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Riesen-Zoff bei Maischberger: CDU- und CSU-Politikerinnen streiten sich heftig um den richtigen Kanzlerkandidaten

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 14.April 2021, 22.50 Uhr.

Die Unionspolitikerinnen Dorothee Bär (CSU) und Serap Güler (CDU) haben sich in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch ein heftiges Rededuell über ihre Parteichefs Markus Söder und Armin Laschet geliefert.

Im Kern ging es dabei um die Frage, ob die Kandidatur durch das von Laschet am Montag herbeigeführte Votum der CDU-Gremien bereits endgültig entschieden oder doch noch etwa durch die gemeinsame CDU/CSU-Bundestagsfraktion veränderbar sei.

Laschets stürmische Eröffnung auf dem politischen Schachbrett wurde von Söder mit der bayrischen Verteidigung erst mal ausgebremst. Jetzt läuft ein hochklassiges Positionsspiel mit eifrigen Leichtfiguren und munteren Bauern. Sandra Maischberger steuerte nun ein spannendes Damenduell bei. Die Gäste:

Digitalministerin Dorothee Bär ist Partei-Vize und kennt Söder schon seit der Jungen Union.

Serap Güler, NRW-Staatssekretärin für Integration, sitzt im Parteivorstand und kämpft für Laschet.

Der Gesundheitspolitiker Prof. Karl Lauterbach (SPD) wetterte auf Twitter: „Die Notbremse ziehen wir zu spät und nicht fest genug!

Die Tübinger Notfallmedizinerin Lisa Federle setzt auf neue Ideen in der Pandemiebekämpfung.

Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl ist eine besonders strenge Söder-Kritikerin.

Die Journalistin Cerstin Gammelin (SZ) weiß, dass  Söder immer dort gut aussieht, wo die Union ihre Kernkompetenz verortet: in der Wirtschaft.

Der Publizist Wolfram Weimer („Cicero“) hat immer was Interessantes im Ärmel.

Diesmal war Maischbergers Frauenquote besonders beeindruckend. Was das bedeutete? Schon nach den ersten Spiel- lag die Harmonie in den letzten Zügen!

Klarste Positionsbestimmung

Die CDU-Politikerin schob gleich mal den Schwarzen Peter nach Bayern: „Ich bin überrascht, weil ich nach den Worten von Herrn Söder am Sonntag ehrlich gesagt eine etwas andere Haltung erwartet habe“, erklärte sie vorwurfsvoll, „nachdem das Präsidium und der gesamte Bundesvorstand der CDU sich für Armin Laschet ausgesprochen haben!“

Dass die eigenen Präsidien sich hinter den eigenen Vorsitzenden stellen, ist klar“ konterte Bär. „Aber wir bekommen wahnsinnig viel Unterstützung aus der Bundestagsfraktion, und das kann man nicht ignorieren in einer ganz, ganz wichtigen schicksalhaften Wahl!“

Strengstes Urteil

Ein ARD-Einspieler zitierte Söder erst mit der Zusicherung, ein Votum der CDU zu akzeptieren. Nach dem „großen Diskussionsbedarf in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion“ aber sei es „klug, dass man nicht nur in einem kleinen Hinterzimmer entscheidet“.

„Ein Wortbruch!“ kommentierte die Talkmasterin umstandslos.

„Überhaupt nicht“, widersprach Bär. „Wir hatten in der Bundestagsfraktion eine der längsten Sitzungen, die wir je hatten, und da haben sich zwei Drittel der Abgeordneten für Markus Söder ausgesprochen. Das kann man doch nicht ignorieren!

Durchschaubarstes Hilfsargument

Die CDU-Politikerin drückte auf die politmoralische Drüse: An diesem Tag sei es vor allem um das Infektionsschutzgesetz gegangen, tadelte sie. Ihr Ärger: „Dass sich die größte Fraktion im Bundestag stundenlang mit personellen Debatten beschäftigt, fand ich ehrlich gesagt unpassend!“ Sollte wohl heißen: Maul halten und die Personalie ohne weitere Debatte abnicken, es gibt wichtigeres zu tun.

