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Röttgen: UN soll in Syrien eingreifen!

„Anne Will: Erdogans Siegeszug – schaut Europa weiter hilflos zu?“ ARD, Sonntag, 20.Oktober 2019, 21.45 Uhr.

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag ein sofortiges Eingreifen der UNO im Norden Syriens gefordert.

Wörtlich sagte der Politiker, der als enger Vertrauter der Bundeskanzlerin gilt: „Ich glaube, dass da von der EU nichts kommen wird. Eine Initiative aller 28 Mitgliedstaaten wird es nicht geben!“

Dagegen setzt er Hoffnungen auf Frankreich, Großbritannien und Deutschland, vor allem aber auf die UN, damit „die Kontrolle der Sicherheit“ in dem umkämpften Landstreifen an der syrischen Nordgrenze „eben nicht von der Türkei übernommen wird, sondern von der internationalen Gemeinschaft.“

Röttgen ging damit auf eine Idee der Linke-Fraktionsvizechefin Sevim Dagdelen ein, die eine angebliche „Kumpanei“ der NATO mit Erdogan verurteilt und jetzt sogar auf einen Schwenk zu Assad drängte. Sie hatte in der Sendung gesagt: „Wir brauchen eine diplomatische Initiative à la Genscher!

Zusätzlich zu einem Sonderbeauftragten für Syrien müsse es dann noch „eine Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten“ geben.

Eindringlichste Warnung

Wir dürfen die Türkei nicht noch weiter in die Arme unserer russischen Freunde treiben!“ mahnte der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger. Er glaube, „dass es mittelfristig ein russisches Interesse geben könnte“, einen Weg zu finden, „der den Schwarzen Peter an die internationale Gemeinschaft gibt.“

Und das wäre, so nun auch der Experte, „die Idee einer Schutzzone, die von der UNO abgesichert wird.“ Damit wäre der Weg zu einem neu-osmanischen Groß-Erdoganistan verbaut.

Der US-General a.D. Ben Hodges, Ex-Kommandeur der US-Armee in Europa, heute für eine amerikanische Denkfabrik unterwegs, sieht die Bundesrepublik dabei in einer Hauptrolle: „Deutschland ist in der Welt der Partner, den die USA am meisten brauchen: moralische Autorität, Wirtschaftskraft, diplomatisches Format!“

Die TV-Journalistin Natalie Amiri, Leiterin des ARD-Studios in Teheran, warnte schon vor einem neuen Konfliktherd: „Die nächste Riesengefahr für Europa wird nach der Türkei der Iran sein.“

Denn: „Dort kippt die Stimmung!“ Und damit steigt auch dort die Kriegsgefahr.

Zum Einstieg eine Schimpfkanonade

Zu Beginn der Talkshow hatten sich die Gäste ausgiebig an dem US-Präsidenten abgearbeitet: „Katastrophale Entwicklung!“ wettert Sicherheitsexperte Ischinger über Trumps Rückzugsentscheidung. Röttgen setzt noch einen drauf: „Tiefstpunkt amerikanischer Diplomatie! Erbärmlich! Ich bin total entsetzt!“

Auch Journalistin Amiri macht Trump komplett nieder: „Ohne Konzept! Planlos! Beratungsresistent!“ wütet sie. „Er hat keine Ahnung!“

Ehrlichste Selbstkritik

Dann aber folgt ein Blick in den Spiegel: „Es steht uns Deutschen nicht gut zu Gesicht, zu kritisieren, denn von uns war ja nichts zu sehen!“ sagte Ischinger über Berlins Syrien-Politik. „Wir haben versucht, unsere Sicherheit an die USA outzusourcen!“

„Der Rückzug ist ein verhängnisvoller Fehler“, gab auch der US-General zu, „aber er war unvermeidlich!“ Denn: „Wir hatten nie die Absicht, länger dort zu bleiben. Wir hätten gehen sollen, als der IS am Boden war.“

Überraschendster Einwand

Die Linke prangerte vor allem die Kriegsverbrechen der Erdogan-Verbündeten an: „Die islamistische Soldateska begeht weiter Massaker an Zivilisten!“

Beim allgemeinen Trump-Bashing aber machte sie nicht mit: „Er hat klargemacht, warum er geht. Er will die Türkei um jeden Preis in der NATO halten. Und auch die Bundesregierung hat gesagt, dass das in ihrem strategischen Interesse ist!“

Alarmruf des Abends

„Alles, was dort jetzt passiert, wird uns als erste treffen!“ sagt Amiri voraus.

Ironischster Kommentar

Ex-General Hodges erinnert an die 1980er Jahre, in denen er ein junger Leutnant in Bremen war: „Die Deutschen haben damals geklagt: Warum müssen denn die Amerikaner immer den Weltpolizisten spielen? Jetzt sagen die Europäer: Wo sind denn die Amerikaner? Jetzt müssen wir den Job selber machen!“

Realistischste Einschätzung

„Jetzt kommt das dicke Ende nach!“ sagte Ischinger. „Eine der bittersten Erkenntnisse ist nach langen Jahren: Wir müssen uns mit der Tatsache vertraut machen, dass Assad wieder fest im Sattel sitzt.“

Deprimierende Konsequenz, so der Experte: „Wir werden mit dem Massenmörder Assad leben müssen!

Denn: „Wenn wir uns diplomatisch klein machen und militärisch nichts auf die Beine bekommen können, dürfen wir uns nicht wundern, wenn über unsere Interessen hinweggegangen wird!“

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