Teletäglich

Trittin bei Plasberg: Deutschland ist nicht auf Nordstream 2 angewiesen

„Hart aber fair: Zu Hause warm und hell: Wer kann sich diese Energiepreise noch leisten?“ ARD, Montag, 24.Januiar 2022, 21 Uhr.

Preisschock beim Strom, Putin am Gashahn, Atomkraft pfui, das kann auf Dauer nicht gutgehen! Auch Frank Plasberg sorgt sich. Seine Gäste:

Jürgen Trittin (67, Grüne). Der Ex-Umweltminister prahlte 2004: „Die Förderung erneuerbarer Energien wird einen durchschnittlichen Haushalt nur rund 1 Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis.“

Tilman Kuban (34, CDU). Der Chef der Jungen Union war von Anfang an für Friedrich Merz als Parteichef, jetzt ist er happy.

Kerstin Andreae (53). Die Chefin der Energiewirtschafter (BDEW) schimpft auf „unseriöse Stromanbieter“.

Christina Wallraf (37). Die Verbraucherschützerin rät von ihren Versorgern abgehängten Stromkunden zu Schadenersatzforderungen und zeigt auch, wie das läuft.

Wolfram Weimer (57). Der Publizist („The European“) sieht die Grünen wegen der EU-Atompolitik in „Erklärungsnot“.

Harald Lesch (61). Der ZDF-Wissenschaftsjournalist („Terra X“) mahnt: „Klimaziele sind nur mit Verzicht zu erreichen!

Engagierte Gäste! Wie energiegeladen sind sie? Das Zoff-o-Meter ist auf Spannungsspitzen, Schaltfehler und Kurzschlüsse gefasst.

Berechtigtste Beschwerde

Zum Start ein Skandal: Billigstromanbieter schmeißen massenweise gutgläubige Kunden raus, verticken ihren Strom lieber anderswo zu Höchstpreisen.

„Unlauteres Geschäftsgebaren!“, schimpft Energie-Funktionärin Andreae. „Rechtswidrig!“, assistiert Trittin, „aber das hilft den Kunden nicht.“  

Durchsichtigste Attacke

Dann folgt ein typischer Trittin-Rundschlag: „Ein CDU-Wirtschaftsminister namens Peter Altmaier“ habe es  „fertiggebracht, die Kosten aus der EEG-Umlage auf private Haushalte zu verteilen“, wettert der alternde Grüne-Star, „während große Gewerbetreibende wie zum Beispiel Schlachthöfe in Niedersachsen…“ Mehr muss er nicht sagen.

Irrwitzigste Forderung

Dann haut Lesch eine knallharte Abrechnung raus: „Wir haben nicht verstanden, wie teuer elektrische Energie in Wirklichkeit ist. Wir haben es zu einer reinen Ware gemacht, die einen Preis hat, aber keinen Wert“, grollt er. Mit „Wir“ meint er die Verbraucher.

Seine Diagnose: „Es ist so weit, dass wir energetische Adipositas haben. Wir sind energetisch verfettet.“

Realistischste Prognose

„Herr Lesch muss nicht wiedergewählt werden“, spottet Plasberg. Diesen Vorteil habe JU-Chef Kuban nicht.

Der Jungunionist erinnert daran, dass „vor der Wahl alle Parteien gesagt haben: ‚Wir werden dafür sorgen, dass bei den erneuerbaren Energien die Marktreife gelingt, ohne dass ihr besonders viel mehr bezahlen müsst.‘ Dieses fordere ich jetzt ein!“

Drastischste Lagebeschreibung

„Wir zahlen 34 Cent für die Kilowattstunde, die Franzosen 21, die Amerikaner 15, die Chinesen 10“, rechnet Weimer vor. „Das Statistische Bundesamt meldet: Zwei Millionen Deutsche frieren, weil die Energiepreise so hoch sind!“

Und erst die Wirtschaft! „In ganz viele Branchen rufen die Unternehmer Alarm“, warnt der Publizist. „Traditionsreiche Glashütten haben Weltkriege überlebt, aber sie sagen: Diese Energiepreise werden wir nicht überleben. Zement, Dämmstoffe, Metalle, Stahlindustrie! Die grüne Inflation tut vielen Leuten weh!“

Nützlichster Tipp

„Wir haben einen Musterbrief auf unserer Internetseite unter Verbraucherzentrale.nrw/Belieferungseinstellung“,  meldet Wallraf. Betroffene sollten sich auf alle Fälle wehren, denn „da geht es teilweise um vierstellige Beträge“.