Frage des Abends

Dem Zornesausbruch folgte die Attacke: „Ich finde es ehrlich gesagt als Bundesvorstandsmitglied einen Affront, dieses Gremium als Hinterzimmer abzutun!“ erboste sich Güler.

„Es hieß immer, wenn sich die Gremien der Partei sozusagen entscheiden, dann ist das auch für Söder…“ assistierte Maischberger.

„Wann wurde das denn gesagt?“ funkte Bär dazwischen.

Die Talkmaster wirkte plötzlich nicht mehr ganz sattelfest: „Herr Söder hat gesagt, wenn die Gremien der CDU…“

„Nein“, grätschte Bär sie ab. „Nicht die Gremien! Er hat gesagt: Wenn sich die Mehrheit der CDU für ihn entscheidet. Und wer ist denn die Mehrheit?“

Tja, genau das ist hier die Frage. Für Bär zählen Umfragen („heute wieder 88 Prozent für Markus Söder“) mehr als Parteivorstandsbeschlüsse: „Sie können den Wählerwillen nicht ignorieren!“

Jetzt ging der Zoff richtig los

„Umfragen sind für Sie schon der Wählerwille?“ stichelte Maischberger.

Umfragen sind wichtig, weil die Bürger kundtun, wem sie unser Land anvertrauen wollen“, erwiderte die CSU-Politikerin.

„Es geht darum, dass man sich an ein verabredetes Verfahren hält!“ mahnte die Talkmasterin.

„Es wird versucht, die Aussage von Markus Söder anders darzustellen als ganz viele andere sie verstanden haben“, beschwerte sich Güler. „Aber diese Umfragelogik erschließt sich mir nicht ganz.“ Puh!

Es ist eine viel zu ernste Situation, um jetzt zu sagen: Howgh, das Präsidium hat beschlossen, und jetzt müssen alle springen“, konterte die CSU-Politikerin. Uff! Howgh sagt sonst nur der alte Häuptling der Indianer.

Überraschendste Info

„Die harten Wortmeldungen kamen ja von keinem einzigen  CSUler“, berichtete Bär aus der Fraktionssitzung, „sondern die harten Auseinandersetzungen kamen von CDU-Bundestagsabgeordneten, die gesagt haben: Ja, wir haben Armin Laschet jetzt zum Parteivorsitzenden gewählt, aber wir würden lieber mit Markus Söder in die Wahl gehen!“

Listigstes Wortgefecht

Die CSU-Politikerin wollte noch mal mit Meinungsforschung punkten: „Worauf stützen sich denn auch die meisten Ihrer Sendungen?“ fragte sie Maischberger. „Auch auf Umfragen!“

Das passte der Talkmasterin jetzt aber gar nicht ins Konzept: „Nee!“ widersprach sie. „Ehrlich gesagt schauen wir uns meistens Wahlergebnisse an und diskutieren dann.“ Hm – ob diese Aussage den berühmten Faktencheck des Talk-Kollegen Plasberg überstehen würde?

Bedenklichste Bewertung

Tatsächlich gab es ja in der Fraktionssitzung ganz viele CDU-Abgeordnete, die gesagt haben: Lieber Armin, zieh zurück“, räumte Maischberger ein.

„66 Abgeordnete von 245, und auch die waren nicht alle einer Meinung“, relativierte Güler. „Zur Wahrheit gehört auch: Es gibt nicht die eine Basis!“

Provozierendste Frage

Maischberger nahm wieder die CSU aufs Korn: „Ist es Markus Söder eigentlich egal, dass er mit dem, was gerade passiert, einen Parteivorsitzenden Armin Laschet demontiert?

Bärs kluge Antwort: „Mich interessiert, dass wir es schaffen, nach 16 Jahren Angela Merkel auch wieder eine Bundestagswahl zu gewinnen!“

Doch Maischberger wollte weiter Krawall: „Koste es, was es wolle?“ fragte sie gleich zweimal nach. Uff!

Emotionalstes Argument

CDU-Güler baute noch mal Druck auf: „Was sagen denn die Menschen, deren Angehörige auf den Intensivstationen liegen?“ rief sie.

