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„maischberger.die woche“: Kanzler Kurz will Österreichs Grenzen womöglich schon bald wieder für deutsche Touristen öffnen

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 22.April 2020, 23 Uhr.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ angekündigt, die Grenzen seines Landes womöglich schon bald für deutsche Touristen zu öffnen.

Wörtlich sagte der aus Wien zugeschaltete Regierungschef: „Es ist natürlich das Ziel, dass wir die Grenzen wieder runterfahren. Ich bin für Deutschland und Österreich im Moment sehr optimistisch!“

„Wir sind in Phase 2 angekommen“, hatte Kurz sichtlich erfreut gemeldet: Sein Land verzeichnet aktuell weniger als 100 Neuinfektionen pro Tag. Seine Strategie seither: „Schön behutsam, schön vorsichtig, Lockerungen immer mit zwei Wochen Abstand und: Wir haben stets die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen!“

Frage des Abends

Talkmasterin Sandra Maischberger kam rasch auf den Punkt: „Dürfen wir schon im Sommer den Urlaub am Wörthersee buchen?“

„Stand heute ist Österreich eins der Länder mit der besten Entwicklung, und Deutschland hat eine ähnlich gute Entwicklung“, antwortete der Kanzler. „Wir sind einfach nur eine Woche voraus.“

Verlockendste Aussicht

Dann gab er vorsichtig Gas: „Ich bin ja viel in Kontakt mit Jens Spahn, mit Angela Merkel und Markus Söder“, berichtete er. „Insofern bin ich sehr optimistisch, dass die Zahlen in Deutschland ähnlich werden wir bei uns.

Seine Hoffnung: „Dann muss es uns beiden gelingen, auf einem guten Niveau die Kontrolle zu behalten“ – mit dem Ziel, dass bald wieder Urlauber aus Deutschland inm die Alpenrepublik reisen können.

Elegantester Konter

Prompt schüttete Maischberger ihm Wasser in den Jubelwein: „Nicht dass noch mal sowas passiert wie in Ischgl, wo die Apres-Ski-Bars einfach noch zwei Wochen lang offen waren!“ sagte sie vorwurfsvoll.

Doch Kurz nahm ihr cool den Ball vom Schussbein: „Egal wo man hin geht, überall hört man eine andere Geschichte“, lächelte er. „Es gibt jetzt Studien, dass sich das Virus in Europa von München ausgebreitet haben soll. Ich weiß nicht, ob es stimmt…“

Hm – da war es vielleicht ganz gut, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht in die Talkshow kommen konnte: Der Koalitionsausschuss tagte an diesem Tag bis spät in die Nacht.

Corona-Talkshow, die sechsundzwanzigste! Dafür hatte Sandra Maischberger mit Markus Söder und Sebastian Kurz die beiden populärsten Top-Performer unter den deutschsprachigen Pandemie-Politikern gecastet. Schön wär’s gewesen. Von der Besetzung her trotzdem ein Highlight! Die Gäste:

Kurz, der stählerne Sonnyboy aus Ösi-Land, punktet in der Corona-Krise ohne Ende.

Der Pandemie-Experte Prof. Dr. Dirk Brockmann vom Robert-Koch-Institut war schon am 2.April einmal bei Maybrit Illner, setzte damals vor allem auf „Contact Tracing“ per Handy-App.

WELT-Vize Robin Alexander schrieb das Buch zum Merkel-Blockbuster „Die Getriebenen“ (ARD).

Der Publizist und Autor Wolfram Weimer hat seine eigene Media Group.

Die ARD-Moderatorin Anna Planken („Morgenmagazin“) war schon im Januar mal bei „maischberger.die woche“, prophezeite damals, „dass Trump wiedergewählt wird.“

Emotionalster Erfahrungsbericht

 

Planken urlaubte mit Ehemann (Journalist) und drei Kindern im Salzburger Land. Dort steckte eine Skilehrerin die Familie an. Folgen: Homeoffice, Homeschooling, Stress ohne Ende.

Das Tückische ist, dass man sich mit einer Schmerztablette ganz gut fühlt“, berichtet die TV-Frau. Deshalb habe sie anfangs gar nicht mitgekriegt, dass sie infiziert war.

