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Kriegs-Zoff bei Illner: Gabriel fetzt sich mit Weber

„Maybrit Illner: Erdogans Krieg – wie machtlos ist Europa?“ ZDF, Donnerstag, 17.Oktober 2019, 22.15 Uhr.

Der Vorsitzende der EVP im Europaparlament Manfred Weber und der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel haben sich in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag ein erbittertes Rededuell geliefert.

Wichtigster Streitpunkt waren Überlegungen Webers, die Grenzen Europas künftig besser zu schützen: Gabriel bezweifelte, ob es dafür überhaupt ausreichend Möglichkeiten gebe.

Da krachte es zwischen den Politikern

„Ich bin es leid, dass wir uns von Erdogan den Takt vorgeben lassen!“ sagte Weber über die türkischen Drohungen, Millionen Flüchtlinge nach Europa weiterzuwinken. „Wir müssen unsere Grenzen schützen können!“

„Wie machen wir das denn?“ fragte Gabriel provozierend.

„Es kann dazu kommen, dass wir, wenn es schwierig wird, auch über Militär reden müssen auf diesem Kontinent“, antwortete Weber. „Ich bin nicht bereit, mich von Erdogan mit Migranten unter Druck setzen zu lassen!“

Attacke des Abends

Für Gabriel war das ein Angriffssignal: „Ich höre das unheimlich gern“, spottete er. „Das Problem ist nur: Macht Erdogan die Grenzen auf, dann werden wir natürlich niemanden daran hindern, die europäischen Grenzen zu überschreiten!“

Und dann nahm der SPD-Mann den CSU-Mann voll auf die Hörner: „Ich finde, das wir der deutschen Bevölkerung sagen müssen, was passiert!“ schnauzte er ihn an. „Sagen Sie, dass Sie im Zweifel bereit sind, noch einmal anderthalb Millionen Flüchtlinge aufzunehmen!“

Schärfster Wortwechsel

„Als Europäer zu sagen, wir können unsere Grenzen nicht schützen, ist eine Kapitulation!“ konterte Weber. „Auch Seegrenzen kann man schützen!“

„Das ist doch Volksverdummung!“ polterte Gabriel. „Wir haben doch gesehen, was in Griechenland passiert, wenn jeden Tag Tausende Schlauchboote in Richtung griechische Inseln geschickt werden! Ich finde, man darf die Deutschen auch nicht hinter die Fichte führen!“

Nüchternste Feststellung

 

„Das Grundproblem ist, dass wir keine Grenzsicherung haben“, stellte der Islamwissenschaftler und IS-Experte Guido Steinberg fest. Er hatte Erdogans Krieg schon im Januar vorausgesagt. Experte Steinberg. „Der Schengen-Raum hat keine Grenzsicherung in der Ägäis!“ erklärte er nun.

„Schluss mit der Erpressung!“ forderte Weber. „Wenn Erdogan uns mit Flüchtlingen droht, dann wird das Konsequenzen für seine Wirtschaft haben!“

Dramatischster Appell

„Ich wäre ja froh, wenn die Welt eine andere wäre!“ sagte Gabriel. „Die Behauptung, wir könnten jetzt mit Härte gegen die Türkei vorgehen und dann schützen wir mal eben unsere Grenzen, das ist doch Unsinn!“

Und dann brachte ein bewährtes Totschlagsargument in Stellung: „Erdogan hat gesagt, was er als nächstes machen wird: Er sagt: ‚Dann werde ich mich eben nuklear bewaffnen!‘ Ich will nicht, dass wir heute hier dicke Backen machen, aber meine Kinder unter einem nuklear bewaffneten Nachbarn Türkei groß werden!“

Schonungslose Analyse

Gleich zu Beginn der Talkshow hatte sich der Ex-Außenminister als führender Vertreter der deutschen Klarsprech-Fraktion bewährt: „Wir haben unsere Interessen als Europäer immer auf amerikanische Flugzeugträger transportiert und gehofft, dass andere die schmutzigen Dinge machen“, erklärte er. „Und wir konnten die Moral hochhalten!“

Schlussfolgerung des Ministers: „Die Lehre aus diesem Konflikt wird sein, dass sich Europa auch um seine unmittelbare Nachbarschaft alleine kümmern muss. Gottseidank nicht immer mit

Militär, aber manchmal vielleicht auch das!“

Denn: „Was ist eigentlich, wenn jemand wie Putin uns anbietet: Lasst uns mal gemeinsam mit europäischen Truppen einen Waffenstillstand absichern? Wir würden alle möglichen Ausreden suchen!“

Deutlichste Warnung

Weber hatte die IS-Kämpfer im Blick, die jetzt frei- und zu uns kommen könnten: „Ich möchte diese Menschen nicht in Deutschland, nicht in Europa haben!“ sagte er.

Gabriel weiß, warum: „Wir haben Angst, dass wir nicht genug Beweismaterial haben, und sie freisprechen müssen!“ erklärte er.

Zahl des Abends

Experte Steinberg berichtete über den harten Kern der IS-Terroristen: „Das sind 20 Männer, die weithin bekannt sind.“

Allerdings könnten die deutschen Behörden jetzt keine Beamten nach Syrien schicken, um die gefangenen IS-Kämpfer dort rauszuholen und hier vor Gericht zu stellen, denn: „Die Kurden würden sie nicht rausgeben. Sie haben schon Anfragen aus Damaskus!“

Heißt: Jetzt kümmern sich nicht deutsche Staatsanwälte, sondern Assads Folterknechte um die Terroristen.

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