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Neue Corona-Studie in „Hart aber Fair“. Männer sind beim Impfen schneller entschlossen als Frauen

„Hart aber Fair: Operation Impfung – ist sie gut, ist sie sicher, wer bekommt sie wann?“ ARD, Montag, 30.November 2020, 21 Uhr.

Die Gesundheitspsychologin Prof. Monika Sieverding hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag aus einer neuen Studie über große Unterschiede im Impfverhalten von Männern und Frauen berichtet.

Wörtlich sagte die Wissenschaftlerin: „Normalerweise ist es ja so, dass Männer sich deutlich zurückhalten, wenn es um Früherkennung und Präventionsverhalten geht“, berichtet Prof. Sieverding, die nicht nur Gesundheits-, sondern auch Genderforscherin ist.

Aber: „Bei Corona ist es jetzt zum ersten Mal in meiner langen Forschungstätigkeit anders. Männer haben weniger Angst vor der Impfung. Ich gehe davon aus, dass jetzt zum ersten Mal Männer die Vorreiter sind.

Weihnachten 2020 heißt die frohe Botschaft nicht mehr  nur „Ein Kind ist uns geboren“, sondern „Ein Impfstoff ist entdeckt“. In „Hart aber Fair“ blieb Talkmaster Frank Plasberg trotzdem skeptisch. Seine Gäste

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ordnete kurz vor dem Talk an: Maskenpflicht in allen Räumen, und vom Skispaß nur noch träumen!

Tübingens OB Boris Palmer (Grüne) schimpfte auf Bund und Länder: Corona-Maßnahmen grundlos verschärft!

Die Medizinerin Prof. Eva Hummers aus der Ständigen Impfkommission (STIKO) warnte vor einem Zweifrontenkrieg: gegen Grippe und Corona!

Gesundheitspsychologin Sieverding hofft: „Das Impfen wird eine Sogwirkung entfalten.

Der ARD-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar diente Plasberg wieder als Erklärbär. Der Talkmaster  strahlte, denn er durfte seinem Publikum „die Topnachricht“ verkaufen: „Schon im Dezember könnte bei uns mit den Impfungen begonnen werden!“

Wichtigste Positionsmeldungen

„Ich bin sicher, dass bei uns bis Mitte Dezember die Impfzentren einsatzbereit sind!“ assistierte Laumann. Palmer meldete sogar, er sei bereits geimpft, für die Corona-Studie seines Tübinger Pharmaproduzenten CureVac.

Yogeshwar stand lieber auf der Bremse: „Man muss auch sagen, dass in puncto Wirksamkeit und Nebenwirkungen noch viele Fragen offen sind!“ warnte der ARD-Experte.

Größter Bammel

Der Minister hatte trotz seiner Zuversicht Manschetten: „Es handelt sich um eine sehr große logistische Aufgabe“, sagte er. „Wenn das Impfen nicht klappen sollte, werden die Leute das unserem Staat nie vergessen!

Seine größte Sorge sind die 600.000 Pflegedürftigen allein in NRW, die nicht in Einrichtungen leben: „In den Dörfern, in den Bauernschaften muss eine aufsuchende Impfung passieren!“ kündigt Laumann an. Entscheidend sei, dass sich der Impfstoff auch lange genug halte.

Unverfänglichste Diagnose

Ich denke, dass die Massenimpfungen im ersten Quartal 2021 beginnen werden“, sagte Palmer im Stehen.

„Das hängt nicht mit der Impfung zusammen“, erklärte Plasberg dem Publikum, „Sie haben Rücken!“

Wertvollste Beruhigungspille

Bei der bevorstehenden Impfaktion sei der Anteil der Unentschlossenen „ganz klein“, stellte Psychologin Sieverding fest.

