Teletäglich

Politiker und Experten streiten sich in „Hart aber Fair“ um die geplanten Geisterspiele

„Hart aber Fair: Freiheit nur in kleinen Schritten: Wie schädlich wird die Dauer-Quarantäne?“ ARD, Montag, 20.April 2020, 20.45 Uhr.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag energisch für die von seinen Kollegen Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) angeregten Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga ab 9.Mai eingesetzt.

Wörtlich sagte der Politiker, der zuvor einen „Überbietungswettbewerb an Lockerungsübungen“ gerügt hatte: „Wenn wir Menschen erlauben, zusammen am Fließband zu stehen, im Betrieb zu arbeiten, dann muss man natürlich auch Profisportlern die Gelegenheit geben, ihrer Berufung nachzugehen.“

Und schon gab es Zoff

„Das ist der falsche Weg!“ protestiert Ulrich Schneider (Linke) vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. „Es ist nicht zu vermitteln, dass hier Profis mit Millionengehältern spielen dürfen, und kleinen Kindern sagt man: Ihr dürft nicht auf den Spielplatz!

„Ich halte es für falsch!“ urteilt auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. „Die Spieler müssten vorher und nachher getestet werden. Dafür würde man Zehntausende Tests benötigen. Diese Tests fehlen uns in den Pflegeheimen und den Schulen!

Schlaueste Defensivstrategie

Talkmaster Frank Plasberg spielt einen gekonnten Abwehrversuch ein: „Wir haben heute unaufgefordert eine Stellungnahme bekommen von der Deutschen Fußball-Liga“, berichtet er. „Die haben gesehen, dass Sie heute bei uns zu Gast sind, und das ist die Stellungnahme der DFL.“

 

Text der Einblendung: „Die Bundesliga würde weniger als 4 Promille aller angebotenen Tests benötigen (…) Es wird also keine verknappende Auswirkung auf die Testkapazitäten geben.

Lauterbach reagierte sauer: Es gehe um Prozente, nicht um Promille, rechnete er vor, und schimpfte: „Das ist die falsche Einstellung!“

Hans dagegen brachte noch ein zweites, besseres Argument: Man müsse sportbegeisterten Menschen in Deutschland – „das sind Millionen!“ – eine kleine Chance geben, sich ein bisschen den Alltag, wenn sie schon zuhause sitzen müssten, zu verschönen.

Kaum darf Deutschland wieder shoppen, gibt‘s Mecker: Zu wenig, zu starr, zu uneinheitlich. Politik und Praxis – passt das noch zusammen. Die Gäste:

Lauterbach feierte Jubiläum: Dieses „Hart aber Fair“ war seine zehnte Corona-Talkshow in ARD und ZDF – Rekord!

Schneider fordert Corona-Sonderzahlungen für die Ärmsten.

Der Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Clemens Fuest (51). erwartet eine Rückkehr zur Normalität erst, wenn ein Impfstoff da ist.

Die Journalistin Barbara Vorsamer (SZ) hat zwei Kinder, arbeitet im Homeoffice und verlangt ein Corona-Elterngeld.

Zum Start ein mögliches Unwort des Jahres

Zum Start ein mögliches Unwort des Jahres

Plasberg wollte gleich mit einem Merkel-Zitat Stimmung machen: Die Kanzlerin habe in ihrer Telefonschalte mit den Ministerpräsidenten über höchst unwillkommene  „Öffnungsdiskussionsorgien“ gewettert.

„Das genaue Wort, das Angela Merkel verwendet hat, ist mir gar nicht mehr geläufig“, behauptete Hans daraufhin mit Unschuldsmiene. Aber natürlich sei es möglich, dass „wir das eine oder andere zu früh gelockert haben“. Hm – Orgie geht anders!

Emotionalste Beschwerde

 

Die SZ-Journalistin klagte bitter über die Politik, die vor allem den berufstätigen Müttern Unmögliches abverlange: „Homeoffice ist keine Lösung für Kinderbetreuung! Das geht nicht!“

Da gab es in der Runde keinen Widerspruch: Auch die andere haben Kinder und damit auch die entsprechenden Corona-Probleme.

Schlimmster Vorwurf

„Ständig werden neue Studien veröffentlicht“, klagte die Journalistin. „Wir wissen, wieviel Abstand wir beim Joggen halten müssen, weil irgendwelche Dummies im Windkanal mit Viren beschossen wurden!“

Doch, so Vorsamer weiter: „Was wir nicht wissen, ist, ob Kinder die Superspreader sind, von denen wir glauben, dass sie es sind. Wieso untersucht das niemand?

