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Nordstream-Zoff bei Maischberger: SPD-Chefin Esken zweifelt an der Integrität Ex-Kanzler Schröders

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 8.September 2020, 22.50 Uhr.

Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch ernste Zweifel an der moralischen Integrität Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröders geäußert.

Wörtlich sagte die vor knapp einem Jahr ins Amt gewählte Politikerin über die Nähe des Parteigenossen zu Kreml-Chef Putin: „Ich finde, jeder muss selber wissen, ob er noch in den Spiegel gucken kann oder nicht.

Dieser Tage sind SPD-Politiker besonders gefragt: Ex-Kanzler Schröder als Putin-Amigo, Kanzlerkandidat Scholz als Cum-Ex-Kenner und Parteichefin Saskia Esken als Talkgast in „maischberger. die woche“. Wie klangen die Antworten? Die Gäste:

Esken hatte zuletzt leichte Tonprobleme: Übersteuert bei Trump, piano bei Putin.

Karoline Preisler (FDP). Die Politikerin führte nach ihrer Covid-19-Infektion ein Twitter-Tagebuch.

Jördis Frommhold. Die Lungenfachärztin fürchtet, „dass es den zwischen über 180.000 Genesenen in unserem Land weiter schlecht geht!“

Cathryn Cluever Ashbrook. Die Politologin lebt seit 13 Jahren in den USA.

Bettina Gaus (63). Die Journalistin („taz“) ist eine Meisterin der Ja-aber-Argumentation, von der zum Schluss immer nur das „aber“ übrigbleibt.

Robin Alexander (45). Der WELT-Vize kämpft wacker den guten Kampf für den gesunden Menschenverstand.

 

Politik, Presse, Pneumologie: Zum Start schlimme News aus Lesbos.

„Diese überfüllten Lager sind seit Monaten eine Schande für die Europäische Union!“ schimpfte Gaus über die Brände in Morea.

Diese Lager sind ein Produkt des EU-Türkei-Deals“, erläuterte Alexander deutlich differenzierter. „Irreguläre Migranten sollten in die Türkei zurückgebracht werden, aber die griechische Regierung hat das nie in nennenswertem Umfang geschafft.“

„Es muss erst mal geholfen werden“, forderte Clüver Ashbrook so simpel wie wahr. Die EU solle gegenüber aufnahmewilligen Ländern mit „wirtschaftliche Themen argumentieren“ – heißt: Druck machen.

Unverfrorenste Gleichmacherei

Maischberger spielte das berüchtigte Zitat des weißrussischen Diktators ein: „Wenn Belarus fällt“, droht Lukaschenko, „fällt als nächstes Russland!“

Wir haben jetzt einen Diktator, der auf russischen Bajonetten sitzt“, kommentierte Clüver Ashbrook.

Die „taz“-Autorin nutzt die Gelegenheit lieber zu einem typischen Ablenkungsmanöver: „Ich verurteile Putins Politik“, behauptet sie, „aber dass Staaten naheliegende Nachbarn als Hinterhof sehen, überrascht mich jetzt nicht so wahnsinnig. Das ist auch bei den USA so!“

Deutlichste Ansage

Der WELT-Journalist war auch hier für Klartext: „Die Idee, dass Putin auf böse Mächte im Westen reagiert, die sollten wir vergessen!“ wetterte er über die verständnisinnigen Kommentare aus der deutschen Linken.

Denn, so Alexander: „Putin hat gesagt: Wo ein Russe ist, da ist russische Erde. Und das ist kein Sicherheitskordon!“

Sein Vorschlag: „Man müsste die Russen da treffen, wo es weh tut – etwa mit „Nord Stream 2“.

Klügste Analyse

Die Kanzlerin hat in den letzten Tagen erstaunliche Pendelbewegungen gemacht“, fügte der WELT-Mann hinzu. Seine Prognose: „Ich glaube, dass Frau Merkel genau sieht, wie sich die Debatte entwickelt, hier bei uns.“ Ein Pipeline-Stopp „wäre sehr teuer, aber es wäre den Preis wert.“

Die Talkmasterin machte auch Schröder zum Thema, der zum Thema Nawalny dröhnend schweigt. Ihre Frage: Wollen Sie ihn verteidigen?“ Gaus: „Nein.“ Alexander: „Wie komme ich denn dazu?“ Ashbrook: „Ich bestimmt nicht!“

„Gut“, sagte Maischberger. „Dann warte ich, dass es vielleicht die Parteichefin macht…“ Und schon saß Esken ihr gegenüber, die Füße in den roten Slingpumps locker vorgestreckt.

Interessantestes Statement

„Ich habe sehr viel demonstriert in meinen jungen Jahren“, plauderte die SPD-Chefin los, „und ich habe in all diesen Jahren sehr gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Ich habe keine Steine geworfen. Ich halte das auch nicht für ein legitimes Mittel der Auseinandersetzung.“

Maischberger zählte Biographisches auf: Abgebrochenes Studium, Paketzustellerin, Kellnerin, Straßenmusikerin…

„Ich war 18, 19 Jahre alt und vergleichsweise schüchtern“, begründete die SPD-Chefin die Pflaster-Mucke mit „Crosby, Still & Nash“. „Das war ein Mittel, in den öffentlichen Raum zu gehen und sich zu trauen.“

Reuigstes Bekenntnis

Ihr höchst umstrittener Urteilsspruch, Olaf Scholz sei „kein standhafter Sozialdemokrat“, tue ihr längst Leid: „Ich habe mir das entlocken lassen“, gestand sie, „mich aber direkt danach bei Olaf Scholz entschuldigt.“

Jetzt gelte für sie das genaue Gegenteil: „Er ist durch und durch ein Sozialdemokrat!“

Persilschein des Abends

Das aktuelle Problem des SPD-Kanzlerkandidaten, die „Cum-Ex“-Gaunereien, bereinigte Esken mit Riesenwaschkraft: „Olaf Scholz hat in allen Befragungen und auch proaktiv deutlich gemacht, dass es keinen Einfluss gegeben hat.“ Punkt!