Interessantester Rückblick

„Frau Merkel war zu Beginn nicht bei denen, die gesagt haben: Sofort alles zumachen. Im Gegenteil!“ urteilte Kanzlerin-Chronist Alexander. „Söder war sehr für Schulschließung, dann kam der Auftritt von Macron, der von Krieg sprach, und da sind die deutschen Politiker erschrocken.“

Alexanders Fazit: „Jetzt ist sie (Merkel) so weit, dass sie gerne länger mit den härteren Maßnahmen machen würde. Sie hat da eine Lernkurve gemacht.“ Ihr vorwurfsvolles Wort „Öffnungsdiskussionsorgie“ aber sei ein schwerer Fehler gewesen.

Klarste Kritik

„Typisch Merkel!“ meinte ARD-Planken. „Das Gefühl für Volksstimmung ist nicht ihre große Stärke.“

„Dieser Lapsus ist vor allem deswegen schlimm, weil die Menschen Angst um ihre Existenz haben“, assistierte Weimer. Auch das „Rumgeeiere in der Maskenfrage“ habe Glaubwürdigkeit gekostet.

Klarste Absage

Zum Thema europäische Solidarität sagte der Bundeskanzler, Deutschland und Österreich hätten Intensivpatienten aufgenommen. Aber: „Was ich ablehne, ist eine Vergemeinschaftung von Schulden in Europa unabhängig von der Corona-Krise. Ich bin sehr froh über die Haltung der deutschen Regierung und insbesondere von Angela Merkel!

Klügste Analyse

Weimer sieht Kurz und Söder auf gleicher Welle: „Beide haben eine Tonalität der seriösen Verantwortlichkeit gefunden“, lobte der Publizist. „Deswegen haben wir in Österreich unglaubliche Umfragewerte für ihn!“

Und: „94 Prozent der Bayern sagen, dass sie Markus Söders Politik für gut oder sehr gut halten. Bei diesen 94 Prozent sind sehr, sehr viele, die nie im Leben CSU wählen würden!“

Passendstes Grünen-Bashing

„Wir haben das aber spiegelbildlich in der linken Mitte genauso“, erklärte Weimer weiter. „Wir haben Olaf Scholz und Robert Habeck, die beide darum ringen: Wer ist eigentlich die gefühlte Kanzlerkandidatenfigur?“

Seine Analyse: „Olaf Scholz hat das Rennen mit seiner spröden Sachlichkeit deutlich gewonnen. Robert Habeck wirkt daneben wie ein randständiger, fahriger Seemannskapitän eines Gute-Laune-Bootes!“

Schlimmster Verdacht

„China hat in der Corona-Pandemie die gesamte Weltöffentlichkeit von Anfang an belogen und betrogen!“ sagte Weimer als nächstes. „Die Legende vom Tiermarkt in Wuhan ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt!“

Denn, so seine erschütternde Info: „Es gibt die Vermutung, dass in diesem Forschungslabor in Wuhan, wo diese große Fledermauspopulation zur Erforschung von Corona-Viren betrieben wird, ein Unfall passiert ist. Im Moment werden alle verhaftet, die das recherchieren wollen.

Inzwischen war es 0.22 Uhr, und, so Maischberger: „Der Koalitionssauschuss tagt immer noch!“

Interessanteste Grafik

Pandemie-Experte Brockmann zeigte an zwei Kurven: Die Bewegungen der Deutschen sind gleich nach Beginn der Einschränkungen um 40 Prozent zurückgegangen und liegen jetzt noch 20 Prozent unter normal.

Größte Hoffnung des Professors: Die vom Robert-Koch-Institut entwickelte App „Datenspende“. 500.000 Menschen machen schon mit und übermitteln Infos über ihren Gesundheitszustand.

Die Idee, so der Professor: „Über den Ruhepuls kann man indirekt Fieber messen“ – und dann sehr schnell neue Corona-Hotspots aufspüren. Ergebnis: Eine Art Fieberkarte für Deutschland. Spannend!

Fazit: Konsequent durchgetaktete Info-Orgie ohne Nörgeleien aus der Moralsoßenschüssel, aber leider eben ohne das angekündigte Dreamteam Söder/Kurz: Das war eine Talkshow der Kategorie „Roy Black“: Du kannst nicht alles haben…

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