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Virologe Streeck im Corona-Talk bei Maischberger: Ausgangssperren können auch gefährlich sein!

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 5.Mai 2021, 22.50 Uhr.

Der Virologe Prof. Hendrik Streeck hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch eine ungewöhnliche Warnung ausgesprochen.

Wörtlich sagte die Wissenschaftler: „Die Ausgangssperre wird in einigen Bereichen einen Effekt haben. Aber man kann auch annehmen, dass man damit in sozial schwachen Regionen eher in ein Lockdown-Paradoxon geht und das Infektionsgeschehen eher anheizt.“

Das gelte, so der Virologe, etwa dort, „wo die Leute sowieso nur in Hochhäusern sind und bei ihren Nachbarn nebenan klingeln können, und wo vielleicht auch eine Sprachbarriere, eine Verständnisbarriere ist.“

Dort könne, so Streeck, eine Ausgangssperre sogar schaden, „weil man den Leuten nicht die Möglichkeit gibt, sich im Freien zu treffen, wo, wie alle Aerosolforscher sagen, das Infektionsgeschehen ungleich geringer ist.“ Uff!

Zoff um Geimpfte und Genesene, Richter-Rüffel wegen Klima-Gesetz, die Linke-Lady Sahra Wagenknecht mischt mit einem Motzwerk die Selbstgerechten-Szene auf: In Sandra Maischbergers Talk-Wigwam war nicht Friedenspfeife, sondern Kriegsbeil angesagt!. Die Gäste:

Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (Linke) attackiert in ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ die „Lifestyle-Linke“.

Prof. Streeck warnte vor verfrühtem Jubel: „Das Virus wird nicht vollkommen verschwinden!

Die Intensiv-Krankenschwester Anette Segtrop fühlt sich von Politik und Gesellschaft im Stich gelassen.

Kabarettist Mathias Richling parodiert Politiker, Fernsehstars und gerne auch „Corona-Karl“ Lauterbach.

Die Kolumnistin Anna Dushime schreibt für die „taz“.

Der Journalist Markus Feldenkirchen berichtet für den „Spiegel“.

Politiker, Wissenschaftler, Praktiker und Pointen-Profis. Zur Ouvertüre tönten Paukenschläge, denn Kabarettist Richling riskierte ein ironisches Lockdown-Lob: „Ich habe so viel machen können! Die ganze Wohnung ist renoviert, die Wände sind gestrichen…“

„Spiegel“-Feldenkirchen ärgerte sich lieber im Klartext über die Lockdowns und –Offs: „Halbherzigkeit im Umgang mit halbherzigen Maßnahmen!“

Maischberger beschrieb die Lage mit einem Witz über den Lieblingswarner der deutschen Talk-Szene: „Irgendjemand hat das heute ‚Karl-Lauterbach-Überbietungswettbewerb‘ genannt!“

Und schon ging der Zoff los

Richling relativierte die Sorgen mit Zahlen: Todesrate bei Corona um die 0,1 bis 2 Prozent, bei AIDS 100 Prozent, Pest 60 Prozent. Seine Warnung: „Die Leute können nicht mehr!“

„Ich weiß nicht ganz, was Sie mit den Prozentzahlen quasi aussagen wollen“, patzte ihn Feldenkirchen an. „85.000 Tote sind mehr, als es in Deutschland hätte geben müssen! Ich weiß nicht, mit welcher Zahl Sie persönlich gut zurechtkämen! Mir war das zu viel!“

Typischster Vorwurf

„Ich finde es schwierig, das mit anderen Krankheiten zu vergleichen“, assistierte „taz“-Kolumnistin Dushime. „Ich finde, das sind auf jeden Fall zu viele Tote!“

Dann empört sie sich heftig über etwas, was gar nicht passiert ist: „Ich finde es ganz, ganz merkwürdig, auch darüber zu sprechen, wie viele Tote dann o.k. sind, oder verkraftbar sind. Ich kann da nicht mitgehen!“

„Das habe ich nicht getan!“ wehrte sich der Kabarettist und wagte einen Gegenangriff: „Ich zitiere nur noch seriöseste Leute wie (Bundestagspräsiden) Schäuble und die Welthungerhilfe, die gesagt haben, aufgrund der Lockdowns und der unterbrochenen Lieferketten warne sie vor Millionen Hungertoten.“ Rumms!

Zynischster Spruch

„Das heißt doch nicht, dass man diese Zahlen gegeneinander ausspielen muss!“ murrte Dushime. Ihr Vorwurf: „Glauben Sie nicht, dass die dramatischen Folgen damit relativiert werden, wenn man diese Vergleiche anstellt?“

„Ich kenne sehr viele aus dem Mittelstand, Theater, Messebau, kleine Restaurants, die sind schon unter der Existenzgrenze“, verteidigte sich Richling. „Ich möchte auch von denen sprechen, die unter den Maßnahmen leiden!“

Die „taz“-Kolumnisten fand darauf eine verblüffende Antwort: „Tote Menschen können ja auch keine Cafés besuchen, und Biergärten!“

Vorsichtigste Bewertung

„Dass es jetzt ein bisschen langsamer ging“, sagte Virologe Streeck über das Sinken der Infektionszahlen, „liegt vielleicht auch daran, dass wir einen der kältesten Aprile seit vierzig Jahren hatten.“ Pech!

Aber, so Streeck hoffnungsvoll, „wir werden im Sommer auf niedrigere Zahlen kommen.“

Allerdings, so der Professor weiter: „Die Frage ist dann, ob es im Herbst zu einer vierten Welle kommt. Das kann man schwer vorhersagen.

