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Nachwahl-Talk bei Anne Will. Riesenzoff wegen Maaßen, Haseloff wirbt für Jamaika

„Anne Will: Nach der Bundestagswahl.“ ARD, Sonntag, 26. September 2921, 21.30 Uhr.

Die große Frage hieß: Wird Armin Laschet Kanzler? Die einen sagten: Lass et! Die anderen sagten: Mach et! Meint der Wähler nun: Noch net, oder: Gar net? Olaf Scholz ist jetzt jedenfalls in der Pole position. Anne Will schickt eine rasante Rede-Runde ins Rennen.

Die Gäste:

Reiner Haseloff (67, CDU). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident schaffte im Juni selbst einen überraschenden Wahlsieg.

Lars Klingbeil (43, SPD). Der SPD-Generalsekretär ist der klare Sieger, denn er organisierte den mit Abstand erfolgreichsten Wahlkampf.

Volker Wissing (51, FDP). Der Generalsekretär sieht seine Partei auf jeden Fall in der Regierung – aber mit wem?

Cem Özdemir (55, Grüne). Der Ex-Parteichef registriert den Erfolg seiner Partei nicht ohne Wehmut: Als er selber Spitzenkandidat war, holte er deutlich weniger Stimmen.

Kristina Dunz (54). Die Journalistin („Rheinische Post“) meldete gleich nach der Wahl, dass Laschet weiter ums Kanzleramt kämpft.

In der ARD-Elefantenrunde der Spitzenkandidaten gab es kaum Fouls. Bleibt das auch in der ersten Talkrunde nach der Wahl so? Das Zoff-o-Meter wartet in Hochspannung!

Sorgenvollste Prophezeiung

Die Journalistin hat „das Gefühl, dass sich jetzt zwei mögliche Kanzler belauern“. Ihre Befürchtung: „Wir werden eine sehr harte Zeit erleben, wie zwei Männer um die Macht kämpfen werden, weil Scholz und Laschet nicht aus der Hand geben werden, diese Regierung zu führen.“

Der Ministerpräsident zieht für die Union eine düstere Bilanz. „Das historisch schlechtestes Ergebnis!“ klagt er. „In Ostdeutschland ein Desaster! In den drei mitteldeutschen Ländern unwahrscheinlich viele Direktmandate der AfD, und das eine Woche vor dem Tag der Deutschen Einheit!“

Selbstbewusstestes Eigenlob

Klingbeil feiert seinen rauschenden Erfolg: „Vor acht Wochen standen wir bei 13, 14 Prozent. Jetzt liegen wir vorne. Das ist etwas, worauf ich stolz bin!“

Die Talkmasterin gießt trotzdem Wasser in den Wein: „Das sind grob fünf Prozentpunkte mehr als 2017, als die SPD Martin Schulz, den damaligen Spitzenkandidaten, vom Hof gejagt hat!“

Doch der Generalsekretär lässt sich den Triumph nicht vermiesen: „Das Parteiensystem wandelt sich gerade“, erläutert er. Die Ära der 40-Prozent-Parteien „wie bei Gerhard Schröder“ sei vorbei, und „in diesen Zeiten fünf Prozent zuzulegen, das ist etwas, was nicht allen Parteien gelungen ist.“

Sportlichster Vergleich

Der FDP-General stellt fest, dass die Bürger „die Lethargie und den Stillstand der Großen Koalition nicht mehr wollen“ und fordert eine „Koalition des Aufbruchs“.

