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Virus-Talk bei Maischberger: Schwesig will bei der Corona-App weniger Datenschutz

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 25.November 2020, 23.25 Uhr.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch deutlich signalisiert, dass sie sich Verbesserungen der umstrittenen Corona-Warnapp auch auf Kosten des Datenschutzes vorstellen könne.

Wörtlich sagte die Politikerin nach einer Konferenz mit Kollegen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir haben sehr stark das Signal gesetzt, wir würden uns dafür einsetzen, dass in der Corona-App noch mehr digitale Möglichkeiten sind.“

Wolkigste Selbstkritik

Da gibt es ja immer datenschutzrechtliche Fragen“, fügte Schwesig hinzu, „und ich will durchaus zugeben, dass ich am Anfang auch sehr skeptisch war, weil irgendwie so das ganze Tracking und Datenspeichern, da bin ich immer sehr hellhörig: Was bringt das, und wie schädlich ist das bei Bürgerrechten?“

Aber, so die Ministerpräsidentin: „Wir sind der Überzeugung, dass mehr möglich wäre bei der Corona-Warnapp, und da hatte ich heute den Eindruck … Ja, da ist noch Luft nach oben, da kann der Bund noch zulegen.“ Na also – geht doch!

Corona hat uns wieder voll im Griff: Weihnachten wankt, Silvester schwächelt, kommt erst zu Ostern die Auferstehung? „maischberger. die woche“ diskutiert die Beschlüsse der Ministerpräsidenten vom Tage. Die Gäste:

Schwesig tritt bei besonders strengen Corona-Verboten sonst gern mal auf die Bremse.

Der Physiker und Epidemiologe Dirk Brockmann lehrt: „Alles, was Kontakte reduziert, ist effizient!“

Der Lungenarzt Cihan Çelik war selbst schwer an Corona erkrankt.

Der Rapper Smudo („Die Fantastischen Vier“), bürgerlich Michael Bernd Schmidt, gestand: „Ich habe wie viele da draußen auch gelernt, dass man gar nicht für alles raus muss!“

Die Publizistin Lamya Kaddor will in Duisburg für den Bundestag kandidieren.

Der Journalist Hans-Ulrich Jörges (Ex-„Stern“) wurde zuletzt in einer TV-Kritik wegen „Unwissenheit, Stammtisch-Parolen und absurder Übertreibungen“ mächtig in die Pfanne gehauen.

Der Kolumnist Markus Feldenkirchen („Spiegel“) fordert: „Mehr Covintelligenz, bitte!“

Die Talkshows wechseln, das Thema bleibt, genauso wie viele Gäste und ihre Meinungen: „Kurzatmig und hilflos!“ schimpfte Jörges über die Corona-Politik. „Dem Virus ist es scheißegal, ob Weihnachten ist!“ wetterte Feldenkirchen.

Deutlichste Ansage

Die Ministerpräsidentin wurde aus Schwerin zugeschaltet. „Die Infektionslage erfordert, dass wir die Kontakte massiv einschränken!“ machte sie klar.

Weihnachten hat indes auch für Schwesig eine besondere Bedeutung: Das „große Adventsessen“ mit der ganzen Verwandtschaft sei abgesagt, aber im kleinen Kreis werde natürlich gefeiert, denn: „Ich glaube fest daran, dass diese Zeit für den sozialen Zusammenhalt wichtig ist!“

Ehrlichstes Statement

Ich gehe davon aus, dass wir auch noch im Januar Kontaktbeschränkungen brauchen“, sagte die Ministerpräsidentin voraus. Wichtig sei nun „eine gute Balance zwischen dem, was möglich, und dem, was nötig ist.“

Zu den drängenden Fragen vor allem aus der Wirtschaft sagte Schwesig klipp und klar: „Niemand kann in dieser Pandemie seriös eine Planungssicherheit geben!“

Kritik durfte trotzdem sein: „Der Bund konnte auch heute nicht valide sagen, wo sich die Schüler anstecken“, bemängelte die SPD-Politikerin.

Berechtigtste Beschwerde

Publizistin Kaddor unterrichtet als Religionslehrerin in Duisburg und ist sauer: „Ich stehe in einem kleinen Raum mit dreißig Leuten“, klagte sie. Maske, immer wieder Lüften, deshalb viel Lärm, doch: „Geschützt fühle ich mich trotzdem nicht!“

Coolste Begründung

Die Talkmasterin rügte ein „föderales Durcheinander“, doch das kam bei der Ministerpräsidentin gar nicht gut an: „Das ist kein föderales Durcheinander!“ konterte Schwesig, sondern „es ist wichtig, vor Ort die geeigneten Maßnahmen zu treffen!“

Zwar sei die Zahl der Infektionen in ihrem Bundesland vergleichsweise gering, doch, so die Ministerpräsidentin über frühere Beschlüsse der Kollegen: „Hätten wir nicht mitgemacht, wären wir heute Risikogebiet.“ Rumms!

Überflüssigste Attacke

Der „Spiegel“-Mann nahm die ganze Ministerpräsidentenrunde aufs Korn – besonders einen ganz bestimmten: „Da gibt’s im Stil manches zu kritisieren“, meinte er. „Natürlich gibt‘s Schauspiele in diesem Gremium, die sich in ihrer Rolle sehr, sehr gut gefallen!“

Maischberger ließ die Vorlage nicht ungenutzt: „Wen meinen Sie denn?“ fragte sie prompt.

