Teletäglich

Wahlkampf bei Anne Will: Armin Laschets Retourkutsche gegen die Kanzlerin

„Anne Will: Von Corona-Krise bis Klimapolitik – kann die Union noch Kanzleramt?“ ARD, Sonntag,9.Mai 2021, 21.45 Uhr.

Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag ungewohnt heftig auf Vorwürfe reagiert, die Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Ausgabe der Talkshow vom 28.März erhoben hatte.

Wörtlich sagte der CDU-Chef dazu: „Das ist ein besonders amüsantes Beispiel! Wir haben die Strategie 1:1 umgesetzt!“

Das Rennen um den Großen Preis von Deutschland ist gestartet: Grün hat die Pole Position, Schwarz muss jetzt tüchtig Gas geben, Rot kommt erst mal aus der zweiten Reihe. Anne Wills Gäste:

Laschet liegt in den Umfragen deutlich hinten.

Die „Fridays for Future“-Aktivistin Luisa Neubauer (Grüne) verkauft Parteipropaganda als Weltrettungslehre.

Die Politologin Prof.Ursula Münch unkte: „Laschet war nie der ideale Kandidat und von Anfang an ein tendenziell schwacher Vorsitzender.

Der Journalist Martin Machowecz („Zeit“) veräppelte Laschet als „eine Art Angela Merkel mit Krawatte“.

Heißester Start

Die Talkmasterin stellte den Grill sofort auf volle Kraft: „Erweist es sich als Fehler, dass die Union mit Ihnen und nicht mit Markus Söder antritt?“ fragte sie nach einem Einspieler über die aktuelle Zustimmung zu Parteien und Bewerbern.

Der Kanzlerkandidat blieb cool: „Ich habe schon viele Umfragen erlebt“, antwortete er routiniert und erinnerte an die NRW-Landtagswahl von 2017, die er trotz aller Unkenrufe gewann.

Laschets gelassene Kampfansage: „Lassen Sie uns in den Wettstreit um die Ideen eintreten! Und da bin ich sicher, dass wir am Ende gewinnen.“

Cleverstes Wuchern mit den Pfunden

Für den Wahlkampf sagte der CDU-Chef voraus: „Ich glaube, dass man fragen wird: Wem traue wir zu, die Folgen dieser Pandemie zu bewältigen?“

„Es werden riesige Folgen sein“, kündigte Laschet dazu an und zählt auf: „Wirtschaftliche Folgen, das Insolvenzrecht endet, die Kurzarbeit endet. Viele Defizite in der digitalen Verwaltung. Europa steht vor riesigen Aufgaben…“

Klar sei jedenfalls, so der CDU-Chef: „Bei allem, was nach der Krise kommt, wird entscheidend sein, dass Europa das zusammen macht!

Kühnste Behauptung

Will bohrte trotzdem weiter in der Umfrage-Wunde: „Es ist im Moment so, dass Markus Söder als der Aussichtsreichere begriffen wird. Und außerdem als der Kandidat der Basis gilt, Sie aber im Gegensatz dazu als Kandidat des sogenannten Hinterzimmers gelten…“

Prompt presste Laschet das ganz große Dampfbügeleisen auf die lädierte Parteifahne: „Der Bundesvorstand, fünfzehn Landesverbänden, Mittelstandvereinigung, Sozialflüge, Junge Union – alle waren mit großer Mehrheit der Meinung, wir haben die größten Chancen mit meiner Kandidatur!“

Ungeduldigste Antwort

Die Talkmasterin wollte ihn weiter piesacken: Markus Söder sei mit dem Macher-Image durch die Krise gekommen, meint sie, aber „bei Ihnen blieb eher hängen: Der schlingert, der sagt mal so, mal so…“

„Ich verstehe, dass Sie Freude an Markus Söder haben“, lächelte Laschet leicht verkniffen, „aber mich hat in der Corona-Pandemie weder Umfrage noch Markus Söder interessiert. Kinder, Bildung, Schule ist ein wichtiger Bereich…“

Ärgerlichstes Zwischenspiel

„Und Möbelhäuser“, erinnerte ihn die Talkmasterin an die umstrittenste seiner Lockerungen vom April vergangenen Jahres.

An der Stirn des CDU-Chefs wurde eine Ader dick: „Das ist eine Albernheit, Frau Will!“ murrte er.

Überraschendste Erklärung

Der nächste ARD-Einspieler zeigte, wie die Bundeskanzlerin den NRW-Ministerpräsidenten bei „Anne Will“ knallhart in den Senkel stellte, weil er mit seinen Lockerungen für den Einzelhandel gegen gemeinsame Beschlüsse verstoßen habe.

„Das ist ein besonders amüsantes Beispiel“, sagte Laschet jetzt dazu. „Wir haben die Strategie 1:1 umgesetzt, aber an unserer Strategie festgehalten, Einzelhandelsgeschäften eine Öffnung zu ermöglichen, wenn jemand mit einem Test kommt, damit wir mehr Menschen zum Testen bringen.“

Interessanteste Rückschau

„Das nennt man Click & Meet“, erläuterte Laschet weiter. „Zwei Wochen nach uns hat das auch Bayern eingeführt. Und als Angela Merkel jetzt im Bundestag die Bundesnotbremse beschlossen hat, ist Click & Meet vorgesehen.“

Laschets schlaue Schlussfolgerung: „Insofern ist die Bundeskanzlerin jetzt an dem Punkt, an dem ich während der Anne-Will-Sendung war.“ Heidewitzka!

Eleganteste Kanzlerin-Schelte

„Werden Sie missverstanden?“ fragte die Talkmasterin spitz.

