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Wahl-Talk bei Plasberg: Zoff um Trump und Biden. Röttgen vertraut fest auf Amerikas Demokratie

„Hart aber Fair: Wahlkampf mit allen Mitteln – Zerbricht Amerika an Donald Trump?“ ARD, Sonntag, 24.August 2020, 21 Uhr.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Kandidat für den Vorsitz seiner Partei, hat sich in einer aufgeregten Debatte mit einem klaren Statement gegen Befürchtungen gewandt, durch Trump sei in den USA die politische Grundordnung gefährdet.

Wörtlich sagte der Politiker, der seit 2014 den Auswärtigen Ausschusses des Bundestages leitet:

„Mein Urteil ist, dass die Institutionen der amerikanischen Demokratie funktionieren. Supreme Court, Kongress, auch das Militär funktionieren. Checks and Balances sind da!“

Nach 67 Primetime-Talks seit Februar ausschließlich über Corona hatte Talkmaster Frank Plasberg in „Hart aber Fair“ als erster endlich mal auf ein anderes Thema gesetzt. „So richtig neu war das allerdings zwar auch nicht, aber immerhin aktuell. Die Gäste:

Röttgen kritisierte besonders Trumps „Geltungs- und Vergeltungssucht“.

Der Republikaner George Weinberg, Sprecher von „Republicans Overseas“, lobte: „Trump ist der erfolgreichste Präsident seit Abraham Lincoln, weil er nicht nur redet, sondern auch tut, was er verspricht!“

Die Komikerin Tamika Campbell schimpfte: „Joe Biden hat zwar auch nie was für die Schwarzen gemacht, aber da muss man halt in den sauren Apfel beißen. Denn alles ist besser als Trump!“

Ansgar Graw, Chef des Debattenmagazins „The European“, spottete: „Wenn unter Obama alles so super gelaufen wäre, wie es gerne verklärt dargestellt wird, wäre Trump nie Präsident geworden.

‎ Christiane Meier, Chefin des ARD-Studio in New York, urteilte: „Trump ist eine Gefahr für die Demokratie!“

Frank Kracht (Linke), Bürgermeister von Sassnitz auf Rügen, fürchtet US-Sanktionen wegen der Putin-Pipeline Nordstream 2“.

In deutschen Medien findet Trump kaum noch Fürsprecher. Und bei Plasberg?

Deutlichster Wegweiser

Plasberg zeigte schon mit der ersten Frage, wohin die Reise gehen sollte: „Was muss man ausschalten, wenn man Trump wählen will: den Verstand oder das Herz?“

Weinberg konnte da noch lachen: „Ich glaube, dass man beides nicht auszuschalten braucht“, antwortete er vorsichtig.

Typischstes Beispiel

Doch damit war Plasberg natürlich nicht zufrieden: „Wenn Trump damit spielt, dass man ein Desinfektionsmittel trinkt, ist es dann nicht angebracht, den Verstand einzuschalten?“

Da war dann gleich Schluss mit Lustig. „Das hat er überhaupt nicht gemacht“, widersprach der Republikaner. Trump habe nur in einer Pressekonferenz einen seiner Experten gefragt, ob man Substanzen aus Desinfektionsmitteln auch als Medikament nutzen könne: „Das war eine Frage, keine medizinische Empfehlung!“

„Er hat damit gespielt“, beharrte Plasberg. „Das ist ja der Trick!“ Hm, es geht um Tricks – von wem? Von Trump? Oder auch von Plasberg?

Überraschendstes Statement

ARD-Kollegin Meier hatte die Antwort auf Plasbergs Startfrage sofort parat: „Man muss den Kopf ausschalten und den Verstand!“

Komikerin Campbell gab auf die Frage nach Biden eine deutlich weniger erwartbare Antwort: „Er ist nicht ein Ritter des Lichts!“ rief sie. „Er ist Pest oder Cholera! Der ist für mich, als ob er mit dem einen Fuß im Grab und mit dem anderen auf einer Bananenschale steht!