Deprimierendste Info

„Ich habe sehr früh darauf hingewiesen, dass wir bestimmen müssen: Übertragen Kinder an Eltern, Ja oder Nein?“ berichtete Lauterbach. Aber: „Wir wissen es immer noch nicht!“

„Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich jeden Abend bis tief in die Nacht Studien studiere“, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Diese Lücke existiert nicht nur in Deutschland. Die Chinesen haben diese Studie nicht gemacht, die Südkoreaner haben sie nicht gemacht…“

Schockierendste Zahl

Wir wissen ja gar nicht, wie viele Menschen in Deutschland infiziert sind“, stellte Fuest fest. „Es gibt jetzt etwa die Standford-Studie, die sagt, wahrscheinlich ist die Zahl der Infizierten das 50- bis 80-fache derjenigen, die wir beobachten!“

Wie bitte? Lauterbach blieb merkwürdig gelassen: „Ich glaube, dass wir ein bisschen zu früh von der Bremse gegangen sind“, erklärte er. Für eine Strategie deutlich verlängerter Einschränkungen hätte die Dunkelziffer aber gar keine Rolle gespielt.

Schlimmste Hiobsbotschaft

Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir zu einer Normalität, wie wir sie im letzten Jahr gekannt haben, frühestens 2021, vielleicht sogar – nach der neuesten Studie der Harvard-Universität – 2022 zurückkommen“, sagte Lauterbach voraus.

Plasberg rang die Hände: „Das sagen Sie so in einem Nebensatz? Ist Ihnen klar, was das bedeutet?“

„Ach!“ seufzte die Journalistin erschüttert.

Doch Lauterbach fuhr gnadenlos fort: „Wir hoffen noch immer, das wir durch eine Wunderheilung das Ding zum Ende des Jahres gelöst haben“, sagte er. „Aber das wird nicht passieren! Das ist unmöglich!

Meldung von der Virenfront

Dann bat Plasberg die Gymnasiallehrerin Cornelia Schwartz aus Bad Dürkheim zum Einzelinterview. Zurzeit ist sie mit dem Metermaß auf den Fluren unterwegs. „Ich habe meine Schüler in zwei Räumen und tanze immer hin und her“, berichtete sie.

Außerdem dreht sie Youtube-Videos. Ihre wichtigste Botschaft: „Unsere Schüler müssen sich sicher fühlen, weil, sonst ist Lernen überhaupt nicht möglich!“

Dann ging alles durcheinander

Wir haben jetzt Spiele entwickelt, mit denen man Kindern an Masken gewöhnen kann“, meldete Wohlfahrts-Schneider.

Plasbergs tippte den falschen Einspieler an. „Hier ist gerade was kaputt gegangen!“ wunderte er sich. Hans wurde langsam sauer: Statt Lob nur immer Proteste! „Das ist alles nicht genug“, murrte der Ministerpräsident enttäuscht.

Der richtige Einspieler zeigte eine Maskenverteilung in Dresden an Leute, die Schlange stehen – auf Tuchfühlung. Und Lauterbach kam mit einer neuen Schockmeldung um die Ecke: Corona werde nicht nur beim Niesen oder Husten, sondern schon beim Sprechen übertragen. Uff!

Interessanteste Klatschmeldung

Selbst Gerhard Schröder ist vor kurzem mit einer Maske beim Einkauf gesichtet worden“, erzählte Plasberg. „Wenn es selbst ein Macho wie Schröder ohne Gesichtsverlust tragen kann, dann werden wir‘s wohl alle schaffen, oder?“

Wenn selbst er das Vorbild gibt“, sagte Lauterbach fast ohne Lächeln, „dann ist es für jeden ein Muss!“

Schönste Schlussrunde

Für das Finale hatte sich Plasberg etwas Besonderes ausgedacht: „Welche Maske werden Sie im nächsten

Karneval tragen?“ fragte er die Runde.

Wohlfahrts-Schneider antwortete so sinnig wie stimmig: „Bernd das Brot!“

Prof.Fuest blieb gewohnt sachlich: „Ich fahre immer Ski über Karneval, da trägt man sowieso Masken!“

„Ich trage die, die mir meine Schwägerin genäht hat“, sagte SZ-Vorsamer. „Aber ich glaub‘, ich geh‘ da nicht hin, das ist ein Superspreading-Event!“

Ich glaube, dass ich den nächsten Karneval nicht erleben werde“, meinte Lauterbach. Großes Hallo! Der Gesundheitsexperte hatte das aber anders gemeint: „Ich werde den nächsten Karneval ausfallen lassen!“

„Manche sagen ja: Als Politiker trägt man immer eine Maske“, lächelte Hans, „aber ich werde eine Saarland-Maske tragen, die mir zwei Schülerinnen genäht haben.“ Passt!

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