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Waffen-Zoff bei Maybrit Illner: Merz schießt gegen Scholz und Lambrecht

„Maybrit Illner: Werte, Waffen, Wirtschaftskraft – mit aller Macht gegen Putin?“ ZDF, Donnerstag, 7.April 2022, 22.15 Uhr.

Kriegsverbrechen nach Plan, Massenmorde auf Befehl und die nächste Großoffensive steht unmittelbar bevor! Maybrit Illners Gäste:

Friedrich Merz (66, CDU). Der Oppositionschef ärgert sich über den Kanzler: „Da werden Fragen beantwortet, die ihm gar nicht gestellt worden sind. Und die Fragen, die ihm gestellt worden sind, beantwortet er nicht!“

Christian Dürr (44, FDP). Der Fraktionschef vertritt seinen Parteichef, der noch mit den Ministerpräsidenten verhandelt.

Kateryna Mishchenko (37). Die Verlegerin schimpfte schon vor acht Wochen bei Illner, dass „für die Deutschen die Geschäfte oft wichtiger sind als die gelobten europäischen Werte.“ Was sagt sie heute?

Stefan Wolf (60). Der Arbeitgeberpräsident warnt: „Bei einem Gas-Embargo steht die Hälfte der Betriebe still!“ Er wird aus Stuttgart zugeschaltet.

Prof. Carlo Masala (54). Der Militärexperte findet Deutschlands Agieren bei Waffenlieferungen „beschämend“.

Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, aber auch eine direkt Betroffene, und da sind die Sympathien beim Zoff-O-Meter klar priorisiert!

Bewegendste Lagebeschreibung

Die Ukrainerin ist vor zwei Wochen mit ihrem Sohn aus Kiew geflüchtet. „Wir haben vorher diskutiert: Wohin können wir fahren, wenn etwas passiert?“, berichtet sie über den ersten Kriegstag. „Aber am Morgen war klar: Das ganze Land ist angegriffen. Überall Explosionen!“

Die Drohung kommt vom Himmel“, schildert sie bedrückt. „Wir können wirklich nichts dagegen machen. Wir sehen auch den Feind nicht. Überall ist es gefährlich, das war sofort klar.“

Erschütterndste Einschätzung

„Manche wundern sich, warum wir immer noch so sicher sind, dass die Ukraine gewinnt“, erklärt sie dann. „Es gibt auch eine Stimmung, dass es bald vorbei ist.“ Aber: „Das ist wahrscheinlich eine Schutzreaktion.“

„Ich versuche, realistisch zu bleiben“, fügt sie hinzu. „Wenn ich die schrecklichen Nachrichten lese, denke ich, wir stehen erst am Anfang. Wir werden noch schlimmere Sachen erfahren. Das ist etwas, worauf ich mich innerlich vorbereite.“

Klarsichtigste Kritik

Über die Unterstützung aus Deutschland urteilt Mishchenko höflich: „Ich glaube, man muss ein bisschen schneller sein.“ Und über die Talkshow von vor zwei Monaten sagt sie: „Viele Sachen, die wir damals diskutiert haben, vor allem Waffenlieferungen, sind ja jetzt klar.“ Heißt: Hätte man längst beschließen können!

Ihre Hoffnung: „Jetzt gibt es andere Fragen auf dem Tisch. Man muss einfach schneller sein. Ich habe das Gefühl, diese Entscheidungen, die heute unmöglich aussehen, werden in zwei Wochen ganz einfach getroffen werden können.“ Rumms!

Schmerzlichste Analyse

„Werden wir sehen, dass Putin unter Druck immer brutaler wird?“, fragt die Talkmasterin beklommen.

