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Lauterbach über den „Versuchskaninchen“-Spruch des SPD-Kandidaten: „Er einen Scherz gemacht…“

„Maybrit Illner: Wahlkampf in Corona-Zeiten – ist die Pandemie etwa vorbei?“ ZDF, Donnerstag, 9.September 2021, 22.30 Uhr.

Vier Wochen Talkshows ganz ohne Lauterbach, das gab‘s schon lange nicht mehr. Jetzt ist der zähe Mahner wieder da, und Maybrit Illners hat das perfekte Thema für ihn!

Die Gäste

Lauterbach hat in seinem Wahlkreis starke Konkurrenz und keinen sicheren Listenplatz. Hochseilakt mit Absturzgefahr!

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) meinte: „Gratistests für Impfverweigerer wird es demnächst nicht mehr geben!“

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) widersprach: „Kostenlose Tests sind wichtig, um die Infektion einzudämmen!“

Die Sozialforscherin Prof. Jutta Allmendinger forderte: „Geimpfte sollten mehr Freiheiten haben!“

Der Intensivmediziner Prof. Stefan Kluge stellte fest: „Wir sind mitten in der vierten Welle.“

Lauterbach reloaded! Der Gesundheitspolitiker bleibt seiner Aufgabe als Bundesalarmposten treu: „Im Moment beobachten wir mehr Lockerungen, als aus meiner Sicht sinnvoll wäre“, dozierte er. „Wir machen sehr wenig Druck auf die Ungeimpften, dabei läuft uns die Zeit weg. Wir werden in eine problematische Lage hineinkommen!“

Dramatischste Katastrophenwarnung

„Wir sehen, dass die Zahl der Intensivpatienten jeden Tag ansteigt“, assistierte Prof. Kluge, „und jetzt kommt erst der kalte Herbst. Das macht uns große Sorge!“

Denn, so der Intensivmediziner: „Die Patienten sind jünger geworden, aber das Hauptkriterium ist, dass durch die Delta-Variante mehr Patienten ins Krankenhaus müssen. Der Verlauf ist schwerer, durch diese hohe Infektiosität, und die Patienten liegen auch deutlich länger auf der Intensivstation.“

Ärgerlichste Zahlen

„90 Prozent der Intensivpatienten sind ungeimpft“, fügte Kluge noch hinzu, „und das frustriert viele Mitarbeiter, die da ganz dicht dran sind. Es muss jetzt wirklich was getan werden. Wir sind ja fast Schlusslicht beim Impfen. Italien, Frankreich, Großbritannien, selbst Dänemark, Belgien, Holland sind alle viel weiter!“

Wir bemerken beim Impfen ein Gefälle von Nord nach Süd und von West nach Ost“, meldete Holetschek.

Ernüchterndste Beobachtung

„Das sind keine Querdenker“, urteilte Lauterbach nach vielen Gesprächen mit Ungeimpften, „sondern Menschen, die vollkommen falsche Vorstellungen davon haben, wie gefährlich der Impfstoff und wie gefährlich die Erkrankung ist.“

Der Gesundheitspolitiker, in seinem Wahlkreis Leverkusen/Mülheim selber als Impfarzt unterwegs, registriert gefährliche Risikofaktoren: „Unser Impfbus hat zwei Stufen. Die Leute sind so übergewichtig, dass die Mühe haben, diese zwei Stufen zu steigen!“

Verblüffendste Analyse

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass wir jetzt über anderthalb Jahre Katastrophenszenarien aufbauen“, berichtete Soziologin Allmendinger. „Man hat sie in New York und in Bergamo gesehen.“

Aber, so die Forscherin weiter: „Viele Leute sagen: Ich bin nicht geimpft, in meinem Umfeld passiert nichts, und nehmen aus der nicht eintretenden Katastrophe für sich selbst und leider auch für andere mit, dass nichts passiert.

Boshaftester Seitenhieb

„Ich bin mit sehr vielen Bürgern im Gespräch“, erzählte Lauterbach. „Auch mit Impfgegnern. Wenn die mich auf der Straße sehen, wollen sie mir sofort ihr Herz ausschütten und erklären mir, was los ist. Die würden gerne auf nahe Distanz kommen.“

Aber, so der SPD-Politiker in Anspielung auf einen Vorfall bei einer Wahlkampfveranstaltung der Union: „Auch in diesem Bereich ist Armin Laschet für mich kein Vorbild. Ich spreche gern mit den Impfgegnern, aber nicht auf 20 Zentimeter ohne Maske!“

Der CSU-Minister nahm den Unionskandidaten in Schutz: „Er hat versucht, zu deeskalieren“, erklärte er. Doch Lauterbach bleibt voll im Wahlkampf-Modus: „Egal. Wir wollen nicht erneut über Armin Laschet sprechen…“

Überraschendste Kollegenschelte

„Wir brauchen auch ganz andere Meinungsführer!“ schimpfte Lauterbach dann über die schlappe Impfkampagne. „Wo sind denn die Top-Fußballer, die uns hier helfen? Wo sind unsere Schauspieler, die die Glaubwürdigkeit haben?“

Wo sind denn auch die Politiker?“ funkt die Talkmasterin dazwischen.“

Die sind im Wahlkampf!“ antwortet Lauterbach. „Das ist das Problem!“

Kniffligstes Thema

Wenn man Verhalten ändern will, geht das mit Anreizen, aber nicht mit Verboten“, stellte die Soziologin fest. „Wenn wir jetzt hören, was Nichtgeimpfte alles verboten bekommen, das wird zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führen!“

