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US-Wahlzoff bei Sandra Maischberger: Sahra Wagenknecht klagt Biden als Kriegstreiber an

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 4.November 2020, 21 Uhr.

Die Linke-Politikerin Sahra Wagenknecht hat dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ als Kriegstreiber kritisiert.

Wörtlich sagte die Ex-Fraktionschefin: „Biden steht für die falsche Außenpolitik, die auch schon vor Trump gemacht wurde! Biden war ein vehementer Verfechter des Irak-Krieges!

Erbitterte Wahlschlachten, zähe Hängepartien, juristisches Hickhack: US-Urnengänge sind immer wieder Dramen mit mehreren Akten. Sandra Maischberger trommelt Kritiker, Mitkämpfer und Experten zusammen. Die Gäste:

  • FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff meldete auf Twitter, er sei „bestürzt“, dass Trump sich zum Sieger ausrufe, bevor alle Stimmen ausgezählt seien.
  • Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (Linke) hält Trump für „gefährlicher als Putin“.
  • Der Politologe Prof. Christian Hacke beschimpfte Trump als „Kotzbrocken“.
  • Trumps gefeuerter Sicherheitsberater John Bolton schaffte es mit einem boshaften Enthüllungsbuch auf die Pestsellerliste.
  • Die US-Entertainerin Gayle Tufts schäumte schon am Nachmittag in ARD-„Brisant“: „Trump ist ein Diktator wie Putin oder Kim Yong-un!“
  • Ansgar Graw, Herausgeber des „European“, schrieb das Buch „Trump verrückt die Welt“.
  • Kenton E. Barnes. Der Biden-Unterstützer ist Lobbyist der „Democrats Abroad Germany“.
  • Ralph Freund. Der Trump- Unterstützer ist Lobbyist der „Republicans Abroad Germany“.

Bunte Runde mit klarer Tendenz. Zum Start zwei private Bekenntnisse:

Gayle Tufts hatte die Wahlnacht nur mit medizinischer Hilfe überstanden: „Fast eine Überdosis von Notfalltropfen“, gestand sie, „und Passionsblüten gegen innere Unruhe! Meine Nerven sind kaputt!“

„Heute Morgen um neun dachte ich: O Schreck, o Graus, Trump gewinnt!“ ächzte Prof. Hacke. „Da war mir schon das Herz in die Hose gerutscht!“

Kritischste Urteile

Inzwischen glaubte der Politologe, dass Trump verloren habe. Aber: „Joe Biden ist kein Burner“, gab Hacke zu. „Er hat auch nicht immer die Wahrheit gesagt. Und er ist ein Mann von 77 Jahren, also da ist auch nicht mehr viel Temperament und Courage.“

Trump ist im Moment der Papiertiger, der verwundet ist und sich ärgert, dass er verliert!“ assistierte Journalist Graw.

„Wenn Joe Biden ein Sozialist ist“, witzelte Tufts, „dann ist Florian Silbereisen der nächste Sänger bei Rammstein, und ich bin Heidi Klum!“

Schlimmste Schimpfkanonade

Trumps früherer Sicherheitsberater John Bolton, aus Washington zugeschaltet, wetterte gleich los: „Empörendes Statement!“ wütet er über die juristischen Ankündigungen des Noch-Präsidenten. „Es ist eine Schande! Beschämend! Es zeigt, wie verantwortungslos er ist!“

Boltons strenge Abrechnung mit dem Ex-Chef: „Trump kann nicht unterscheiden zwischen seinen persönlichen Zielen und seinen Aufgaben als Präsident. Wir haben in den letzten vier Jahre gesehen, dass er nicht in der Lage ist, etwas anderes als seine persönlichen Interessen zu sehen!

Überzeugendstes Exempel

Lobbyist Freund nahm erst mal die enttäuschten Wahlpropheten in Schutz: „Die Demoskopen haben einen ganz schweren Job“, erklärte der Republikaner, denn: „Nicht jeder Trump-Wähler möchte als solcher erkannt werden.“

Freunds deutsches Beispiel: „Nicht jeder, der in Bayern lebt, möchte gefragt werden, ob er die Linke wählt. Oder in Frankfurt oder Hamburg, ob er AfD wählt!

Dramatischste Klage

„Ich bin fassungslos!“ kommentierte Lobbyist Barnes Trumps überraschende Erfolge bei afroamerikanischen und hispanischen Wählern. „Als schwarzer Mann in den USA bin ich eine aussterbende Rasse, sozusagen, weil die Polizeigewalt gegen schwarze Männer ist sehr, sehr hoch!

Interessantestes Argument

Freund erinnerte an den Wahlkampf von 2016. „Sie hatten acht Jahre lang einen farbigen Präsidenten“, hatte Trump über seinen Vorgänger Barack Obama gesagt. „Die Polizeigewalt war auch damals evident, und es ist nie so richtig was dagegen getan worden.“

Doch der Republikaner schien von dieser Sicht der Dinge selber nicht recht überzeugt: „Das ist ein bisschen wie der Vorwurf in Deutschland an Angela Merkel als Frau: Was hat sie für die Frauen getan? Was hat sie für Ostdeutsche getan?“

Freunds Meinung: „Wenn man eine gute Kanzlerin ist für alle Deutschen, dann hat man auch genug für Frauen und für Ostdeutsche getan.“

Wahrscheinlichste Vorhersagen

Wenn Trump die Wahl verliert, wird er ziemlich schnell von der politischen Bildfläche verschwinden“, prophezeite der Republikaner.