„Glückwunsch zum Erfolg der SPD!“ sagt Özdemir artig. Den Absturz der Grünen nach den Umfragen mildert er gekonnt ab: „Wir sind in die Champions League eingetreten, wollten auf Platz 1, jetzt ist es Platz 3, aber letztes Mal waren wir auf Platz 5…“

Interessanteste Interpretation

Das Wahlergebnis, meint Haseloff, lasse „nicht in die Augen springen, was der Wähler jetzt von den politischen Parteien erwartet.“

Zu Klingbeil, der neben ihm sitzt, sagt der CDU-Politiker: „Sie können nicht sagen, dass die letzten vier Jahre zum Nachteil der SPD gewesen sind. Sie haben Ihre Entwicklungschancen genutzt, und wir sind auf Augenhöhe gekommen. Eine Große Koalition ist nicht des Teufels!“

Durchsichtigster Versuch

„Es ist nichts Schlimmes, wenn zwei mittelgroße Parteien, die wir jetzt sind, miteinander zumindest mal überlegen, wenn wir mit anderen Partnern nicht hinkommt, was man in den nächsten vier Jahren machen kann“, fügt der Ministerpräsident hinzu. Nachtigall….

Klingbeil zeigt keinerlei Reaktion. „Auch eine Option, die Große Koalition fortzusetzen!“ grient Özdemir. „Das war ja gerade ein Angebot!“

Schlauester Trick

Bei der SPD hat man das Gefühl, da will der Kandidat nicht zur Partei passen“, orakelt Will. Ihr Punkt: In der nächsten SPD-Fraktion würden „sehr viele junge Menschen drin sein, und sehr, sehr viele Jusos!“

Die Geschlossenheit innerhalb der SPD „ist echt und wird gelebt“, hält Klingbeil ungerührt dagegen und der Konkurrenz gleich mal ein vergiftetes Stöckchen hin: „Wie stark Armin Laschet ist, werden wir die nächsten Tage sehen, wenn sich die Frage stellt, ob er nach dem Fraktionsvorsitz greift.“

Listigstes Foul

Die anderen fallen aber nicht drauf rein: „Eben hat er gesagt, er macht es nicht“, erinnert Will, und Dunst assistiert: „Er will ja Kanzler werden!“

Macht nichts, der SPD-General tritt dem CDU-Chef trotzdem in die Hacken: „Ich bin gespannt, ob er die Kraft hat oder nicht!“

Klarste Analyse

„Er will sich nicht zur Wahl stellen“, stellt Schiedsrichterin Will noch mal klar, und Haseloff bestätigt: „Das hat er gesagt, und er hat sich sicherlich auch was dabei gedacht.“

Armin Laschet setzt jetzt alles auf die Karte, dass er ins Kanzleramt einzieht“, stellt die Journalistin fest. „Das ist sein Ziel.“

Dann geht der Zoff los

Özdemir ärgert sich über Klingbeils Ankündigungen: „Klimaschutz, Digitalisierung – das hört sich ein bisschen so an, wie wenn ihr die letzten Jahre irgendwo anders verbracht hättet“, ätzt der Grüne.

Der SPD-General kontert mit einer Attacke auf den Windkraftausbau im grünen Baden-Württemberg und spottet: „Ich finde, wir können jetzt langsam rauskommen aus diesem Wahlkampfmodus…“

Provozierendste Frage

Doch der Grüne lässt sich nicht abschütteln: „Wir haben durchgesetzt, dass der CO2-Preis von zehn auf 25 Euro erhöht wurde“, setzt er nach. „Der Finanzminister, der jetzt Kanzler werden möchte, war der härteste Gegner!“

Seine Frage: „Wird die SPD in Zukunft nicht nur in Sonntagsreden Klimaschutz betreiben?“ Rumms!

Dringendster Appell

„Wir sind eigentlich alle gut unterwegs in Deutschland“, sagt Haseloff versöhnlich. „Es ist nicht so, dass hier die Guten und dort die Bösen sind.“

Sein Vorschlag: „Wir wissen, dass wir, wenn wir es denn wollen, auch eine Bundesregierung hinkriegen werden. Lasst uns sprechen, lasst uns verhandeln, dann werden wir auch sehen, wo die größten Schnittmengen sind. Dann holen wir auch die AfD-Wahlkreise wieder zurück, die wir heute bitter verloren haben!“

Härteste Wirtschaftswatschen

Der FDP-General hat einen anderen Kritikpunkt: „Das ist natürlich schon ein kühnes Unterfangen, zu sagen, nach dieser Pandemie, in der der Mittelstand sehr stark gelitten hat, knallen wir bei der Unternehmenssteuer mal ein paar Prozent drauf“, lästert er.