Und ebenso prompt antwortet Feldenkirchen wie auf ein Stichwort, „dass Herr Söder diese Auftritte geradezu genießt, die er ja auch von der Performance her sehr geschickt macht, weil er früh gemerkt hat, dass es eine Mehrheit für klare Ansagen“ gebe, „dass man zumindest so das Gefühl erweckt, man habe alles unter Kontrolle.“ Puh!

Vergiftetstes Kompliment

„Das macht er sehr gut“, fügte der „Spiegel“-Mann noch hinzu, aber: „In Wahrheit ist die Bilanz in Bayern natürlich nicht besser als in andere Bundesländern…“

Jörges holzte sofort mit: „Die ist schlechter, die Bilanz!“ rief er.

So weit mochte Feldenkirchen aber denn doch nicht gehen, stattdessen hackte er nun auf die Bundesregierung ein. Masken, App, Tests, alles irgendwie zu spät, zu wenig, zu schlecht.

Auffälligste Fehlstelle

„Ich finde, diese Kritik ist berechtigt, gerade was die Hilfsmittel angeht“, assistierte Schwesig. „Ich glaube, das kann man nicht wegdiskutieren!“

Ihr wichtigster Punkt: „Bei der Corona-App war ich heute bei den Beratungen enttäuscht, weil wir als Länder nochmal vorgeschlagen haben, und der Länderkreis ist ja parteiübergreifend, da sind ja Vertreter von SPD, CDU/CSU, Linkspartei und Grüne dabei…

Uff! Und die FDP? Immerhin regieren die Liberalen in drei Bundesländern mit!

Vorsichtigster Verbesserungsvorschlag

Deutlichste Mahnung

Wir als Wirt für das Virus bestimmen die Dynamik der Pandemie“, stellte Epidemiologe Brockmann fest. „Jeder kann dazu beitragen, dass Ding in die Knie zu zwingen!“

Nützlichste Info

Rapper Smudo, gelernter Altenpfleger, erläuterte seine Smartphone-App „luca“: „Die Corona-Warnapp ist ein Radar, der mich warnen kann, wie risikobehaftet ich heute den Tag verbracht habe. Unsere App wiederum entlastet die Gesundheitsämter.“

„Superclever“, lobte Brockmann. Jetzt komme es auf die Gesundheitsämter an. Bisher machen allerdings nur fünf davon bei „luca“ mit.

Politischstes Statement

„Ich kann verstehen, dass jetzt mancher durchdreht“, sagte Smudo über die psychische Belastung durch das Virus. Seine Sorge: „Das ist der Nährboden für Extremismus. Was mir Angst macht, ist, wie gezielt und aggressiv der von der Fascho-PR beackert wird!“

Dramatischster Alarmruf

„Es reicht nicht, wenn die Infektionskurve jetzt flacher wird“, warnte Lungenarzt Çelik. „Wir brauchen ein deutliches Absenken!“

Er selbst hatte einen atypischen, sehr schweren Verlauf: Kopfschmerzen, Halskratzen, Fiederschübe, schon nach zwei Tagen auf die Intensivstation. Dort Luftnot, Atemfrequenz 40 pro Minute, deshalb High-Flow-Sauerstofftherapie durch die Nase. Erschütternde Konsequenz: „Mir ging es zu schlecht, um Angst zu haben.

Wutanfall des Abends

Zum Schluss prangerte der „Spiegel“-Autor „peinlich dreiste historische Vergleiche“ an, dazu einen „grassierenden Geschichtsrevisionismus“ und den „Versuch rechter Strategen, die deutsche Geschichte zu ihren Zwecken, für ihre Propaganda umzudeuten.“

Feldenkirchens schlimmstes Beispiel: „Jana aus Kassel, eine 22-jährige Frau, die sich auf die Bühne stellt und sich allen Ernstes mit Sophie Scholl vergleicht! Sophie Scholl wurde für ihren heroischen Widerstand gegen das Mörderregime der Nazis geköpft. Jana aus Kassel darf mal für ein paar Monate nicht an Schaumpartys teilnehmen und muss an gewissen Orten eine Maske tragen!

Über Trump-Anwalt Rudy Giuliani, dem vor der Kamera ein Haarfärbemittel ins Gesicht rann, spottete Der „Spegel“-Mann: „Das wäre Gerhard Schröder nicht passiert!

Größte Enttäuschung

„Mich hat ein spezielles Bild vom Grünen-Parteitag geärgert“, polterte Jörges. „Da saßen die Parteivorsitzenden Baerbock und Habeck in einer Art Prenzlauer-Berg-Wohnzimmer, sehr hipp, alles in Braun. Das ist für mich der Inbegriff neugrünen Spießertums!“

Und, so der Ex-„Stern“-Mann in heller Empörung: „Auf so einem Sofa hat früher Ludwig Erhardt gesessen! Man kann daran gut erkennen, dass es offenbar das zentrale Motiv der Grünen ist, bei der nächsten Wahl auf jeden Fall mit der Union koalieren zu können.“ Au weia!

Temperamentvollster Schlusspfiff

Publizistin Kaddor ist besonders über Jogi Löw erbost: „Nach 14 Jahren könnte er doch endlich mal aufhören!“ motzte sie.

„Was mich am meisten ärgert, ist, dass der Mann nicht den Mumm hat, von selbst zu gehen“, ätzte auch Jörges. „Wahrscheinlich geht es um Geld!“ Und da will keiner widersprechen.

Durchgegartes Nachteulen-Fastfood mit klaren Kanten und satter Schwurbel-Beilage, Köchin Maischberger ließ nichts anbrennen: Das war ein Talk der Kategorie „Volle Kelle“.

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