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Oster-Reue statt Oster-Ruhe: Kanzleramtschef Helge Braun gesteht bei „Maischberger“ einen schweren Fehler ein

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 24.März 2021, 22.50 Uhr.

Kenzleramtschef Helge Braun hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch eine Mitschuld an einem schwere Fehler der Bundeskanzlerin eingestanden.

Wörtlich sagte der Merkel-Vertraute über die auf der letzten Ministerpräsidentenkonferenz im Kanzleramt am Montag zu später Stunde getroffene Entscheidung, dem Land über Ostern eine fünftägige Pause zu verordnen: „Das war nicht allein mein Vorschlag“, aber „Ich habe meinen Anteil daran!“

Vorwärts, Kameraden, wir müssen zurück! Die Kanzlerin macht eine flotte Frontbegradigung, und die Ministerpräsidenten stehen plötzlich im Hemd da. Viel Zoff-Stoff für „maischberger. die woche“! Die Gäste

Braun (CDU) ist Mit-Erfinder der gekippten „Osterruhe“. Blüht ihm nun der Watschenbaum?

Dirk Neubauer (SPD), Bürgermeister von Augustusburg bei Chemnitz, will mit einem eigenen Modellprojekt Hotels, Restaurants und Museen öffnen.

Die Physikerin Viola Priesemann warnte per Twitter: „Impfung allein stoppt Corona nicht!“

Der Theologe und Psychiater Manfred Lütz weiß immerhin, „dass die schweren psychischen Krankheiten nicht zugenommen haben“.

Die Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld (WELT) zitierte nach Merkels Rolle rückwärts auf Twitter den großen Loriot: „Sagen Sie jetzt nichts“…

TV-Moderator Micky Beisenherz bilanzierte nach einem Jahr Pandemie: „Virologen wurden zu Popstars!“

Politik, Wissenschaft, Medien: Wer kann jetzt neues Vertrauen aufbauen?

Deprimierendster Frontbericht

Die Journalistin, in Berlin immer ganz nahe dran, hatte schlechte News dabei. Über die Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin schimpfte sie: „Das Format funktioniert einfach nicht mehr. Es ist mittlerweile wichtiger, irgendwie einen Konsens zu finden, als dass es um die Sinnhaftigkeit von Maßnahmen geht!

Verdienteste Anerkennung

Es sei lustig, witzelte Beisenherz: Jens Spahn habe gesagt, wir werden irgendwann um Verzeihung bitten müssen, und wer bittet um Entschuldigung? Die Kanzlerin!

„Ich gucke mir täglich die Zahlen in Israel an“, berichtete Psychologe Lütz über das Land der Hochdruckimpfer, „und die gehen rasant runter. Die werden in vier Wochen das Ende der Pandemie feiern, und das werden unglaubliche Feiern sein!“

Kernfrage des Abends

Dann sollte der Kanzleramtsminister wegen der Osterruhe an den Pranger: „War es Ihre Idee?“ wollte die Talkmasterin wissen.

„Wir haben über vieles diskutiert, was über die nächsten Wochen wirkt“, antwortete Braun. „Und da kam sozusagen das Gefühl aus dem Kreis der Ministerpräsidenten: Lange, zermürbende Maßnahmen werden immer schwerer toleriert, kann man nicht etwas machen, das kürzer und prägnanter wirkt…“

Und da, so der Minister, „habe ich sehr deutlich gesagt: Je kürzer eine Maßnahme ist, desto einschneidender muss sie sein.“

Naheliegendster Verdacht

„Sie haben das erst spät am Abend aus der Kiste gezogen“, tadelte Maischberger. „Wollten Sie die überrumpeln?“

„Nein“, widersprach Braun und schilderte ausführlich die Gedanken der Runde in entscheidender Stunde: „Wir müssen bremsen! Wir müssen ein deutliches Signal setzen, dass wir jetzt wieder in einer ernsten Lage sind…“

Anstrengendste Wahrheitssuche

„Und da habe ich an der Diskussion auch teilgenommen“, erklärte Braun weiter. „Insofern schließe auch ich mich den Worten der Kanzlerin an, dass wir dann einen Tag später festgestellt haben, dass das nicht umsetzbar ist…“

„Ich will Sie nicht quälen“, unterbrach Maischberger streng, „aber einfach aus der Hüfte schießen, ohne zu prüfen, ob das überhaupt geht?“

„Wir haben im Grunde genommen über die verschiedenen Varianten nach dem Infektionsschutzgesetz gesprochen“, schilderte der Minister weiter, „wie man Einschränkungen in breiteren Teilen der Wirtschaft machen kann…“

Plumpstes Ausweichmanöver

Die Talkmasterin machte Dampf: „Wieso haben Sie nicht vorher geklärt, ob das überhaupt rechtlich geht?“

Doch der Minister schwurbelte ungerührt weiter: „Das wichtige ist, dass man jetzt darüber spricht, wie wir diese Situation über Ostern lösen…“

