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Neuer Corona-Zoff bei Anne Will: Ärzte-Chef Montgomery beklagt eine „Tyrannei der Ungeimpften“

„Anne Will: Corona-Neuinfektionen auf Höchststand – braucht Deutschland eine Impfpflicht?“ ARD, Sonntag, 8.November 2021, 21.45 Uhr.

Die vierte Welle droht das Land als riesige Viren-Woge zu überfluten. Anne Will stellt die Frage aller Fragen. Die Gäste:

Markus Söder (54, CSU). Bayerns Ministerpräsident, aus München zugeschaltet, wettert: „Wo ist die Ampel? Wo ist Olaf Scholz? SPD, Grüne und FDP müssen jetzt endlich mithelfen, Corona zu bekämpfen!“

Katrin Göring-Eckardt (55, Grüne). Die Fraktionschefin fordert zur Bekämpfung der Pandemie „eine rechtssichere Grundlage für die nötigen Maßnahmen“.

Prof.Alena Buyx (44). Die Medizinethikerin warnte bei Markus Lanz: „Die freie Entscheidung, sich nicht zu impfen, die hat eben Effekte auf uns alle!“

Christine Vogler (51). Die Pflegerats-Präsidentin fürchtet: „Wir können die Welle schier nicht aufhalten!

Frank Ulrich Montgomery (69). Der Chef des Weltärztebundes schlägt Alarm: Es drohe „ein ganz heißer Winter, der große Probleme mit sich bringen wird!“

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Zum Auftakt gleich wieder Parteigemotze

Doch Göring-Eckardt arbeitet sich als erstes sofort am politischen Gegner ab: „Ich sehe nur, dass Herr Spahn immer durch die Welt läuft und alles Mögliche sagt, fordert, ankündigt, als ob er nicht im Amt wäre, und auch nichts vorbereitet hat“, schimpft sie ungebremst los.

Schon geht der Zoff los

Will hält Göring-Eckardt ein Zitat von Söder vor: „Die Zahlen explodieren, und sie haben letztlich nichts Eiligeres zu tun, als gemeinsam in die Bundespressekonferenz zu gehen und ausgerechnet jetzt die Pandemie im Grunde für beendet zu erklären“, warf der Bayer der künftigen Ampel vor.

Die Fraktionschefin will sich mit Juristerei aus der Tinte ziehen: „Die ‚epidemische Lage‘ läuft halt am 25.11 aus“, verteidigt sie sich.

„Muss sie ja nicht“, unterbricht die Talkmasterin. „Sie könnten ja noch verlängern.“

„Da ist aber meine Sorge, dass das nicht rechtsicher ist“, behauptet Göring-Eckardt. „Ich glaube, dass wir angesichts der Impfquoten, die wir haben, die leider nicht ausreichend sind, nicht Lockdowns verhängen können für Geimpfte.“

Schlimmste Befürchtung

„Mich überzeugt das nicht“, kontert Söder. „Man erklärt die ‚epidemische Lage‘ für beendet, und was ist das jetzt, was wir erleben, anderes als eine exponentielle epidemische Entwicklung, die dramatisch ist!“

Seine Sorge: Ärzte könnten „bald vor der Wahl stehen zwischen überwiegend ungeimpften Covidpatienten auf der Intensivstation oder geimpften Krebs- und Schlaganfallpatienten, was eine auf Dauer nicht haltbare Situation ist!“ Der geplante „Freedom Day“ sei jedenfalls ein „völlig falsches Signal“. Aua!

Interessantester Kontervorwurf

„Es ist ja interessant, dass Bayern mit angeblich der besten Verwaltung es nicht hinbekommt, die Impfquote zu steigern!“ stichelt Göring-Eckardt. „Die Leute haben Angst, und hier gibt es so ein parteipolitisches Geplänkel! Die Lage ist nämlich dramatisch.“ Uff!

Stärkster Tobak

„Womit man aufhören muss, ist, dass sich jemand hinstellt und sagt: Mit mir wird es nie eine Impfpflicht, nie einen Lockdown geben“, poltert Montgomery.

