Teletäglich

Krisen-Talk bei Maischberger: Bill Gates will die Welt impfen und das Klima mit Atomkraft retten

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 17.Februar 2021, 22.50 Uhr.

Der Milliardär und Philantrop Bill Gates hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch Ideen zur Bekämpfung der Pandemie und des Klimawandels vorgestellt.

Dabei kündigte der Gründer des Software-Riesen „Microsoft“ an, in die Atomkraft zu investieren: „Ich habe ein Unternehmen, das wir nur für Klimaschutzgründe auf die Beine gestellt haben, das eine Konstruktion für supersichere Kernkrafttechnologie entwickelt hat“, berichtete er.

Deutschland ist aktuell eher vor dem Virus bange: Ist bald genug Impfstoff da? Wann machen Läden, Kneipen und Hotels wieder auf? Ist der Osterurlaub wirklich futsch?

Gates pumpt Milliarden in den Kampf gegen tödliche Viren. Er kam aus Seattle auf den Bildschirm. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) muss für seine Zweifel am Osterurlaub zurzeit mächtig Prügel aushalten.

Die Journalistin Constanze von Bullion ist Parlamentskorrespondentin der SZ.

Ihre Kollegin Pinar Atalay moderiert die ARD-„Tagesthemen“ und war selber mal Einzelhändlerin.

Der Journalist Ulrich Reitz ist Wirtschaftschef beim Nachrichtensender „n-tv“.

Säuerlichste Kritik

SZ-Bullion hatte Thomas Müller auf dem Kieker: „Man muss kein FC-Bayern-Hasser sein, um sich über solche Bilder zu ärgern!“ schimpft sie nach der Rückreise des infizierten Fußballers per Privatflug aus Katar.

ntv-Reitz sah es etwas milder: „Allerdings lebt eine ganze Branche, die Ambulanzflieger, von solchen Fällen, von Menschen, die zurück in ihrer Heimat wollen, weil sie irgendwo erkrankt sind“, stellte er fest.

Strengstes Urteil

Auch Bayern-Trainer Hansi Flick kriegte sein Fett weg. Ein ARD-Einspieler zeigte seine Wutrede auf „sogenannte Experten“ wie den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

„Es hat überrascht, dass er so austeilt“, gestand Reitz. „Wäre er der CEO eines Konzerns, würden da sicherlich Rücktrittsforderungen laut!“

Mildeste Reaktionen

Die SZ-Journalistin fand den Auftritt dagegen o.k.: „So ein Fußballtrainer kann ruhig mal der Politik ans Schienbein treten!“ freute sie sich.

Auch für ARD-Atalay ist der Flick-Schmäh „nicht so problematisch“, denn für die Politik gelte: „Das muss man abkönnen!“

Schlimmste Schimpfkanonade

Deutlich schlechter kam Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge weg. Seine Idee, Fußballer zu impfen, weil sie Vorbilder für die Zögerlichen sein könnten, stößt auf wütenden Widerspruch.

„Total indiskutabel!“ erboste sich SZ-Bullion. „In Wahrheit wollen die Fußballer schnell geimpft werden, damit sie raus sind. Total scheinheilig!

Stärkster Konter

Der Ministerpräsident wurde zur Begrüßung gleich mit dem umstrittenen Spruch seines Kollegen und Parteichefs Armin Laschet herausgefordert, der gesagt hatte: „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen. Man kann nicht immer neue Grenzwerte erfinden, um zu verhindern, dass Leben wieder stattfindet.“

Starker Tobak! Atalay hatte gleich tüchtig abgelästert: „Das war am Rosenmontag, vielleicht war es ein bisschen viel Fanta!“

Kretschmer fuhr jedoch einen coolen Konter: „Wir sind in einer Zeit, wo keine Zwischentöne zugelassen werden und es auch sehr viel Freude bereitet, Menschen misszuverstehen“, erklärte er. Rumms!

Größtes Problem

Zum Streit um die Inzidenzzahlen von 50 bzw. 35 Infektionen pro Woche je 100.000 Einwohner meinte der Ministerpräsident: „Man muss eine rote Linie haben, ab der klar ist, es wird wieder geschlossen, wenn es nicht funktioniert!“

Kretschmers aktuelle Sorge: „Wir haben eine Zuspitzung der gesellschaftlichen Stimmung. Wir brauchen viel mehr Menschen, die jetzt einen Beitrag dazu leisten, diese Erschöpfung, die wir spüren, diese Schmerzen, auch die großen Sorgen, die auch Unternehmen haben, doch noch abzufedern.

Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: „Auch der Journalismus kann da eine Rolle spielen“, fügte der Ministerpräsident hinzu. „Ich glaube, Armin Laschet ist bewusst falsch verstanden worden!“

Eindringlichste Warnung

Zum Thema „Osterurlaub“ mahnte Kretschmer: „Wir sehen diese Mutation, die wesentlich ansteckender ist. Wir haben Kindergärten und Schulen eine große Priorität eingeräumt, und wir werden am 8.März darüber sprechen, weitere Bereiche vorsichtig zu öffnen. Wollen wir wirklich das, was wir da jetzt haben, so leichtfertig preisgeben?“

Seine energische Forderung: „Wenn wir wollen, dass der Sommer 2021 genauso gut, genauso frei, mit so vielen wirtschaftlichen Möglichkeiten ist wie 2020, dann müssen wir diese Pandemie austreten!“

Überzeugendste Durchhalteparole

„Dieser Weg wird länger sein, aber wir werden ihn erfolgreich gestalten können“, versprach der Ministerpräsident. „Lassen Sie uns das Erfolgsrezept von 2020 wiederholen! Dann haben wir die Chance, den Juni, Juli, August und September mit großer Freude zu erleben. Und danach sind wir hoffentlich alle geimpft.“ Amen!

