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Norbert Röttgen verspricht bei Anne Will: Keine Zusammenarbeit mit der AfD!

„Anne Will: „Countdown im Weißen Haus: Trump geht – was wird?“ ARD, Sonntag, 7.Dezemnber 2020, 21.45 Uhr.

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag versichert, auch in Sachsen-Anhalt werde es keinerlei Zusammenarbeit seiner Partei mit der AfD geben.

Wörtlich sagte Röttgen: „Die CDU hat zu keiner Sekunde im sachsen-anhaltinischen Landtag gemeinsame Sache mit der AfD gemacht, wird es auch nicht tun, und das kann ich garantieren!“

Zum Nikolaus gab’s diesmal keine Süßigkeiten, sondern Saures mit der Rute: Trump ist noch nicht fertig, weder mit der Wahl und noch mit der Welt! Anne Wills Gäste

Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) setzt auf Trumps Nachfolger: „Joe Biden weiß, dass sich die Konflikte in der Welt besser lösen lassen, wenn man international zusammenarbeitet.“

Röttgen hofft ebenfalls auf Biden: „Er wird die aufgeheizte Gesprächsatmosphäre normalisieren!“

Die Demokratin Angelika Kausche kämpft im Regionalparlament von Georgia indirekt auch um die Regierungsmacht ihrer Partei in Washington.

Der Republikaner Peter Rough ist Politikberater und prophezeit: „Trump wird sich auch in Zukunft politisch nicht zurückhalten!“

Die Autorin Samira El Ouassil („Spiegel“) dachte auf Twitter einen Trump-Gedichtband an: „Vom Weißkopfseeadler zum Truckercap – Elegien einer Orange“.

Meinungsstarke Medienfüchse mit Manieren. Gute Chancen für Fechtkunst ohne Fouls.

Röttgen gab gleich Vollgas: „Trump schürt das Misstrauen in die amerikanische Demokratie“, wetterte er. „Er nimmt diesen riesigen Schaden in Kauf, um seine narzisstische Legende ‚Ich bin der Unbesiegbare‘ zu stricken!“

Gelungenster Gegenstoß

Trump hat seit dem Wahlabend Hunderte Millionen Dollar Wahlspenden sammeln können, für seine politischen Aktivitäten nach dem 28.Januar“, konterte Republikaner Rough.

Und: „Er hat auch schon an die Presse durchsickern lassen, dass er möglicherweise in vier Jahren wieder kandidieren wird. Er ist ein Hecht im Karpfenteich. Aber es wird sehr schwierig für ihn.“

Intellektuellste Einschätzung

Die „Spiegel“-Journalistin hatte sich mit einem eleganten Kaftan vollendet in den Sessel modelliert. „Man muss diese Aktion, das Festhalten am Weißen Haus, interpretieren als konsequente Maßnahme einer ganzen Performanz von Antiinstitutionalismus“, diagnostizierte sie. Uff!

Da sei es nur konsequent, zu sagen: Ich erkenne die Wahlergebnis nicht an! fügte El Ouassil hinzu. Das sei „the cherry in top of the cake“.

„Die Kirsche auf dem Kuchen“, übersetzte die Talkmasterin für die Doofen.

Klügste Analyse

Der Ex-Außenminister spekulierte darüber, ob Trump bei der Amtseinführung seines Nachfolgers überhaupt auftauchen werde: „Indem er nicht hingeht, signalisiert er: Das ist ein illegitimer Präsident, weil die Wahl ja gefälscht war.“

„Dahinter steckt eine Stratege, die darauf abzielt, seine Anhängerschaft zu stabilisieren“, erläuterte Gabriel. „Die Schlacht innerhalb der Republikanischen Partei wird jetzt geschlagen: Soll das eine Partei aus radikalisierten Anhängern bleiben?“

Schlüssigste Erklärung

Denn, so der Ex-Außenminister: „Trump will Einfluss behalten, und dazu braucht er Feindschaft!“

Und auch Gabriel kann intellektuell: „Eigentlich ist es das i-Tüpfelchen einer antiinstitutionellen Idee von Politik, am Ende auch die Wahrheit zu delegitimieren“, dozierte er. Puh! Das britzelt! Und das am Sonntagabend!

