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Söder im Corona-Talk bei Anne Will: „Wir müssen hoffen und beten!“

„Anne Will: Deutschland im Ausnahmezustand – gewinnen wir den Kampf gegen das Coronavirus?“ ARD, Sonntag, 22.März 2020, 22.00 Uhr.

Das gab’s doch nie: Drei Politiker bei Anne Will, und alle von der Union!

Die Kanzlerin in Quarantäne, Klassenkeile für Markus Söder und Anne Will kurz vor Panik. Aber nicht ob Deutschland es schafft, ist hier die Frage, sondern wie, wann und unter welchen Opfern.

Der bayerische Ministerpräsident brachte es auf den Punkt: „Wir müssen hoffen und beten!“

Er war es aber auch, der sich bei diesem Corona-Talk einen Riesen-Zoff mit Talkmasterin Anne Will lieferte. Die Gäste

  • Der Ober-Bayer, aus München zugeschaltet, hatte den anderen Länderchefs Beine gemacht, und das gibt Rache!
  • Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), aus Saarbrücken zugeschaltet, geht mit Söder voran, zieht aber längst nicht so viel Feuer auf sich.
  • Merkels Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) ließ schon am letzten Dienstag bei Maybrit Illner die Sirenen heulen.
  • Die Virologin Prof. Melanie Brinkmann sagte zuvor bei Markus Lanz: „Das ist ein Krieg, und den müssen wir jetzt gewinnen!“
  • Die Chefärztin Bernadett Erdmann stellte für Leute mit Corona-Verdacht ein Zelt vor ihre Wolfsburger Notaufnahme.
  • Sebastian Fiedler (SPD), Verbandschef der deutschen Kriminalbeamten, kritisiert die Grenzkontrollen: Zu viel Gefahr und zu wenig Kompetenzen für seine Leute!

Über das Ziel sind sich alle einig, nicht aber über den Weg! Und das zeigte sich auch gleich. Seit Nachmittag hatten vor allem ARD-, aber auch andere Nachrichtensendungen von Streit und Hader zwischen Söder und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet berichtet, fast durchweg im Sinne von Laschet: Der Bayer sei auf Kosten der anderen Ministerpräsidenten unsolidarisch vorgeprellt. Auch bei der ARD-Moderatorin drang diese Sicht der Dinge deutlich durch.

„Herr Söder, bundesweit gilt nun für mindestens zwei Wochen dieses Kontaktverbot – außer in Bayern“, fragte die Talkmasterin als erstes. „Ist die Lage in Bayern so viel gefährlicher, oder geht es Ihnen darum, als der härteste Corona-Bekämpfer wahrgenommen zu werden?“

Und schon ging der Zoff los

„Das wäre eine sehr unangemessene Einschätzung“, antwortete Söder pikiert. „Auch die Frage ist da schon sehr kritisch. Wenn wir sehen, dass wir heute schon 26 Todesfälle haben in Bayern und die Zahl der Infektionen immer noch enorm steigt, müssen wir uns an der Sache orientieren!

Sache aber sei eindeutig, so der Ministerpräsident, „dass alle empfehlen, die sozialen Kontakte auszudünnen.“

Deshalb konnte der Ministerpräsident jetzt über die Beschlüsse der Sonntags-Konferenz mit Kanzlerin und Länderchefs ganz locker sagen: „Ich freue mich sehr, dass heute im Wesentlichen auch das beschlossen wurde, was wir seit Freitag vorgegeben haben. Denn nichts anderes ist es als eine Beschränkung des Ausgangs!“

Kompromissloseste Ansage

„Wir glauben einfach, dass es ganz notwendig ist, dass das, was alle anderen um uns herum machen, alle, die ganze Welt macht das – dass wir in Deutschland keinen Sonderweg beschreiten können!“ stellte Söder dazu fest.