Das Wichtigste, so die Verbraucherschützerin: „Daueraufträge stornieren. Lastschriften widerrufen. Zählerstand ablesen und dem Netzbetreiber und dem neuen Anbieter mitteilen. Schadenersatz fordern!“

Eindringlichste Warnung

„Wenn wir den Strompreis weiter so hoch halten, werden uns industrielle Kerne abgenommen, namentlich von den Chinesen“, fürchtet Weimer. Die spielen mit dem Strompreis Hardball.“ Auf der Liste der weltgrößten Stahlproduzenten sei „kein Deutscher mehr, aber acht Chinesen!“

Seine Sorge: „Wir haben gar nichts gewonnen, wenn in China schmutzig produziert wird. Es kann nicht sein, dass die Klimawandelpolitik uns lieb und teuer ist, aber vor allem teuer!“

Meistgelobter Lachanfall

„Wir steigen aus Öl, Gas, Atom, Kohle aus, und das immer schneller“, zählt Weimar auf. „Wenn du so viel ausschließt, dann passiert das, was das ‚Wallstreet Journal‘ beschrieben hat als ‚Die Deutschen machen die dümmste Energiepolitik der Welt‘.“

Auf seinem Monitor guckt der aus Mainz zugeschaltete ZDF-Wissenschaftsjournalist in Reaktion auf das Zitat wie hilfesuchend zur Decke, schüttelt den Kopf und gickelt dann höhnisch in sich hinein. „Herr Lesch lacht“, meldet Plasberg leicht irritiert. „Heiterkeit finde ich immer gut. Herr Trittin schmunzelt auch!“

Lustigstes Statement

Dazu passend spielt der Talkmaster gleich mal das Trittin-Zitat von 2004 ein. O-Ton: „Heute zahlt ein Haushalt für die Energiewende 11.80 Euro im Monat.“

Trittin will die vermaledeite Eiskugel irgendwie vom Tisch kriegen: „Ich habe mich, was bestimmte Teile angeht, verschätzt“, gibt er notgedrungen zu. Aber: „Das war 2004. Ab 2005 waren andere Minister dafür verantwortlich.“ Heiterkeit im Studio!

Eifrigste Personaldiskussion

In seiner Not haut der alte Eisverkäufer daraufhin sogar einen Ex-Kollegen in die Pfanne: „Ich kann Punkt für Punkt vorrechnen, für welchen Teil die Minister Gabriel, Altmaier…“

„Gabriel ist nicht bei uns“, erinnert ihn der JU-Chef.

„Der ist in der SPD“, bestätigt Trittin genervt, „und da ist er nicht gern gesehen!“

Verheerendste Rechnung

„Wir zahlen an energetischen Öko-Steuern etwa 75 Milliarden im Jahr“, stellt der Publizist fest. „An der Tankstelle, auf der Stromrechnung, an Heizkosten. Jeden Tag 200 Millionen. Wenn Robert Habeck und Christian Lindner sich am Abend zum Bierchen treffen: Na, heute haben wir den Deutschen wieder 200 Millionen Ökosteuer abgenommen!

Weimers Urteil: „Das geht nicht gut Es ist Druck im Lande. Die Unternehmen wandern ab!“

Energiereichste Offensive

Trittin will damit kontern, dass „aufgrund der Entwicklung in Deutschland, der großen Stückzahlen, wir die Preise für erneuerbare Energien um 90 bis 95 Prozent senken konnten.“ Sein stolzes Fazit: „Das ist die Kostendegression, die wir in Deutschland angestoßen haben, von der die ganze Welt profitiert hat.“ Hosianna!