Irrtum! „Das, was wir in Butscha erlebt haben, die systematische Vergewaltigung von Frauen, die Exekutionen von Zivilisten, ist ein Teil russischer Militärstrategie“, stellt Prof. Masala klar. „Russland muss sich zurückziehen und begeht im Lauf dieses Rückzugs genau diese Vernichtungen.“

Seine Befürchtung: „Wer werden davon noch viel, viel mehr sehen, in Städtchen wie Mariupol. Da geht es darum, den Widerstand der ukrainischen Zivilbevölkerung zu brechen. Sie zu demütigen, um sie von ihrer Armee zu distanzieren, weil die Bevölkerung kriegsmüde ist, was Auswirkungen auf Selenskij und die militärische Führung hat.“

Ehrlichste Selbstkritik

„Wir sehen diese Bilder nicht zum ersten Mal“, erinnert Merz. „Sie waren früher nur weiter weg, in Grosny, in Aleppo. Wir haben wirklich geglaubt, das könnte hier nicht stattfinden. Jetzt findet es hier statt, und es öffnet uns die Augen. Was die Ukraine leistet und erduldet, ist wirklich herzzerreißend!“

„Wir waren naiv“, assistiert Dürr. „Wir haben noch vor ein paar Monaten über Nord Stream 2 gesprochen. Das ist ja im Nachhinein fast absurd!“

Ungewöhnlichste Lösungsvorschläge

„Deutschland hat drei Optionen“, doziert der FDP-Mann. „Das erste wäre ein direkter Eintritt in den Krieg. Das ist keine Option.“ Uff! Da waren’s nur noch zwei. Wieso wird dann überhaupt darüber gesprochen?

Die zweite Option klingt schon besser: „Wir müssen die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland abbrechen!“, fordert Dürr ohne Rücksicht auf Verluste. „Und das dritte sind Waffenlieferungen.“

Ökonomischster Standpunkt

Der Arbeitgeberpräsident soll die Interessen der deutschen Wirtschaft retten und haut entsprechend in die Tasten. Es gehe „um die Verantwortung für unglaubliche viele Menschen“, warnt er und reiht Reizwörter aneinander: Lieferketten! Massenarbeitslosigkeit! Viele kleine und mittlere Unternehmen!

Sein kraftvolles Argument: „In dieser Situation brauchen wir ein starkes Deutschland, eine starke Wirtschaft, weil, wir müssen uns autark machen von russischem Gas, und da brauchen wir enorme Investitionen, in Windkraftanlagen.“ Horrido!

Dann gibt es Zoff

„Wir haben hier abzuwägen“, stellt Merz fest, „aber nicht die eine Moral gegen die andere, oder die Moral gegen die Wirtschaft!“ Und: „Wir müssen nicht zum härtesten Mittel gegen uns selbst greifen, mit ungewissem Ausgang!“

Prof. Masala platzt der Kragen: „Wir müssen bei den Waffenlieferungen verdammt noch mal aufs Gas steigen!“, wettert er los. „Wir sind die fünfgrößte Volkswirtschaft! Wir profitieren enorm von Sicherheit und Stabilität! Da können wir nicht so eine In-Between-Haltung einnehmen!  Alle reden zu viel über Waffenlieferungen. Man sollte es einfach machen!“

Unerwartetste Richtigstellung

„Die Ukrainer sind keine Helden“, meldet sich die Verlegerin. „Das sind einfach Menschen, die leben wollen. Die sich schützen wollen. Und die auch Verantwortung übernehmen für ihr Land. Das ist die Stärke in diesem Kampf.“

Über die deutsche Russland-Politik meint sie: „Es war keine Naivität. Es war Pragmatismus, und eine Intention, wegzuschauen.“ Treffer!

Und wieder Zoff

Illner schielt knapp an einer besonders schwungvollen Stirnlocke vorbei und kriegt den Militärexperten in den Blick: „Nun meldet sich auch Winfried Kretschmann zu Wort“, berichtet sie, „und sagt, ein Gas-Importstopp verhindert keine Kriegsverbrechen.“

Holla die Waldfee! Der Professor kocht sofort wieder hoch. „Das ist ein komplett naives und dummes Argument!“, schimpft er. „Sanktionen werden den russischen Staat so in die Knie zwingen, dass er in fünf Monaten pleite ist, dass ihm das Geld ausgeht, Soldaten zu bezahlen. Auch wenn dann beim Rausgehen der Truppen noch alles getötet wird, was sich in den Weg stellt.“

