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Stoiber bestätigt im ZDF: Merkel ist eine lahme Ente!

„Maybrit Illner: Geliebter Feind – braucht Europa Putin?“ ZDF, Donnerstag, 12.Dezember 2019, 22.15 Uhr.

Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag der Ansicht zugestimmt, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in der EU inzwischen als „lahme Ente“ gelte.

In einer Diskussion über die Vorschläge des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron hatte Talkmasterin Illner provozierend gefragt: „Wird Merkel im Europäischen Rat jetzt mehr oder weniger als Lame duck betrachtet?“

Zur Verwunderung der Zuschauer antwortete Stoiber prompt: „Ja, das ist so!

Bundesaußenminister Heiko Maas schien seinen Ohren nicht trauen zu wollen: „Das kann man so nicht sagen, Herr Stoiber!“ mischte er sich ein.

„Doch!“ beharrte der Bayer zunächst. Erst dann machte er, noch im gleichen Atemzug, einen Rückzug: „Nicht Lame duck, aber es ist doch klar: Im Europäischen Rat orientiert man sich jetzt sehr stark auf Macron…“

Zynischster Spruch

Zu Beginn der Sendung hatten sich Illner und ihre Gäste zunächst mit den Vorwürfen des russischen Staatspräsidenten Putin befasst, der plötzlich behauptet, der in Berlin mutmaßlich im Auftrag des Kreml ermordete Georgier sei ein Terrorist gewesen.

„Wir werden uns weitere Schritte vorbehalten“, sagt Maas im Diplomaten-Sprech zum Ausweisungs-Pingpong zwischen Berlin und Moskau wegen des Mordes im Kleinen Tiergarten.

Deutschland-Experte Below steuert ein zynisches Argument bei: „Schade, dass er nicht vor Gericht stand“, sagt er über den Toten, den Putin als Terroristen brandmarkt. „Dann wäre er am Leben geblieben…“

„Komisch, dass vorher nichts davon bekannt war“, sagt Maas zweifelnd über den plötzlichen Terrorismus-Vorwurf aus Moskau. Eine Anfrage wegen Auslieferung oder ein Rechtshilfeersuchen habe die russische Regierung, anders als Putin erklärte, nicht gestellt.

„Sie sind nicht informiert!“ sagte Below dazu.

„Ich bin ganz gut informiert“, konterte der Außenminister. „Putin verlangt Respekt für sich, für Russland. Wir verlangen Respekt für den Rechtstaat!

Zur Talkmasterin sagte der Außenminister: „Sie können mir glauben, dass da, wo ich unterwegs bin, man des öfteren Leute trifft, bei denen man befürchten muss, dass sie auch die Unwahrheit sagen!

Ernüchterndste Feststellung

Stoiber erinnerte daran, dass Obama Russland 2014 zu Beginn der Ukraine-Krise als „Regionalmacht“ verspottet hatte: „Wir haben die Zeit nicht genutzt, nur auf unsere Stärke gesetzt!“ warf der Bayer nun dem Westen vor.

Vor Trump haben die Menschen in Deutschland Angst, vor Putin nicht!“ stellte der CSU-Grande weiter fest. Russland sei „ein starker Partner für Europas Außenpolitik“. Zur Annäherung des französischen an den russischen Präsidenten meinte Stoiber: „Macron bringt neuen Schwung in die Debatte!“

Frechste Frage

Illner wollte Maas aus der Reserve locken: „Sind Sie uneins mit Ihrer Partei?“ stichelte sie in Anspielung auf den Dämpfer für den Minister auf dem Parteitag.

Doch der Saarländer blieb locker: „In der Diplomatie muss man wissen, dass die erste Runde oftmals verloren geht“, antwortete er. „Dann muss man in der 2.Runde gewinnen…“

Härteste Attacke

Die Grüne-Co-Chefin Annalena Baerbock nahm die Ukraine in Schutz: Das Land habe 1994 auf seine Atomwaffen verzichtet, weil es einen Vertrag gegeben habe, der ihm seine Sicherheit garantierte.

