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Laschets erstes Interview bei Maischberger: „Das Lachen ärgert mich zu Tode!“

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 3.November 2021, 22.50 Uhr.

Erstes Interview mit Armin Laschet nach dem Wahldebakel! Der glücklose Kanzlerkandidat sucht jetzt einen Nachfolger für die CDU-Spitze. Außerdem widmet Sandra Maischberger ihren „Woche“-Talk den Dauerbrennern Klima und Corona. Die Gäste:

Armin Laschet (60, CDU). In acht Monaten vom Ministerpräsidenten zum Parteichef, Kanzlerkandidaten und schlichten Bundestagsabgeordneten. Diesen Höllenritt macht ihm so schnell keiner nach!

Ralf Moeller (62). Der Schauspieler wettert über seine alte Liebe CDU: „Die prügeln sich ja nicht mal. Das sind ja nicht mal Kerle genug. Die stechen hinterm Rücken rein!

Anna Mayr (28). Die Journalistin („Zeit“) fragt: „Was ist eigentlich konservativ, heute?“

Sigmund Gottlieb (70). Der Ex-Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks fordert: „Die CDU braucht eine starke Führungsfigur. Es wird auf Friedrich Merz zulaufen.“

Ranga Yogeshwar (62). Der ARD-Wissenschaftsjournalist gesteht: „Ich hatte 170.000 Flugmeilen. Das ist bei Greta Thunberg Erster Klasse in die Hölle!“

Hollywoodreifstes Statement

Möller hat im Blockbuster „Gladiator“ mitgespielt. Seit sechs Jahren lebt er wie die antiken Kämpfer überwiegend vegetarisch. Sein Biss hat darunter nicht gelitten: „Verlierer der Woche ist für mich die CDU, weil sie keinen Charakter hat und nicht zu ihrem Mann steht!“ wütet er los.

Er selbst hat im Wahlkampf Laschet unterstützt. Über dessen Gegner lästert er: „Olaf Scholz war der Cyborg, der Terminator, der einfach nur gewartet hat!“

Kritischste Einschätzungen

„Zeit“-Journalistin Mayr ist komplett anderer Meinung als der Film-Recke: „Mir sind auf der Straße Leute begegnet, die gesagt haben: Ich wähle sonst immer CDU, aber den Laschet wähle ich nicht!“

„Der Gorilla, der Elefant, alles Pflanzenfresser, und der Möller sind die stärksten Tiere der Welt“, offenbart Ralf Moeller in eigener Sache.

„Als Laschet angegriffen und Boden gutgemacht hat, war es zu spät“, urteilt Ex-Chefredakteur Gottlieb, doch: „Seine Partei war zu diesem Zeitpunkt schon auseinandergefallen. Er hat einen Wahlkampf gemacht, mutterseelenallein!“

Wehmütigste Erinnerungen

Und was sagt Laschet selbst? Das Publikum empfängt den großen Verlierer mit freundlichem Beifall. Sein schmerzlicher Rückblick: „Wir haben eine Zeit gehabt, da war Annalena Baerbock ganz weit vorne, dann war eine lange Zeit ich ganz weit vorne, und dann kam plötzlich Olaf Scholz im Endspurt.“

Mehr noch als um den CDU-Vorsitz trauere er um den Job als Ministerpräsident: „Das ist ein schönes Amt. Viele festliche Ereignisse. Der Landesvater. Das hat mir viel Spaß gemacht…“

Ungewöhnlichste Selbstkritik

Er sei enttäuscht, gibt Laschet umstandslos zu, denn: „Ich habe Fehler gemacht. Fehler sind passiert, die nicht hätten passieren müssen.“

Seine Analyse: „Ich habe gegeben, was ich konnte, in vielem, aber es gab sehr, sehr viele Einflüsse, die auf diesen Wahlkampf eingewirkt haben.“

Interessanteste Hintergründe

Maischberger zeigt vier schädliche Fotos. Auf dem ersten hat Laschet im strömenden Regen der Eifel die beschlagene Brille vom nassen Gesicht genommen. Deshalb sehe er aus „wie ein ganz trostloser Mensch“, urteilt er nun.

Doch: „Einen Meter neben mir, nicht auf Ihrem Bild, steht Olaf Scholz auch im Regen“, klärt der Noch-Parteichef das Publikum auf. Der SPD-Kandidat trägt keine Brille, doch laut Laschet „wirkt er nicht viel hoffnungsfroher“. Tja – aber das war da nicht zu sehen. Glück für ihn!

Dialog des Abends

Die Talkmasterin assistiert mit einem Beispiel aus Hollywood von gestern: „Olaf Scholz ist immer Buster Keaton“, ulkt sie.

„Der guckt immer so, meinen Sie?“ fragt Laschet. Heiterkeit im Studio!

Laschet will die Lacher bremsen: „Nein, aber der Olaf Scholz steht genau daneben, hat die – nein, die Haare hat er nicht nass….“ Noch mehr Heiterkeit!

Offenstes Geständnis

Zum nächsten Szene erklärt Laschet: „Das Bild ist ein echt verfälschtes. Der Politiker hat einen, der ihm den Schirm trägt, und der Bürger steht im Regen.“

Aber, so Laschet weiter: „Hinter dem Bürger steht auch einer, der dem Bürger den Schirm hält. Aber der ist nicht zu sehen. Das sind so Fotos, die einen falschen Eindruck machen.“ Uff!

