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Viren-Talk bei „Hart aber Fair“: NRW-Gesundheitsminister Laumann lehnt Corona-Ferien ab

„Hart aber Fair: Zwischen Hysterie und begründeter Angst: Wie gefährlich ist das Corona-Virus?“ ARD, Montag, 2.März 2020, 20.15 Uhr.

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag den Vorschlag des Virologen Prof. Alexander Kekulé abgelehnt, alle deutschen Schulen und Kitas für zwei Wochen zu schließen.

Deutlichster Meinungsunterschied

Wir könnten durch Unterbrechung der Infektionsketten die Seuche jetzt noch im Frühstadium stoppen!“ sagte Kekulé zur Begründung.

Doch damit stieß der Wissenschaftler sofort auf massiven Widerspruch: „Politik darf keine Maßnahmen ergreifen, die unverhältnismäßig sind und deshalb Hysterie auslösen!“ warnte Gesundheitsminister Laumann.

Der Virologe war damit wenig zufrieden: „In anderen Ländern werden Fußballspiele abgesagt!“ murrte er. „In Deutschland feiert man einfach weiter und lässt die Seuche auf sich zukommen!“

Zuvor hatte ARD-Talkmaster Frank Plasberg eine halbe Stunde lang Reportagen aus den Brennpunkten der Virus-Krise gezeigt. Die Sendung hatte gleich nach der Tagesschau begonnen und lief über zwei Stunden bis zur den „Tagesthemen“ als kompletter Info-Abend mit kompetenten Gästen:

NRW-Gesundheitsminister Laumann findet sein Land gut vorbereitet.

Virologe Kekulé schlug schon vor fünf Wochen bei Sandra Maischberger Alarm, forderte damals Einreisekontrollen an den Grenzen. Und heute?

Dr. Susanne Johna, Krankenhaushygienikerin der Ärztekammer, warnt, es gebe z.B. zu wenig Einzelzimmer mit Vorschleusen.

Der Psychiater Prof. Borwin Bandelow meint, dass Menschen die statistische Bedrohung durch einen Virus leicht überschätzten.

Die Verbraucherschützerin Annabel Oelmann brachte wichtige Tipps für Touristen mit.

Der Gesundheitswissenschaftler Prof. Joachim Kugler. Schilderte Probleme bei der Versorgung mit Medikamenten.

Extremster Vorschlag

Das politische Berlin scheint mir aus dem Dornröschenschlaf erwacht zu sein!“ spottete Virologe Kekulé zum Start.

Strengster Vorwurf

Psychiater Bandelow hatte eine andere Sorge: „In Deutschland macht sich Panik breit“, warnte der Angstforscher. „Wann immer eine Gefahr auftaucht, die unbeherrschbar erscheint, erzeugt sie im Kopf Horrorszenarien wie im Film!“

Wichtigster Ratschlag

Ins Krankenhaus sollten Menschen nur mit hohem Fieber und Luftnot gehen“, forderte Hygienikerin Johna.

Auch der Virologe hielt den Ball flach: „Zurzeit haben wir schlimmstenfalls 5000 Infizierte in Deutschland“, rechnete er vor. „Die Ansteckungsgefahr ist extrem überschaubar!

Plastischstes Bild

Das Risiko schilderte Kekulé mit einem überzeugenden Vergleich: „Wenn Sie abends spazieren gehen, denken Sie ja auch nicht, dass plötzlich ein Hund aus dem Busch spring und Sie ins Bein beißt!“

Damit war schon ein bisschen die Luft aus dem Thema. Dafür fuhr der Minister gleich einen anderen Druck hoch: „Jeder Arbeitgeber hat die Pflicht, Arbeitskleidung für die Mitarbeiter in ausreichenden Mengen vorzuhalten!“ donnerte er in die Runde: Ihn ärgert der Mangel an Schutzkleidung in Krankenhäusern.

 

Sein Zorn: „Man verlässt sich auf Just-in-Time-Lieferung, und das ist nicht Ordnung!“, schimpfte er. „Schutzmasken sind Cent-Kram! Das darf nicht passieren!“

Ärgerlichste Info

Als Corona ausbrach, sind massenweise Infektionsschutzmasken nach China geliefert worden“, klärte der Virologe auf. „Jetzt sind Europas Lager leer. Hätten wir rechtzeitig bestellt, hätten wir jetzt keine Lieferprobleme!“

Für ein Gesundheitssystem wie das unsere ist die Frage, ob wir genügend Papiermasken haben, eine Blamage!“ grollte Laumann noch mal.