Energischste Ankündigung

„Das Ziel der Sanktionen muss sein, dem industriell-militärischen Komplex dieses Landes das Rückgrat zu brechen“, erklärt Merz. „Ich spreche es einfach aus: Dafür zu sorgen, dass diese Kriegsmaschinerie zusammenbricht!“

Peinlichstes Ablenkungsmanöver

Die Talkmasterin nimmt eine Sollbruchstelle der Ampelkoalition ins Visier: Es sei „auch kein gutes Kapitel“, dass „die Verteidigungsministerin regelmäßig sich selbst lobt und sagt, was wir alles schon Tolles in die Ukraine gebracht habe, und dann immer die ukrainische Seite sagt, das das leider alles nicht stimmt, dass sie lügt.“ Puh!

Der FDP-Fraktionschef guckt betreten auf den Tisch. „Deutschland tut auch militärisch was“, schwurbelt er dann drauflos. „Ich bin durchaus offen dafür, wie wir mehr liefern können. Aber wenn man Waffen liefert, muss man auch Munition liefern.“ Halleluja!

Schlappster Abwehrversuch

Dann wirft sich Dürr doch noch vor die angeschossene Koalitionskollegin: „Aus einem ganz pragmatischen Grund muss ich die Verteidigungsministerin verteidigen“, meldet er sich und kommt mit dem abgeranzten Argument um die Ecke, Waffenlieferungen müssten nun mal geheim bleiben. Geschenkt!

Wutanfall des Abends

Merz ärgert sich die Platze über das stoische Durchscholzen des Kanzlers bei der Ukraine-Debatte am Mittwoch im Bundestag: „Wir werden hier bewusst im Nebel gehalten!“, grollt er.

Sein überzeugendstes Beispiel: „Die Verteidigungsministerin behauptet: Wir sind der zweitgrößte Lieferant. Und dann wird nachgefragt, woran das denn bemessen wird. Antwort aus dem Verteidigungsministerium, halten Sie sich fest: Nach dem Gewicht der Waffen!“

Härtester Vorwurf

„Parlament und Öffentlichkeit werden von dieser Bundesregierung getäuscht!“ wütet Merz weiter. „Zum Teil sagt die Verteidigungsministerin die Unwahrheit! Sie sagt, es seien Verabredungen mit der Ukraine getroffen worden wegen der Geheimhaltung. Das ist von der ukrainischen Regierung zweimal glasklar dementiert worden!“

Seine bedenklichste Info: „Wir wissen, dass es in der Bundesregierung massive Unstimmigkeiten zwischen Kanzleramt, Verteidigungsministerium und Wirtschaftsministerium gibt, die die Exportgenehmigung erteilen müssen!“, empört sich der Oppositionsführer. „Es liegt im Kanzleramt, und dort kommt es nicht raus!“

Wichtigste Frage

„Sie sagen, eigentlich ist Olaf Scholz dafür zuständig?“, zündelt die Talkmasterin.

Jetzt ist der Bock aber fett! „Das ist Chefsache“, donnert Merz in die Runde. „Er hat die Richtlinienkonferenz! Und dann wird die Außenministerin aus dem Nato-Rat zurückgerufen, weil sie hier um die Mehrheit fürchten, beim Impfgesetz! Stellen Sie sich den Eindruck vor, der da in Brüssel entsteht!“

Zornigste Forderung

Illner löscht mit Benzin: „Bleiben wir bei der Verteidigungsministerin“, erkundigt sie sich mit Unschuldsmiene. „Ist sie eine gute?“

Da macht Merz endgültig keine Gefangenen mehr: „Nein!“ ballert er los. „Sie ist völlig überfordert! Sie ist immer ungeeignet gewesen! Vom ersten Tag an! Sie ist eine reine Notlösung, und man merkt das jeden Tag.“ Halali!

Fazit

Die Ukrainerin konnte am Ende nur staunen: Munteres Kesseltreiben über Stock und Stein, Feuer aus allen Rohren, zum Finale ein Blattschuss. Das war eine Talkshow der Kategorie „Ausgemerzt“.

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