„Deshalb muss es jetzt Friedensschritte geben“, forderte sie, „denn sonst verrät die Friedensmacht Europa ihre Werte und Ideale!“ Baerbocks schärfster Vorwurf: „Gerade in Russland werden die Bürgerrechte und Menschenrechte mit Füßen getreten!“

Heftigster Wutanfall

Stoiber legte sich mächtig für die umstrittene Pipeline „Nordstream 2“ ins Zeug: „Wir werden auf lange Zeit Gas brauchen!“ erklärte er.

Dann nahm er das US-Repräsentantenhaus auf die Hörner: „So geht man mit Partner nicht um!“ wetterte er. „Man haut uns einfach Sanktionen hin!“

Trump-Bashing des Abends

„Was will denn Trump?“ fragte der CSU-Mann in wachsender Erregung. „Er will sein Fracking-Gas verkaufen! Das ist die typische amerikanische Haltung, nur die eigenen Interessen zu vertreten!“

Hmm – machen wir das in diesem Fall nicht genauso?

Auch Baerbock war voll dabei. „Ich finde es brandgefährlich, was die Amerikaner machen!“ schimpfte die Grüne-Chefin. „Politik wird ersetzt durch Erpressung! Das können wir uns als Europäer nicht gefallen lassen!“

Verräterischstes Argument

Dann brach Baerbock eine Lanze für die Osteuropäer in ihrem Widerstand gegen die Ostsee-Pipeline: „Die Hauptbedingung für diese Leitung war, dass es eine vertragliche Zusage gibt an die Ukraine, dass die Leitung durch die Ukraine beibehalten wird“, stellte sie fest. Doch: „Das gibt es bis zum heutigen Tage nicht!“

„Der Transit durch die Ukraine ist bisher noch nicht technisch geregelt“, behauptete Below. „Da gibt es auch technische Pannen!“

„Da sehen wir schon den Punkt!“ triumphierte Baerbock und zeigte anklagend auf den Russen zu ihrer Linken. „Da sehen wir schon den Punkt!“

Beruhigendste Info

Macron braucht die große Bühne und das Pathos“, meinte die Politologin Claire Demesmay zur NATO-Schelte des französischen Präsidenten. „Aber französische Soldaten sind in Estland stationiert, zur Abschreckung gegen Russland!“

„Am Ende wird es eine europäische Armee geben“, sagte Stoiber voraus. „Sie darf aber nicht separat zwischen Amerika und China stehen, sondern muss ein Teil der NATO sein!“

Überraschendste Übereinstimmung

„Jeder weiß, dass wir außer unserer starken Wirtschaft, außer unserer unglaublich wunderbaren Freiheit und was Europa darstellt – dazu brauchen wir eine stärkere Bereitschaft zur Verteidigung!“ mahnte Stoiber. „Wenn wir das nicht haben, werden wir nicht ernst genommen.“ Dafür gab es kräftig Beifall!

Der Zustand der NATO ist katastrophal!“ schimpfte Baerbock. „Die EU ist ein Wertebündnis, das macht Europa so stark, und die NATO ist das in ihrem jetzigen Zustand nicht!“

Verblüffendste Allianz

„Deshalb“, so die Grüne weiter, „halte ich es für essentiell, dass wir als Europäer, und da kann ich mich Herrn Stoiber nur anschließen: Wir brauchen als Europäer eine eigene strategische Souveränität, aber auf der Grundlage unserer Werte!“

„Ja. Innerhalb der NATO!“ assistierte Stoiber und besiegelt ein besonders interessantes Ergebnis der Diskussion.

Wichtigste Klarstellung

„Die EU ist nicht Europa!“ sagte Below zum Schluss. „Europa ist ein bisschen größer. Russland sollte nicht zu Europa, sondern Russland i s t Europa, und nicht nur bis zum Ural, sondern bis Wladiwostok und der Kamtschatka. Dank Russland ist Europa kulturell und humanitär auch im Fernen Osten vertreten!“

Interessante Ansichten, verblüffende Wendungen, aufschlussreiche Widersprüche, unterhaltsamer Mix aus Sachlichkeit und Emotionen: Das war ein Talk der Kategorie „Überraschungsparty“.

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