Und auch im beliebten Frage-Antwort-Spiel blieb ihr Lächeln unbeeindruckt: Reichensteuer 75 Prozent ab 1 Mio? „Das werden wir sicher so nicht machen!“ Auslandseinsätze der Bundeswehr beenden? „Ich habe im Bundestag jedes Mal zugestimmt!“

Ehrlichstes Eigenlob

Sogar über die GroKo wusste Esken nur Gutes: „Im Moment arbeitet sie sehr verantwortungsvoll mit großer Zustimmung aus der Bevölkerung in der Bewältigung dieser Pandemie“, lobte sie nun, was sie zuvor im internen SPD-Wahlkampf so heftig kritisiert hatte.

Denn: „Norbert Walter-Borjans und ich gemeinsam mit Olaf Scholz und Rolf Mützenich haben die Koalition verändert. Wir haben dafür gesorgt, dass da besser gearbeitet wird.“ Holla die Waldfee!

Giftigster Rat

„Trotzdem“, so die Co-Vorsitzende, „sollte die Große Koalition die Ausnahme bleiben. Ich bin der Auffassung, die CDU/CSU sollte sich mal auf der Oppositionsbank erholen.“ Ah ja! O.k., solche Sprüche kosten nichts.

Gretchenfrage des Abends

Maischberger wurde es nun doch zu schwesterlich, und sie brachte etwas mehr Schwung ins Pingpong: „Muss sich Gerhard Schröder zwischen SPD und Gazprom irgendwann mal entscheiden?

Prompt kam ein Ausweichmanöver: „Für Gerhard Schröder wie für die anderen ehemaligen SPD-Vorsitzenden gilt: Wenn sie alle ihre Ämter aufgegeben haben, müssen sie selbst entscheiden, was sie beruflich tun und was sie lassen.

Klarste Ansage

Doch die Talkmasterin setzte nun die Kneifzange an: „Das stört Sie gar nicht, was er da macht?“

„Ich kann‘s ihm nicht verbieten“, antwortet Esken nun doch sichtlich sauer und haute den härtesten Satz des Abends raus: „Ich finde, jeder muss selber wissen, ob er noch in den Spiegel gucken kann oder nicht.“ Das war dann mal ein echter sozialdemokratischer Wumms!

Überraschendste Info

Beim Satzergänzungsspiel ließ sich die SPD-Chefin mal in die Karten gucken. „An Markus Söder schätze ich…“ begann Maischberger, und Esken vollendete: „Dass wir uns ab und zu SMS schreiben, wenn es langweilig wird in der Koalitionsausschusssitzung.“

Wie bitte? Langweilig? staunten Maischberger und das Publikum.

Über ihr „Lieblingsministeramt“ sagte die ehemalige Softwareentwicklerin zum Schluss: „Als SPD-Parteivorsitzende sollte man kein Ministeramt übernehmen, aber bei einem Digitalministerium werde ich womöglich schwach“.

Erschreckendste Geschichte

Danach schilderte ein ARD-Einspieler die Langzeitfolgen von Corona. „Ich wusste nicht, dass mir drei Monate später die Haare ausgehen“, berichtete FDP-Preisler. „Das war wie das Nadeln vom Weihnachtsbaum. Ich bin aufgewacht, und mein Kopfkissen war voller Haarsträhnen.“

Und: „Ich habe nicht nur manchmal Probleme gehabt beim Kurzzeitgedächtnis, sondern im Gespräch fehlten mir plötzlich die Worte. Noch viel schlimmer war, als ich im Kopf einen Satz bilden wollte und statt des Wortes ‚Verfassungsbeschwerde‘ einen Tag lang immer nur ‚Brandenburg, Brandenburg‘ kam.“ Uff!

Bedrohlichste Liste

Ärztin Frommhold hat schon 100 Patienten mit Langzeitfolgen behandelt und zählte nun auf: Leistungsminderung, Abgeschlagenheit, psychische Belastung. Taubheitsgefühle, Koordinationsstörungen, Wortfindungsstörungen, Gedächtnisverluste. Schmerzen in den Oberschenkeln, plötzlich rasender Puls, Blutdruckentgleisung, Erschöpfung der Atemmuskulatur.

Über die Folgen der Pandemie für den Alltag sagte sie: „So wie es früher war, wird’s nicht mehr.“

Traurigste Erinnerung

„Einzelne Stadtverordnete wollten unser Haus mit einem Roten Kreuz kennzeichnen und eine Bannmeile einrichten“, empörte sich Preisler zum Schluss über Redaktionen auf ihre Erkrankung. „Es gab sogar Menschen, die wollten, dass wir unsere Sachen packen und wegziehen!“

Als sie in Berlin versuchte, Corona-Leugner zu warnen, hätten „viele gespuckt“, klagte die Politikerin. „Es gab auch Menschen, die das Gespräch gesucht haben, um mir zu erzählen, dass meine Grippeschutzimpfung aus toten Kindern, Aluminium und Chips besteht.“

Fazit: Ideologie bis zur intellektuellen Insolvenz, einige kriegten zum Schluss gar nichts Vernünftiges mehr auf die Tonspur, die vermeintliche Sozialtigerin Esken fauchte nur so laut wie ein Bettvorleger: Das war ein Talk der Kategorie „Versuch macht klug“.

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