Der Demokrat sagte über Bidens Vizepräsidentin in spe Kamala Harris und ihre Rolle in den Rassenkonflikten: „Sie wird die Menschen beruhigen, denn sie kann sagen: Ich bin eine von euch.“

Spannendster Vergleich

Entertainerin Tufts erinnerte daran, dass Trump mit seiner Reality-Show „The Apprentice“ („Der Lehrling“) 14 Staffeln lang die Nummer 1 war: „Dieser gespielte Boss, mit dieser Schadenfreude, ein bisschen wie Dieter Bohlen – sorry, Dieter Bohlen ist nicht so gemein wie Trump!“

„Das erste große Vorbild ist Ronald Reagan gewesen“, sekundierte der Professor. „Politik wird reduziert auf Unterhaltung!“

Wichtigster Hinweis

Das mochte Graw so nicht stehen lassen: „Reagan hat viel an Hollywood-Glamour nach Washington gebracht“, gab er zu. „Aber er hat auch substantiierte Politik gemacht. Die Steuersenkung, die er gemacht hat, ging überein mit einer Reduzierung der Staatsverschuldung!“

„Diese Verschuldung“, so der Journalist, „ist dann erst wieder größer geworden, als Reagan wegen SDI die Rüstung hochgetrieben hat, derentwegen wir nachher die Wiedervereinigung bekommen haben, weil er den Ostblock in die Ecke gerüstet hat!“

Deutlichste Warnung

Linke-Wagenknecht trug ihr knallrotes Kostüm wie stets als Statement und führt sich mit gewohnt kantiger Klarheit ein: „Es ist eine völlige Illusion, zu glauben, dass Biden eine weniger rücksichtslose Außenpolitik oder auch Wirtschaftspolitik machen wird“, prognostizierte sie.

Ihr bestes Beispiel: „Für Deutschland ist ja die neue Nordsee-Gaspipeline wichtig. Und da hat ja nicht nur Trump mit brachialen Sanktionen gegengehalten, sondern die Demokraten haben das voll mitgetragen.“

„Ich war gespannt, wie schnell Sie auf „Nordstream 2“ kommen“, spottete die Talkmasterin.

Schärfste Kritik

„Das In-den-Vordergrund-stellen der eigenen Interessen, vor allem der eigenen Wirtschaftsinteressen“, warnte die Politikerin, „das wird Biden ganz genauso machen!“

Auf dem Kieker hat Wagenknecht vor allem die Forderungen aus Washington nach größeren Investitionen in den deutschen Verteidigungsetat. Lambsdorf war sofort alarmiert: „Russland hat gerade Mittelstreckenraketen stationiert, die Atomsprengköpfe haben und uns bedrohen!“ warnte er.

Dann gab es Zoff

Zum wahrscheinlichen Wechsel im Weißen Haus sagte Lambsdorff mit Überzeugung: „Frau Wagenknecht, da bin ich fundamental anderer Meinung! Biden wäre ein Partner. Er weiß um den Wert von Freundschaften, von Bündnissen. Er weiß, dass Freunde Amerika stark machen!“

Klügste Analyse

„Ich bin nun wahrlich kein Sympathisant von Trump“, konterte Wagenknecht. „Aber er ist immerhin seit dem Ende des Kalten Krieges der erste US-Präsident, der zumindest nicht selber einen neuen Krieg angefangen hat. Er hat ja auch aus anderen Konflikten Truppen zurückgezogen.“

Über jetzt womöglich überholte Pläne des Noch-Präsidenten urteilte die Linke-Politikerin: „Dass Trump sich aus der NATO zurückzieht, halte ich schon aus dem simplen Grund für ausgeschlossen, dass das seine Militärbasen in Frage stellt.“

Listigster Einspieler

Maischberger feuerte Wagenknecht noch mit einer Szene aus dem Bundestag an. Im November 2016 höhnte die Linke-Politikerin dort über die Bundesregierung: „Offenbar hat selbst ein Donald Trump wirtschaftspolitisch noch mehr drauf als Sie! Denn immerhin hat der Mann begriffen, dass staatliche Industriepolitik besser ist als billige Dienstleistungsjobs!“

Jetzt sagte Wagenknecht über Trumps „America First“: „Immerhin sind 500.000 Industriearbeitsplätze neu dazugekommen. Und er war der erste seit vielen Jahren, der den Leuten, die keinen Hochschulabschluss haben und einfache Jobs brauchen, das Gefühl gegeben hat, er nimmt ihre Sorgen ernst.“

Objektivstes Urteil

„Das erklärt auch, warum Trump so viele Stimmen bekommen hat, gerade in den deindustrialisierten Gebieten“, assistiert Lambsdorff. „Und er hat die Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent gesenkt!“

Trotzdem ist Lambsdorff für Biden, denn: „Trump hat den Handel in eine Waffe umgeschmiedet. Er hat Willkürzölle verhängt. Plötzlich wurden deutsche Autos zu einem Sicherheitsrisiko für Amerika. Das würde Biden nicht machen.

Pointierteste Schlussworte

Wenn Biden gewählt wird, wird genau die Politik gewählt, die Trump an die Macht gebracht hat“, unkte Wagenknecht.

Und Lambsdorff zog sich noch einen schönen Vergleich raus: „Wenn Biden gewinnt und sich in vier Jahren auch noch zur Wiederwahl stellt, ist er über 80 Jahre alt“, sagte er. „Das hat bisher nur Konrad Adenauer geschafft!“

Fazit: Talk-Therapiekreis für Patienten mit Schockverdauungsbeschwerden, angestrengte Fehlurteildiagnosen und meinungsstarke Verblüffungsverarbeitung: Das war eine Wort-Show der Kategorie „Überraschungsparty“.

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