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Putins Krieg in „Hart aber fair“: Nato-General sagt Sieg der Ukraine voraus

„Hart aber fair: Die Ukraine kämpft, Deutschland zögert: Lähmt uns die Angst vor Putin?“ ARD, Montag, 25.April 2022, 21 Uhr.

Im Donbass tobt die große Schlacht, doch die Bundesregierung blamiert sich weiter mit ihrem Hickhack um Waffenlieferungen. In „Hart aber fair“ bringt Frank Plasberg die gefährliche Peinlichkeit auf den Punkt. Die Gäste:

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (64, FDP). Die resolute Verteidigungspolitikerin („Zack-Zimmermann“) wirft dem Kanzler Drückebergerei und miese Tricks vor. Sie wird aus Berlin zugeschaltet,

Jan van Aken (60, Linke). Der Friedensforscher ist gegen Waffenlieferungen, setzt lieber auf China und Indien. Ommm!

Yevgenia Belorusets (42).Für die ukrainische Schriftstellerin sind Gebietsabtretungen an Russland „unvorstellbar“.

Egon Ramms (73). Der Nato-General a.D. kommt vom Panzerbau und bildete nach seiner Pensionierung Offiziere im Baltikum aus.

Michael Thumann (59). Der Journalist („Zeit“) räumt mit Putins Propagandalüge auf, der Westen habe versprochen, die Nato nicht nach Osten zu erweitern.

Dem Kanzler wird Mutlosigkeit vorgeworfen. Wie mutig sind Plasbergs Gäste?

Ermutigendste Lagebeurteilung

Der General startet voll durch: „Der Krieg wird wahrscheinlich nicht schnell zu Ende gehen“, sagt er voraus. „Ich erwarte, dass die Ukrainer ihr Land erfolgreich verteidigen werden. Es gibt etliche Anzeichen, auch jetzt nach der neuen Offensive, dass ihnen das gelingen wird.“

Seine Analyse: „Ich gehe davon aus, dass es den Ukrainern gelingt, auch im Osten, vielleicht dann auch im Süden entsprechende Geländebereiche zu halten oder sogar zurückzuerobern“, urteilt Ramms. Rumms!

Realistischste Einschätzungen

„Putin ist gegen jede Form von Friedensabkommen“, weiß die Ukrainerin. „Das einzige Ende dieses Krieges ist ein militärischer Stopp der unglaublichen Gewalt!“

„Der Krieg wird erst zu Ende gehen, wenn Putin merkt: Er kommt nicht weiter, seine Armee beißt sich die Zähnen aus“, sekundiert der „Zeit“-Journalist.

Unterschiedlichste Lösungsvorschläge

„Was können wir in Deutschland tun, damit der Kreml möglichst bald verhandlungsbereit ist?“, fragt der Friedensforscher. „Das funktioniert nicht militärisch, das funktioniert nur, wenn sie wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden.“

Es wird nur eine Lösung geben: Putin militärisch zu besiegen“, widerspricht Strack-Zimmermann. „Deswegen sollten wir an der Seite der Ukraine stehen und entsprechende Waffen schicken. Putin versteht nur die klare Sprache der Waffen!“

Provozierendste Frage

Ein ARD-Einspieler zeigt einige der 100 Marder-Panzer, die das Rüstungsunternehmen Rheinmetall in die Ukraine liefern will. Dazu SPD-Chefin Saskia Esken: „Die Frage steht derzeit nicht zur Debatte, weil die Panzer nicht direkt eingesetzt werden können.“

Plasberg wittert Zoff und funkt die FDP-Politikerin an: „Heißt das, die FDP-Forderung, schwere Waffen zu schicken, wird nicht mal als Debattenbeitrag wahrgenommen?“

Präziseste Richtigstellung

„Doch! Natürlich!“, kontert Strack-Zimmermann. „Was jetzt passiert, ist, dass Osteuropäer sowjetisches Material umgehend an die Ukraine liefern und wir ihnen dafür den Marder schicken. Tatsache ist, dass schweres Material geschickt wird, und das ist überfällig.“ Halleluja!

„Ich glaube, dass diese Panzer russischer Bauart nur eine Brückenlösung sind“, meldet der General, aber: „Sie könnte uns Zeit gewinnen, ukrainische Soldaten auf Leopard, Marder und entsprechende Artilleriegeschütze vorzubereiten.“

Erschreckendste Erkenntnis

Nach der „Zeitenwende“-Rede des Kanzlers hätten diese Fragen rasch „andiskutiert“ werden können, beschwert sich Ramms, „sodass diese Panzer jetzt bereits mit ausgebildeten Personal in der Ukraine sein könnten.“ Uff!

„Das sind Feinheiten, die Putin überhaupt nicht interessieren“, stellt der „Zeit“-Journalist umstandslos fest. „Die russische Wahrnehmung ist schlimmer, als wir sie uns vorstellen. Diejenigen, mit denen sie sich im Krieg befinden, das sind wir! Es geht um die Vorherrschaft in Europa!“

Emotionalster Ausbruch

„In dieser Zeit werden Frauen vergewaltigt und ermordet, täglich Kinder ermordet“, klagt die Ukrainerin. „In Odessa wurde eine Frau mit ihrem Baby umgebracht. Es geht nicht darum, dass wir mit diesen schweren Waffen Krieg führen, sondern dass wir Leben retten!

„Ich stelle fest, es ist ein bisschen modern geworden, Scholz an den Pranger zu stellen“, meint Plasberg.