Aber: „Die Impfgegner sind besonders laut, und das wird leider in den Medien auch so transportiert, dass das Phänomen größer erscheint, als es ist“, klagte die Expertin. „In unserer Studie gibt es von 1500 Befragten 100, die sagen, sie würden sich auf gar keinen Fall impfen lassen.“

Vorsichtigste Prognose

Für die angestrebte Herdenimmunität müssen im günstigsten Fall über 60 oder sogar 80 Prozent der Menschen mitmachen, erklärte Impfexpertin Prof. Hummers.

Und wer kommt als erster dran? „Ein wichtiges Kriterium wird das Alter sein“, kündigte die Ärztin an. Und die anderen Risikogruppen bräuchten dann wohl ein Attest vom Hausarzt.

Überraschendste Widerspruch

Laumann setzt wie immer auf eine praktische Vorgehensweise: Die Pflegebedürftigen finde man über die Pflegekassen, das Gesundheitspersonal in den Krankenhäusern werde sich selber impfen und die Lehrer seien bei den Ländern registriert.

Plasberg glaubte, dass die Genannten „offensichtlich als erste dran sind“, doch Palmer funkte sofort dazwischen: „So offensichtlich ist das gar nicht! Es könnte ja zum Beispiel sein, dass der Impfstoff für über 60-jährige schwer verträglich ist.“ Uff!

Überflüssigste Attacke

„Diese Woche wollte ich zu meiner Schwester nach Luxemburg“, sagte Yogeshwar zu Laumann. „In Ihrem Ministerium gibt es dafür ein sechsseitiges Papier mit sehr vielen Paragraphen!“

„Hm“, machte Laumann nur und zuckt mit den Schultern.

„Ich behaupte mal, ich bin nicht sooo blöd, aber ich konnte am Ende nicht rauslesen: Was gilt jetzt?“ ärgerte sich der ARD-Mann. „Es wäre total wichtig, eine App zu haben, die mir lokal sagt: Was gilt jetzt?

„Ist ja bald Weihnachten“, griente Plasberg.

Vernünftigste Strategie

Über die Frage nach den Risikoberufen sagte die Ärztin von der STIKO: „Es wird eine Abstufung geben, die man abarbeiten muss.“ Und zwar: Polizei, Feuerwehr, Öffentlicher Nachverkehr, Justiz. Und, so Hummers: „Eine ältere Verkäuferin ist gefährdeter als eine junge.“

„Wir hatten heute noch eine Schaltung der 16 Gesundheitsminister in den Ländern mit unserem Bundesgesundheitsminister“, sagte Laumann zu den Prioritäten, „und wie sind ganz klar der Meinung, dass das von der Ständigen Impfkommission festgelegt werden muss.“

Unmissverständlichste Erklärung

Das darf auf keinen Fall eine politische Entscheidung sein“, fügte Laumann noch hinzu. „Es muss eine ethische und medizinische Entscheidung bleiben!“

Interessanteste Info des Ministers: „Unsere Apotheken sagen mir, dass sie schon in der Lage sind, am Tag 100.000 Impfdosen unter sterilen Bedingungen aufzubereiten.“

Wichtigste Gefahrenmeldung

„Es gab Umfragen: Wen vertraue ich? Und das war interessanterweise die Regierung“, berichtete die Psychologin. „Aber auch die Hausärzte. Deshalb ist es so wichtig, sie einzubeziehen.“

Doch: „Diese Impfungen müssen zweimal verabreicht werden“, weiß Yogeshwar. „Die Nebenwirkungen sind nicht ohne!“ Und da werde es in den sozialen Netzwerken „diese komischen Meldungen“ geben, die auch Impfbefürworter umstimmen und damit die Herdenimmunität gefährden könnten.

Plumpste Eigenwerbung

Bei der Frage nach der Wirkungsweise des neuen Impfstoffs setzte der Talkmaster voll auf seinen Lieblingsexperten: „Wenn das in dieser Runde einer erklären kann, dann ist das Ranga Yogeshwar“, behauptete er. „Im WDR hieß er ‚der schlaue Ranga‘!“

Artig referierte der Journalist daraufhin über die Züchtung von Viren in Hühnereiern und das Einspritzen bestimmter Proteine in Zellen zur Stimulation der Immunabwehr.

