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Lockdown-Zoff bei Maybrit Illner! Katarina Witt über Olaf Scholz: „Die Bazooka war nur eine Wasserpistole!“

„Maybrit Illner: Zahlen sinken, Ungeduld wächst – wie lange bleibt der Laden noch dicht?“ ZDF, Donnerstag, 18.Februar 2021, 22.15 Uhr.

Händler, Unternehmer und Selbständige strampeln sich immer tiefer in den Schulden-Treibsand und aus Berlin kommt immer noch nicht der Rettungsring mit der Kohle! Auch Maybrit Illner macht sich Sorgen: „Zahlen sinken, Ungeduld wächst – wie lange bleibt der Laden noch dicht?“

Die Gäste

Peter Altmaier (62, CDU). Der Bundeswirtschaftsminister gerät immer mehr ins Fadenkreuz wütender Kritiker.

Claus Ruhe Madsen (49). Rostocks dänischer Oberbürgermeister mahnt: „Unsere Antwort auf Corona-Ausbrüche kann nicht immer nur der Lockdown sein!“

Katarina Witt (55). Die Eiskunstlauf-Legende kämpft um ihr Potsdamer Sportstudio und wettert über den Bundesfinanzminister: „Da war die Bazooka nur eine Wasserpistole!“

Siegfried Russwurm (57). Der neue BDI-Präsident fordert dringend einen „Fahrplan für eine sichere Öffnung unserer Wirtschaft!“

Sina Trinkwalder (43). Die Textilunternehmerin spottet: „Viele Manager werden jetzt zu Sozialisten und rufen nach Hilfen vom Staat!“

Dagmar Rosenfeld (47). Die Chefredakteurin (WELT) kritisiert: „Die Politik versucht sich freizukaufen und arbeitet nicht an Alternativen!“

Politik, Wirtschaft, Medien, perfekte Frauenquote von 50 Prozent – das Zoff-o-Meter ist mehr als gespannt.

Schon der Startschuss trifft voll ins Schwarze: „Wer jetzt nicht aufmacht, der macht nicht mehr auf!“, orakelt ein ARD-Einspieler düster. Auch der vielzitierte Vorwurf Armin Laschets fehlt nicht.

Die Talkmasterin strickt aus dem Kernsatz des CDU-Chefs gleich die erste Frage an den CDU-Minister: „Herr Altmaier, werden Sie im März einen neuen Grenzwert erfinden, um zu verhindern, dass wieder Leben möglich ist?“

Dünnhäutigste Reaktion

Doch da versteht der Wirtschaftsminister keinen Spaß: „Ich habe überhaupt noch keinen Grenzwert erfunden“, bollert er. „Ich habe immer gesagt, wir haben eine Verantwortung für die Gesundheit von 83 Millionen Bürgern!“

Damit kommt er aber nicht weit. „Wir hangeln uns von Lockdown zu Lockdown, für die wir immer neue Namen erfinden!“, attackiert die Journalistin. „Wir hatten den Lockdown light, den Wellenbrecher-Lockdown, den harten Lockdown, jetzt haben wir den Mega-Lockdown…“

Ihr Ärger: „Die Kreativität, die wir bei den Namen für den Lockdown haben, würde ich mir wünschen bei Ideen für Öffnungsperspektiven!“

Prompt geht das Zoff-o-Meter los

Altmaier versucht es mit dem bekannten Mohrrüben-Trick für Esel: „Ich habe schon ein Bild vor Augen, dass wir, wenn das Wetter wieder schön wird, ab Ostern irgendwann auch wieder Außengastronomie ermöglichen können“, lockt er. „Ich habe schon die Vision, dass es möglich sein wird, das eine oder andere zu öffnen!“

Von Visionen kann sich keiner was kaufen!“, kontert die Journalistin kühl. „Es fehlt nach wie vor an Konzepten! Frankreich hat sich Ende Januar bewusst entschieden, nicht wieder in einen Lockdown zu gehen.“

Hitzigster Dialog

Denn, so Rosenfeld weiter: „Man muss die Gesamtlage, die sozialen, die psychischen, aber auch die wirtschaftlichen Folgen in die Waagschale werfen. Frankreich hat sich dafür entschieden, auch Geschäfte wieder zu öffnen. Es gibt dafür abends eine Ausgangssperre…“

„Die es bei uns nicht gibt“, wirft Altmaier schnell zwischen.