Denn, so der Ärzte-Chef; „Diese apodiktischen Nie-Aussagen sind einfach falsch. Im Augenblick erleben wir eine Tyrannei der Ungeimpften, die über das Zweidrittel der Geimpften bestimmen und uns diese ganzen Maßnahmen aufoktroyieren!“

Verblüffendstes Statement

„Wir werden als Deutscher Pflegerat keine Impfpflicht einfordern können nur für Pflegende“, schnaubt Präsidentin Vogler, „weil wir hier den Focus auf Pflegende, die dann als Pandemietreiberinnen gelten, weil sie dann nur als einzige ins Visier genommen werden, das können wir so nicht stehen lassen!“

Wie bitte? „Wenn alle Menschen in diesem Lande verpflichtet sind, sich impfen zu lassen, dann werden die Pflegenden natürlich mitgehen“, fügt Vogler hinzu. Sonst seien ihre Mitglieder „im Fadenkreuz“ sehen. Ui!

Und wieder Zoff

„Ich bin erstaunt!“, gibt Medizinethikerin Buyx zu Protokoll, „weil es schon einen erheblichen Unterschied gibt zwischen einer allgemeinen, undifferenzierten Impfpflicht für alle Menschen mit sehr, sehr unterschiedlichen Risiken und einer Impflicht dort, wo eine besondere berufliche Verantwortung besteht!“

„Wir müssen auch über Anreize nachdenken – nicht nur die Bratwurst, sondern doch eine kleine Impfprämie“, fügt sie hinzu.

Ungewöhnlichstes Argument

„Wir sind 1,2 Millionen Pflegende, und wir sind Bürger dieses Landes!“ empört sich Vogler. „Für uns gelten genau dieselben Rechte wie für alle anderen! 135.000 Pflegende sind weltweit gestorben!“

Wie jetzt  – wäre das nicht eher ein starkes Argument für eine solche spezielle Impfpflicht?

„Wir haben doch eine moralische Verpflichtung, weil uns die Patienten anvertraut werden!“ macht der Ärzte-Chef klar. „Der Patient, oder der alte Mensch, muss doch sicher sein können, dass ich für ihn nicht ein Krankheitsrisiko darstelle!“

Zornigste Fernsehschelte

Unter Druck lenkt die Pflegeratschefin auf die geforderten Freiheiten für Genesene und Geimpfte ab: „Wir sind für 2G in allen Veranstaltungen, die nicht sein müssen“, erklärt sie.

Ihr Ärger gilt dem fröhlichen ZDF-Publikum vom Samstag: „Wenn ich gestern Abend ‚Wetten, dass…?‘ geguckt habe“, grollt sie. „Wirklich! Ich konnte das nicht ansehen!“

Durchschaubarster Taktik-Trick

Göring-Eckardt regt sich über andere auf: „Bei Herrn Söder denke ich manchmal: Meine Güte, warum hat er nicht den kompletten FC Bayern und vielleicht auch den 1.FC Nürnberg eingeladen und mit allen Spielern geredet und gesagt: Ihr müsst eigentlich in die Community hinein sagen, lasst euch impfen, Leute!“ nörgelt sie.

Gelungenster Befreiungsschlag

Die Impfbereitschaft sei in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen „traditionell niedriger“, gibt Söder zu. Das liege auch daran, „dass wir besonders viele Querdenker haben“.

Sein zünftiger Befreiungsschlag schickt den Ball weit in den grünen Strafraum: „Frau Göring-Eckardt, wir haben auch besonders viele Anhänger von Ihnen, nämlich esoterische Gruppen, die das genauso sehen…“ Rumms!