„Wir kennen alle diese Spike-Proteine“, erläuterte er dabei. „Corona“ heiße „Krone“, und „auf Darstellungen des Virus sehen wir immer diese Noppen. Genau da gibt es diese Proteine.“ Wieder was gelernt! Nach „Ranga-Zamba“ klang das aber nicht gerade…

Mutigstes Bekenntnis

Ich komme aus Milieus, die sehr impfkritisch sind“, gestand Palmer. „Ich bin Grüner. Leider haben wir in grünen Städten weit unterdurchschnittliche Impfquoten. Und ich bin auch noch Waldorfschüler!

Deutlichste Warnung

Typische Ängste der Corona-Leugner sind nach Palmer: „Erstens, da werden die körpereigenen Abwehrzellen so programmiert, dass sie die Gehirn-, Leber-und Herzzellen töten. Und das zweite: Dass die Erbsubstanz verändert wird, also dass wir plötzlich Zombis werden.“

Verblüffendste Erklärung

„Krebs kann man verdrängen, denn das betrifft ja nicht jedem“, erläuterte die Professorin. „Aber Corona kann man nicht leugnen, das betrifft jeden überall auf der Welt. Ich glaube, Männer gehen da jetzt pragmatischer damit um und sagen: Das Problem wollen wir jetzt vom Tisch haben!“

Ein zweiter Grund, so Sieverding, hänge mit dem „Infodemic“-Phänomen zusammen: „Frauen fühlen sich von den vielen Informationen zu Corona stärker verunsichert als Männer.

Steilste These

Laumann lachte, doch die Professorin dozierte unerschrocken weiter: „Ich glaube, dass Frauen sich viel mehr informieren, und dann eben auch über Nebenwirkungen und sonst was, was sie alles nicht so verarbeiten können. Und das verunsichert dann Frauen mehr.

„Sehr erfrischende Erkenntnisse!“ lobte Plasberg.

Deutlichster Wink mit dem Zaunpfahl

Danach blendet der Talkmaster ein Zitat des CDU-Gesundheitspolitikers Peter Liese ein: „Jetzt glaube ich, dass wir für Personen, die schon geimpft sind, schon im Sommer ein ganz normales Leben ermöglichen können“, hatte der Experte gesagt.

Konsequenz, so der CDU-Mann: „Das heißt eben auch, dass für Menschen mit Impfung mehr möglich ist als für Menschen, die sich aus persönlichen Gründen dagegen entscheiden.“ Rumms!

„Diese Diskussion werden wir kriegen“, ahnte Laumann. Doch das Ziel bleibe die Herdenimmunität, „und dann stellen sich diese Fragen nicht.“

Dank Impfpass zum Fußball, zum Skifahren oder in die Disco? Da käme die Herde wohl im Galopp!

Klügster Rat

„Wenn ich an der Ampel stehe und alle gehen bei Rot rüber, dann laufe ich auch rüber“, sagte die Psychologin. „Früher hat auf der Skipiste niemand einen Helm getragen, heute tun das alle.“

Ihre Schlussfolgerung: „Die Leute wollen ihr Leben zurück. Diejenigen, die gegen die Impfung Vorbehalte haben, müssen wir gar nicht drängen. Die kommen ein, zwei Wochen später ganz von selber!“ Und das fänden alle gut.

Fazit: Preiswerte Argumente von Querpassschiebern und Risikovermeidern, aber auch mutige Steilvorlagen ins Unbekannte und immer wieder Blutgrätschen gegen übermäßige Bedenkenträgerei: Das war eine Talkshow der Kategorie „Deutsches Sprichwort“: Mit klarem Ziel gewinnt man viel!

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