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Maischberger: Jens Spahn warnt vor Werbeplakaten für die schönste Sterbehilfe

„maischberger.die woche“. ARD, Mittwoch, 26.Februar 2020, 23 Uhr.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in der ARD-Talkshow „maischberger.de“ am Mittwoch eindringlich vor Auswüchsen bei der vom Bundesverfassungsgericht weitgehend freigegebenen Sterbehilfe gewarnt.

Wörtlich sagte der Minister: „Ich möchte nicht, das eines Tages Plakate in Deutschland hängen: ‚Schöner Sterben bei uns!‘“

Emotionalstes Statement

Das Urteil ist für den Minister eine Niederlage: „Ich musste erst mal schlucken“, gestand er und fragt sichtlich betroffen. Wird Sterben jetzt ein Geschäft?“

Die Talkmasterin zeigte einen Einspieler mit einem der Kläger, der in die Kamera sagte: „Ich habe keine Angst vor dem Sterben, aber ich habe Angst vor Qualen.“

Ernsteste Warnung

Doch: „Wenn der Staat die Regeln dafür festlegt, wer bekommt das tödliche Medikament und wer nicht, dann öffnet er eine schiefe Bahn“, fürchtete Spahn.

Sein Lösungsvorschlag: „Ich weiß noch nicht, was daraus folgt. Es gibt in dieser Frage kein Richtig oder Falsch. Die Frage, was das für unser behördliches Handeln bedeutet, muss man jetzt klären.“

Auch mit anderen Themen ist der Gesundheitsminister zurzeit in den Schlagzeilen: Corona, CDU-Vorsitz. In „maischberger.die woche“ wollte er Antworten liefern. Die Sendung wurde wegen technischer Probleme nicht aus Köln, sondern aus Berlin ausgestrahlt.

Die Gäste

Spahn kam gerade von der EU-Corona-Konferenz in Rom zurück.

Sawsan Chebli, Berlins Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, ist immer wieder Zielscheibe übelster Hass-Posts.

Die Journalistin Bettina Gaus („taz“) sticht schon seit Jahrzehnten immer wieder nazideutsche Lügenblasen auf.

Wilhelm Bröcker, Chefredakteur „Media Pionieer“, arbeitete früher in gleicher Funktion bei der „Rheinischen Post“.

WDR-Moderator Micky Beisenherz schreibt Kolumnen für den „Stern“ und Gags für Atze Schröder.

Neu: Alle Journalisten diesmal älter als die Politiker.

Die drei an der Talk-Theke packten erst mal ihre verbalen Mitbringsel aus. Beisenherz lachte über Kandidaten, die jetzt hektisch um weibliche Mithilfe werben: „Frauen sind das It-Piece für progressive CDU-Vorsitzende!“

Spöttischster Vergleich

Wenn Friedrich Merz sagt, er stehe für Aufbruch und Erneuerung, ist das so, als würde man jetzt Otto Rehhagel zum DFB-Trainer machen!“ ätzte der WDR-Mann.

Aber der Witzemacher kann auch Kante: „Friedrich Merz ist ein bisschen AfD light, weil er verprellten CDU-Wählern verspricht, es wird alles wieder so, wie es mal früher war!“

Deutlichster Ordnungsruf

Damit fing er sich aber gleich einen Nasenstüber des Kollegen Bröcker ein: „Auch Friedrich Merz darf man unterstellen, dass er ein Interesse daran hat, die AfD kleinzuhalten“, mahnte der Chefredakteur.

Informativste Begrüßung

Dann empfing die Talkmasterin den Gesundheitsminister mit gespielter Sorge: „Sie kommen aus Rom, und ich habe Ihnen die Hand gegeben. War das gefährlich?“

„Nein“, beruhigte Spahn, „weil ich mich sehr gut desinfiziert habe!“

Stärkste Beruhigungspille

Und gut vorbereitet hatte er sich auch: „Ich muss informieren, darf aber nicht dramatisieren“, machte er gleich zu Anfang klar. Corona sei längst nicht so ansteckend wie etwa Masern, doch selbst mit einem Ausbruch dieser längst bekannten Krankheit „gehen wir um, ohne dass wir Städte abriegeln!“

Schlimmste Zahl

Trotzdem: Nichts Genaues weiß man nicht. Auf dem Weg ins Studio hatte Spahn noch mit zwei Medizinprofessoren über die Corona-Todesrate gesprochen und erfahren: „Zwischen 0,5 und zwei Prozent“. Und das ist deutlich heftiger als bei einer Grippe.

