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Spahn verspricht bei Maischberger: Spätestens im dritten Quartal wird flächendeckend jeder geimpft, der es möchte!

„maischberger. die woche“. ARD. Mittwoch, 9.Dezember 2020, 22.50 Uhr.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in der ARD-Talkshow „maischberger.die woche“ am Mittwoch versichert, dass schon in sechs Monaten flächendeckend geimpft könne.

Wörtlich sagte der Politiker: „Wenn die Zulassungen kommen, können wir spätestens im dritten Quartal in Deutschland jedem, der geimpft werden möchte, auch ein Impfangebot machen!“

Die Virus-Flut steigt immer höher, die Kanzlerin kämpft um die Deiche, das Volk bangt um sein Weihnachtsfest und Maischberger aktualisiert die Wasserstandsmeldungen: Wirkt der Lockdown oder ist bald Land unter? Die Gäste:

Spahn steht als Deichgraf auf der Dammkrone und hofft, dass die Flut nicht weiter steigt.

Die Virologin Prof. Melanie Brinkmann schlägt Alarm: „Lockerungen über die Festtage sind eine sehr große Gefahr!“

Siemens-Chef Joe Kaeser machte im letzten Dienstjahr noch mal 4,2 Milliarden plus.

WELT-Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld spottete über eine kanzleramtliche Beschlussvorlage im Stil einer Mystery-Reihe: „Seltsam, aber so steht es geschrieben…“

ARD-Moderator Ingo Zamperoni drängelte: „Nach den aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland ist Eile geboten!“

Der freie Journalist Peter Zudeick (WDR, NDR) höhnte über die Kanzlerin: „Allerbrillanteste Regierungskunst!“

Zudeick hatte auch gleich den richtigen Ton drauf: „Wir gehen in die Verlängerung“, sagte er zum Lockdown und forderte: „Volle Kanüle!“

Treffsicherste Personenbeschreibung

Die WELT-Chefin illustrierte die Auswirkungen des Virus auf Politiker mit einer passgenauen Charakteristik: „Vor Corona ist Karl Lauterbach ein bisschen der kauzige Gesundheitspolitiker mit der Fliege gewesen, der gerne SPD-Vorsitzender geworden wäre und völlig aussichtslos war.“

Jetzt aber, so Rosenfeld zu Maischberger, „ist er eine der meistgehörten Stimmen in dieser Pandemie, in fast jeder Fernsehsendung zu Gast, und bei Ihrem Kollege Markus Lanz so oft, dass sich manche schon fragen, ob Lanz und Lauterbach zusammen einen Haushalt ergeben.“ Das perlte!

Alkoholischstes Kompliment

Zudeicks Gewinner der Woche war der Glühwein: „Jahrelang im übelsten Ruf der Weihnachtsmarkt-Plörre, und jetzt pilgern alle, auch die Connaisseurs, zu den Ausschankstätten. Rudelbildung!“

Gesamturteil des Journalisten: „Eine tolle Karriere! Vom Menetekel des schlechten Geschmacks zum Top-Thema der Presse und zu einem echten Politikum!“

„Er hat es sogar in die Rede der Bundeskanzlerin geschafft“, assistierte die Talkmasterin. Na denn Prost!

Energischste Überleitung

Nach der Aufwärmphase wurde es ernst: Lockdown bis zum 10.Januar! „Jetzt steigen die Todeszahlen, und zwar in der Gruppe der über 70-jährigen, und wir debattierten über Schulschließungen!“ kritisierte die WELT-Chefin. „Da geht schon was nicht zusammen!“

„Achtung, Herr Spahn, es geht jetzt gleich los!“ warnte die Talkmasterin ihren Stargast vor, denn aus Berlin wurde der Bundesgesundheitsminister zugeschaltet.

Ehrlichstes Eingeständnis

„590 Tote an einem Tag! Um wieviel Uhr haben Sie heute Morgen diese Zahl zur Kenntnis genommen?“ wollte Maischberger als erstes wissen. Zweite Frage: „Wie geht es dem zuständigen Minister für Gesundheit dabei?“

„Zwischen sechs und sieben“, antwortete Spahn. „Wie jeden Morgen nach dem Aufwachen schaue ich natürlich auf den Lagebericht. Und da ist eine Zahl, die jeden Morgen sehr, sehr betrüblich ist!“

Über den Lockdown sagte der Minister: „Wir haben nur den ersten Teil erreicht. Wir haben das Wachstum gebremst, aber seitdem sind die Zahlen in einer Seitwärtsbewegung.“

Schonungslosestes Urteil

Das aber sei „das schlechteste aus drei Welten“, sagte Spahn und beklagte: „Zu hohe Todeszahlen und zu viele Intensivkapazitäten belegt. Es ist sehr, sehr teuer, die Entschädigungszahlungen für November/Dezember gehen in die 30, 30 Milliarden Euro.“

Und: „Wir erleben eine zunehmende Ermüdung der Bürgerinnen und Bürger, und das ist aus meiner Sicht das schlechteste von allem!“