„Die gibt’s bei uns nicht“, bestätigt die Journalistin ungehalten, „bei uns gibt’s aber gar nichts!“

Interessantestes Plädoyer

„Italien hat sich getraut, regionale Konzepte zu entwickeln“, berichtet Rosenfeld dann. „Die haben einen Stufenplan, in den 21 Kriterien reinspielen: Krankenhausbetten, die Situation der Alten…“

In Deutschland heiße so etwas abfällig „Flickenteppich“, fügt die Journalistin hinzu. Aber sie glaube, dass das ein Weg sei, nicht alles mit einer Maßnahme, mit einer einzigen Zahl zu bewerten.

Sportlichstes Beispiel

Auch der Bürgermeister, der seine Stadt überragend gut durch die Krise lotst, ist über die Fixierung auf Grenzwerte nicht happy.

„Ich bin Handballtrainer“, erzählt er. „Wenn ich ein Timeout mache und sage den Mädels immer nur: ‚Weiter so!‘, dann würden die sich wundern. Wozu brauche ich denn ein Timeout? Um die Mannschaft neu einzustellen!“

Deshalb biete sich Rostock jetzt an, als Pilotprojekt neue Möglichkeiten für den Lockdown zu erkunden. Ziel: In verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedliche Strategien gegen das Virus auszuprobieren und dabei vor allem herauszufinden, wo sie sich Menschen denn wirklich infizieren.

Berechtigtste Klage

Was den Menschen abhandengekommen ist, ist Sicherheit“, sagt die Textilunternehmerin über ihre Belegschaft aus einstigen Langzeitarbeitslosen. Das allerwichtigste sei, niemals in Kurzarbeit zu gehen. Denn, so die Chefin: „Ich kann meine Ladys und Gentlemen jetzt doch nicht an den Küchentisch setzen!“

Klarste Ansage

Altmaier hat die Kritik der Journalisten noch nicht verdaut: „Wir haben in Deutschland sicherlich auch Fehler gemacht“, gibt er nun zu. „Wer würde das nicht, in so einer Situation!“

Aber, so der Minister mit neuer Energie: „Wenn ich mir die Beispiele Frankreich und Italien anschaue: Dort sind mehr Menschen gestorben, mehr Menschen erkrankt, und das ist ein Preis, den wir in Deutschland nicht bereit sind zu zahlen!“

Interessanteste Auskunft

„Wie haben es denn die Friseure geschafft?“, erkundigt sich die Talkmasterin.

Es gab ganz große Fürsprache von Medizinern und anderen, die gesagt haben: Gerade ältere Menschen brauchen ab und zu die Möglichkeit, zum Friseur zu gehen“, klärt Altmaier sie auf. „Das hat auch gesundheitliche Folgen. Das hat dazu geführt, dass die Ministerpräsidenten und auch die Bundesregierung dieses Experiment gewagt haben.“

Schärfste Kritik

„Wir wissen nach einem Jahr noch nicht, wo sich die Menschen anstecken!“, wettert der BDI-Präsident. „Das finde ich wirklich enttäuschend! Das passt nicht ins 21. Jahrhundert!“

Die WELT-Journalistin ärgert sich auch über die verpassten Chancen der neuen Schnelltests: „Warum hat die Bundesregierung nicht schon im Frühjahr eine Massenbestellung aufgegeben?“

In Österreich seien bereits 2,2 Millionen Schüler getestet worden. Rosenfeld: „Dort sind die Schulen und die Kitas offen. Auch das Impfen klappe etwa in Großbritannien viel besser.“ Puh!

Wichtigster Vorschlag

Oberbürgermeister Madsen wirbt für eine privat entwickelte App, die Infektionsketten aufspüre, ohne die Datenhoheit der Betroffenen zu missachten: „Lasst uns schlauer als das Virus sein!“

Katarina Witt, aus Potsdam zugeschaltet, guckt wie eine Eis-Mona Lisa von ihrem Monitor, lächelt aber nicht, denn sie vermisst beim Lockdown die Fairness: „Ein kleiner Betrieb kann genauso gute Hygiene-Konzepte entwickeln wie ein großer!“

Ärgerlichstes Thema

BDI-Russwurm steuert einen „alten Spruch“ bei: „Wer schnell hilft, hilft doppelt!“ Prompt zeigt ein Einspieler den Frust der enttäuschten Kleinunternehmer, bei denen die versprochenen Hilfen spät oder gar nicht ankommen.

„Hier geht’s um Existenzen!“, wettert Ministerpräsident Markus Söder in dem Bericht. „Bürokratischer Kleinkram kann nicht das Argument sein!