Heftigste Verbalattacke

Trump passe ihr aber noch viel weniger: „Als schwarze Frau muss ich sagen: Der ist aggressiv! Rassismus! Arschlöchigkeit! Nur seine Geldgeilheit gilt!“

Allerdings verteilte die Amerikanerin ihre Missgunst überparteilich: „Viele Leute haben Trump gewählt, weil sie verzweifelt waren. Hillary ist eine Schlange!“

Besorgteste Warnung

„Wenn Trump noch mal gewählt werden würde, wäre jedenfalls auch die letzte mögliche Hemmung weg, nämlich dass er noch mal wiedergewählt werden möchte“, stellte Röttgen fest.

Sein Vorwurf: „Er hat die Aggression immer weiter gesteigert. Auch die Spaltung und Polarisierung.“

Die Spaltung der amerikanischen Politik hat nicht mit Donald Trump begonnen“, sagte der CDU-Mann dann zwar. „Aber er habe diese Spaltung geradezu eingesetzt als Methode, um Macht zu gewinnen und zu verteidigen.“

Wirrste Sprüche

Obama war eine Marionette“, meinte die Komikerin. „Er war noch nicht mal sehr dunkel.“

Plasberg konnte kaum glauben, was er da hörte. „Machen Sie da eine Abstufung zwischen sich und Obama, der ein bisschen heller ist?“ fragte er verdutzt. „Ist das nicht Rassismus?“

„Das ist rassistisch!“ gab die Amerikanerin umstandslos zu. „Was ich als schwarze Frau merke: Wenn die einen Schwarzen nehmen, dann immer einen, von dem sie glauben, den können sie kontrollieren.“

Interessanteste Behauptung

„95 Prozent der amerikanischen Medien, und in Deutschland ist es genauso, sind gegen Trump“, beschwerte sich Republikaner Weinberg.

„Trump hat die Meinung, Journalisten recherchieren“, konterte Plasberg.

Medienschelte des Abends

Das Problem ist, dass Journalisten, auch in Deutschland, Politik machen“, setzte der Amerikaner nach. „Wenn sie sich auf eine Seite stellen, und ARD und ZDF sind ganz stark darin, eine bestimmte Richtung zu verfolgen, die Richtung CNN, dann ist das nicht in Ordnung!“

ARD-Meier wurde unruhig: „Also hier muss ich mal reingrätschen!“

Doch Plasberg wollte die Abwehrarbeit lieber selbst übernehmen: „Wir müssen nicht über jedes Stöckchen springen, das uns hingehalten wird!“

„Die Lügen von Trump haben schon im Wahlkampf begonnen“, wetterte Graw etwas energischer. „Trump lügt so normal, wie wir atmen!“

Umstrittenstes Thema

Ein ARD-Einspieler dokumentierte die Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung in den USA auf praktisch allen Gebieten. Doch Weinberg erklärte ungerührt, unter Trump hätten die Schwarzen die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 60 Jahren.

„Das Problem sind die sozialen Verhältnisse“, erklärte der Republikaner. „Polizisten sind keine Sozialarbeiter!“ Und wo es aus sozialen Gründen mehr Verbrechen gebe, seien die Polizisten „emotional sensibilisiert“.

Aber, so Weinberg: „Sachen wie mit George Floyd sind schrecklich, sowas darf nicht passieren!“

Deutlichste Klarstellung

„Natürlich haben auch Polizisten Angst, sind auch Polizisten gefährdet“, sagte die ARD-Korrespondentin. „Natürlich müssen sie davon ausgehen, dass auch mal jemand bewaffnet ist!“

Weinberg setzt noch einen drauf: „Ich würde jeden Polizisten, jeden Feuerwehrmann, Mann und Frau, jeden Soldaten am liebsten umarmen und ihn danken für den Dienst, den sie für uns machen.

Sein Credo: „Um einen schlechten Mann mit einer Waffe zu stoppen, brauchen Sie einen guten Mann – auch mit einer Waffe!

