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Lucke will der Gewalt an der Uni trotzen

„maischberger.die woche“. ARD, Mittwoch, 23.Oktober 2019, 20.15 Uhr.

Der bei der Antifa verhasste Hamburger Universitätsprofessor Bernd Lucke hat in der ARD-Talkshow „maischberger.die woche“ am Mittwoch erklärt, er werde sich vom brutalen Vorgehen linksextremer Störer nicht einschüchtern lassen und seine Vorlesungen trotz der massiven Angriffe gegen seine Person und seine Studenten fortsetzen.

Über die wüsten Attacken berichtete der renommierte Wirtschaftswissenschaftler, der die AfD als eurokritische Partei gegründet und nach ihrem Rechtsruck verlassen hatte: „Gewalttätige Demonstranten haben die Sicherheitskräfte überrannt.“ Security-Mitarbeiter „sind verletzt, sind geschlagen worden!“ Seine Studenten hätten „den Hörsaal zum Glück unverletzt verlassen können“.

Härteste Attacke

Der ARD-Moderator Georg Restle („Monitor“) hatte ein in solchen Fällen übliches Ja-aber mitgebracht: „In Deutschland gibt es die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Lehre“, gab er zu. Nach der „Rechtslage“ könne auch „Herr Lucke in Hamburg weiter lehren.“

Dann aber wollte der ARD-Mann das Zündeln nicht lassen: „Ich kann verstehen, dass es Aufruhr gibt!“ sagte er. „Er (Lucke) hat einer Partei den Weg bereitet, die den Rechtsextremismus in Deutschland hoffähig gemacht hat!

Lucke habe „Flüchtlinge als Bodensatz“ bezeichnet, schimpfte Restle weiter, und er habe auch von einer „entarteten Demokratie“ gesprochen.

Lucke verteidigte sich vehement: Es sei nicht um Flüchtlinge gegangen, sondern um Einwanderer, die nicht mangels Qualifikation zu einem sozialen Bodensatz werden dürften. Und das „entartet“ habe sich nicht auf die Demokratie bezogen, sondern auf einen Parlamentarismus, bei dem Abgeordnete über wichtige Fragen gar nicht mehr abstimmen durften.

Tut nichts! Restle genügten die Worte „Bodensatz“ und „entartet“, um Lucke eine „unmenschliche Sprache“ vorzuwerfen. Den Hamburger Demonstranten hatte das gereicht, um Lucke umstandslos als „Nazischwein“ zu beschimpfen.

Deutlichste Warnung

Lucke erinnert an die Frankfurter Professorin, die an der Uni über islamische Kopftücher diskutieren wollte und prompt als Rassistin angefeindet wurde. Seine Befürchtung: „Sowas führt dazu, dass die Menschen mehr und mehr Angst haben, sich öffentlich zu äußern.

„Perfide Kritik!“ schäumte Restle daraufhin. „Sie haben den Populismus immer noch gut drauf!“

Mutigster Konter

Die vielen jüngeren Zuschauer applaudierten wieder heftig, doch die Talkmasterin zeigte sich gegen den erhöhten Beifallsdruck immun und zitierte zwei Studien, die Luckes Befürchtungen Recht geben:

Allensbach fand heraus, das zwei Drittel der Deutschen meinen, man müsse heute „sehr aufpassen, zu welchen Themen man sich wie äußert“.

Eine Shell-Studie zeigt, dass sich „ein Großteil der Jugendlichen in Deutschland in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt“ fühlt.

Interessanteste Analyse

Restle gab sich unbeeindruckt: „Der Befund mag ja stimmen, aber es gibt eine Instrumentalisierung der Debatte“, erwiderte er. Das klang etwas lahm, und deshalb zog er schnell noch ein As aus dem Ärmel: Es gebe eine Morddrohung gegen ihn, „aber darüber will ich gar nicht sprechen.“

Lucke kitisierte eine „moralische Überhöhung bestimmter Positionen“: „Wer sie angreift, wird gleich als moralischer Bösewicht bezeichnet.“ Auch dafür gibt es Applaus.

Antwort des Abends

„Linke können die schlimmsten Ressentiments schüren. Daran nimmt niemand Anstoß“, klagte der Professor. „Auf der rechten Seite des Spektrums ist das anders. Selbst die alten CDU-Positionen kann man nicht mehr wiederholen, ohne dass man gleich abgewatscht wird!

„Werden Sie denn weiterhin Vorlesungen halten?“ wollte die Talkmasterin wissen.

„Ich werde morgen wieder dort stehen!“ antwortete Lucke. „Ich habe sogar eine Schnellverbindung nach Hamburg gebucht – auf Ihre Kosten -, damit ich morgen wieder da sein kann!“ Da war das Publikum amüsiert.

Bedenklichste Beobachtungen

„Das Meinungsklima hat sich verschlechtert“, warnt „Bild“-Vize Nikolaus Blome. „Wenn Sie sagen, Sie fahren einen Diesel, sind Sie schon ein Klimaleugner!“

Das meinte auch der TV-Moderator Micky Beisenherz: „Ein Komiker macht ein paar miese Witze über Greta, und schon ist er ein Nazi!“

Zu Beginn Gewitzel und Geblödel

 

Am Anfang der Sendung hatte Sandra Maischberger einen bewährten Talk-Köder ausgeworfen: „Was hat Sie diese Woche am meisten überrascht?“ fragte sie ihre Gäste.

Blome nannte den Vorschlag der Bundesbank, bis 2050 die Rente ab 70 einzuführen, eine „subtile Rache an der Friday-for-Future-Generation, denn die ist dann dran!“

Beisenherz staunte über die Kritik des „Tatort“-Kommissars Til Schweiger am jüngsten Krimi des „Tatort“-Kommissar Ulrich Tukur: „Der hat ihn gar nicht verstanden!“

Boshafteste Bemerkungen

Danach wollte die Talkmasterin einen Satz über Angela Merkel hören. Beisenherz brachte Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Spiel: Durch AKK habe es die Bundeskanzlerin geschafft, dass sie noch während ihrer Amtszeit vermisst wird!“ Dafür gab’s den ersten Beifall.

Blome setzte noch einen drauf: „Man vermisst sie, weil man nicht weiß, dass sie noch da ist!“

Lustigster Auftritt

Zum fröhlichen Finale war ein erprobter Feind der talkshowtypischen Gähntechnologie geladen: Prof. Gleese von der Buckingham Universität sollte noch mal für Stimmung sorgen, und er enttäuschte seine Fans nicht. Von Boris Johnsons Brexit-Odyssee kam er ohne Punkt und Komma auf die Royals: Erst auf den Skandal um Prinz Andrew und eine angeblich minderjährige Amerikanerin, dann auch auf das Prinzenpaar Harry und Meghan. Schönster Satz: „Die Queen guckt Boris Johnson an wie einen bösartigen Sohn!

Dialog des Abends

Maischberger unterbrach den Redefluss am Schluss nur ungern, aber irgendwann wollte sie endlich Butter bei die Fische: „Wird Boris John die Briten aus der EU führen?“

Der Professor begriff: Jetzt keine Witzchen mehr! „Ja“, sagte er kurzentschlossen.

„Und wird er es noch in diesem Jahr tun?“

Das aber wollte der eingefleischte Brexit-Gegner dann doch nicht hoffen: „Nein!“

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