Letzter Fluchtversuch

Maischberger verlor die Geduld: „Nee!“ funkte sie dazwischen. „Erst mal würde ich gern wissen, wie es kommt, dass Ihnen so ein großer Fehler unterläuft!“

Doch Braun blieb bei seiner Taktik: „Es war eine Situation, wo viele Vorschläge auf dem Tisch gelegen haben…“

Schwerste Geburt

Jetzt ging die Talkmasterin aufs Ganze: „Hat die Kanzlerin Ihnen einen Anschiss verpasst?“

„Diese Idee ‚Ruhetage‘ ist überhaupt erst in der Diskussion entstanden“, ließ sich Braun nun doch entlocken. „Das war nicht allein mein Vorschlag. Ich habe meinen Anteil daran. Deshalb schließe ich mich auch der Entschuldigung an…“ Uff!

Ehrlichstes Eingeständnis

Aus einem Sumo-Ringer lässt sich kein Sprinter machen, aber Langsam kommt auch ans Ziel: „Das ist ein großer Fehler“, gab Braun schließlich zu, „weil viele Menschen sich darauf eingestellt haben, positiv oder negativ. Sowas darf nicht noch mal passieren!“

Schlaueste Defensivstrategie

Auf die Frage nach den Konsequenzen antwortete der Minister: „Ich finde es ganz bemerkenswert, dass viele sagen, Fehlerkultur sei wichtig, und sie haben Respekt vor der Reaktion der Kanzlerin!“

Doch, so Braun weiter: „Dann anschließend die Diskussion gleich fortzusetzen über Vertrauensfragen und Rücktritte, das finde ich nicht angemessen.“ Damit war die Talkmasterin entwaffnet. Chapeau!

Wichtigste Ankündigungen

Aus der „Taskforce“ um Gesundheits- und Verkehrsminister meldete Braun, dass für April und Mai genügend Selbsttests geordert worden seien. Denn, so der Kanzleramtschef: „Es ist wirklich so, dass wir von den Herstellern klare Zusagen haben!“ Na denn…

Nach den unwillkommenen Mallorca-Flügen kündigte Braun an, „dass wir in der Regierung jetzt sehr genau prüfen, ob wir was dagegen tun können.“

„Wir arbeiten auch an Testpflichten“, fügte der Minister hinzu, aber: „Der Lernpunkt des Tages ist, dass ich das heute nicht ankündigen kann.“ Nur nicht gleich wieder die Finger verbrennen!

Hoffnungsvollste Rechnung

Zum Schluss heizte Maischberger den Grill noch einmal mit einem Zitat des CDU-Abgeordneten Albert Weiler an: „Politikversagen! Bevormunden, verbieten, gängeln! Planlos, ratlos, mutlos!“ hatte Brauns Kollege gewettert.

„Momentan ist es so, dass in den Impfzentren das Tempo deutlich gesteigert wird“, beruhigte der Kanzleramtschef. „Und wenn wir 24 Stunden am Tag impfen, können allein die Hausärzte in einer Woche sieben Millionen Dosen verimpfen. Im Juni werden sowohl die Impfzentren als auch die Arztpraxen voll sein.“ Amen!

„Bei uns heißt alles immer ‚Strategie‘ und funktioniert dann nicht!“ merkte Rosenfeld

Berechtigtste Kritik

Der nächste ARD-Einspieler zeigte einen Tweet des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der während der nächtlichen Konferenz die erlaubten 280 Zeichen komplett mit dem Buchstaben „Ä“ vollblödelte.

„Wahnsinnig infantil“, urteilte Beisenherz. „Er hätte doch besser ‚Candy Crush’ gespielt!“

„Thüringen hat den höchsten Inzidenzwert seit Wochen“, ärgerte sich Rosenfeld. „So ein Tweet ist würdelos! Das hat auch nichts mehr mit Humor zu tun!“

Klügster Rat

Psychologe Lütz diagnostizierte professionell: „Ich habe Patienten, die nachts gegrübelt haben, immer gesagt: Alles, was Sie in der Dunkelheit für Gedanken haben, schreiben Sie mal auf, aber denken Sie nicht länger drüber nach! Schlafen Sie erst mal, und wenn es wieder hell ist, dann kehrt sich das!“

Interessantester Versuch

Bürgermeister Neubauer schilderte das Modelprojekt in seiner sächsischen Kleinstadt: Schnelltest, Barcode auf dem Telefon, der Tagespass als Eintrittskarte etwa für Restaurants, Test dort auch für das Personal, sodass immer nur Getestete auf Getestete treffen.

Expertin Priesemann goss jedoch gleich tüchtig Wasser in den Hoffnungswein: „Es gibt Erkenntnisse, dass manche Virusvarianten zum Teil schon den Immunschutz umgehen“, warnte sie. „Im schlimmsten Fall entwickelt sich hier in Deutschland eine Variante, die uns zwingt, mit dem Impfen im Sommer wieder bei Null anzufangen!“

Fazit: Ungeduldige Fragen und  schlecht geschminkte Ausflüchte. Das war eine Talkshow der Kategorie „Gummi“.

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