Dramatischster Lagebericht

„Die Zahlen sind bei uns fürchterlich angestiegen“, stellte Intensivkrankenschwester Segtrop fest und schildert den besonders bewegenden Fall eines 22-jähriger, dem es seit einer Woche jeden Tag schlechter geht.

„Alle Organe werden von diesem Virus angegriffen“, berichtete sie sichtlich mitgenommen. „Lunge, Nieren, Leber, Herz. Ich habe das in 40 Jahren nicht erlebt!“

Aber: „Ich bin schon zu lange in diesem Beruf, als dass ich aufgebe wegen so einem Virus!“

Verblüffendster Kommentar

Bei der genormten Maischberger-Frage nach dem Verlierer der Woche zählt Richling den als Kanzlerkandidat gescheiterten Grüne-Chef Robert Habeck zu den Gewinnern.

Die wohl nicht ganz ernst gemeinte Begründung des Kabarettisten: „Er bringt Sensibilität mit. Er bezeichnet sich selber mit den Worten: Er möchte nicht über seine Schönheit definiert werden. Damit hat er im Grunde genommen die Frauenquote erfüllt!“

Die Verliererin der Woche war für Richling dann „natürlich Frau Baerbock, weil: Wenn die Medien jemanden dermaßen hypemäßig hochreden, kann es nichts anderes geben. Das ist ja die Gier der Medien, dann so jemanden wieder fallen zu lassen.“

Interessantestes Zitat

Vor Wagenkechts Auftritt zeigte Maischberger einen Auszug aus dem neuen Buch der Politikerin: „Identitätspolitik läuft darauf hinaus, das Augenmerk auf immer kleinere und immer skurrilere Minderheiten zu richten.“

Dabei geht es der Linken um Leute, „die ihre Identität jeweils in irgendeiner Marotte finden, durch die sie sich von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden, und aus der sie den Anspruch ableiten, ein Opfer zu sein.“ Puh!

Vorsichtigste Definition

„Ich meine natürlich nicht Menschen, die aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden“, stellte Wagenknecht gleich klar.

Sondern: „Ich meine einen Diskurs, wo der ganze Ehrgeiz darein gesetzt wird, sich irgendwie von der Mehrheitsgesellschaft zu unterscheiden. Also irgendwas zu finden, wo man auf jeden Fall anders ist. Und nur das wird wertgeschätzt.“

Mutigstes Statement

Wagenknechts Sorge: „Wir haben in vielen Ländern das Problem, dass linke Parteien sich immer mehr von denen isolieren, für die sie eigentlich da sein sollten“, nämlich „Menschen, denen es nicht so gut geht, und die keine akademische Bildung haben.“

Das Problem: „Diese Menschen fühlen sich bevormundet, fühlen sich belehrt von Leuten, denen es sehr gut geht und die sich dann als Opfer stilisieren.“ Ui!

„Ich weiß nicht, ob es fünfzig oder hundert Geschlechter gibt“, fügte die Linke hinzu. „Es ist eine abgehobene Debatte!“

Schwungvollste Abrechnung

„Da spielt natürlich gendergerechtes Sprechen, aber auch die Ächtung von Begriffen (eine Rolle)“, erläuterte Wagenknecht weiter. „In der Regel wissen die Leute gar nicht, warum sie plötzlich als rassistisch oder irgendwie frauenfeindlich oder homosexuellenfeindlich geächtet werden.“

Und das nur, weil „sie etwas gesagt haben, was sie eigentlich normal fanden, aber irgendwelche woken Akademiker haben das schon auf den Index gesetzt.“

Aktuellstes Beispiel

Maischberger blendete die peinliche WhatsApp des Ex-Nationaltorhüters Jens Lehmann an Sky über seinen Fußbalerkollegen Dennis Aogo ein: „Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer?“

Wagenknechts Urteil: „Ich würde den Begriff nicht sinnvoll verwendbar finden.“

Die „taz“-Kolumnistin nahm gleich den ganzen Fußball mit in die Haftung: „Was ist das denn für eine Umgebung, wo sowas mit einem Smiley als Witz durchgeht?“ fragte sie empört.

Kritischster Konflikt

Wagenknecht ärgerte sich über verschobene Gewichte: Nachdem ein Lebensmittelproduzent werbewirksam die umstrittene Bezeichnung für eine scharfe Soße änderte, habe sich niemand mehr dafür interessiert, dass die gleiche Firma seither schlechtere Tarife habe.

„taz“-Dushime war sofort auf Zinne: „Ich finde es verkürzt und unehrlich, zwei Themen gegeneinander auszuspielen!“ schimpfte sie. Und: „Es kann doch nicht sein, dass Menschen, die nicht betroffen sind, bestimmen dürfen, wann reale Diskriminierung beginnt!“

Schärfstes Schlusswort

Da ist der Bock aber fett! „Jetzt kann ich anfangen, meine Herkunft irgendwie aus der Tasche zu holen“, konterte die Tochter eines iranischen Vaters.

Wagenknechts gelungene Gegenattacke: „Das ist auch ein Teil der Identitätspolitik, dass man sagt: Wer nicht schwarz ist, darf nicht über die Schwarzen reden. Und wer nicht islamisch ist, darf nicht über den Islam reden.“ Inschallah!

Fazit: Typische Empörungskultursendung im Mimimi-Format, die ungeliebten Wahrheiten kurz vor dem Absturz in den Verschisskeller, alle Vorurteile schneidend bestätigt und der Commonsense im Linksverkehr zum Schrottplatz unterwegs: Das war ein Talk-Späti der Kategorie „Kolbenfresser“.

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