Positivste Beispiele

„Bei uns in NRW haben sich 300 pensionierte Ärzte sofort bereit erklärt, in unseren Hotlines mitzuarbeiten!“ berichtete der Minister dann.

Und auch über die medizinische Versorgung lasse sich wenig klagen: „Wir haben ein sehr dichtes Gesundheitssystem“, lobte Laumann. „Ich habe mal in meinem eigenen Stimmkreis ausgezählt, dass ich mehr Apotheker habe als Bäcker!

Schärfste Kritik

„Deutschland war mal die Apotheke der Welt, aber dann kamen ‚Geiz ist geil’ und ‚Just-in-Time‘“, urteilte Gesundheitswissenschaftler Kugler.

Seit der Globalisierung lasse man pharmazeutische Produkte lieber in Indien oder China produzieren, weil das dort billiger sei. Durch Corona aber seien jetzt die Lieferketten unterbrochen und, so der Professor, „300 Medikamente seit Monaten nicht mehr lieferbar!“

Deutlichste Warnung

Das Corona-Virus wird im Sommer runtergehen, aber im Herbst wiederkommen“, sagte Prof. Kekulé voraus. „Und bis dahin werden wir ganz sicher noch keinen Impfstoff haben!“

Und: „Den Zahlen aus China traue ich nicht über den Weg!

Eine Impfung nutze sowieso nur, wenn alle mitmachen würden, meinte Laumann. Aber bei der letzten Grippe-Impfung sei selbst das medizinische Personal nur zur Hälfte dabei gewesen.

Probe aufs Exempel

Plasberg wollte gleich wissen, wie es damit in seine Runde stehe. Der Politiker und die Hygienikerin sind geimpft, die anderen, auch Plasberg, nicht. Hm – Vorbild geht anders!

Ich war zu blöd, zu faul!“ gab der Talkmaster zu. „Aber was hat Sie davon abgehalten?“ fragte er die beiden Professoren.

Dann gab es doch noch ein bisschen Zoff

„Ich hatte schon drei Mal eindeutig eine schwere Influenza“, verteidigte sich Kekulé, „und das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass ich jetzt immun bin, ist sehr hoch.“

Der Minister guckte ihn zweifelnd an.

„Ich habe seit vielen Jahren keine Grippe mehr gehabt“, erklärte Bandelow, „und ich glaube auch, ich habe schon alle Antikörper durch.“

Diese Erklärung quittiert der Minister mit einem spöttischen Schnauben.

Der Psychiater schob schnell noch eine Info nach: „Ich habe schon im Medizinstudium gelernt, dass die Grippe-Impfung immer einen Virus hinterher ist…

„Ich glaube, Herr Kekulé hat die ehrlichere Antwort gegeben“, schiedsrichterte Plasberg.

„Man legt sich sein Leben zurecht“, schmunzelte Kekulé.

Doch Laumann konnte darüber gar nicht lachen: „Ich will nur mal sagen, dass alle, die sich mit Prävention beschäftigen, dafür werben, dass der ältere Teil der Bevölkerung sich unbedingt impfen lässt“, mahnt er. „Das sei viel wichtiger als der jüngere.“ Rumms!

Irrste Reaktion

Plasberg steuerte etwas aus dem persönlichen Leben bei: „Mein Sohn hat mich gefragt: Ist man Rassist, wenn man Angst hat vor einem Chinesen?“

„Die gelbe Gefahr wird jetzt wieder beschworen!“ spottete der Psychiater. Aber: „Im primitiven Angstgehirn gibt es eine Fremdenangst, und die wird jetzt natürlich geschürt.“ Deshalb seien jetzt auch so viele China-Restaurants leer.

Ekligste Info

„Das Virus ist in die Welt gekommen, weil Menschen Tiere im Wald gefangen haben, ihnen bei lebendigem Leibe die Kehle aufgeschlitzt haben und das Blut über ihr Essen haben tropfen lassen, weil das so Kultur ist“, erläuterte der Virologe. Gruselig!

Plasberg stieg lieber mit einer fröhlichen Botschaft aus und zeigt einen Nachrichtenfilm: Die Kanzlerin will dem Innenminister am Kabinettstisch die Hand reichen, doch der zieht mit bedauerndem Lächeln zurück.

Ich mache jetzt den Seehofer!“ erklärte Plasberg dazu und verabschiedete seine Gäste entgegen dem sonstigen Brauch mit einem kontaktfreien Winken.

Fazit: Viele Fakten, wenig Zweifel, die alarmistische Bedenkenschleuder kam kaum zum Einsatz und auch das übliche Politiker-Bashing blieb lau: Das war ein Talk der Sorte „Antikörper“.

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