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Krawall-Talk bei Maybrit Illner: Sascha Lobos Attacke gegen BILD

„Maybrit Illner: Worte, Wut, Widerspruch – Hass verbieten, Meinung aushalten?“ ZDF, Donnerstag, 14.November, 22.15 Uhr.

Riesenzoff um Hass im Netz! In der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ machte sich der Blogger und Kolumnist („Spiegel“) Sascha Lobo selbst zum Paradebeispiel für genau jene gefährliche Unsitte, die er zu bekämpfen vorgibt.

Unterschied: Was sich der Mann mit der leuchtend roten Irokesenfrisur selbst erlaubt, will er anderen verbieten.

Erst wird gepöbelt, dann gedroht, dann … Das Internet wird zur Dauerquelle schlimmster Gewaltfantasien vor allem gegen Frauen.

Die Gäste  kamen alle mit der Kraft der klaren Kante, und Talkmasterin Illner hält sich nicht mit Vorreden auf: „Wie leben Sie mit der Drohung, hingerichtet zu werden?“ fragt sie den Grünen-Politiker Cem Özdemir, der immer wieder Opfer von rechtsextremistischen Morddrohungen wird.

Zum Start ein cooles  Statement

Doch Özdemir ist viel zu klug, nur als Hater-Opfer punkten zu wollen: „Jetzt redet man über mich, aber ich finde, man sollte viel mehr über die Leute reden, die nicht vom BKA begleitet werden wie ich“, antwortete er.

„Denken Sie an die Kommunalpolitiker, an die ganzen Leute in der Zivilgesellschaft!“ riet er und verdiente sich den ersten Beifall.

Stärkstes Bekenntnis

Auch der Pianist Igor Levit, der „Siebeneinhalb Takte Mozart (gegen den Hass)“ twitterte, scheute das billige Ranschmeißen: „Ich fühle mich nicht bedroht, sondern verpflichtet“, sagt er über die Hass-Posts.

Und zwar „verpflichtet, für dieses Land, für diese Demokratie, für Frauenrechte, für Juden, für Moslems, für alle Minderheiten und für alle, die es brauchen, mit allen demokratischen Mitteln zu kämpfen!“

Dann geht schon der Zoff los

Netzexperte Lobo attackierte die BILD-Zeitung wegen eines Berichts über einen Kindergarten in Leipzig, der kein Schweinefleisch mehr anbietet: „Auch wenn der Artikel selbst nicht unbedingt Hetze ist, ist die Reaktion darauf in den sozialen Medine erwartbar Hetze!

Kühlster Konter

Der BILD-Journalist Ralf Schuler ließ sich das nicht gefallen. Der Chef des BILD-Parlamentsbüros steht für ein Blatt, das von der deutschen Linken erbittert bekämpft wird, seit es nach dem Mauerbau verstärkt für die Wiedervereinigung eintrat. Jetzt erinnert an die berühmten Versuche des russischen Verhaltensforschers Pawlow, der die Reflexe von Hunden bei der Erwartung eines saftigen Bissens untersuchte: „Wenn Pawlow heute seine Experimente mit dem Wort BILD machen würde, würde Lobo anfangen zu bellen!“ sagte er.

„Ich bin mehr ein Katzenmensch“, parierte Lobo etwas lahm.

Deutlichste Warnung

„Ich würde keine Unterschiede machen zwischen linkem Hass, rechtem Hass und misogynem Hass“, betonte Schuler. „Sonst enden wir bei Aufsätzen, wie sie auf dem Portal des Deutschlandfunks standen: Hassen ja, aber die Richtigen!“

Seine Befürchtung: „Wenn wir so anfangen, dann setzen wir eine Spirale in Gang, die am Ende jedem die Berechtigung gibt, seiner subjektiven Wahrnehmung mit Gewalt Nachdruck zu verleihen.“

Schlimmste Provokation

Lobo hatte dafür nur Spott: „Fast zwei Leute (haben) geklatscht, fast symptomatisch, wie ich finde.“ Seine Meinung: „Wenn man das Wort ‚Hass‘ gezielt gegen Nazis einsetzt, die Menschen ermorden wollen, ist es gut aufgehoben!“

Lobo ist ebenfalls Zielscheibe: „Jemand schrieb mir, er werde Blutpolka mit mir tanzen!“ Schuler dagegen wollte das böse Hass-Gefühl am liebsten ganz aus der demokratischen Diskussion verbannen. Lobos gehässige Frage: „Sie lieben Nazis?“

