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Plasbergs Frage im Corona-Talk: Ist das Christkind geimpft?

„Hart aber Fair. „2G unterm Christbaum: Wie wird aus dieser Weihnacht noch ein Fest?“ ARD, Montag, 13.Dezember 2021, 21 Uhr.

In der Physik ist „2g“ der Druck auf einen Rennfahrer, der mit 200 Sachen durch die Kurve driftet. Mit großem G ist es der Druck auf ein ganzes Land, das zerstritten durch die Katastrophe schleudert: sorgt sich nicht nur Frank Plasbergs Gäste in „Hart aber fair“:

Michael Müller (57, SPD). Der Bundestagsneuling, bis 21. Dezember Regierender Bürgermeister von Berlin, schimpft über „Egoismus und Gleichgültigkeit“.

Prof. Monika Sieverding. Die Gesundheitspsychologin warnt: „Mit einer Impfpflicht zu drohen, bevor alle anderen Mittel ausgeschöpft sind, kann zu noch mehr Trotz und Widerstand führen!“

Prof. Carsten Watzl (50). Der Immunologe rät: „Alle sollten sich einen Boost holen. Omikron kann uns auch das Frühjahr versauen!

Hermann Hutter (58). Der Einzelhändler kritisiert: „Mit 2G im Handel hat die Politik alles auf uns abgewälzt.

Charlotte Würdig (42). Die TV-Moderatorin und ihre zwei Kinder sind genesen, aber: „Die Angst vergisst man nicht!

Letzter Plasberg-Talk 2021. Das Zoff-o-Meter ist schon weihnachtlich gestimmt und wünscht sich das Finale eher fair als hart.

Start im Alarm-Modus

Der Talkmaster torpediert die Vorfreude schon gleich im ersten Einspieler: Strenge Besuchsverbote, widerborstige Zuschauerreaktionen („Wir lassen uns nix verbieten“), besorgniserregende Zahlen: „47 Prozent der Menschen in Deutschland können sich vorstellen, an Weihnachten Corona-Regeln zu brechen!“

Nur mal so nebenbei: Weiß eigentlich jemand, ob das Christkind geimpft ist?“, fragt Plasberg in die erstaunte Runde.

Besorgteste Stimmen

Jeder Kontakt mit Ungeimpften ist gefährlich für sehr viele andere“, macht der Bürgermeister klar. „Deshalb müssen wir besonnen in diese Weihnachtstage gehen!“

„Wir waren 14 Tage in Quarantäne“, berichtet die Moderatorin. „Mein Körper arbeitet noch immer an der Infektion.“ Zu Weihnachten werde sie „Ungeimpfte nicht reinlassen“.

„Es gibt immer Leute, die sich nicht an die Regeln halten“, warnt die Professorin. „Es gibt einen Wirrwarr an Regeln“, kritisiert der Einzelhändler. Puh!

Tröstlichste Botschaften

Bürgermeister Müller wartet mit positiven Infos auf: „Wenn neue Maßnahmen beschlossen werden, sehen wir sofort die Erfolge. In Berlin hatte ich vor einer Woche noch eine 350er Inzidenz, jetzt ist es eine 300er. Die Menschen nehmen diese Regeln an.“

Seine Zuversicht: „Wir alle miteinander haben so viel gelernt, dass wir auch über die Weihnachtstage die Dinge wieder so befolgen können. Dass wir auch wieder optimistisch in das nächste Jahr starten können. Weil die Zahlen runtergehen, weil wir keine Überlastung im Krankenhauswesen haben!“

Wichtigste Formel

Immunologe Watzl weiß, wie Familien zu Weihnachten sicher sind: Großeltern geboostert, Eltern zumindest geimpft und Kinder wenigstens getestet.

„Wir sind wir alle geimpft“, berichtet Einzelhändler Hutter. „Weihnachten ist ein wichtiges Fest. Wir brauchen Rituale, Haltepunkte in unserem Leben, und ich denke, wir bekommen es hin.“

Bedenklichste Entwicklung

„Wir müssen feststellen, dass in den letzten zwei, drei Wochen, seit die 2G-Regel da ist, die Umsätze und vor allem die Frequenzen in den Innenstädten um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sind“, klagt Hutter, der in Ulm ein Lifestyle-Kaufhaus führt und im Handelsverband Deutschland (HDE)  Vizepräsident ist.

Seine Sorge: „Das ist für den Handel zum zweiten Mal hintereinander eine irre Belastung!“ Dabei sei das Einkaufen total sicher: „Alle haben Abstand, alle haben Masken.“

Ärgerlichster Kommentar

„Wir sind verdonnert worden, die Polizei zu spielen“, schimpft Hutter über die neuen Regeln. „Der Händler wird bestraft, aber derjenige, der gegen 2G verstößt, wird nicht bestraft!

Und, so Hutter weiter: „Wir müssen uns Beschimpfungen anhören, wir müssen das Ganze ausbaden. Das demotiviert die Mitarbeiter. Der Lebensmittelhandel, der kein 2G hat, muss kämpfen, damit die Versorgungssicherheit da ist. Wir haben Lieferkettenprobleme. Wir haben Schlangen vor den Läden…“

Knalligste Statements

Was da wirtschaftlich kaputtgeht für die Stadt, ist zum Heulen!“, gibt der Bürgermeister zu. „Aber in der Abwägung zum Gesundheitsschutz habe ich das bewusst so mitentschieden und trage es auch so.“

„Das ist ein bisschen wie eine Schrotladung, die sinnvoll ist, aber ein paar Kugeln landen im Einzelhandel, wo es vielleicht nicht so brenzlig ist“, urteilt Plasberg über die Kontaktbeschränkungen.