Kraftwort des Abends

Es gibt eine Tendenz, den Menschen nicht mehr die Wahrheit zu sagen, weil man Angst vor den Reaktionen hat“, fügte Kretschmer sichtlich genervt noch hinzu.

Aber: „Wir haben die verdammte Pflicht, die Dinge so zu organisieren, dass sie wirken!“

Ärgerlichste Reaktion

Im nächsten ARD-Einspieler verriet der Ministerpräsident eine für Politiker ungewöhnliche Dünnhäutigkeit: Beim Schneeschippen von 30 Leuten grob angegangen, rief Kretschmer erst „Ruhe“ und zog sich nach gescheiterten Diskussionsversuchen ergrimmt zurück.

Bei Maischberger sah der Ministerpräsident die Szene nun zum ersten Mal und war nicht glücklich: „So richtig ruhig war’s bei mir dann doch nicht“, gestand er peinlich berührt.

Seine Entschuldigung: „Menschen, die diese Entscheidungen über diese Pandemie zu treffen haben, die haben schlaflose Nächte…“

Optimistischste Vorhersage

Bill Gates brachte die globale Perspektive ein: „Wir müssen es schaffen, dass die Produktion der Impfstoffe im Milliarden-Dosen-Bereich funktioniert“, erklärte er.

„Jetzt müssen wir genug für den ganzen Planeten herstellen!“

Seine Prognose: „In den reichen Ländern sollten wir bis Ende dieses Jahres mit der Impfung durch sein. Aber für den Rest der Welt wird es noch sehr viel Großzügigkeit erfordern.“ Immerhin: „Bis 2022 sollte die ganze Welt durchgeimpft sein.

Besonders wichtig, so Gates: „Wir müssen dafür sorgen, dass auch in Afrika Impfstoff-Produktion stattfindet, und dass die Impfstoffe auch bei Menschen wirken, die an HIV erkrankt sind.“

Gretchenfrage des Abends

„Was haben wir falsch gemacht?“ wollte die Talkmasterin wissen, „und was hat Donald Trump richtig gemacht, was die Impfkapazität angeht?“

„Das einzige, was sie gut gemacht haben, war die gigantische Finanzierung der Forschung und der Herstellung im Impfstoffbereich“, antwortete Gates.

Aber: „Das war ein Teil der Anstrengungen, die früher schon losgegangen sind, obwohl Präsident Trump das für sich noch mal reklamiert und umbenannt hat.“

Erfreulichstes Lob

„In allen anderen Bereichen – Diagnostik, klare Kommunikation über die Notwendigkeit von Masken – haben die USA sehr schlecht geliefert“, kritisierte der Amerikaner dann. „Und das ist der Grund, warum wir die höchste Infektions- und Todesrate weltweit haben. Deutschland hat da vieles viel besser gemacht!“

Deutlichste Warnung

Zu den vielen Impfverweigerern sagte Gates: „Impfstoffe werden immer kontrovers diskutiert. Ich hoffe, dass die Menschen jetzt hören auf die Menschen, denen sie vertrauen können.“

Denn: „Wir müssen eine hohe Impfrate haben. Die Frage der Akzeptanz ist entscheidend für das Ende der Pandemie!“

Eine Impfpflicht aber lehnte er klar ab: „Manchmal geht der Schuss nach hinten los, weil die Menschen sagen: Wenn man mich zwingen will, mache ich es erst recht nicht!

Unvermeidlichste Peinlichkeit

Der letzte Einspieler zeigte Gates auf Hass-Plakaten im gestreiften Sträflingsanzug. „Es gibt Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, weil Sie ihnen Mikrochips implantieren wollen, um sie besser zu überwachen“, erläuterte Maischberger ihren Clip.

Antwort des Software-Pioniers: „Es ist sehr schwer zu verstehen, warum ich den Wunsch haben sollte, Menschen zu überwachen, und was überhaupt die Verbindung zwischen Mikrochips und Impfstoff ist.“

Über seine Gegner meinte er: „Einige sind so abgedreht, dass es schwer ist, sich zu fragen, wie man überhaupt darauf antworten soll.

Seine Selbstbeschreibung: „Ich bin sicherlich ein Nerd. Ich kann manchmal verschwinden und tagelang nur Bücher lesen. Aber ich sehe das nicht als negative Beschreibung.“

Überraschendste Ankündigung

Gegen den Vorwurf, er nehme die Klimarettung privat nicht ernst, verteidigte sich Gates mit einer neuen Info: „Ich habe Biokraftstoffe für meine Flugzeuge gekauft. Das kostet drei Mal so viel. Über sieben Millionen Dollar mehr. Das zeigt mir, wie teuer es ist, komplett grün zu leben.“

Klarste Kante

„Wir müssen sowohl in die Speichertechnologie investieren als auch in die Kernenergie“, machte Gates zum Schluss klar. Denn: „Es gibt neue Konstruktionen, die nicht mehr in die Luft fliegen können.“

Sein Credo: „Wir müssen die neuesten Technologien anwenden. Ich bitte darum, dass man einen offenen Geist bewahrt und offen bleibt gegenüber Konstruktionen, die ganz andere Sicherheitsstandards bieten als bisher.“ Wow!

Fazit: Auf der einen Seite sonnten sich phrasenverliebte Meinungsperformer in ihrer idealen Erwartungswelt, auf der anderen Seite kämpfte sich hohe Frustrationstoleranz durchs Minenfeld der vorgetäuschten Missverständnisse. Mittendrin leistete ein kluger Weltbürger intellektuelle Überbrückungshilfe. Das war eine Talkshow der Kategorie „Kompass-Talk“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.