Absurdester Vorwurf

„Ich habe das Gefühl, dass wir irgendwo falsch abgebogen sind“, murrt der Linke-Politiker. „Wir waren doch mal ein Land, das in solchen Situationen auch mal außerhalb des Militärischen denken konnte! Warum reden wir nicht über Sanktionen?“

Von Akens Ärger: „Seit Kriegsbeginn hat allein die Europäische Union 41,3 Milliarden Euro nach Moskau überwiesen, weil niemand bereit ist, hier mal ein Ölembargo zu diskutieren!“, behauptet der Linke-Politiker und nimmt die FDP-Kollegin auf die Hörner: „Sie sind diejenigen, die gegen ein Tempolimit sind.“ Ui!

Prompt gibt es Zoff

Allein mit Tempolimit und autofreiem Sonntag hätten wir 300 Millionen Euro weniger an die Kriegsmaschinerie Moskaus überwiesen!“, wütet der Linke-Politiker weiter.

Aufregung in der Runde! Natürlich werde über Sanktionen diskutiert, stellt Strack-Zimmermann richtig und wettert: „In diesen Kontext das Tempo-Limit reinzuwerfen, finde ich makaber, gemessen an dem, was in der Ukraine passiert! Da geht es gerade darum, dass Menschen umgebracht werden!“

Klarste Ansage

„Putin will die Ukraine von der Landkarte tilgen, und dafür bringt er alles um“, fügt die FDP-Politikerin hinzu. „Bitte nicht naiv sein, indem wir über ein Tempolimit reden!“

Erneut erbostes Stimmengewirr. Von Aken will noch mal das Wort, doch nun geht der Talkmaster dazwischen, baut sich vor dem Linke-Politiker auf und verfügt par ordre du mufti: „Das Tempolimit, das streichen wir jetzt. Ich finde das tatsächlich zu banal!“

Bewegendste Berichte

Strack-Zimmermann informiert über ihre Gespräche mit ukrainischen Parlamentarierinnen: „Eine hat uns gesagt, ich bin 33 Jahre jung, habe drei kleine Kinder, und nun beschäftige ich mich nur noch mit Waffen. Eine andere sagte mir, dass sie jetzt wieder in den Kampf zurückgeht.“

Plasberg liest einen Kommentar des SPD-Fraktionschefs Rolf Mützenich vor, der nach Rückkehr der Politiker aus Kiew schimpfte: „Unter dem Eindruck von Besuchen vor Ort beispiellose Entscheidungen zu fordern, ohne sie selbst verantworten zu müssen, ist falsch.“

Verzweifeltste Frage

Oha! „Wir leben in diesem Alptraum und versuchen, nicht wahnsinnig zu werden!“, klagt die Ukrainerin, und dann bricht es aus ihr heraus: „Was soll Putin als Sieg verkaufen – neue Vergewaltigungen in Butscha?“, ruft sie mit flehenden Händen. „Sollen wir ihm eine Stadt schenken, damit er dort die Kinder umbringt?“

Ihr erschütternder Vergleich erinnert an einen grausamen Götzen, in dessen Tempel Säuglinge verbrannt wurden: „Einfach so ein Opfer für Baal, wie es in der Bibel beschrieben wird, und dann wird Putin es in Moskau als Sieg verkaufen?“

Und wieder Zoff

Ukrainischer Ärger über als zynisch empfundene Zumutungen, meint sie, habe wohl auch zur indirekten Ausladung des Bundespräsidenten geführt. Plasberg will das nicht gelten lassen: „Ich denke, Selenskyj weiß immer sehr genau, was er sagt, weil, er ist ja wirklich ein begnadetem Kommunikator!“

Manchmal muss man auch zeigen: Man kann mit uns nicht alles machen“, weist ihn die Ukrainerin zurecht. „Manchmal werden auch wir, sogar in dieser unglaublichen Not, Grenzen setzen müssen.“

Passt! Vor allem, wenn es bei solchen Besuchen gar nicht so sehr um die Unterstützung der Ukraine geht, sondern eher um PR-Tricks, mit denen Politiker nach mutwilligen Fehlern ihre Weste wieder weißkriegen wollen.

Letztes Gefecht

Der Linke-Politiker holt noch mal tief Luft: „Ich muss jetzt auch mal was sagen. Ich bin ja nicht nur Deko hier. Ein deutscher General sagte eben: Wir wollen den Sieg!“ Dabei zeigt er anklagend aufs andere Ende der Runde.

Ramms hebt sogleich den Zeigefinger: „Ich habe Churchill zitiert“, verteidigt er sich. Der berühmte Kriegspremier hatte bekanntlich keine Probleme, zu sagen, was er dachte.

Plasberg eilt dem General zu Hilfe: „Da brauchen wir keinen Faktencheck“, bestätigt er. „Er hat nicht gesagt: Wir wollen den Sieg.“

Doch die Ukrainerin kürzt die Spitzfindigkeiten energisch ab: „Aber wir wollen den Sieg!“, erklärt sie frank und blank. „Wir haben uns mit Partisanenwaffen gegen Russlands schwere Waffen verteidigen können. Den Mythos von der starken russischen Armee können wir als zerstört erklären!“

Ihre angstfreie Prognose: „Ob Putin den Kopf drückt oder nicht, hängt nicht von uns ab. Aber er wird es nicht tun, weil er leben will.“ Amen!

Fazit

Das Leitmotiv ging sehr bald unter, statt dessen dröhnte jede Menge Lärm um Nebensachen und die Stimme der Vernunft hatte es schwer, denn der Talkmaster stolperte ständig aus dem Takt: Das war eine Show der Kategorie „Eigenbeschuss“.

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