Ungewöhnlichster Dialog

Maischberger fragte biografische Stationen ab, Spahn sollte mit Ja oder Nein antworten: „Ich wollte zur Bundeswehr, wurde aber ausgemustert?“

„Stimmt“, antwortete der Minister knapp.

Die Talkmasterin wollte Genaueres wissen: „Warum?“

Spahn überlegte kurz: „Wegen einer Erkrankung – offensichtlich“, erklärte er dann.

Maischberger grinste. „Also nicht Fitness?“ bohrte sie weiter.

Gelächter im Publikum. „Nee“, sagte Spahn und lachte nun ebenfalls. „Ich wollte mich aber auch nicht reinklagen!“ Dafür gab’s besonders kräftigen Applaus.

Witzigste Beschwerde

Nächste Maischberger-Frage: „Mich nervt, dass in Berliner Restaurants immer mehr Englisch gesprochen wird?“

„Ja“, gab der Minister umstandslos zu. „Aber nicht von den Touristen, sondern von Kellnern, die Deutsche sind. Nur weil es hip ist, sprechen sie gebrochenes Englisch, und das finde ich albern!“

Eleganteste Bosheit

Zum Teambuilding mit Co-Kandidat Armin Laschet brachte Spahn einen neuen Begriff an: „Wir sind eine Innovationspartnerschaft!“ sagte er.

„Aber bei aller Wertschätzung für Friedrich Merz: ein bisschen Aufbruch kriege ich auch noch hin!“ fügte er hinzu. Und nach einer kleinen, aber wirkungsvollen Pause: „Im Vergleich zu Friedrich Merz!“

Damit sind die CDU-Wochen der Freundseligkeiten wohl auch offiziell eröffnet!

Klügste Analyse

„Wir müssen zeigen: Wie sieht die Zukunft nach Angela Merkel aus?“ sagte Spahn über die nächsten Ziele seiner Partei. „Ich wünsche mir, dass wir gut im Alltag regieren, aber auch das Tor aufstoßen in die 2020er, und das sind die Jahre nach Angela Merkel!“

Wichtigster Einspieler

Vor ihrem nächsten Gast, Sawsan Chebli, zeigte Maischberger einen Auszug aus einer Büttenrede über die rassistischen Schandtaten von Hanau und anderswo: „Die Demokratie wird triumphieren! Dieses Land werdet ihr niemals regieren!“

„Der Rassismus ist nicht mehr wegzureden“, stellte die Staatssekretärin dazu fest. „Für viele Menschen ist Rassismus Alltag! Er ist heute viel systemischer viel ungenierter!“

Schönstes Lob

Am meisten, so die SPD-Politikerin, sorge sie sich um die dritte und vierte Generation der Einwanderer, die jetzt in den Schulen Hass erleben und ihrerseits mit Abgrenzung reagieren würden: „Wir kommen in diesem Land nur voran, wenn es wichtiger ist, wer wir sind, als woher wir oder unsere Eltern kommen!“

Aber es gebe auch Positives: „Ich sehe überall, wie aktiv und sensibel die Berliner Polizei ist“, lobte Chebli, „und dass sie gegen den Rechtsextremismus heute ganz andere Maßnahmen ergreift!“

Schärfster Vorwurf

Zum Schluss klagte die Staatssekretärin über „Kopftuchdebatten“, „permanent über Leitkultur reden“ oder Medien-Titel wie „Gehört der Islam zu Deutschland“.

Ihre Frage: „Warum akzeptieren wir nicht einfach, dass wir diese Spaltung ‚Ihr‘ und ‚Wir‘ überwinden müssen? Mir machen die Morddrohungen weniger Angst als Menschen, die schweigen, wenn Rassismus in ihrem Umfeld stattfindet.“

Und dann kam doch noch Parteiliches: „Da gibt es auch Politiker aus der CDU und auch aus der FDP, die in den vergangenen Jahren eine Sprache verwandt haben, die mich eher an die AfD-Sprache erinnert!“

Fazit: Echtes Problembohren statt billiger Vorzeigetoleranz, durchdachte Analysen statt wohlfeiler Schnellschüsse, die Talkmasterin wie immer feste auf der Mittelspur: Das war ein Talk der Kategorie „Treffer“.

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