Dass „erneuerbare Energie weltweit billiger ist als fossile oder atomare Energie“, fügt der Ex-Minister hinzu, habe „damit zu tun, was wir in Deutschland mit der Energiewende auf den Weg gebracht haben.“

Interessanteste Reaktionen

„Ich danke für dieses Minireferat, das die Dinge noch mal einordnet – aus Ihrer Sicht…“ kommentiert Plasberg mit unbewegter Miene.

Sein bester Satz: „Das Wort ‚Alternativlos‘ ist mit der Kanzlerin in Pension gegangen.“

„Das ist ein wirklicher Siegeszeug der Erneuerbaren“, assistiert Energie-Funktionärin Andreae. Dass sie sechs Jahre lang Fraktionsvize der Bundestagsgrünen war, bleibt auch jetzt unerwähnt.

Frechste Mogelpackung

Der nächste Einspieler zeigt, wie die Grünen mit einem „Klimageld“ Wahlkampf machten. Und jetzt? „Herr Habeck hat es in seiner großen Pressekonferenz jetzt gar nicht mehr erwähnt“, wundert sich Plasberg.

Trittin setzt ein überlegenes Lächeln auf: „Wir werden in einem ersten Schritt die EEG-Umlage senken“, erklärt er.

Etikettenschwindel! „Das hat die Große Koalition gemacht“, funkt Kuban dazwischen. „Das hat nichts mit Klimawandel zu tun“, ergänzt Plasberg.

Dann blinkt das Zoff-o-Meter

„Das hat die Große Koalition gemacht“, widerholt der JU-Chef erbost. „Sich jetzt mit Dingen zu rühmen, die schon fertig waren, und die schon eingeplant waren, ist jetzt irgendwie ein bisschen wenig!“

„Die Große Koalition hat gar nichts beschlossen!“, erwidert Trittin grimmig. „Die Große Koalition ist nicht mehr im Amt, und wir machen jetzt, was ihr angekündigt habt. So einfach ist das.“ Heidewitzka, Herr Kapitän!

Peinlichstes Versehen

Plasberg nervt weiter: Ob Habeck das Klimageld ganz einfach vergessen habe?

Die spitze Frage bringt Trittin aus der Balance: „Ich wollte erst mal sagen, was wir tatsächlich machen“, erwidert er ungeduldig. „Das ist die Erhöhung des Heizkostenzuschusses, extrem wichtig für die 2000 Haushalte, die Herr Weimer an der Stelle genannt hat…“

Wie bitte? „Zwei Millionen“, berichtigt der Publizist. Was ist denn hier los?

Wütendste Attacke

„Zwei Millionen“, lässt sich auch Kuban vernehmen.

„Zwei Millionen!“ bequemt sich Trittin schließlich zuzugeben und rächt sich mit einem Ablenkungsmanöver: „Ich weiß, dass Sie immer nervös werden, wenn man Ihnen mit Fakten kommt, Herr

Kuban!“ Mit dem Heizkostenzuschusses werde Menschen geholfen, „und ich finde, das sollte man nicht zerreden!“

„Ist das Nachfragen nach dem Klimageld ‚Zerreden‘?“ frotzelt der Talkmaster. „Antworten Sie doch einfach darauf!“

Trittins trotzige Erwiderung: „Wenn Sie mich ständig unterbrechen, wird das schwierig, Herr Plasberg.“ Uff!

Klarste Erkenntnis

Ganz zum Schluss wird es wirklich weltpolitisch: „Die Pipeline durch die Ukraine hat eine Kapazität von 150 (Milliarden Kubikmeter)“, stellt Trittin fest. „Sie ist zurzeit mit 40 Milliarden nur zu einem Drittel ausgefüllt. Nordstream 2 hat 50 Milliarden.“

Putin brauche den Energieexport, um mit den USA auf Augenhöhe zu kommen, analysiert der Ex-Minister. „Um unseren Gasbedarf zu decken, sind wir nicht auf Nordstream 2 angewiesen.“ Punkt!

Fazit

Kantige Klartexte, stressige Streitreden, verräterische Versprecher, wortreiche Wutgefechte: Das war eine Talkshow der Kategorie „Vollwaschgang“.

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