Und: „Wir sind ein Stück vorausgegangen, das stimmt. Aber wir waren stärker betroffen, weil wir in Bayern an der Grenze zu Österreich und Italien sind.“

Interessanteste Nachfrage

„Da soll es heute einen Streit gegeben haben in dieser Telefonkonferenz zwischen Ihnen und dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet“, forschte Will. „Wie zerstritten sind Sie?“

„Gar nicht!“ behauptete Söder kühl. „Es geht doch jetzt um eine tiefernste Sache!“

Elegantester Schachzug

Und dann wiederholte Söder geschickt, was Armin Laschet vergangene Woche gesagt hatte: „Es geht um Leben und Tod!“ Da kann der NRW-Chef das Vorprellen der Bayern jetzt natürlich nur schwer kritisieren.

„Die Lage ist viel, viel ernster, als die meisten glauben!“ fügte Söder sicherheitshalber noch hinzu. „Es gibt überhaupt keinen Anlass, zu zögern oder zu warten!“ Damit war die Luft eigentlich raus.

Schärfste Gegenattacke

Doch die Talkmasterin wollte Söder irgendwie doch noch aus der Reserve locken: „Hat sich Armin Laschet jetzt doch für den Großteil der Republik durchgesetzt?“ fragt sie listig.

Jetzt wurde Söder sauer. „Frau Will, finden Sie diese Frage wirklich – finden Sie diesen Maßstab, den Sie jetzt da anlegen, wer setzt sich durch oder nicht, wirklich angemessen, wenn es um Leben und Tod geht?“ fragte er zurück.

Nützlichstes Nachkarten

„Per Gesetz liegt die Verpflichtung eindeutig bei den Ländern“, sagte der Ministerpräsident dann klipp und klar. „Ich habe einen Amtseid geschworen. Ich muss entscheiden für unser Land, und ich tue das auch!“

Und: „Bei der Schulschließung war es genauso“, erinnerte Söder. „Bayern und das Saarland sind vorausgegangen. Noch in der Ministerpräsidentenkonferenz vor einer Woche wollte keiner machen, was am Ende dann alle vollzogen haben. Jetzt ist es wieder das gleiche.“ Rummms!

Diplomatischster Vermittlungsversuch

Die Talkmasterin lieferte noch ein Beispiel ziemlich unpassender Koketterie: „Ich weiß, das mich Herr Söder jetzt nicht mehr mag!“ lächelte sie selbstgefällig.

Kanzleramtschef Braun schlichtete auf die sanfte Tour: „Der Beschluss ist sehr einheitlich, bei wenigen regionalen Unterschieden“, erklärte er in aller Ruhe.

Düsterste Vorhersage

„Wir werden durch das Kontaktverbot sehen, dass die Kliniken mit der Krise klarkommen“, sagte die Virologin voraus.

„Ich fürchte, dass das Kontaktverbot zu spät kommt!“ prophezeite dagegen die Chefärztin pessimistisch. „Ich fürchte, dass wir in wenigen Wochen vor einem Kollaps stehen!

Dramatischster Appell

Es darf nicht so sein wie in Italien, wo Ärzte entscheiden müssen, wer leben darf und wer nicht!“ warnte Söder eindringlich.

Aber: „Wir haben jetzt die Hoffnung, dass es gut funktioniert. Wir müssen hoffen, und wer gläubig ist, auch beten!

Klügste Ankündigung

„Von den Betten her werden wir es schaffen, von den Geräten sehr wahrscheinlich auch“, meinte die Chefärztin. „Aber der Personalmangel, das ist das schwierigste!“

Wir wollen weder Panik machen noch die Leute falsch beruhigen“, sagt der Kanzleramtsminister ganz im Stil seiner Chefin.

Über Merkels Quarantäne berichtet Braun: „Da das am Wochenende passiert ist, sind wir uns in der Zeit nicht begegnet.“ Er selbst sei also nicht betroffen – obwohl es offenbar knapp war: Wäre die Infektion um Merkel fünf Minuten später entdeckt worden, hätte es womöglich doch noch einen gefährlichen Kanzlerinnenkontakt gegeben.

Es gebe zwar die „gute Hoffnung“, dass Merkel sich nicht infiziert habe, sagte der Minister weiter. „Sie geht aber zur Sicherheit trotzdem in Quarantäne!“

Unfassbarste Info

Dann schlug Erdmann noch einmal Alarm: „Wir haben jetzt nur noch Schutzkleidung für eine Woche“, beschwerte sie sich.