Beruhigungspillen Made in USA

Aus Atlanta war Demokratin Kausche zugeschaltet. „Ich sehe, dass wir uns sehr anstrengen müssen, wieder eine Gemeinsamkeit zu finden“, gab sie zu, aber: „Gerade auf der lokalen Ebene kann man diese Verständigung suchen und kann sie auch finden.“

Die Republikaner werden bereit sein, mit dem Demokraten zu kooperieren, solange diese auch die Hand ausstrecken“, hoffte Rough.

Skeptischste Vorhersage

Selbst wenn Bidens Partei jetzt in Georgia zwei Senatssitze hinzugewänne, meinte Gabriel, ändere das nichts, weil Präsidenten für wichtige außenpolitische Entscheidungen etwa in Sachen Klimaabkommen oder Iran nicht nur eine einfache, sondern eine Zweidrittelmehrheit brauchen.

Bedenklichster Aspekt

Die „Spiegel“-Journalistin machte auf einen irritierenden Effekt aufmerksam: Die Polarisierung sei inzwischen so fortgeschritten, dass Eltern sogar überlegen würden, ob sie zustimmen sollen, wenn ihr Kind jemanden aus dem anderen politischen Lager heiraten wolle. Echt jetzt?

El Ouassils Sorge: „Die politische Ideologie ist mittlerweile ein genauso wichtiger identifikatorischer Marker geworden wie Geschlecht, Glaube, Herkunft oder Wohnort.“

Klarste Kursbestimmung

„Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass es das Nummer-1—Anliegen von Joe Biden ist, das Land zu versöhnen“, stellte Röttgen fest. „Das ist das Allerwichtigste. Das kommt noch vor China, weit vor Europa.“

Außerdem habe die Spaltung schon vor Trump begonnen. „Es ist Gift im System“, warnte der CDU-Mann, „und der Giftentzug wird wahrscheinlich länger dauern.“

Kategorischste Forderung

„Es ist jetzt an den Republikanern, wirklich mal Farbe zu bekennen und zu sagen, ob sie wirklich noch zur Demokratie stehen!“ rief Kausche von ihrem Monitor. Aua! Ob das schon Bidens Versöhnungskurs ist? Die Wahlverlierer sollen zu Kreuze kriechen, auf dass ihnen vergeben werde?

Will haut mit Wonne in die gleiche Kerbe: „Wann lösen sich die Republikaner aus der Gefolgstreue zu Herrn Trump?“ verlangte sie zu wissen.

Realistische Antwort

„Trump hat Georgia verloren“, gestand Rough ohne Umschweife ein. „Und es besteht die Gefahr, dass diese zwei Senatssitze auch verloren gehen. Deshalb versucht die Partei, bis zum Wahltag möglichst geschlossen zu agieren.“

Kritischstes Zitat

Die Regie blendete einen Tweed des Republikaners Marco Rubio ein: „Bidens Kabinettsmitglieder kommen von Eliteunis, sie haben starke Lebensläufe, sie haben alle die richtigen Konferenzen besucht“, spottet der frühere Präsidentschaftsbewerber. „Sie werden höfliche und anständige Wegbereiter für Amerikas Niedergang sein.

Rough setzte noch einen drauf: „Ich denke, dass das die Rache des Establishments sein wird“, urteilte er über Bodens künftige Minister. „Die kommen aus den linken Kreisen und haben vorher für die Obama-Administration gearbeitet. Aber lassen wir uns überraschen!“

Cleverste Bewertung

Gabriel hatte eine passende Definition dazu: „Jeder, der kandidiert hat, ist Teil des politischen Establishments“, grinste er. „Auch die Journalisten, die das beurteilen!“

Sein Konter: „Das ist ja eine schräge Vorstellung, dass das nur funktioniert, wenn da Leute kommen, die vom Job keine Ahnung haben!“

Interessanteste Wahlanalysen

Es gibt ja Leute, die sagen: Ist das die dritte Amtszeit Obamas?“ schob der Ex-Außenminister noch nach. Für ihn sei die Auswahl ein Zeichen dafür, „dass Biden sieht, dass das kein Linksruck in Amerika war.“ Denn: „Amerika hat sich eine Mitte-Rechts-Regierung gewählt.“

