortung übernimmt? Das hätte ich gerne von ihm gewusst, und nicht nur so ein Nö.“ Rumms!

Umstrittenste Idee

„Es gibt, wenn es um Psychologie geht, ein interessantes Modell“, berichtet von Hirschhausen, „indem man mit der Stromrechnung verschickt: Sie verbrauchen 25 Prozent mehr als Ihre Nachbarn.“

„Wow!“ ruft die Talkmasterin.

Die anderen sind geplättet: „Das ist ein bisschen Blockwart!“, gruselt sich Hanke und hebt abwehrend die Hand.

Schlimmstes Totschlagargument

Der Entertainer möchte die Kritik mit erhöhter Dramatik niederbügeln: „Wir entscheiden in diesem Jahrzehnt, ob dieser Erde bewohnbar bleibt für Menschen, grundsätzlich, oder nicht!“, tremoliert er in die Runde und hämmert die Handkanten auf den Tisch.

Seine provozierende Frage: „Was werden uns zukünftige Generationen eher verzeihen: temporär gestiegene Spritpreise oder einen für immer gestiegenen Meeresspiegel?“ Dafür gibt’s den ersten Beifall.

Prompt springt das Zoff-o-Meter an

„Wir sollten nicht die demokratischen Spielregeln außer Kraft setzen“, warnt die Journalistin tapfer in den brausenden Applaus. „Ich möchte keine Öko-Diktatur!“

„Das sind negative Anreize“, murrt auch Hanke mutig. „Ich prangere den Nachbarn an! Da hätte ich auch ein ungutes Gefühl.“

Kern-Frage des Abends

Auch der CDU-Politiker hat keine Angst vor Publikumsdruck: „Wir sind in einer besonderen Situation“, erklärt er den Vorschlag, die letzten Kernkraftwerke „durch Streckung des Betriebes“ wenigstens in der kritischsten Zeit noch zu nutzen.

Grüne-Chefin Lang sitzt ihm in einer besonders kräftigen Textilvariante der orangenen Revolution gegenüber und blockt alles mit der klassischen „Nein Danke“-Palette ab: zu teuer, woher die Brennelemente, wohin mit dem Strahlungsmüll, außerdem Genehmigungs- und Versicherungsprobleme. Puh!

Kernigstes Gefecht

„Lösbare Probleme!“, behauptet Frei.

„Scheindebatte!“, wehrt sich Lang.

„Streckbetrieb bis Ostern!“, fordert der CDU-Mann.

„Sie wissen, dass das Uran aus Russland kommt!“, kontert die Grüne.

„Das kommt aus vielen verschiedenen Ländern“, widerspricht der Fraktionsgeschäftsführer.

Sicherheitsrisiken! Endlager! Wahnsinnig hohe Kosten“, klotzt die Parteichefin und fuchtelt empört mit beiden Händen. Uff! Aus dieser Grube hilft wohl auch kein Faktencheck mehr heraus.

Wagemutigstes Versprechen

Weil Frei trotzdem immer wieder insistiert, versucht Lang einen Befreiungsschlag: „Dass wir die Kohlekraftwerke länger laufen lassen, schmerzt mich als Klimaschützerin, die in die Regierung gegangen ist, um diese Menschheitsaufgabe Klimakrise zu bewältigen, unglaublich stark“, klagt sie.

Ihre spontane Zusicherung: „Wenn wir darauf verzichten könnten, wenn wir die Versorgungssicherheit herstellen könnten, wenn wir die Wärmeversorgung absichern könnten für diesen Herbst und Winter mit den Atomkraft, dann wäre ich die erste, die dazu bereit wäre!“ ruft sie aus. „Aber das ist schlichtweg nicht der Fall.“

Hm – in praktisch allen anderen großen Industrieländern sieht man das aber ganz anders!

Flaueste Antwort

Die Talkmasterin fühlt ihr mit einem Einspieler aus Finnland auf den Zahn, in dem der dortige Grüne-Fraktionschef klar macht: „Unser oberstes Ziel ist, CO2-neutral zu werden. Der Zweck heiligt die Mittel.“ Maischbergers Anschlussfrage: „Warum sind die Finnen anders grün als Sie?“

Hoppla! Lang lacht gequält: „Jedes Land geht seinen eigenen Weg“, erwidert sie schnell und rudert dann mit beiden Händen schleunigst zurück in den sicheren Öko-Hafen: „Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien sehr viel schneller werden…“

Wütendste Attacke

Danach geht die genervte Parteichefin zum Gegenangriff über: „Sie setzen sich jetzt hin und sagen, die Regierung muss jetzt einen Plan haben!“, blafft sie den CDU-Mann an. „Nach 16 Jahren, wo Ihre Partei dafür gesorgt hat, dass wir jetzt in dieser Situation sind! Dass wir uns abhängig gemacht haben von Russland!“

Ihr aggressiver Vorwurf: „Da würde ich wirklich mal erwarten, dass man auch mal sagt: Wir haben hier einen Fehler gemacht!“, sprudelt es aus ihr heraus. „Wir haben den Karren in den Dreck geworfen! Und wenn andere diesen jetzt wieder aus dem Dreck rausziehen, dann stehen wir nicht nur am Rand und sagen: Macht mal, sondern dann helfen wir auch dabei!

Beifallheischend wirft sie den Kopf zurück, und die Talkmaster registriert amüsiert: „Herr von Hirschhausen klatscht!“

Kühlster Konter

„Diese Kritik ist nicht legitim, sie ist auch wohlfeil“, wehrt sich Frei. „Warum haben wir die Abhängigkeit? Sprechen Sie mal mit Koalitionspartnern. Gerade in der SPD…“

Weiter kommt er nicht, denn der Talkmasterin wird es plötzlich zu parteipolitisch: „Jetzt wollen Sie aber nicht sagen, wir waren es nicht, es war die SPD!“, stoppt sie ihn.

Wieso eigentlich nicht? Das erste Röhrengeschäft mit dem Kreml fädelte 1970 schon der erste SPD-Kanzler Willy Brandt ein, und „Nord Stream“ setzte 2005 Putin-Freund Schröder ins Werk. Schon vergessen?

Emotionalste Schilderung

Zum Schluss erzählt Deutschlehrerin Polonska, aus Kiew zugeschaltet, wie sie auf der Flucht aus Butscha im Auto nach fünf Minuten von allen Seiten beschossen wurde: „Ein Wunder, dass ich am Leben bin“, berichtet sie stockend. „Die Ärzte im Krankenhaus hatten riesige Angst, weil sie überhaupt nicht wussten, womit anzufangen!“

Ihr erschütternder Bericht: „Es gab sehr viele Splitterverletzungen. Außerdem war ich schwanger. Mindestens ein Jahr lang werde ich noch behandelt. Mein Mann ist sofort gestorben. Ich habe es gesehen und mich im Reflex nach vorne gebogen. Ich hatte meinen Hund in meinen Armen. So habe ich ihn gerettet.“

Zitat des Abends

Putins Armee hat moderne Waffen, aber keine moderne Führung. Sie ist immer noch die gleiche brutale Armee wie vor 20 Jahren in Tschetschenien.“ Sabine Adler

Fazit

Mehr Aggression als Argumente, mehr Ideologie als Information, Parteitaktik statt Problemlösungen und als Hauptakt ein Krawalltalk im Kesselflickerstil: Das war eine Redeschlacht der Kategorie „Gefangene werden nicht gemacht“.

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