Schärfster Tadel

„Für viele ist Weihnachten die ruhigste Zeit im Jahr“, meinte der Minister hoffnungsvoll, „und damit auch eine Zeit, wo wir mal zwei Wochen insgesamt diesem Virus so gut wie keine Chance lassen sollten.“

Aber: „Das heißt nicht, dass man jetzt vor Weihnachten alles irgendwie ausreizt!“ warnte Spahn. „Einige sind am Glühweinstand, und die anderen kämpfen auf den Intensivstationen als Pflegekräfte um die Patienten. Keine gute Arbeitsteilung in der Gesellschaft!“

Kritischste Frage

Maischberger setzte die Kneifzange an: „60 Prozent der Todesfälle kommen in Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege vor, 87 Prozent betreffen die Altersgruppe 70 plus. Warum sind wir nicht in der Lage, die Alten so zu schützen, wie Sie es angekündigt haben?“

„Das Thema ist, dass Testen das Risiko reduziert, aber nicht auf Null bringt“, erwiderte der Minister. „Das Risiko ist nur dann auf Null, wenn wir uns alle zu Hause einschließen. Aber das ist ja kein Leben!“

Gefährlichstes Thema

Spahns Entschuldigung: „Seit Oktober steht auch der Schnelltest zur Verfügung, aber wir können nur das Angebot der Kostenübernahme machen. Die Umsetzung vor Ort ist das Nadelöhr!“

Uff! Zielte das etwa auf das medizinische Personal? Diesen Verdacht wollte Spahn gar nicht erst aufkommen lassen: „Mir ist als Bundesminister für Gesundheit wichtig, dass die Pflegekräfte mit voller Kraft ihr Bestes geben“, fügte er schnell hinzu.

Wichtigste Zusicherung

Doch die Talkmasterin grillte munter weiter: Der künftige US-Präsident Joe Biden habe versprochen, in den USA würden jetzt in 100 Tagen 100 Millionen Menschen geimpft. Bei uns wären es laut Kanzlerin  sieben Millionen im ersten Quartal.

„Wir haben für Deutschland über 300 Millionen Dosen Impfstoff gesichert“, verteidigte sich der Minister. „Die werden Zug um Zug ausgeliefert und verimpft.“

Härtester Vorwurf

Von ARD-Zamperoni gab’s dafür Mecker: „Drittes Quartal, das heißt, wir impfen dann irgendwann im Herbst!“ meint der „Tagesthemen“-Moderator. Hm – im Kalender fängt es allerdings am 1.Juli an.

Virologin Brinkmann war sauer: „Über den Sommer hinweg wurde zu wenig getan und auch zu viel diskutiert, dass das Virus gar nicht so gefährlich sei!“ schimpfte sie. „Und jetzt stehen wir da, vor dem Scherbenhaufen!“

Eindringlichste Warnung

„Diese Wischi-Waschi-Strategie, die wir gerade fahren, ist einfach nicht richtig!“ sagte die Professorin klipp und klar. „Am besten würden wir ab heute alle zuhause bleiben!“

Denn das sei, so Brinkmann, wissenschaftlich erwiesen: „Je härter der Lockdown ist, desto kürzer ist er auch.“

Klarste Strategie

Die Folge sei „ein kurzer Schaden für die Wirtschaft, auch eine psychische Belastung“, gab die Virologin zu. „Aber das, was wir machen, ist für die Wirtschaft genauso schlecht!“

Ihre Warnung: „Diese Halbherzigkeit ist keine gute Idee. Wir müssen dem Virus einen auf den Deckel geben!“

„Das Virus kennt keinen Heiligabend und kein Silvester“, fügte Zamperoni hinzu.

Bildhaftestes Beispiel

Zum Machtwechsel in den USA hatte Maischberger einen überzeugenden Vergleich mitgebracht: „Das ist ein bisschen so wie bei einem Autounfall“, sagte sie. „Es ist schrecklich, aber man guckt trotzdem hin.“

„Aus seiner Sicht ist es nur konsequent“, urteilte Zamperoni über Trump. „Er sammelt jeden Tag Millionen Spendengelder ein. Entweder er benutzt das, um eine Wiederwahlkampagne für 2024 zu starten, oder um seine Gerichtskosten zu finanzieren, die vielleicht auf ihn warten.“

Schönstes Schlusswort

Zum Finale hatte Maischberger Siemens-Chef Joe Kaeser eingeladen, der demnächst sein Amt aufgeben wird. „Gehen Sie in die Politik?“ fragte sie ihn.

„Dazu bin ich viel zu ungeduldig“, antwortete der Top-Manager. „Und wenn ich sehe, was die Politik heute ertragen muss, von so vielen Besserwissern und so wenig Bessermachern, dann sind die wirklich nicht in einer beneidenswerten Position!“

Fazit: Richtige Fragen, wichtige Antworten, jede Menge Infos und nur ganz wenig Luftleimerei, der Talk-Wanderzirkus mit prall gefüllter Manege: Das war ein Talk wie eine Vitaminspritze!

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