Teletäglich

Lockdown-Talk bei Maischberger: Habecks harte Attacke auf die Kanzlerin

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 27.Januar 021, 22.50 Uhr.

Der Grüne-Co-Parteivorsitzende Robert Habeck hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch die Bundeskanzlerin heftig angegriffen.

Wörtlich sagte der Politiker, der im Herbst Angela Merkels Nachfolger werden möchte: „Wenn man ehrlich ist, hat sie an vielen Stellen das Richtige gesagt und konnte sich nicht durchsetzen. Das hohe Ansehen der Bundeskanzlerin und die dann ja nicht ausreichende Durchsetzungskraft passen nicht gut zusammen!“

Das sollte wohl signalisieren: Lahme Ente-Syndrom! Ohne Grüne reißt die Mutti nix!

Corona, die nächste: Die Ministerpräsidenten scharren öffnungsmäßig schon mit den Hufen, und in der EU gibt es impfstoffmäßíg lange Gesichter. „maischberger. die woche“ guckt auf den Kompass: Was ist jetzt Kurs? Die Gäste:

Habeck wirft Union und SPD vor, in der Corona-Krise Vertrauen zu verspielen.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Prof.Karl Lauterbach, genannt „das Orakel vom Rhein“, ist voll gegen Lockerungen nur für Geimpfte.

Der Virologe Hendrick Streeck kritisiert: Inzidenz- und Infektionen geben ein völlig falsches Bild!

Die funk-Journalistin Eva Schulz („Deutschland3000“) postet fleißig „Videos, Stories und Podcasts zu politischen und gesellschaftlichen Themen“.

Der Journalist und TV-Moderator Cherno Jobatey ist Editor-at-Large bei Focus Online.

Der Journalist und TV-Moderator Claus Strunz arbeitet für SAT.1 und BILD.TV.

 

1x Politik, 2x Wissenschaft und 3x Medien, da ist Zoff-wohl unvermeidlich!

Zum Auftakt voll die Pauke

Strunz führte erst mal den „Verlierer der Woche“ vor: Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der in der Corona-Konferenz bei der Kanzlerin auf dem Handy das Puzzle-Computerspiel „Candy Crush“ einschaltete.

Damit hat er alle und jeden verhöhnt“, urteilte der Journalist. „Sich selber, sein Amt, die Ministerpräsidentenkollegen, die Kanzlerin, die Menschen, die im Lockdown festsitzen, die Angehörigen von Verstorbenen, die Kranken…“

Verblüffendster Einwand

Kollegin Schulz ortete das Problem ganz woanders: „Dass Sie sich gerne aufregen, Herr Strunz, das wissen wir ja alle“, ätzte sie. „Ich kann da eher drüber lachen.“

Auch ARD-Mann Jobatey sah die ministerpräsentiale Unverschämtheit eher locker: „Bei zehn Stunden Handy spielen, nun ja, wer da den ersten Stein wirft…“

Plastischster Vergleich

Zu den Corona-Maßnahmen sagte Strunz: „Mir kommt die Politik im Moment vor, als würde man in Deutschland drei oder vier Geisterfahrer zur gleichen Zeit haben, und man sperrt das gesamte Straßennetz, statt an die Stellen zu gehen, wo wirklich Menschen sterben!“

Sein Urteil über Angela Merkel: „Die viertgrößte Industrienation der Welt kriegt es nicht gebacken, Impfstoff zu beschaffen! Das ist für sie ein absoluter Wendepunkt in ihrer Karriere als Kanzlerin. Und das auf den letzten Metern ihrer Kanzlerschaft!“

Frischeste Analyse

Strunz weiter: „Sie merkt, dass Corona aufdeckt, dass dieses wunderbare Deutschland in weiten Teilen der Administration und der Logistik nicht auf der Höhe der Zeit ist.“ Uff!

„Dann stellt sie sich vermutlich die Frage: Wer hat dafür eigentlich die Verantwortung?“ spann der Journalist die Story weiter. „Wer ist noch mal seit fast 16 Jahren Kanzlerin? Dann fällt ihr ein: Ups, das bin ich ja selbst…“ Heiterkeit in der Runde!

Dramatischste Vorstellung

Im zweiten Teil sollten sich laut Plan die beiden Professoren beharken, und sie machten keine Gefangenen!

Als Diskussionsgrundlage zeigte ein ARD-Einspieler den Virologen Christian Drosten mit einem erschreckenden Szenario: Im Sommer könnten in Deutschland jeden Tag 100.000 Menschen an Corona sterben!

Alarmierendste Feststellung

„Es kann eine neue Pandemie geben“, fürchtete Lauterbach. „Die Zahl derjenigen, die mit den Mutationen infiziert sind, steigt weiter an. Über den Monat betrachtet ist das etwa vier, sechs oder sogar acht Mal so ansteckend!“

Seine Warnung für den Sommer: „Die Ansteckung ist so brisant, dass das bessere Wetter uns gar nicht helfen würde.

