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Professor bei Maischberger: Putin wird taktische Nuklearwaffen einsetzen!

„Maischberger“. ARD, Dienstag, 28.Juni 2022, 23.10 Uhr.

Putin bombt immer brutaler, der Westen redet trotzdem schon von einem neuen Marshall-Plan, aber erst mal muss die Ukraine den Krieg doch wohl gewinnen! Viel Brennstoff fürs Feuer in Sandra Maischbergers Wochen-Wigwam. Die Gäste:

Prof. Daniela Schwarzer (49). Die Politologin warnt: „Wir sehen eine Kräfteverschiebung vom politischen Westen Richtung Asien. Europa verliert an Gewicht.“

Prof. Christian Hacke (79). Der USA-Experte behauptet: „Wir haben einiges getan, um Putin zu provozieren.“ Aha. Ja dann…

Sven Plöger (55). Der ARD-Wetterfrosch hofft, dass die Erde Ende des Jahrhunderts nur zwei Grad wärmer sei.

Joachim Llambi (57). Der RTL-Moderator („Let’s Dance“) und Börsenexperte ärgert sich über den Kanzler: „Zu 90 Prozent ist er auf die Fragen mit seinen Antworten gar nicht eingegangen!“

Dagmar Rosenfeld (48). Die Chefredakteurin (WELT am SONNTAG) lobt: „Dieser Gipfel ist ein Erfolg für den Westen!

Friedrich Küppersbusch (61). Der Journalist („heute-Show“) nannte Putin schon vor dem Krieg „das Arschloch Europas“. Und jetzt? Steigerung schwierig!

Experten für alles von Ernst bis Heiter. Das Zoff-o-Meter ist auf Donnerschläge gefasst!

Zoologischste Bilanz

Pointenprotz Küppersbusch spielt erst mal auf falsche Interviewer wie zuletzt bei Franziska Giffey ein: „Frau Maischberger, sind Sie echt oder ein Deepfake?“

Über die G7 witzelt der Journalist: „Das ist ein Format mit einem Elefanten im Raum, nämlich China, und es gibt einen Mastino im Raum, das ist Russland.“ Wow!

Weitblickendste Analyse

Sie stehe nicht im Verdacht, ein großer Fan von Olaf Scholz zu sein, erklärt die Chefredakteurin, lobt aber den Ansatz des Kanzlers, die Denke „West-Ost“ sei überholt, jetzt gehe es „Demokratien gegen Autokratien“.

„Deswegen ringt und wirbt Scholz um Länder wie Indien, Indonesien, Südafrika oder Senegal“, erläutert Rosenfeld. „Da geht es um knallharte Wirtschaftsinteressen: Wer hat diesen Ländern am Ende mehr zu bieten?“

Rasantester Rückblick

Küppersbusch erinnert an das Wort „Partnership in Leadership“, mit dem US-Präsident George H.W. Bush 1989 die Bundesrepublik zu sich in die weltpolitische Chefetage hieven wollte. Aber, so der Journalist: „Die Deutschen haben sich umgeguckt: Wen meint er eigentlich? Wir sind doch Bewährungssträflinge!“

Folge, so Küppersbusch: „Seitdem geistert ein bisschen das Bild herum, die Amis machen uns da so einen Hilfssheriffstern aus dem Kostümverleih an die Jacke, und wenn die Ponderosa brennt, geht ihr dorthin, wir verkaufen euch Waffen, aber wir bleiben im Salon und passen auf, dass das Bier kalt bleibt.“ Uff!

Prompt schießt das Zoff-o-Meter hoch

Wie ein Frieden in der Ukraine aussieht, das muss die Ukraine bestimmen“, stellt die Chefredakteurin kategorisch fest.