Schmerzlichste Erinnerung

Für seinen Vorschlag einer Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen habe er voriges Jahr einen „Riesen-Shitstorm“ bekommen, klagt der Bayer. „Auch aus der eigenen Partei. Alle waren dagegen.“

Aber, so Söder weiter: „Wir sollten die Offenheit dafür bewahren. Es wird ja am Ende genau so kommen!“

Härteste Grätsche

Montgomery wundert sich über Impf-Zauderer Joshua Kimmich: „Müsste nicht eigentlich auch der FC Bayern verhindern, dass ein Fußballspieler, der in einem Kontaktsport aufläuft, in dem man sich umarmt, in dem man jubelt, Körperkontakt hat…“

„Und dann höre ich, dass vier Menschen in diesem Team nicht geimpft sind“, grollt der Ärzte-Chef. „Hätte man da nicht auch eine Verantwortung als Arbeitgeber?“

Energischste Defensivarbeit

„Joshua Kimmich ist ein toller Spieler, der normalerweise jemand ist, der große Verantwortung annimmt, eine großartige Persönlichkeit“, dribbelt sich Söder aus der Gefahrenzone. „Mein Eindruck ist, dass der Arbeitgeber dort sich sehr um vernünftige Gespräche bemüht.“

Und, so der Ministerpräsident weiter: „Ich habe heute auch gehört, dass Hansi Flick sich einerseits schützend vor seinen Spieler stellt, aber gleichzeitig noch mal Gespräche führen will, weil, das Argument von Langzeit-Wirkung ist natürlich Unsinn. Es gibt eine Langzeit-Wirkung von Corona, aber nicht vom Impfen!“

Letztes Gefecht

Göring-Eckardt reitet noch eine Attacke gen München: „Leider hat die Bundesregierung, an der auch die CSU beteiligt ist, keine Vorbereitung getroffen“, klagt sie und ringt theatralisch die Hände. „Das ist genau das Problem!“

„Was heißt das?“ will die Talkmasterin wissen.

Antwort: „Naja, vieles von dem, was Herr Söder jetzt sagt, hätte man ja vorbereiten können.“

„Was denn?“ insistiert Will.

Prompt kommt die Grünen ins Schwurbeln: „Die Booster-Impfungen, großes Thema, wir hangeln uns jetzt so hin, wer darf das, wer soll das, die ganze Frage ‚Was ist am Arbeitsplatz‘ und, und, und…“ O je!

Frage des Abends

Die Talkmasterin wiederum stört sich besonders am Ampel-Datum für den „Freedom-Day“: „Warum sagt man das überhaupt, mit großem Tamtam?“ fragt sie mit zackigen Luftschlägen.

„Weil“, antwortet Göring-Eckardt schnell, muss dann aber erst mal überlegen. „Weil, das ist halt die Schwierigkeit, in der wir sind, wir haben halt in unserem Rechtsstaat…“

Will kehrt noch mal zum Anfang zurück: Man hätte doch die epidemische Lage noch mal verlängern können?

Die Grüne legt treuherzig die Hand auf die Brust: „Ich habe ja selbst vier Mal für die Verlängerung gestimmt“, bekennt sie, wollte es aber „lieber rechtssicher“ haben, denn „Herr Söder hat gerade so eine Klage verloren“, wegen Ausgangssperre.

Saftigste Watschn

„Mir ist das etwas zu sehr Verteidigen“, funkt der Ministerpräsident dazwischen. „Ich verstehe das auch. Sie kommen jetzt in die Situation, dass das jetzt auch Ihre Pandemie ist…“

Göring-Eckardt will das natürlich nicht zugeben, doch Söder nimmt schon den nächsten auf die Hörner: „Ich frage mich die ganze Zeit auch: Olaf Scholz – warum gibt es da nicht eine Bereitschaft, miteinander zu reden?“

Mehr Einheitlichkeit in Deutschland würde auch die Akzeptanz von Maßnahmen erhöhen“, mahnt der Ministerpräsident. „Mein Appell: Trotz neuer Regierung auch zu mehr Gemeinsamkeit in der Krise zu finden.“ Amen!

Diplomatischstes Schlusswort

„Sie haben, glaube ich, sogar meine Telefonnummer“, grient Göring-Eckardt, „wir können jederzeit miteinander reden.“

„Die habe ich noch nicht“, berichtigt Söder, „aber ich freue mich, wenn ich sie bekomme.“ Luja!

Fazit

Hochfrequente Schönredeschübe und kreative Realitätsblockaden bei erhöhter Geltungstemperatur: Das war eine Show der Kategorie „Talkfieber“.

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