Und das verheerende Bild des lachenden Laschet mit der rausgestreckten Zungenspitze, ist das auch irgendwie getürkt? Nein: „Das ist wirklich ein großer Fehler gewesen“,  gesteht der gescheiterte Kandidat peinlich berührt.

Reuevollste Erläuterung

Laschets Geschichte geht so: „Der Bundespräsident spricht. Ich bin zurück in die Halle, wo die ganzen Helfer standen, 80, 90 Meter weg. Irgendeiner macht eine Bemerkung, das ist eine Zehntelsekunde, und dann entsteht das Bild. Punkt.“

Sein Vorwurf an sich selbst: „Das darf nicht sein. Man hätte sich konzentrieren müssen. Es ärgert mich bis heute. Es ärgert mich zu Tode!

Überfälligste Abrechnung

Über seinen Konkurrenten Markus Söder sagt Laschet: „Ich glaube, er hätte einen genauso harten Wahlkampf erlebt, und die ganze Republik hätte nicht von links bis rechts gesagt: Bitte werde Bundeskanzler!“

„Ob ein anderer nicht auch Fehler gemacht hätte, und wie ein anderer beleuchtet worden wäre!“ fügt er hinzu. „Horst Seehofer hat sich letztlich dazu geäußert…“

Horst Seehofer ist der beste Freund von Markus Söder, das wissen wir alle“, spottet Maischberger.

Gretchenfrage des Abends

„Es hat mich erst mal überrascht, dass er (Söder) überhaupt antrat“, kommentiert Laschet das Duell mit dem Bayern, „weil er ein Jahr lang das Gegenteil gesagt hatte. Noch im August 2020 war das überhaupt kein Thema, dass es zu einem Konflikt zwischen CDU und CSU kommen könnte. Und das habe ich lange Zeit geglaubt…“

Über das Dauerfeuer aus München sagt Laschet, er habe Söder immer wieder angerufen: „Markus, lass es! Markus, warum sagst du jetzt wieder das?“ Antwort: „Nein, das ist falsch zitiert, so habe ich das gar nicht gesagt…“ Laschet heute ernüchtert: „Es waren immer andere.“

Deprimierteste Feststellung

Über sein Verhältnis zu dem CSU-Chef sagt Laschet: „Es war lange Zeit sehr gut, und ich habe ihm wirklich viel geglaubt.“ Aber: „Dass im Wahlkampf solche Sätze nicht hilfreich sind, sagen inzwischen viele andere auch.“

„Warum hat er das gemacht?“ will die Talkmasterin wissen.

Antwort: „Ich weiß es nicht. Weil es auch der CSU nichts nutzt. Die CSU wäre auch stärker, wenn wir in Berlin gemeinsam regieren würden.“ Rumms!

Überzeugteste Antwort

Zwei Drittel der Landesverbände seien für ihn gewesen, schiebt Laschet noch hinterher.

Maischberger geht aufs Ganze: „Sie glauben, Sie haben letztlich mit Ihrer Kandidatur den Willen der großen Mehrheit der CDU-Mitglieder erfüllt?“

„Ja“, antwortet Laschet so kurz wie knapp. Heidewitzka!

Erstaunlichste Begründung

„O.k.“, wundert sich Maischberger. „Das kann ich Ihnen nicht nehmen…“

„Aber wie sollen wir das denn messen?“ fragt Laschet.

„Umfragewerte“, schlägt die Talkmasterin vor.

„Ja, aber Umfragen können ja nicht Mitglieder befragen“, doziert der CDU-Chef mit erhobenem Zeigefinger.

„Umfragen unter CDU-Mitgliedern sind Umfragen unter CDU-Mitgliedern“, widerspricht die Talkmasterin.

Laschets Erwiderung: „Dann müsste Forsa die 400.000 CDU-Mitglieder kennen. Ich glaube nicht, dass sie die kennen…“ O weh!

Realistischste Prognose

Ist Jamaika tot? „Ich fürchte: Ja“, antwortet Laschet. „Ich glaube immer noch, dass Jamaika für das Land besser wäre, weil man mehr bewegen könnte. Aber die Koalitionsverhandlungen laufen jetzt so konkret, dass ich von einer Ampelkoalition ausgehe.“

Klarste Arbeitsplatzbeschreibung

Über seine Nachfolge sagt der CDU-Chef: „Bis zur Minute hat sich niemand erklärt. Ab Samstag können dann Kandidaturen kommen. Wir müssen jetzt schnell möglichst jemanden finden, der alle zusammenhält. Der Fraktion und Partei zusammenhält, inhaltlich jetzt die Oppositionsarbeit vorbereitet und auch den Blick in die Zukunft richtet.

Persönlichste Erklärung

Seine Frau habe „mitgefiebert“, erzählt Laschet dann, „aber ich glaube, ein Stück weit ist sie auch erleichtert.“

Über seine Zukunft als „einfacher Abgeordneter“ sagt er: „Ich will weiter in der Außen- und Europapolitik arbeiten. Das hat mich mein ganzes politisches Leben begleitet. Wo und wie, das wird sich dann zeigen.“

Sein Bekenntnis: „Ich hätte gern gewonnen. Ich wäre jetzt lieber Kanzler und säße nicht in diesem Sessel, sondern bei Koalitionsverhandlungen. Aber es ist halt anders entschieden worden. Dann muss man das auch akzeptieren.“ Amen!

Fazit

Pralle Fragen, ehrenhafte Antworten, faires Publikum und dazu starke Worte von einem starken Typ: Das war ein Talk der Kategorie „Kraftfutter“.

 

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