Mehr noch: „Was sagen denn die Gastronomen, die Pflegerinnen und Pfleger, die Erzieherinnen und Erzieher, die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Familien, die gerade vor großen Herausforderungen stehen, wenn sich die einzige Volkspartei der Nation tagelang mit diesem Thema beschäftigt?“

Ehrlichste Ansage

„Ich glaube, dass gerade diese Menschen sich nicht an Umfragen beteiligen“, behauptete Güler forsch. „Ich glaube, dass wir einen guten Wahlkampf führen, wenn wir uns schnell einigen, und zwar ohne dass die kleinere Schwester meint, die größere übertrumpfen zu wollen!“

Unterhaltsamste Kommentare

ARD-Kohl war geschafft: „Es erschöpft einen ja, einer Selbstzermürbung einer Partei derart zuzusehen“, ächzte sie.

SZ-Gammelin war ganz anderer Meinung: „Wenn 245 Abgeordnete über vier Stunden diskutieren, ist das eigentlich eine Sternstunde der Demokratie!“

Peinlichster Erklärungsversuch

Zum Kampf Söders um die Kanzlerkandidatur sagte die SZ-Journalistin: „Das hat mein Kollege sehr schön beschrieben: Wie der Hund und die Wurst! Sobald ein Hund eine Wurst in Riech- und Sehweite hat, kann er nicht mehr anders als zuzuschnappen. Ich finde, das ist ein sehr schöner Vergleich.“ Wow!

Gammelins erstaunliche Rechnung: „Es waren ja von den 66 Abgeordneten, die sich gemeldet haben, 44 für Söder und der Rest für Laschet. Der große schweigende Rest hat sich nicht zu Wort gemeldet. Also es waren dann sozusagen 44 zu 245.“ Da staunt der Laie…

Interessanteste Analyse

„Aus Sicht von Söder war von Anfang an klar: Die Fraktion muss einbezogen werden“, stellte Weimer fest. „Das hat die CDU anders interpretiert und gesagt: Ui, dann machen wir jetzt schnell den Präsidiumsbeschluss!“

Über die Bundestagsfraktion sagte der Publizist: „Wir haben ein bisschen tiefer recherchiert: Die Abstimmung würde wahrscheinlich im Moment 140 zu 100 für Söder ausgehen.“

Ungewöhnlichster Spielbericht

Weimers Zwischenstand: Laschet habe am Montag einen großen Punkt gemacht mit der Präsidiumsentscheidung. 1:0. Söder habe am Dienstag in der Fraktion ausgeglichen. Dann die Umfragen: 2:1 Söder. Aber, so der Publizist: Laschet habe die CDU-Vereinigungen bei der Stange gehalten: die Junge Union, die Ostdeutschen, die Mittelständler. Weimers aktueller Spielstand: „Heute steht es 2:2.“

Wahrscheinlich braucht die Union beides: den Schäferhund und den Leitwolf“, fügte der Publizist hinzu.

Alarmierendste Meldung

Danach klagte Ärztin Federle, ihr Modellversuch in Tübingen mit seinen Freiheiten locke zu viele Menschen aus anderen Regionen an, sie wolle aber durchhalten.

Lauterbach fordert dagegen erneut den ganz scharfen Lockdown. Seine eindringliche Warnung: „Die Notbremse, die wir jetzt beschließen wollen, wird wahrscheinlich nicht ausreichen. Wir sind vor einer massiven dritten Welle!“

Schlimmstes Zeichen, so der Experte: „Wir sind in Köln schon in einem Bereich, wo wir die weiche Triage begonnen haben. Das bedeutet: Wir versorgen nicht mehr jeden optimal, weil wir den Platz nicht mehr haben. Wenn wir noch zwei, drei Wochen weitermachen: Das kriegen wir nicht mehr gebremst!“

Fazit: Hitziger Austausch teils abenteuerlicher Argumente, interessante Infos, aber ständiges nervtötendes Durcheinanderreden mit sturzbachartigen Wortkaskaden, die Talkmasterin oft kaum noch mit dem Kopf über Wasser: Das war ein Talk der Kategorie „Krach, Krawall & Krakeel“.

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