Unterschiedlichste Statements

Über die veränderten Viren aus England, Südafrika und Brasilien sorgte sich der SPD-Politiker: „Alle drei Mutanten sind wahrscheinlich im Sommer ansteckender als die jetzige Variante im Winter!“

„Bei den neuen Mutationen muss man aufpassen“, bestätigte Streeck, stellte die Sirene aber etwas leiser: „Wir haben jetzt verschiedene Varianten in verschiedenen Teilen der Welt. Das ist nichts Ungewöhnliches.“

„Die Daten deuten darauf hin, dass es eine erhöhte Übertragbarkeit gibt“, erklärte Streeck, „aber man muss auch das Positive herausstellen: In England, Irland und Dänemark übernehmen die Varianten, aber die Zahlen gehen runter mit den gleichen Maßnahmen, die ergriffen wurden.“

Schärfste Warnung

„Das Virus passt sich evolutionär an“, dozierte Lauterbach. „Es lernt besser, sich auszubreiten, auf trickreiche Art. Es kann sein, dass wir zum Schluss hier Mutationen haben, gegen die wir nicht mehr impfen können!“

Tröstlichste Hoffnung

Ganz so weit wollte Streeck nicht gehen: „Ich teile die Sorge, dass es natürlich sein kann, dass Impfstoffe schlechter wirken“, gab er zu. „Aber wir haben Milliarden Viren weltweit, und das Immunsystem aller Menschen ballert drauf.“

Und: „Wir haben nicht nur eine Immunantwort, wir haben ganz viele gleichzeitig“, stellte der Virologe fest. Dass ein Virus all diesen Angriffen entgehen könne, glaube er nicht. Seine Warnung: „Wir dürfen die Diskussion nicht emotional führen. Es gibt dann immer diese Totschlagsargumente.

Prägnanteste Antwort

„Die EU und Deutschland streiten gegen AstraSeneca, weil die nicht liefern, was sie versprochen haben“, sagte die Talkmasterin zum aktuellen Impfstoff-Zoff. „Wer hat Recht?“

Lauterbach musste nicht lange überlegen: „In gewisser Weise hat die EU moralisch Recht, und Astra hat rechtlich Recht“, urteilte er im Stile Salomons und sicherte sich wohlverdiente Lacher.

Nüchternste Analyse

Über die Messzahlen der Krise wie Inzidenz und Intensivbetten sagte Streeck: „Ich bin Arzt. Für den Arzt ist es wichtig, ob ein Mensch krank wird. Ob er ins Krankenhaus muss. Ob er behandelt werden muss. Dann wird es relevant für die Gesellschaft.“

Prompt ging der Zoff los

Lauterbach hatte gleich die Pfanne heiß: „Ich bin hier absolut anderer Meinung!“ ätzt er. „Das festzumachen an der Zahl der Intensivbetten…“

Weiter kam er nicht, denn Streeck zeigte ihm lächelnd die Zähne: „Herr Lauterbach, Sie dürfen mich nicht wieder aus dem Kontext zitieren!“ protestierte er.

„Ich habe das sehr gut nachvollziehen können“, konterte Lauterbach. „Ich bleibe trotzdem bei meiner Meinung!“

„Sie haben es nur falsch wiedergegeben“, spottete Streeck.

„Nein!“ erwiderte Lauterbach. „Ich war ja noch nicht fertig mit der Wiedergabe!“ Puh…

Ehrlichste Antwort

Angeblich hat die Regierung auch einen geheimen Öffnungsplan in der Schublade“, sagte die Talkmasterin zu dem SPD-Politiker. „Wenn’s den gäbe, wüssten Sie’s, oder?“

„Das weiß ich nicht, ob ich das wüsste“, antwortete Lauterbach, und der coole Spruch löst schallendes Gelächter aus.

Dann drehte der Gesundheitspolitiker den Talk wieder auf Ernst: „Ich glaube, dass die Leute sehr müde sind, dass es diese Salami-Taktik gibt“, sagte Lauterbach über milden und harten Lockdown. „Das will niemand mehr.“ Amen!

Zufriedenstes Selbsturteil

Kurz vor Mitternacht lief Habeck ein. Zur Begrüßung zitierte ein ARD-Einspieler sein Urteil über Trumps Auftritt in Davos vor einem Jahr: „Ein einziges Desaster!“ hatte der Grüne damals gewettert. „Nur Selbstlob, Ignoranz, Missachtung von allen Leuten! Kein Gespür, keine Wahrnehmung für globale Probleme!“

„Ich hatte recht!“ lächelte der Meister des ungekünstelten Ego-Pettings jetzt die Talkmasterin an. „Ein Jahr später sagen es alle. Es ist das erste Mal, dass ich das sehe, und ich denke: Weise gesprochen!“

Lauteste Wahlkampftöne

Den Vorwurf aus der SPD, seine Partei würde zu wenig Druck auf die Kanzlerin zu machen, drehte Habeck locker um: „Ich wundere mich manchmal über die SPD, die ja regiert und sich wie eine Opposition geriert!“

Gretchenfrage des Abends

Zum Schluss stellte Maischberger journalistenpflichtgemäß die K-Frage: „Die Grünen sind die Partei der Frauenförderung. Wenn also Annalena Baerbock heute kommt und sagt: Ich will‘s werden, können Sie doch gar nicht anders als zu sagen: Dann mach’s, Annalena!“

„Wenn die Frauenquote darüber entscheidet, wäre das völlig klar“, antwortete Habeck. „Wenn diese Karte gezogen wird, ich bin nun mal ein Mann, dann ist das Ding klar.“

Wichtigste Ansage

Doch: „Annalena hat mehrfach gesagt, und jetzt noch mal in einem Interview, das morgen erscheint: Diese Karte ist nicht die Karte, die sie spielen will.“

Sondern, so Habeck: „Es geht darum, welche Politik und welche Verkörperung von Politik Deutschland für die nächste Legislaturperiode braucht. Und wir werden eine politische Entscheidung treffen.“ Halleluja!

Fazit: Viel Fleisch auf den Grill, Experten am schweren Säbel, niederschmetternde Wahrheitsliebe und ein Übermaß an Selbstgewissheit: Das war eine Talkshow der Kategorie „Je lauter der Abend“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.