Der irre Grund, so die Chefärztin: „Unsere Bestellungen kommen nicht an, weil sie beim Zoll feststecken!“

Beste Nachricht

Außerdem gebe es eine „unglaubliche Preisentwickelung“ beim medizinischen Material: „Wir müssen das für ein Geld einkaufen, dass die Politik gefordert ist, Halt zu gebieten!“ schimpfte sie.

Jens Spahn ist unermüdlich dabei, weltweit Schutzkleidung zu beschaffen!“ beruhigte Braun. „Wir haben schon die ersten Lieferungen, und die Verteilung fängt jetzt an!“

Hoffnungsvollste Prophezeiung

Auch Polizeiverbandschef Fiedler hatte eine gewichtige Beschwerde: „Wir machen erkennungsdienstliche Behandlung ohne jede Schutzmaßnahme!“ klagte er für seine Kollegen. „Das ist ein hochproblematischer Zustand!“

„Realistisch ist, dass es einen Impfstoff gibt in einem Jahr“, sagte Virologin Brinkmann immerhin voraus.

Hilfreichste Ankündigung

Wir werden morgen im Kabinett und am Mittwoch im Bundestag große Hilfen für die Wirtschaft in großer dreistelliger Milliardenhöhe beschließen“, versprach Braun.

Und: „Wir werden sehr viele Sozialleistungen ausweiten.“ Allerdings: „Wenn wir eine Epidemie haben, die Menschen das Leben kostet, wird sie gesellschaftlich Spuren hinterlassen, die nicht weggehen werden.“

Wichtigste Klarstellung

„Die 18 Monate, die immer wieder gesagt werden: Ich glaube, das irritiert die Menschen schon ganz erheblich“, erklärte Braun weiter. „Aber die Maßnahmen, die wir jetzt ergriffen haben, sind auf sehr viel kürzere Frist angelegt.“

Die jetzt beschlossene Kontaktreduzierung etwa gelte erst mal für zwei Wochen, so der Minister, „und dann kontrollieren wir das. Und die Schließungen mancher Einrichtungen geht bis zum 20.April, und dann schauen wir wieder.“

Ehrlichstes Statement

Brauns wichtigster Rat: „Die Menschen müssen jetzt gute Nerven bewahren!“

Aber: „Es wird nicht so sein, das diese Krise am Ende ohne bittere Spuren bleibt!“ sagte der Kanzleramtschef bedrückt.

Hochwillkommene Zusicherungen

Aus Saarbrücken zugeschaltet, kündigte der saarländische Ministerpräsident an: „Es wird noch diese Woche Sondersitzungen geben des Bundestages und auch des Bundesrates. Das ist ein beherzter Griff, den wir wagen, und der uns auch wirklich an finanzielle Grenzen bringt.“

In seinem Bundesland könnte etwa ein Taxifahrer sofort 5000 Euro bekommen, sagt Hans weiter. Braun wiederum kündigt an, dass ein Kleinunternehmer mit fünf Mitarbeitern kurzfristig bis zu 9000 Euro erhalten werde.

Schönstes Schlusswort

„Ich habe heute mit zwei meiner Vorgänger telefoniert“, erzählte Hans, „mit Oskar Lafontaine, der heute Oppositionsführer im Saarland ist, aber auch mit Annegret Kramp-Karrenbauer. Das sind Momente, wo man zusammenrückt.“

Seine Mahnung: „Wir brauchen jetzt beherzte Entscheidungen, damit wir nicht später panische Entscheidungen treffen müssen. Es ist jetzt nicht die Zeit der Populisten, und es ist auch nicht die Zeit der parteipolitischen Kämpfe. Meine Hoffnung ist, das diese Krise am Ende auch eine Chance sein wird für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Ernüchternde Feststellungen, erschreckende Bewertungen, erschütternde Ausblicke: Das war eine Show aus der Abteilung „Alarm-Talk!“

 

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