Illner fiel dazu gleich „eine Idee von Jens Spahn“ ein: „Es soll für diejenigen, die in Quarantäne sind, nicht mehr Lohnfortzahlung geben.“

„Dieses Thema ist schon im Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes vom März 2020 drin“, weiß der Minister. „Wenn ich eine Impfung, die mir zumutbar ist, nicht mache und deshalb in Quarantäne komme, dann fällt irgendwann die Verdienstausfallentschädigung weg.“

Prompt gibt es Zoff

„Das hat aus meiner Sicht nichts mit Druck zu tun“, beteuert Holetschek. „Wie auch, dass die Tests, irgendwann nicht mehr kostenlos sind. Wir müssen konsequent sein. Einige Länder sind schon vorangegangen.“

„Sie setzen am Sensibelsten an, nämlich am Geld“, beschwert sich die Soziologin. „Glauben Sie, dass Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, dann  eher impfen lassen? Ich frage mich auch, ob dieser Negativjargon, den wir ja immer haben, so hilfreich ist!

Wichtigstes Argument:

„Was wird denn passieren bei denen, die glauben, dass sie sich infiziert haben?“ fragt Lauterbach. „Die werden sich gar nicht erst testen lassen. Die sagen dann einfach: Ich habe eine Erkältung.“

Entscheidender Punkt: „Er zahlt erst aus eigener Tasche den Test, um dann keine Lohnfortzahlung zu haben?“, spottet der Gesundheitspolitiker. „Das wir nicht stattfinden!“

Berechtigtste Warnungen

Auch Palmer, aus Tübingen zugeschaltet, macht keine Gefangenen: „Das ist kontraproduktiv!“ wettert er über die Drohung mit Strafen. „Es verstärkt den Widerstand, und es reduziert die Wahrscheinlichkeit, die Infektion zu entdecken.“

„Das sind ja nicht alles Impfverweigerer“, widerspricht der Intensivmediziner. „Die große Masse ist träge. Das sind Impfzauderer und –zögerer. Und die erreicht man natürlich schon durch solche finanziellen Sanktionen.“

Verwegenste Idee

Bei einer gesetzlichen Impflicht für bestimmte Berufsgruppen würde allerdings auch der grüne OB ganz anders zupacken: „Die müssen erst mal, wenn sie nicht zur Arbeit können, ihren Urlaub einsetzen. Dann stellt man sie unbezahlt frei.“ Ui!

Und: „Wenn es dann immer noch nicht greift“, malt sich der OB weiter aus, „dann ist auch mit Abmahnung und Entlassung arbeitsrechtlich alles möglich.“ Rumms!

Der Intensivmediziner runzelt die Stirn, und Lauterbach lacht sich eins: Dringend benötigtes Pflegepersonal rausschmeißen, weil impfunwillig? „Wenn wir nur zehn Prozent nach Hause schicken, haben wir ein Riesenproblem!“ warnt Prof.Kluge entsetzt.

Alarmierendste Zahlen

„Bei den Ungeimpften haben wir zur Zeit unfassbar hohe, also wirklich spektakulär hohe Inzidenzen, 500, oder 600“, mahnt Lauterbach. „Solche Inzidenzen haben wir noch gar nicht gehabt!“

Beunruhigendste Infos

„Wir sehen Frauen, und Väter, die schlichtweg nicht zur Arbeit gehen können, weil die Kinder immer wieder in Quarantäne sind“, klagt die Soziologin. Die Kinder wiederum würden schon „leichte Psychosen bekommen“. Manche würden sich schon nicht mehr trauen, mit Erwachsene in geschlossene Räume zu gehen.

Palmer bringt es auf den Punkt: Wenn das nächste Schuljahr wieder so ablaufe, seien die Schäden für die Kinder durch die Schließung größer als durch das Virus.

„Das Entscheidende ist jetzt Präsenzunterricht“, fordert Holetschek. „Kinder und Jugendliche haben wirklich gelitten!“

Rührendster Abwiegelungsversuch

Zum Schluss erinnert die Talkmasterin an einen Wahlkampf-Blindgänger: „Herr Lauterbach holt jetzt tief Luft“, beginnt sie, „und wir reden jetzt noch mal über Olaf Scholz, der ja tatsächlich sagte, wir waren alle die Versuchskaninchen für diejenigen, die bisher abgewartet haben.“

Illners Frage: „War das so schlau, dass Olaf Scholz ausgerechnet so ein Reizwort, so ein Triggerword der Impfgegner und Querdenker benutzt?“

„Das war doch ein Witz!“ behauptet der Scholz-Genosse. „Er hat einen Scherz gemacht!“

„Versuchskaninchen als Witz!“ murrt Holetschek zweifelnd.

„Ja, er hat einen Scherz gemacht“, wiederholt Lauterbach beschwörend. „Es war ein Witz, in dem Sinne. Das war vielleicht ein missglückter Witz, aber das gegen jemanden zu verwenden und so zu tun, als ob das eine ernste Aussage gewesen wäre, das ist nicht richtig.“ Puh!

Fazit

Wahlkampf gegen Wahrheitssuche, Meinungskraft gegen Faktentreue, mittendrin eine feuerfeste Moderatorin mit der nötigen Neutralitätstreue: Das

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