„Nein“, lächelt der CDU-Chef kühl. „Sie haben ja auch geschickt gefragt, Frau Will, das muss man ja auch zugeben.“

Dann aber flog ein giftiger Rache-Pfeil in Richtung Merkel: „Sie hat gesagt, das macht sie nicht froh“, kommentierte der CDU-Chef die Merkel-Kritik an seinen Lockerungen. „Ich bin froh, dass wir jetzt an dem Punkt sind, bei dem ich in dieser Sendung war.“

Ui! Laschet als Frühdurchblicker und Merkel als Merk-Späti?

Wichtigste Ankündigung

Auf Wills Frage nach Team und Programm der Union stellte Laschet klar: „Die CDU hatte verabredet, so wie in den letzten drei, vier Wahlkämpfen unser Wahlprogramm sehr spät zu machen, um auch auf aktuelle Entwicklungen Antworten geben zu können.“

„Jetzt war der Plan: erst im Juli“, schilderte der Parteichef seine aktuelle Überlegung. „Ich habe gesagt, nein, das muss schneller sein. Wir werden es im Juni machen. Es wird ein ambitiöses Programm sein.“

Kernigste Antwort

Als Laschet Europa und China als Schwerpunkte seiner Politik ankündigte, moserte die Talkmasterin: „Da höre ich jetzt keinen Unterschied zu SPD und den Grünen!“

Doch der CDU-Chef ist selbstbewusst genug für eine ganz klare Kante: „Es geht nicht um Unterschiede, es geht um mich!

Gefährlichste Frage

Nach einem ARD-Einspieler über den umstrittenen CDU-Bundestagskandidaten und ehemaligen Verfassungsschützer Hans-Gerg Maaßen sagte Laschet klipp und klar: „Es wird sich jeder die Zähne ausbeißen, wenn es um die Frage der AfD geht. Mit denen wird nicht geredet, nicht gesprochen, nicht kooperiert und nicht koaliert.“ Rumms!

„Zeit“-Machowecz wollte gern wissen, wie Laschet das nach einem schlechten Wahlergebnis in Magdeburg verhindern wolle. Antwort des CDU-Chefs: Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der jetzt wiedergewählt werden möchte, werde „alles dafür tun, dass diese klaren Werte durchgesetzt werden.“ Basta!

Zuversichtlichste Erklärung

Der nächste ARD-Einspieler zitierte zwei CDU-Fraktionsvizechefs aus dem Landtag von Sachsen-Anhalt: „Die CDU ist gut beraten, dem linken Mainstream aus gesteuertem Gutmenschentum und Klimaverständnis durch eine deutliche Politik mit klaren Aussagen zu begegnen“, heißt es darin. „Es muss wieder gelingen, das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen.“

Maaßen habe die Regeln der CDU verstanden, sagte Laschet dazu, „und deshalb habe ich keine Sorge, dass er sich an diese Regeln nicht hält.“

Streitfrage des Abends

Sie legitimieren rassistische, antisemitische, identitäre und wissenschaftsleugnerische Inhalte!“ fuhr Neubauer den CDU-Chef daraufhin wütend an.

„Ich find es erheblich, was Luise Neubauer sagt!“ assistierte die Talkmasterin eifrig.

„Wo wird die Grenze überschritten?“ wollte die Professorin ganz genau wissen.

Prompt ging der Zoff wieder los

„Maaßen verbreitet antisemitische und rassistische Inhalte“, wetterte Neubauer.

Laschet war sofort hellhörig: „Was denn zum Beispiel?“ fragte er. „Antisemitismus?“

„Ja!“ behauptete die Aktivistin. „Von Blogs, die genau das treiben! Das wissen Sie!“

„Das weiß ich nicht“, wunderte sich Laschet.

„Ja! Bitte setzen Sie sich damit auseinander!“ forderte ihn Neubauer auf. „Sie sollten das wissen!“

Ungewöhnlichster Dialog

„Es hat noch niemand gesagt, dass Hans-Georg Maaßen antisemitisch ist“, stellte Laschet fest.

„Er verbreitet die Inhalte, und das ist auch nachgewiesen, vielfach!“ wiederholte Neubauer. „Und darüber sollten Sie informiert sein!“

Doch so leicht ließ sich der CDU-Chef nicht vor Neubauers Tribunal zerren: „Ich sage Ihnen: Er ist kein Antisemit, und er verbreitet auch keine antisemitischen Texte“, erwiderte er energisch. „Wenn er es täte, wäre das ein Grund zum Parteiausschluss. Es gibt nichts, wo ich so rigoros werde wie bei Antisemitismus!“

Durchsichtigstes Ausweichmanöver

Mit Belegen für ihren Antisemitismus-Vorwurf konnte die Grüne allerdings nicht dienen. „Aber Rassismus ist noch o.k.?“ fragt sie stattdessen provozierend. „Oder wo ist da die Grenze?“

Doch Laschet war das Thema sichtlich zu ernst für ein substanzloses Talkgeplänkel: „Jetzt sind Sie erst mal bei dem einen Vorwurf, und den müssen Sie mir jetzt belegen, wo Maaßen Antisemit ist“, forderte er Neubauer auf und versprach: „Wenn er es ist, werde ich handeln.“

Da verstummte die Aktivistin, doch die Talkmasterin eilte ihr zu Hilfe: „Das schauen wir uns noch an“, versprach sie rasch. „Versuchen wir zu belegen. Ich weiß es jetzt aus dem Hut auch nicht.“ Faktencheck? Wir werden sehen.

Fazit: Heftige Anwürfe im Blendglanz der grünen Moralmonstranz, interessante Beispiele für von Infantilität beflügelte Wahrnehmungskünste, die Talkmasterin schaffte es diesmal leider nicht durch den Neutralitäts-TÜV. Das war eine Show der Kategorie „Vorurteilsbrei“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.