Prompt wird sie von Küppersbusch angepatzt: „Aber Sie kennen auch den Satz des amerikanischen Philosophen Noah Chomsky“, knurrt der Witzemacher plötzlich humorlos, „der gesagt hat: Die Amerikaner bekämpfen die Russen bis zum letzten Ukrainer.“

„Ich mach‘s weniger philosophisch, sondern ein bisschen mehr realpolitisch“, kontert Rosenfeld cool. „Die Ukraine hat das zu entscheiden. Wenn dabei herauskommt, ein Teil der Ukraine geht an Russland, dann hat Putin gewonnen.“ Rumms!

Einhelligstes Kanzlerlob

Auch die beiden Politologen sind mit dem Kanzler zufrieden: „Der deutsche Vorsitz hat rausgeholt, was rauszuholen war“, urteilt Prof. Schwarzer. Allerdings: „Was wir erlebt haben, ist, dass am Ende die großen drängenden globalen Probleme nur ganz schleppend Antworten finden.“

Prof. Hacke setzt noch einen drauf. Seine Bilanz: „Eigentlich ganz positiv. Ich finde, der Bundeskanzler hat Deutschland als Zivilmacht glänzend repräsentiert. Er hat die Einheit betont, und er hat deutlich gemacht; Das ist kein exklusiver Club!“

Steilste These

Viel lieber als den Kanzler kritisiert Prof. Hacke den US-Präsidenten: „Kurz vor dem Einmarsch hätte Biden handeln müssen wie Kennedy oder Reagan!“, poltert der Politologe mit zackigen Gesten. Und zwar so: „Wir werden mal unsere Atombomber hochbringen und gleichzeitig zu Putin sagen, Sie haben legitime Sicherheitsinteressen, also setzen wir uns zusammen.“ Heidewitzka!

Und wie? „Die Grundlage muss Neutralität sein“, fabuliert der Professor weiter. Sein als Selbstkritik getarnter Vorwurf: „Ich war dusselig. Ich habe gar nicht begriffen, dass Biden gar kein Interesse hat, die Ukraine-Krise zu lösen. Das ist der Fechtboden, um die amerikanische Interessensphäre auszuweiten!“

Erschreckendste Analyse

„In den USA ist der Rückhalt für diesen Krieg nicht dauerhaft gegeben“, warnt dagegen die Professorin mit beschwörenden Handbewegungen. „Die Signale, die Europa seit Monaten bekommt, sind: Stellt euch darauf ein, kümmert euch mehr um eure Nachbarschaft!“

Ihre schlimmste Befürchtung sei, „dass der Rückhalt der Ukraine bröckelt“, fügt Prof. Schwarzer hinzu. Denn: „Putin geht es um die Vernichtung der ukrainischen Identität!“

Ihre Beispiele: „Deportationen. Waisenkinder, die nach Russland geschickt werden. Schulen, die auf Russisch umstellen. Ukrainische Bücher werden zerstört. Im Grunde ein Genozid!“

Fürchterlichste Vision

„Die Waffenlieferungen beinhalten eine ganz ungeheure Gefahr“, bangt Prof. Hacke und richtet sich kerzengerade auf. „Putin wird nicht aufgeben!“, sagt er voraus. „Er wird eskalieren. Er wird taktische Nuklearwaffen einsetzen! Dann wird es ein europäischer Krieg!“

Seine „paradoxe Feststellung“ sei: „Je mehr die Waffenlieferungen nutzen, um Putin scheinbar zu besiegen, was ich nicht glaube, darin liegt die Eskalation“, doziert er mit mahnend erhobenen Zeigefinger. „Es muss verhandelt werden!“

Berechtigtster Einwand

„Ich denke, wir müssen auch das Gegenszenario betrachten“, mahnt die Professorin. Nach der Ukraine kämen etwa Georgien oder das Baltikum an die Reihe. Deshalb: „Aufgeben würde Putins Appetit nicht stillen!“

Prof. Hacke hängt nun wieder so schlaff in seinem Möbel wie ein satter römischer Senator kurz vor Darreichung der Pfauenfeder.