Dramatischste Befürchtung

Zu Trumps dunklen Andeutungen, ihn könne womöglich ein riesiger Wahlbetrug das Amt kosten, sagte die ARD-Korrespondentin sichtlich besorgt: „Wenn es ein knappes Ergebnis gibt, kann es sein, dass es aggressive Demonstrationen gibt – von beiden Seiten!“

Weinberg macht noch einmal ordentlich Stimmung: „Es sind die Linken, die Antifa, die Unruhe machen“, wetterte er. „Das sind die Leute, die die Kirchen anzünden, die auch bewaffnet sind, die Denkmäler herunterreißen! Und wir haben von Biden oder Harris nichts darüber gehört!“

Pointierteste Meinungen

Plasberg-Assi Brigitte Büscher las Zuschauer-Zuschriften vor. Kostproben: „Der Wahlkampf in den USA war immer schmutzig und wird es auch diesmal sein.“

Trump ist seit Jahrzehnten der erste Präsident, der keinen Krieg angefangen hat wie all seine Vorgänger samt Friedensnobelpreisträger Obama.“

„Diese Angsthasenmentalität ist einem Trump fremd, und selbst wenn er die Wahl verlieren sollte, dann eben mit Rückgrat.“

Schlappste Erklärung

Im Einzelgespräch erklärte der Linke-Bürgermeister von Saßnitz, vor den von drei US-Senatoren angedrohten Sanktionen wegen der neuen Pipeline habe er zwar keine Angst, aber Sorgen mache er sich trotzdem.

„Sie haben eine Partnerstadt: Port Washington in Wisconsin“, sagte Plasberg. „Haben Sie Ihren Freunden dort erzählt, was passiert ist? Was sagen die?“

Antwort des Bürgermeisters: „Also im Moment habe ich noch keinen telefonischen Kontakt dorthin, weil das einfach meine Zeit nicht zulässt.“ Hm – das nennt man dann wohl eine verpasste Gelegenheit.

Klarste Meinungsäußerung

Auch Röttgen ist gegen Nordstream 2: „Ich halte es für falsch“, sagte er klipp und klar. „Die Mehrheit der Europäer war dagegen. Die Osteuropäer, die Polen, die Balten verstehen das als eine Frage ihrer nationalen Sicherheit. Es passt auch nicht zu unseren energiepolitischen Beschlüssen!“

Entschiedenste Antwort

Zum Schluss wollte Talkwart Plasberg den Trump-Unterstützer noch mal so richtig vorführen. Seine Frage an Weinberg: „Die Zahl der Lügen von Trump ist hoch. Wie kann man Kinder und Enkelkinder zur Wahrheit erziehen, wenn man einen solchen Präsidenten unterstützt?“

Uff! Da zog der Amerikaner die Notbremse: „Das ist eine suggestive Frage, die ich – seien Sie mir nicht böse – seriös nicht beantworten kann!“ Höflich, aber bestimmt!

„Okay“, sagte Plasberg, bohrte aber ungerührt weiter: „Sagen Sie mir auch, warum Sie die nicht beantworten können?“

„Weil sie einfach falsch ist“, antwortete Weinberg darauf trocken. Klares Patt!

Ehrlichstes Kompliment

Zum Schluss sagte der Republikaner: „Ich finde die Sendung sehr gut, weil Sie mich eingeladen haben. Mutig! In den meisten Sendungen gibt es keinen einzigen, der die andere Position vertritt. Es ist immer nach dem Motto ‚Haut den Lukas‘!“

Fazit: Endlich gärte mal neuer Wein im alten Schlauch! Aber leider: Zu viele Fragen an der Grenze zur Gesinnungsprüfung, Rachesprüche aus dem Wortfeld der Verächtlichmachung und Verstiegenheiten bis zum Gehirnlockdown. Das war eine Talkshow der Kategorie „Trockengewitter“: laut, aber unfruchtbar!

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