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Kriegs-Talk bei Anne Will: Ex-NATO-General Egon Ramms glaubt an den Sieg der Ukraine

„Anne Will: Putin führt Krieg in Europa – wie ist er zu stoppen?“ ARD, Sonntag, 6.März 2022, 22 Uhr.

Die Strategie des Kriegsverbrechers im Kreml wird klar: Städte umstellen und aushungern, bis das Leiden der Zivilbevölkerung die Soldaten zur Kapitulation zwingt. Anne Wills Gäste:

Annalena Baerbock (41, Grüne). Die Außenministerin fordert ohne Wenn und Aber: „Angriffe auf Zivilbevölkerung müssen beendet werden!“

Frans Timmermans (60). Der Vizepräsident der EU-Kommission nennt Putins Aggression „verabscheuungswürdig“. Er kommt aus Brüssel auf den Schirm.

Andrij Jaroslawowytsch Melnyk (47). Der ukrainische Botschafter appelliert verzweifelt an die Bundesregierung, „das Morden von Tausenden Zivilisten durch Raketen und Luftwaffe endlich zu stoppen.“

Alexander Graf Lambsdorff (55, FDP). Der Fraktionsvize fürchtet: „Wir können militärisch nicht eingreifen, ohne den Dritten Weltkrieg zu riskieren.“

Egon Ramms (73). Der NATO-General a.D. ahnt: „Russland kann sich nur noch selber stoppen.

Über Putins mörderische Absichten kann es keine Zweifel mehr geben, aber das Zoff-o-Meter fürchtet Streit um den richtigen Weg zur Rettung der Opfer.

Schlimmste Anschuldigung

Ein ARD-Einspieler zeigt „Tag 11 in Putins Krieg“: Brennende Hochhäuser, ein Vater schluchzt am Leichnam seines Sohnes. Frauen, Kinder und alte Leute auf der Flucht. Präsident Wolodymyr Selenskij warnt: „Litauen, Lettland und Estland werden die nächsten sein, dann Moldawien, Georgien, Polen, bis zur Berliner Mauer…“

Sein harter Vorwurf an die Politiker im Westen: Nach der Verweigerung der erhofften Flugverbotszone würden die Menschen in der Ukraine „auch Ihretwegen sterben“. Die Außenministerin, ins Studio zugeschaltet, ist sichtlich erschüttert: „Natürlich treffen einen solche Worte ins Herz!“

Eindringlichste Warnung

„Dramatische, furchtbare Bilder“, klagt Baerbock. „Väter, die über den Leichen ihrer Kinder trauern, ein Mädchen blutüberströmt auf einer Krankenhausliege, das lässt niemanden kalt. Diese Momente, die einem das Herz zerreißen! Das zerreißt auch mir persönlich das Herz!“

Aber: „Nichtsdestotrotz müssen wir kühlen Kopf bewahren“, fügt die Ministerin beschwörend hinzu. „Eine Flugverbotszone, das klingt richtig und auch defensiv, aber es bedeutet, dass wir mit NATO-Flugzeugen russische Flugzeuge abschießen müssten!“

Realistischste Perspektive

„Damit wären wir als Deutsche direkt in diesen Krieg involviert“, stellt Baerbock fest. „Wir tragen eine Verantwortung für die Menschen in der Ukraine, aber auch für die Millionen Europäer in unseren Ländern. Das sind die Momente, wo man eigentlich nur zwischen Pest und Cholera wählen kann.“

Ihr Credo: „Es ist eine Verantwortung, dass es nicht zu einem Dritten Weltkrieg führt. Ein Überschwappen dieses Krieges auf Polen, auf die baltischen Staaten können wir nicht verantworten.“

Schwierigstes Problem

Zur Bitte der Ukraine um Mehrzweckkampfflugzeuge, Hubschrauber oder U-Boote sagt die Ministerin: „Ja, wir haben gelernt. Wir hätten niemals gedacht, dass das kommen wird. Wir haben uns alle leider getäuscht. Wir wurden von der russischen Regierung belogen. Herr Putin wollte diesen Krieg, koste es, was es wolle.“

„Die ukrainische Armee kann nur Flugzeuge nutzen, die noch des Typs aus der Sowjetunion sind“, erläutert Baerbock dann. „Das haben noch ganz wenige Länder in Europa. Die Polen zum Beispiel. Die Vorbereitungen laufen, wie jetzt Polen diese Flugzeuge liefern könnte, ohne dass sie selber nicht mehr verteidigungsfähig wären.