Peinlichstes Kompliment

Der EU-Kandidatenstatus der Ukraine werde den Krieg „nicht beeinflussen“, prophezeit Prof. Schwarzer, helfe aber Präsident Selenskyj, „sein Volk zu motivieren, weil es über den Krieg hinaus eine Perspektive gibt: die engere Anbindung an die Europäische Union.“

Kollege Hacker stemmt sich in seinem Sessel wieder hoch: „Frau Schwarzer, Sie sind eine reizende und kluge Frau“, säuselt er. „Und ich sage das ohne Arroganz.“

Horrido! Die Talkmasterin haut gleich dazwischen: „Dann lassen Sie‘s einfach weg!“, rät sie spöttisch. „Genau!“, assistiert die Professorin. O je…

Jammervollster Schwanengesang

„Ist doch nicht schlimm!“, verteidigt sich der abgeblitzte Charmeur und sattelt rasch auf Untergangsprophet um: „Amerika ist im Niedergang“, orgelt er und zählt an den Fingern auf: „Lange nicht mehr zivilisatorisches Vorbild. Im Inneren zerrissen. Die Frage der Waffen. Das Abtreibungsrecht gekippt.“

Prof. Hackes verheerendes Fazit: „Amerika ist auf dem absteigenden Ast. Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in zwei Jahren das nicht mehr haben, was wir gesehen haben: atlantische Zivilisation, die freie Demokratien geführt durch die Amerikaner!““

Beängstigendste Prognose

Für uns bestehe die Gefahr, so der Politologe weiter, „zwischen den USA, im Niedergang umso aggressiver und wütender, und dem aufsteigenden China eingesandwicht werden.“

Auch seine Kollegin denkt an die nächsten Wahlen in den USA und später an die für sie „sehr wahrscheinliche“ Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus. Für Europa heiße das, so die Expertin: „Wettbewerbsfähiger werden, in Schlüsseltechnologien investieren, in der Verteidigung stärker werden und gleichzeitig den Amerikanern ein attraktiver Partner sein.“ Amen!

Sympathischste Kindheitserinnerung

Auch der nächste Gast befasst sich mit einer höchst komplexen Großwetterlage, aber mit Physik statt Politik: „Als ich drei Jahre alt war, hat mein Vater mich gefragt: Was möchtest du später mal beruflich machen?“, erzählt der ARD-Meteorologe. „Da habe ich gesagt: Ich will Vogel werden!“

Plögers Story: „Ich war schon als Kind immer so ein ‚Hans-guck-in-die-Luft‘, wollte immer wissen: Was passiert da, was tut sich da? Das ist wohl meine Wetter-Faszination. Irgendwann habe ich begriffen: Man kann nicht Vogel werden. Dann habe ich gelernt, wie man ‚Meteorologe‘ schreibt, und heute bin ich’s.“ Chapeau!

Beherztestes Finale

Zur Klimakrise schlägt der Experte „ein Jahrhundertgeschäft“ vor, denn „Geschäfte sind etwas, wo alles mitmachen wollen. Es gibt ganz viele Unternehmen, die Ideen haben. Aber wir reden uns die Welt immer wieder schön.“ Die Gasbrückentechnologie z.B. sei „der größte Bremser für die Erneuerbaren!“

„Ich muss die Markwirtschaft ertüchtigen auf dem sozialen und dem ökologischen Auge“, fordert er zum Schluss und rudert leidenschaftlich mit den Händen. „Wir müssen motivieren, dass man wieder Lust bekommt auf die Transformation, denn die ist nötig.“ Dafür gibt’s einen kräftigen Schlussapplaus.

Zitat des Abends

Robert Habeck hat ein großes Talent darin, seine persönliche Lernkurve als Bundesautobahn zu verkaufen.“ Friedrich Küppersbusch

Fazit

Angejahrte Argumente, aber auch punktgenaue Analysen,  würzige Anpatzereien und ein geradezu messianischer Appell: Das war eine Talkshow der Kategorie „Volle Kelle“.

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