Wie bitte? „Der volkswirtschaftliche Schaden, der durch diese Maßnahmen angerichtet wird, ist immens!“, wettert Hutter. „Der große Knall war vor ein, zwei Jahren, wo es hieß, mit der Bazooka wird den Leute geholfen, aber die meisten haben nur 50 Prozent erstattet bekommen, und viele Firmen sind kaputt!“

Ungewöhnlichste Kaufreue

Der Talkmaster würde gern hilfreich sein, muss aber zugeben: „Ich habe gestern wieder was bei Amazon bestellt, was ich eigentlich auch in der Stadt hätte kaufen können.“

Sein Bekenntnis: „Bei uns in der Familie haben wir lange die Wand gehalten zu Amazon, und die ist komplett eingebrochen. Und ich weiß nicht genau, ob man mich wieder zurückkriegt.“

Tiefster Stoßseufzer

„Ich finde die ganzen Studien und was jetzt diskutiert wird, spannend“, meldet sich die Moderatorin, „ich verstehe aber nur die Hälfte. Ich glaube, so geht’s sehr, sehr vielen da draußen!“

„Das Hauptproblem ist, dass die Leute nicht wissen, wie lange das dauert“, weiß die Professorin. „Das zermürbt. Die Leute im Land brauchen positive Nachrichten!“

Bescheuertste Beispiele

Plasberg-Assi Brigitte Büscher liest wirre Einsendungen vor: „Hätte ich mich impfen lassen, wäre ich vielleicht tot.“ – „Ich versuche, auf natürlichem Wege krank zu werden, statt mir den Corona-Gift-Impfcocktail  verabreichen lassen zu müssen.“ Ächz!

„Das zeigt, dass einige Leute eine irre Angst vor der Impfung haben“, erklärt der Immunologe, „und auf der anderen Seite die Infektion als Lappalie abtun. Es ist Angst, und die kommt von Fehlinformationen und Lügen, die sie jeden Tag geliefert bekommen.“

Misslungenster Vorstoß

„Da müssen wir viel konsequenter gegen Leute vorgehen, die Fehlinformation und Lügen verbreiten“, fordert der Professor. „Und die Aufklärungskampagne muss anders laufen. Wir brauchen Leute, die die Personen anders erreichen, etwa weil es ihr Lieblingsfußballspieler ist…“

Heiterkeit in der Runde: Alle denken sofort an den viel zu lange ungeimpften Bayern-Star Joshua Kimmich. „Schwieriges Thema“, spottet Plasberg.

Persönlichste Beispiele

Die Professorin steuert Selbsterlebtes bei. Pop-up-Impfzentrum in Berliner Einkaufszentrum, Werbung „Hier kann sich jeder impfen lassen!“ Der ganze erste Stock eine Riesenschlange. Ein Helfer: „Die Leute hier warten mindestens vier Stunden, und dann ist Ladenschluss…“

Im einem anderen Einkaufszentrum hatte sie sich sogar einen Impftermin organisiert, doch als sie ankam, sagte die Frau an der Rezeption: „Wir impfen nicht. Ich weiß auch nicht, warum nicht. Ich bin erst seit heute hier. Ich habe keine Ahnung.“ Uff!

Realistischste Prognose

„Es ist nicht das Virus, das harmloser wird. Wir sind es, die sich verändern werden“, sagt Prof. Watzl voraus. „Die zukünftigen Winter werden so aussehen, dass wir immer wieder Corona-Fälle haben.“

„Wir müssen natürlich die Diskussion führen, wie viele Corona-Tote pro Winter wir uns erlauben wollen“, kündigt der Immunologe dazu an. „3000 Verkehrstote pro Jahr, 10.000 bis 20.000 Grippe-Tote pro Jahr – irgendwo dazwischen werden auch die Corona-Toten landen.“

Zuversichtlichste Selbsteinschätzung

Kaufmann Hutter bleibt optimistisch: „Wir Menschen können viel“, meint er. „Wir konnten auf den Mond fliegen, und wir haben es auch geschafft, innerhalb kürzester Zeit einen Impfstoff herzubekommen.“

„Und das ist jetzt die große Herausforderung: dass unsere Gesellschaft, die Politik, die Bürger gemeinschaftlich die richtigen Lösungen finden“, fügt er hinzu. „Dann habe ich auch Vertrauen, dass der Handel, dass die Innenstädte überleben können.“

Durchhalteparole des Abends

„Wir können hoffen, dass wir diese Pandemie irgendwann überstanden haben“, assistiert die Professorin, „dass sie uns zwar nicht verlassen hat, aber dass wir damit leben können. Diese Hoffnung haben viele Krebspatienten nicht!“

Ihr Appell: „Die politisch Verantwortlichen müssen mehr Hoffnung vermitteln: Die Sanktionen wirken. Wir sehen positive Entwicklungen. Ihr habt es gut gemacht. Nicht auf die wenigen Regelverstoßer zeigen, sondern sagen: Wir schaffen es, wenn wir uns gemeinsam anstrengen und auch gemeinsam Einschränkungen hinnehmen.“ Amen!

Fazit

Solide Sach-Info ohne Show, alle hatten Recht, niemand wurde sauer und dem Zoff-o-Meter flachten die Zacken ab. Das war ein Staatstragetalk der Kategorie „Interessant, aber langweilig“.

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