Wichtigste Ankündigung

Konsequenz, so Baerbock: „Die Polen brauchen dann Ersatzflugzeuge für ihre Armee. Und genau darüber haben wir auch im NATO-Außenministerrat und im EU-Rat gesprochen und sind natürlich im ganz engen Gespräch auch mit den Amerikanern.“

„Das heißt: Ja, wir Deutschen unterstützen auch in diesen Bereichen“, macht die Ministerin unmissverständlich klar. „Aber wir werden nicht alles, was wir planen, öffentlich verkünden können. Auch bei den Raketen, die wir bereitstellen, werden wir nicht sagen können, über welche Wege sie genau geliefert werden.“

Klarste Ansage

Zu den weiteren Waffenwünschen der Ukraine verspricht Baerbock: „Wir schauen uns natürlich jeden Punkt genau an. Wir müssen auch immer gucken, was wir selber haben, was wir über andere beschaffen können und wie wir das Ganze so machen, dass es dann auch schnell zum Einsatz kommen kann.

Zugleich will sie „alle wirtschaftlichen, finanziellen und auch diplomatischen Kanäle dafür nutzen, um den Druck auf das russische Machtzentrum zu erhöhen.“

„Der russische Präsident wertet auch das als Aggression“, fügt sie hinzu, „aber das, was er tut“ – jetzt holt sie tief Luft – „ist Aggression hoch 1000!“

Gretchenfrage des Abends

„Sind Sie dafür, Öl-, Gas- und Kohlelieferungen aus Russland zu boykottieren?“ will die Talkmasterin wissen.

Die Ministerin zuckt zwar nicht mit der Wimper, aber ein Ja kommt auch nicht von ihr: „Ein kompletter Importstopp auf Öl, Gas, Kohle muss auf Monate tragen“, gibt sie stattdessen zu bedenken. „Das muss gut vorbereitet werden.“

„Also wollen Sie das nicht“, vermutet Will.

„Da habe ich nicht gesagt!“, wehrt Baerbock ab. Ebenso wie für weitere Bankenstopps gelte: „Wir bereiten das intensiv vor, damit alle Länder zeitgleich mitziehen und wir das als Welt durchhalten können. Wir müssen das als Weltgemeinschaft gemeinsam tun!“

Enttäuschtester Kommentar

Der Botschafter will die Sorge vor einem Dritten Weltkrieg nicht als Ausrede gelten lassen: „Dieses Argument ist nicht tragbar“, meint er, denn: „Herr Putin hat schon längst damit gedroht!“ Und der mache, soll das wohl heißen, sowieso was er wolle.

„Jetzt muss der Ukraine geholfen werden“, fordert Melnyk, „und zwar mit allem, was man hat.“ Über die militärische Hilfe aus Deutschland klagt er: „Nur eine leere Worthülse. Eine Woche ist vergangen, und wir haben 50.000 Esspakete bekommen für die Armee.“

Dann geht das Zoff-o-Meter los

„Wir tun, was wir können“, beteuert Lambsdorff. „Aber wenn Russland und die NATO in einen Kampf geraten, sind wir an der Schwelle zu einem Atomkrieg!“

„Wenn Putin diesen Krieg will“, wiederholt der Botschafter, „dann wird er auch nach Deutschland kommen, ob Sie das wollen oder nicht.“ Puh!

Ermutigendste Expertise

Ob Kampfjets für die Ukraine das Kriegsgeschehen drehen könnten?“ will die Talkmasterin wissen. „Sie würden eine Rolle spielen“, versichert der General. Auch wenn „Russland sicherlich eine größere Zahl von Jagdflugzeugen dagegensetzen“ könne.

