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Streit um Elon Musk bei Maischberger: Linke-Wagenknecht macht das Elektroauto nieder

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 22.50 Uhr.

Die frühere Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat in der ARD-Talkshow „maischberger.die woche“ die Elektromobilität und den Tesla-Schöpfer Elon Musk heftig kritisiert.

Wörtlich sagte die Politikerin: „Das Elektroauto ist umwelttechnisch überhaupt kein Gewinn!“

„Elon Musk will einfach den Planeten retten!“ widersprach der Technik- und Investment-Experte Frank Thelen („Die Höhle des Löwen“). „Der einzige Weg dazu ist die Technologie!“

Doch Wagenknecht konterte: „Das ist keine Zukunftstechnik!“ Durch den Bedarf an Lithium für die Batterien würden „ganze Landstriche veröden“, und überhaupt „war das Silikon Valley ursprünglich eine „Außenstelle des Pentagon“. Rumms!

Interessanteste These

Thelen hatte aber eine ganz andere Erklärung: Silikon Valley sei für die Mondlandung gebaut worden, meint er, nach der „10x-Denke“, also „alles zehn Mal besser machen“. Dabei seien etwa der Chiphersteller Intel oder der Softwareriese Microsoft entstanden. Fake?

Um Dichtung und Wahrheit war es schon zu Beginn der Show gegangen. Corona-Sturmtrupp am Reichstag, Panzer in Minsk, Trump in Kenosha: Überall erhöhte Explosionsgefahr! Dreht die Welt jetzt endgültig durch? „maischberger. die woche“ sucht Antworten. Die Gäste

Christine Lambrecht (55, SPD). Die Bundesjustizministerin hatte zuvor gewettert: „Das unerträgliche Bild von Reichsbürgern und Neonazis vor dem Reichstag darf sich nicht wiederholen!

Die Populärsozialistin Sahra Wagenknecht (Linke). polterte: „Corona-Gewinner sind vor allem US-Konzerne wie Amazon, Google, Microsoft, Facebook und Apple!“

Thelen dankte dem Bundesgesundheitsminister per Twitter für die „klare und ehrliche Kommunikation“.

Die WELT-Journalistin Claudia Kade hört „in der CDU den Ruf, doch Jens Spahn zum Parteichef zu machen“.

Der ARD-Moderator Georg Restle („Monitor“) twitterte, wer mit Identitären und Nazis marschiere, mache sich zum „nützlichen Idioten dieser Extremisten“.

Der RTL-Moderator Joachim Llambi („Let’s Dance“) plant trotz Corona im November eine neue Live-Tour durch Deutschland.

Politik, Presse, Entertainment – wer lieferte die beste Show ab?

Zum Giftanschlag auf Putin-Kritiker Alexej Nawalny gibt es keine zwei Meinungen. WELT-Kaden forderte: „Putin braucht ein Stoppschild!“ ARD-Restle fand Angela Merkels klare Ansage in Richtung Kreml richtig, warnte aber: „Die Bundeskanzlerin hat sich in Zugzwang gebracht.“

Irrste Szene

Ein ARD-Einspieler zeigte, wie eine Heilpraktikerin aus der Eifel den Sturm auf den Reichstag dirigierte. „Diese Frau ist bekannt in der Szene“, erklärte Restle. „Es gibt eine eigenartige Verbindung zwischen Esoterikern und der extremistischen Reichsbürgerszene.“

Und dann zählte er auf: „Holocaust-Leugner. NPD. Hardcore-Rechtsextremisten.“ Puh!

Verdientester Vorwurf

„Die Bilder sind beschämend“, klagte die WELT-Journalistin. „Auch, dass da nur drei Polizisten standen.“

Ihr Urteil: „Ich würde da in erster Linie den Berliner Innensenator verantwortlich machen. Erst hat er die Demo verbieten wollen, wodurch noch viel mehr Zulauf kam.

Und, noch schlimmer: „Dann hat er, obwohl er im Vorfeld das Verbot so begründet hat, dass es sehr gefährlich werden kann, ein Einsatzkonzept gemacht, das diesen Hotspot Reichstag nicht angemessen ins Kalkül gezogen hat.“ Um das Mindeste zu sagen!

Mildestes Urteil

Man merkt, dass die Bereitschaft, auf Argumente einzugehen, sehr zurückgegangen ist“, sagte die Justizministerin dazu etwas flau.

Allerdings, soviel schien ihr dann doch zu sagen nötig: „Das Demonstrationsrecht ist nicht an der Gesinnung auszurichten.“ Immerhin! Das schreibt sich ihr Parteifreund Geisel hoffentlich hinter die Ohren.

