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SPD-Krach um Corona-Einschränkungen: Schwesig wirft ihrem Parteifreund Müller in Berlin Feigheit vor

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 14.Dezember 2020, 23.30 Uhr.

Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat dem Berliner SPD-Bürgermeister Michael Müller in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch Feigheit vorgeworfen.

Wörtlich sagte die Politikerin über die Beschlüsse der Corona-Runde bei der Bundeskanzlerin: „Es gibt nicht den Mut, in diesen Risikogebieten Entscheidungen zu treffen. Also mussten die Länder, die sehr viele Touristen erwarten, diese Entscheidungen treffen.“ Rummms!

In den USA droht Chaos, und bei uns gibt’s jede Menge Zoff: Streit um Corona, Streik im Nahverkehr, Stress mit Hausbesetzern in Berlin. „maischberger.die woche“ suchte Erklärungen und Lösungen. Die Gäste:

  • Schwesig will eine „klare, stringente Linie“ ohne Lockerungen durchsetzen.
  • Der Virologe Prof. Hendrik Streeck fordert immer wieder unverdrossen eine Corona-Ampel für den Bund.
  • Mary L. Trump, Nichte des US-Präsidenten, verkaufte ihr Onkel-Bashing-Buch „Zuviel und nie genug“ bereits am ersten Tag fast eine Million Mal.
  • Der Politologe Prof. Stephan Bierling glaubt nicht an eine Wiederwahl Donald Trumps.
  • Die SZ-Journalistin Cerstin Gammelin warnt: „Corona trifft die deutsche Konjunktur härter als gedacht!“
  • Die WELT-Autorin Susanne Gaschke glaubt: „Die Deutschen gefallen sich in 150-prozentigem Corona-Gehorsam!
  • Der Kabarettist Vince Ebert ist auch Physiker und Wissenschaftsjournalist. Sein bester Spruch: „Ich habe zwanzig Jahre lang dafür gekämpft, dass Wissenschaft in aller Munde ist, und dann muss so ein blödes Virus kommen, damit Herr Drosten mehr Twitter-Follower hat als Mario Barth!“

Eine Politikerin, zwei Professoren, drei Journalisten: Talkmasterin Sandra Maischberger hatte wieder starke Trümpfe im Blatt. Und es ging auch gleich gut los!

Kabarettist Ebert war mit den Konsequenzen der Konferenz bei der Kanzlerin nicht glücklich: „Es gibt Alternativen!“

Widerspruch! „Es gibt keine Alternativen, sondern nur verschiedene Szenarien!“ meintw SZ-Gammelin.

WELT-Gaschke kritisierte die „apokalyptische Rhetorik“ der Politiker, „weil Angst kein guter Ratgeber ist!“

Vernünftigste Absichtserklärung

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin wurde aus Berlin zugeschaltet. „Wir wollen das öffentliche Leben so weit wie möglich aufrechterhalten“, kündigte sie an. „Aber das geht eben nicht ohne Sicherungs- und Schutzmaßnahmen!“

Wichtigster Knackpunkt: Die Reise- und Beherbergungsverbote. Als Experte war der System-Immunologe Prof. Michael Meyer-Herrmann im Kanzleramt dabei. „Ich habe ihn natürlich gefragt“, berichtete die Ministerpräsidentin, „und er hat gesagt, dass man Reisen in oder aus Risikogebieten massiv einschränken müsste!“

Größte Enttäuschung

„Das ist übrigens meine Position von Anfang an“, erklärte Schwesig dazu. „Wir haben kein Beherbergungsverbot, im Gegenteil! Zu uns können Menschen aus Risikogebieten kommen, aber sie müssen natürlich einen Test mitbringen.“

Ihr Ärger: Mit ihrem Kieler CDU-Kollegen Daniel Günther habe sie erreichen wollen, dass Tourismus-Verbote dort verhängt werden, wo es die vielen Infektionen gibt – und nicht etwa in den Urlaubsgebieten, wo die Absteckungsgefahr deutlich geringer ist.

„Ich finde es schade, dass wir uns heute nicht bundesweit einheitlich geeinigt haben“, sagte sie enttäuscht.

Kniffligste Frage

„Wenn ich Sie richtig verstehe“, meinte Maischberger, haben Sie sich gewünscht, dass zum Beispiel der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, sagt: Wir reisen jetzt freiwillig nicht mehr nach Mecklenburg-Vorpommern, damit Sie die Verantwortung nicht tragen.“

„Nee!“ antwortete Schwesig sauer. „Abenteuerlich! Ich finde, in erster Linie hat derjenige die Verantwortung, der ein Risikogebiet hat! Der muss sagen, was passieren muss!