„Unverzeihlich!“, grollt die WELT-Journalistin anschließend und zitiert einen Insolvenzverwalter: „Das ist so, als ob wir einem Ertrinkenden mit dem Kopf unter Wasser sagen, halt noch fünf bis zehn Minuten durch, danach kannst du aber wieder Luft holen!

Ungewöhnlichste Verteidigungsstrategie

Altmaier wird unruhig: „Ich glaube, dass man auch über diese Frage, die für so viele Menschen wichtig ist, rational und ruhig diskutieren muss!“, moniert er.

Seinen Unmut verdeutlicht der Minister mit einer überraschenden Presseschelte: „Es gibt Zeitungen, die schreiben auf der einen Seite: Wo bleiben die Gelder? Und auf der anderen Seite: Massenhafter Missbrauch, weil die Gelder zu schnell ausgezahlt wurden!“

Die Talkmasterin schubst ihn trotzdem auf den Grill: „Sie wollten schnell und unbürokratisch helfen, und dieses Versprechen haben Sie gebrochen!“

Und wieder grüßt der Zoffinspektor

Altmaier thront inzwischen am Talk-Tisch wie ein gekränkter Buddha zwischen lauter frechen Unterpriestern. „Versprochen – gebrochen“, schiebt Illner im Stil der Kanzlerin hinterher.

„Das ist einfach falsch!“, wehrt sich der Minister. „Ich war neulich bei BILD, ‚Die richtigen Fragen‘, da bin ich konfrontiert worden mit vier Friseurmeistern und vier Menschen aus der Gastronomie, und die haben alle gesagt: Ja, sie haben Abschlagszahlungen gesehen, aber es ist noch nicht ausreichend.“

Unbefriedigendste Begründung

Danach bietet Altmaier einen wenig überzeugenden Erklärungsversuch an: „Wenn ein Beamter sich haftbar macht, weil er falsche Entscheidungen trifft, bitte ich herzlich um Verständnis, dass wir nicht alle Erwartungen sofort erfüllen konnten.“ Uff! Der arme Beamte!

Weil sich niemand zugetraut habe, diese Aufgabe zu bewerkstelligen, habe er eine Plattform gegründet, auf der Anträge gestellt werden könnten, verteidigt sich der Minister.

Schärfster Protest

Doch diese Mitteilung führt ihn nur noch tiefer ins Minenfeld. „Aber Herr Altmaier!“, stoppt ihn die WELT-Journalistin. „Es ist doch nicht Aufgabe der Bürger und der Unternehmer, zu organisieren, wie sie an die zugesagten Hilfen kommen!“

„Das ist, wie wenn man in einer vollgestellten Speisekammer hungert!“, ätzt Illner.

„Ich krieg echt fast Blutdruck!“, ächzt die Unternehmerin. „VW zehn Prozent mehr Gewinne trotz beschissenem Jahr. Heute sagt Daimler: super, 50 Prozent mehr Gewinne. Alle waren voll auf Kurzarbeit. Und erzählen Sie mir nicht, dass Daimler und Konsorten acht Wochen lang auf Kurzarbeitergeld warten!“

Und der Oberbürgermeister staunt: „Wir stecken in der tiefsten Krise und haben nichts Besseres tu tun, als uns an den Kragen zu gehen. Wir sollten als Mannschaft agieren. Team Deutschland!“

Wutrede des Abends

Ich habe das Gefühl, nur ein einziger ist hier voll im Lockdown, und das ist das Wirtschaftsministerium“, empört sich die Unternehmerin. „Und das Finanzministerium! Lieber nix machen als das Falsche! Und das ist jetzt in dieser Situation absolut nicht das Richtige!“

Doch ein Pudding lässt sich nicht so leicht an die Wand nageln. „Es ist Ihr gutes Recht, diese Kritik zu äußern“, antwortet der Minister beherrscht. Jetzt aber gehe es um sehr viel höhere Beträge als im Frühjahr, „und das bedeutet, dass alles in einer gewissen Weise auch den Vorschriften genügen muss.“ Puh!

Der Däne aus Rostock kommentiert mit nordischer Kürze: „Erst zahlen, dann prüfen.“ Amen!

Fazit: Alle gegen einen, ab und zu flog die Hauptsicherung raus und die Talkmasterin pustete kräftig in jede Flamme. Doch nach jeder Rangelei wurde es rasch wieder konstruktiv, informativ und auch kreativ. Das war eine Show der Kategorie „Talk ohne Kalk“.

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