„Biden ist ein Mann der politischen Mitte“, stimmte Röttgen zu. „Darum wird er eine Politik der Mitte machen. Für uns hätte es besser nicht kommen können! Man muss ja auch mal das Positive suchen!“

Souveränste Selbstkritik

Die Talkmasterin wollte den Ex-Außenminister mit einer Frage nach der umstrittenen Ostsee-Pipeline kitzeln: „Fällt es der SPD leichter, sich mit einem Präsidenten Biden von Nordstream 2 zu verabschieden?“

„Wenn Sie ‚die SPD‘ sagen, dann müssen Sie den Olaf Scholz oder die Vorsitzenden fragen“, griente Gabriel.  „Ich kann nicht für die SPD sprechen. Das habe ich lange genug versucht, und das ist oft genug gescheitert!

Spannendste Perspektive

Warum machen wir keine gemeinsame Initiative von Amerika und Europa als Konkurrenzprojekt zur Seidenstraße?“ fragte Gabriel dann. „Warum bieten wir den Zentralasiaten, den Afrikanern keine Infrastrukturprojekte an, mit Finanzierung zwischen USA und Europa?“

Seine Hoffnung: „Es gibt eine ganz große Möglichkeit, wenn auf beiden Seiten das Verständnis da ist: Wir brauchen uns auch im 21.Jahrhundert!

Gretchenfrage des Abends

Will hatte sich bereits bei der Runde bedankt und auch schon an Ingo Zamperoni übergeleitet, da fiel ihr plötzlich noch was ein: der Krach in Sachsen-Anhalt um die Erhöhung der Rundfunkgebühr. Kam da ein Hinweis aus der Regie?

„Soll die CDU aus Ihrer Sicht gemeinsam mit der AfD stimmen?“ fragte die Talkmasterin nun mit Verspätung.

„Ich glaube, dass die CDU sich dagegen wehren muss, dass das Thema so geschrieben wird“, antwortete Röttgen energisch. „Es gibt einen Koalitionsvertrag, der für eine Zustimmung bestimmte Forderungen aufstellt. Die sind nicht erfüllt, und darum waren alle Parteien dagegen, der Beitragserhöhung zuzustimmen.“

Deutlichste Klarstellung

Doch, so Röttgen weiter: „SPD und Grüne haben diese Vereinbarung verlassen. Die CDU ist bei ihrer Meinung geblieben.

„CDU, SPD und Grüne haben Verantwortung dafür, dass die AfD im Landtag keine entscheidende Rolle spielt“, macht der Politiker klar. „Es geht nicht, dass Grüne und SPD der CDU definieren können, was ihre Position sein muss, nachdem man eine gemeinsame Position verlassen hat!

Und, noch etwas schärfer: „Ich glaube nicht, dass die CDU sich von anderen ihre Politikfähigkeit definieren lassen kann! Gleichzeitig ist es die Aufgabe von allen, auch von SPD und Grünen, nicht die AfD zu instrumentalisieren im Kampf gegen die CDU!“

Wichtigste Info

„Ich hatte auf ein Ja oder Nein gehofft!“ murrte Will. Hm – dann darf sie aber keine Talkshow machen, sondern höchstens einen Schnellratequiz.

Doch die Talkmasterin versuchte es trotzdem noch mal: „Darf die CDU mit der AfD gegen die Erhöhung stimmen?“ fragte sie ganz im Sinn ihres Senders und guckte den CDU-Mann theatralisch an.

„Das tut sie keinesfalls!“ antwortete Röttgen entschlossen. „Das kann ich klarstellen! Die CDU hat eine Position. Wer da sonst noch zustimmt oder dagegen stimmt, ist eine andere Frage.“

Holler boller Rumpelsack, zum Nikolaus wird viel geschnackt! Routinierte Altmeister, bemerkenswerte Newcomer, aber leider eine parteiische Talkmasterin mit Suggestivfragen nach Gutsherrinnenart: Das war ein Talk der Abteilung „Knecht Ruprecht“.

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