Aber, so der alte Haudegen weiter: „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Ukraine, das Volk und die Streitkräfte, diesen Krieg gewinnen können. Ich glaube, dass Russland den Kampfeswillen und die Moral der ukrainischen Bevölkerung und der ukrainischen Soldaten völlig falsch einschätzt.“ Rumms!

Der Botschafter assistiert mit Erfolgsmeldungen: In nur zehn Tagen hätten die Russen 280 Panzer und 60 Kampfhubschrauber verloren – fast so viele wie in Afghanistan in zehn Jahren!

Erschütterndste Erkenntnis

Der Krieg kann von der Bevölkerung in der Ukraine weitergeführt werden, wenn die Streitkräfte im Prinzip keine Kampfhandlungen mehr machen“, prophezeit der General, „und das ist das, was ich erwarte.“ Uff! Partisanenkrieg!

Der nächste ARD-Einspieler rechnet vor, dass Europas Verbraucher für russische Energielieferungen eine Milliarde Euro zahlen – am Tag! Danach folgt ein Zitat des polnischen Ministerpräsidenten: „Heute muss man sagen, dass durch diese Rohre auch das Blut unschuldiger Menschen fließt.“

Jämmerlichste Reaktion

Auf seinem Monitor erscheint der EU-Vize Timmermans und schlägt als Maßnahme gegen Putins Krieg allen Ernstes vor: „Ich würde sagen, dass wir unsere Energiewende beschleunigen, damit wir unabhängig werden vom russischen Gas und Öl.“ Wie bitte? Das ist jetzt für ihn das Gebot der Stunde?

„Da dauert eine Weile“, gibt der Brüssel-Bürokrat im warmen Sessel zu. „Das können wir nicht über Nacht machen. Aber wir werden eine Mitteilung für den nächsten europäischen Gipfel verbreiten.“ Ach so. Halleluja!

Härteste Abrechnung

„Eine Milliarde Euro pro Tag, das sind 365 Milliarden pro Jahr, damit sind sechs Jahre Militär für Russland finanziert“, rechnet der Botschafter aus. Tatsächlich könne ein Boykott Putin dazu bringen, seine Aggressionspolitik zu überdenken.

„Was ist aus Deutschland geworden, aus dieser großartigen Nation?“ fragt Melnyk dann und hebt die Hände. „Man hat immer Angst. Angst ist jetzt der Hauptratgeber. Atomkrieg? Nichts tun, um ihn zu riskieren! Energieimportstopp? Sozialer Frieden ist gefährdet! Es kann doch nicht sein, dass man wie ein Kaninchen vor dieser Schlange steht!“

Erbärmlichster Schwurbelanfall

„Seit zwanzig Jahren diskutieren wir darüber, dass wir die Abhängigkeit von einzelnen Energielieferanten reduzieren müssen“, doziert Lambsdorff. „Die ernsthafte Betreibung der Energiewende ist genauso wichtig wie die Diversifizierung der Energiequellen!“ Wie jetzt, Energiewende? Zukunftsmusik unter Kanonendonner?

Timmermans kann es noch besser, schließlich ist er in Brüssel Klimaschutzkommissar und will jetzt die Wasser des Krieges auf seine neuen politischen Mühlen lenken. „Wir müssen viel mehr machen mit Photovoltaik!“, schwärmt er. „Wasserstoff schnell entwickeln! Biomethan sehr schnell entwickeln!“

Was ist denn hier los? In der Ukraine sterben die Kinder, und hier parlieren Erwachsene über die Jahre 2030 ff.? Hilfe!

Letztes Gefecht

„Als ich Kommandeur der Luftlandebrigade 1 in Singen war, hatte ich 1200 Kampfpanzer in meinem Depot stehen“, erinnert sich der General zum Schluss. „Damals wäre es überhaupt kein Problem gewesen, 500 an die Ukraine abzugeben. Heute haben wir 286 Panzer in der gesamten Bundeswehr.“ Amen…

Fazit

Verzweifelte Hilferufe des tapferen Botschafters, einleuchtende Expertisen des erfahrenen Militärs, aber auch absolut deplazierte Vorteilssuche und ideologisches Nutzgewinnstreben aus dem Brüsseler Bürokratenbiotop. Das war eine Talkshow der Kategorie „Kriegswirren“.

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