Innerparteilichste Attacke

Und dann lederte sie gegen den Parteigenossen Müller los: „Unsere Reisebestimmungen gibt es schon seit Mai! Man hätte dann den Menschen im Risikogebiet sagen müssen: Hört mal zu, wenn die Zahlen weiter steigen, wird es diese Beschränklungen geben!“

Doch: „Den Leuten wurde in Wahrheit nicht gesagt, was auf sie zukommt, wenn sie Risikogebiet werden!“

Heftigster Beschuss

„Wenn wir als Ministerpräsidenten sagen, dass ein Risikogebiet Sperrstunde und noch stärkere Kontaktbeschränkungen bedeutet“, erläuterte die Politikerin sichtlich angefasst, „dann kann ich nicht so tun, als ob ich woanders hinreisen kann, und dort gelten dann keine Regeln!“

Die Attacke hinterließ Eindruck: „Der zweite Lockdown wird nicht mehr so friedlich ablaufen“ schwante dem Kabarettisten.

Dramatischste Warnung

Danach setzte Streeck noch einen drauf: Die von der Kanzlerin publik gemachte Horrorvorstellung von 19.200 Infizierten pro Tag noch vor Weihnachten sei „eine realistische Zahl“, erklärte der Virologe ohne Wenn und Aber.

Seine Prognose: „Ich nehme an, dass Deutschland jetzt einen deutlichen Anstieg haben wird. Wir können das Virus nicht aufhalten. Die Frage ist, ob wir es kontrollieren können.“

Bedenklichste Info

Die Zahl der Kanzlerin scheint auch deshalb nicht etwa übertrieben, weil, so Streeck, „Hochrechnungen sagen, dass wir im März 60.000 Infektionen pro Tag gehabt haben könnten, aber nicht mitbekommen haben. Wir hatten gar nicht die Kapazitäten, so viel zu testen.“

Ungewöhnlichstes Beispiel

„Wenn wir in einem Altenheim einen Ausbruch mit 50 Infizierten haben“, erklärte der Virologe weiter, „habe ich da mehr Sorge vor, als wenn 150 junge Raver infiziert sind und nur milde Symptome haben – wenn sie das Virus nicht ins Altersheim bringen.“

Realistischste Einschätzung

Dass der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach aus einer Studie eine Corona-Sterblichkeit von 1 Prozent der Infektionen zitierte, findet der Virologe „viel zu hoch gegriffen“: Sein eigene Studie aus dem Hotspot Hainsberg habe eine Sterblichkeitsrate von nur 0.37 Prozent gezeigt.

Ernüchterndste Prognose

„Keiner kann vorhersagen, ob ein Impfstoff kommen wird oder nicht“, stellte der Virologe am Ende fest. „Ich glaube nicht daran, dass wir im Januar eine Superwaffe haben!“

Auch die Arznei, mit der sich Trump vom Krankenlager erhob wie Phönix aus der Asche, sieht Streeck skeptisch: „Dieses Medikament wurde gerade gestoppt, weil es schwere Nebenwirkungen gegeben hat.“

Zum Schluss ein Doppel-Bashing

Zum Thema Trump ließ Maischberger die Nichte des Präsidenten zuschalten, die von dem Wunsch getrieben wird, mit ihrem Onkel abzurechnen. Daneben saß Politikexperte Prof. Bierling im Studio.

Die Nichte, von Beruf Psychologin, war gleich auf Zinne: „Er hatte experimentelle Medizin zur Verfügung, die die meisten Menschen nie bekommen würden“, wetterte sie los. „Damit hat er die Symptome verschleiert! Und natürlich riskiert er auch das Leben anderer Menschen um sich herum!“

Für den Politologen wiederum ist Trump „kein Demokrat“, sondern „ein Brandstifter“.

Aufschlussreichste Vorgeschichte

Der Zorn der Nichte speist sich aus dem tragischen Schicksal ihres Vaters: Donald Trumps älterer Bruder Fred sei wegen seiner Alkoholsucht vom Vater verachtet worden. Nur deshalb habe der jüngere Donald das Immobilienimperium der Familie geerbt.

„Mein Großvater und die Familie haben seine Sucht als moralisches Versagen behandelt“, klagte die Tochter des früh Verstorbenen nun. An ihrem Präsidenten-Onkel ließ sie auch heute kein gutes Haar: „Überhaupt keine Fähigkeiten zum erfolgreichen Geschäftsmann. Er hat nichts erreicht. Sehr viel Schaden angerichtet.“

Schlimmer noch: „Rassismus! Frauenverachtung!“ schimpfte sie. „Weitere vier Jahre im Weißen Haus würden bedeuten, dass auch Amerika eine Diktatur wird!“ Und da wurde es dann wirklich gruselig.

Fazit: Dramatischer Schlechtwetterflug über gefährliche Problemzonen! Jede Menge Zoff, aggressive Anklagen und wütende Passagiere mit der Kompromissbereitschaft überdopter Käfigkämpfer. Das war eine Talkshow der Kategorie „Harte Bandagen“.

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