Erst als die Ministerin auf Drohungen auch gegen sich selbst zu sprechen kam, wurde sie etwas munterer: „Ich bin seit 22 Jahren im Bundestag. In dieser Dimension habe ich das noch nicht erlebt!“

Verblüffendste Einschätzung

Die Bilder, die vom Reichstag um die Welt gingen, waren verheerend“, gab Lambrecht zu, hielt aber im Sinn der Berliner Parteifreunde den Ball extrem flach: „Hier wurde versucht, zu suggerieren, man könne die Demokratie aus den Angeln heben…“ meinte sie.

Wie bitte? Versucht? Suggerieren? Mehr war das nicht? Immerhin hat der Bundespräsident die uniformierten Reichstagsschützer öffentlich geehrt!

Unspannendste Erinnerung

Statt Dramatik hatte die Ministerin Launiges mitgebracht: Auch sie habe früher demonstriert, erzählt sie, gegen Atomkraft und Nachrüstung.

Aber: „Ich war vielleicht eine sehr brave Demonstrantin“, schwächte sie gleich ab. „Natürlich war man manchmal auch nicht schnell genug, den Platz zu verlassen, und ist dann doch nassgespritzt worden…“

Spektakulärste Behauptungen

Der nächste Einspieler zeigte Trump im Wahlkampf-Vollgasmodus: Sein Gegner Biden sei von dunklen Mächten gesteuert, erzählte er, und ein Flugzeug mit Schlägern in schwarzen Uniformen sei eingeschwebt. Ernsthaft jetzt?

Trump ist ein Künstler im Angstmachen und in Verschwörungstheorien“, kommentierte Llambi. „Aber seine Anhänger nehmen das ernst. Die Chancen auf eine Wiederwahl stehen fifty-fifty.

Klügste Analyse

„Seine Wahlkampfstrategie ist, sich als Law-and-Order-Mann zu präsentieren“, assistierte Restle. Damit hole Trump tatsächlich auf, nicht überall, aber in den besonders umkämpften Staaten.

„Biden hat Fehler gemacht“, kritisierte Kade. Der Kandidat der Demokraten sei „blutleer“, da sei „zu wenig Enthusiasmus“ dabei.

Flachstes Trump-Bashing

In meinen Augen ist hier ein Mann an oberster Stelle der amerikanischen Politik angekommen, der im Kern kein demokratisches, sondern eigentlich ein autokratisches Politik- und Führungsverständnis hat“, wetterte Restle.

Und dann wollte der ARD-Mann den US-Präsidenten sogar auf eine Schublade mit Reichsbürgern stecken: „Damit wird er zum Role Model für viele Leute auch hier in Europa“, schimpfte er, „also für die Rechtspopulisten, auch für die Rechten, die jetzt auf den Treppen des Reichstagsgebäudes waren!“

Fachlichste Erklärung

Wagenknecht trat zum Finale an und lehnte erst mal die Corona-App ab: „Das ist ein Einfallstor für Hacker!“

TV-Investor Thelen sah dagegen kein Problem, denn: „Es ist ganz klar dokumentiert, wie ein rollierendes System von Zufallszahlen ein Netzwerk baut, bei dem, selbst wenn einer den Server hackt, er damit nichts anfangen kann.“ Uff! „Rollierendes System aus Zufallszahlen“! Gleich schlägt es Mitternacht!

Zahl des Abends

Die Linke störte noch mehr ein anderer Punkt: „Das Problem ist, dass man nur auf den Plattformen programmieren  kann, die da sind, und das sind die von Google und Apple!“ beschwerte sie sich.

Maischberger zog eine brandneue Umfrage aus dem Hut: „52 Prozent der Deutschen wollen die App nicht installieren, und davon sagen 33 Prozent: Weil die Daten nicht geschützt sind.“

Vernünftigste Forderung

Ich finde, dass wir eine eigene europäische Plattform brauchen“, setzte Wagenknecht nach, „weil wir sonst ganz viel Wohlstand verlieren!“

Thelen, der sich als Fan des Elektroautobauers Musk und des Amazons-Großkaufmanns Jeff Bezos outete, redete dann um Hyperloops, Quantencomputer und „hocheffiziente Performer“, während Wagenknecht Amazon mit der Elle des Arbeitsrechts messen wollte.

Maischberger stoppt sie mit der Gretchenfrage: Bei der Linken seien jetzt doch so schöne Posten freigeworden, z.B. als Parteivorsitzende?

Doch das entlockte der Linken nur ein müdes Lächeln: „Nein“, sagte Wagenknecht kühl. „Das ist jetzt nicht der Plan!“ So gab’s zum Schluss doch noch was Essentielles.

Fazit: Matte Meinungsmodenschau mit erwartbaren Fragen und noch erwartbareren Antworten. Das war ein Talk der Kategorie „Wegdämmerschoppen“.

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