Denn, so Wissing weiter: „Sich hinzustellen und zu sagen, wir wollen, dass kräftig in Klimaneutralität investiert wird, und das geht am besten, indem man die Wirtschaft stärker besteuert, dann hat sie weniger Geld und kann mehr investieren – das ist nicht ganz die Logik, die ich kenne!“

Deutlichste Absage

Zur Substanzbesteuerung (Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer) sagt der FDP-General klipp und klar: „Dass Unternehmen künftig auch Steuern zahlen, wenn sie keine Gewinne machen, ist keine wirklich clevere Idee für eine soziale Marktwirtschaft.“

Özdemir fordert trotzdem mehr Geld etwa für die Bildung. Wissings Antwort: „Es ist nicht so, dass man für alles, was Geld kostet, die Steuern erhöhen muss.“

Klügster Kommentar

„Muss Angela Merkel noch mal die Neujahrsansprache halten oder haben wir bis Ende des Jahres eine neue Regierung?“ will Will von Haseloff wissen.

„Die Wahrscheinlichkeit ist 50:50“, schätzt der Ministerpräsident. „Die Sondierung wird sicherlich schnell gehen, aber dann muss man sehen, wie man das zusammenbindet. Aber wir sollten nicht so tun, als ob wir jetzt einen absoluten Neustart machen.“

Energischster Umarmungsversuch

Denn, so der CDU-Mann zum SPD-Mann: „Wir sind jetzt mehrere Legislaturperioden zusammen gewesen, und durchaus erfolgreich. Wir haben Krisen besonderer Natur gemanagt, die kein Koalitionsvertrag vorhersehen konnte!“

„Wir brauchen Kontinuität, Schwerpunkte und Zeitschienen“, fügt Haseloff hinzu. „Das muss vereinbart werden, und das kriegt man hin.“

Coolste Verkaufe

Zum Streit zwischen Grün und FDP sagt der Ministerpräsident: „Unser Angebot ist Konstanz: Die Steuern dürfen nicht erhöht werden, fürs Absenken sehen wir aber auch keinen Spielraum.“ So könne die Union den Konflikt zwischen den Grünen und der FDP auflösen„ „und schon machen wir eine wunderbare Koalition.“ Halleluja!

Väterlichstes Schlusswort

Denn, so Haseloff zum Schluss: „Wenn ihr euch nicht einigt, muss doch jemand sein, der euch zusammenbindet. Wir sind alle potentielle Partner, und jetzt lasst uns morgen beginnen mit der Arbeit.“ Amen!

Letztes Gefecht

Dann aber kracht es doch noch mal. Der SPD-General trampelt mit beiden Schuhen auf Haseloffs Versuch herum, eine Koalition ohne die Sozialdemokraten stiften will.

Klingbeils Killer-Argument: Laschet habe nicht verhindert, dass Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen für die CDU kandidiert habe, wettert der SPD-General. Sein ausdrücklicher Dank gelte den Grünen, die Maaßen gemeinsam mit der SPD verhindert hätten. Uff!

Arroganteste Zurückweisung

„Weder SPD noch CDU haben verhindert, dass wir einen Haufen blauer (AfD-)Wahlkreise in Deutschland heute Abend bekommen haben!“ ruft Haseloff. „Das darf uns beide doch nicht ruhig werden lassen!“

Doch als der Ministerpräsident an die gemeinsame Verantwortung erinnert und ein „vernünftiges Miteinander“ anmahnt, lässt Klingbeil ihn hochmütig abfahren: „Mit der kaputten Union bestimmt nicht!“

Fazit

Schalmeienklänge zwischen FDP und Grünen, die Talkmasterin auf dem Friedenspfad, aber auch Fouls und Pöbeleien: Das war ein Talk der Kategorie „Nach-Schlag“.

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