„Ich würde einfach niemanden hassen“, antwortete Schuler. „Hassen kann einfach nicht eine Grundlage…“

Doch Lobo unterbrach den BILD-Mann sofort: „Dann sind Sie bei der falschesten Zeitung der Welt!“

Härteste Attacke

Pianist Levit hatte getwittert: „Die AfD besteht aus Menschen, die ihr Menschsein verwirkt haben.“ Schuler griff ihn dafür frontal an: „Damit schießen Sie sich aus jedem humanen Diskurs heraus!“

Levit wehrte sich mit einem Hinweis auf einen AfD-Politiker, der 2015 fälschlicherweise behauptet habe, in seinem Wahlkreis sei ein Mädchen von einem afghanischen Flüchtling vergewaltigt worden. Damit habe der AfD-Mann „seine Ehre als Mensch verwirkt“.

Diplomatischster Zwischenruf

Özdemir wurde das nun doch zu viel, und er zitierte Martin Luther King, der sinngemäß gesagt habe: Ich habe in meinem Leben zu viel Hass gesehen, als dass ich selber hassen könnte.

„Inosofern will ich mich daran nicht beteiligen“, sagte der Grüne über die heftige Debatte. Sein Appell: „Es ist wichtig, dass wir uns in den Methoden, in der Art, wie wir reden, wie wir kommunizieren, von denen unterscheiden, die uns bekämpfen wollen!

Wichtigster Hinweis

„Wir könnten uns viele Gesetze sparen, wenn mehr Empathie da wäre“, sagte die CSU-Politikerin Dorothee Bär. Die Staatsministerin für Digitalisierung, auch selbst schon übelst beschimpft, ist grundsätzlich der Auffassung, man dürfe „das Netz nicht den Hatern überlassen“. Sie lobte auch die neuen Strafen für die miesen Typen, die unter die Röcke oder in die Rettungswagen an den Unfallstellen fotografieren.

Interessantester Aspekt

Meinungsfreiheit ist eben keine Einbahnstraße!“ sagte Experte Buermeyer. Zu den bösartigen Gewaltfantasien im Netz vor allem gegen Frauen wie die Grüne-Abgeordnete Renate Künast stellte er fest: „Die Billigung einer fiktiven Straftat ist bisher nicht strafbar. Da müsste man nachsteuern.“

„Wir brauchen einen stärkeren Zugriff“, bestätigte die CSU-Politikerin, und zwar „auf europäischer Ebene, damit man stärker gegen die großen Plattformen vorgehen kann.“ Den Holocaust zu leugnen sei in Deutschland strafbar, in Amerika aber nicht.

Schärfster Wortwechsel

Lobo bestand darauf, dass „zur liberalen Demokratie nicht nur das Aushalten“ anderer Meinungen gehört, „sondern auch das Grenzen ziehen“.

Illner erprobte das gleich mal konkret am Beispiel des AfD-Gründers, der in Hamburg aus seinem Hörsaal gemobbt wurde: „Soll man Bernd Lucke als Nazisau beschimpfen?

Und wieder kracht’s!

„Ich wurde auch schon mal als Nazisau beschimpft“, behauptete Lobo. „Ich finde diese Frage müßig!“ Lucke müsse es „als Mitgründer einer faschistoiden Partei“ aushalten, „dass man ihm das ins Gesicht sagt.“

BILD-Schuler hakte sofort nach: „War das ein Ja?“

Jetzt wirkte der Netzexperte, der stets reichlich austeilt, plötzlich dünnhäutig: „Bitte unterbrechen Sie mich nicht!“

„Ujujuj!“ machte Illner amüsiert.

Lobo wurde immer hitziger: „Die Diskussion, ob es richtig ist, diesen Hörsaal zu besetzen, möchte ich gar nicht führen!“ sagte er.

„Wir aber schon!“ erwiderte Illner.

Da wurde Lobo mucksch: „Das ist nichts, was mich interessiert!“

Doch Illner blieb trotzdem dran: „Gut! Aber uns interessiert es, und deshalb habe ich die Frage gestellt.“ Rumms!

Überraschendster Streit

Levit wollte Lobo, den er „Sascha“ nennt, zu Hilfe eilen: „Rassismus ist keine Meinung, er ist eine Einstellung!“ sagte der Pianist.

Doch Lobo war so in Fahrt, dass er jetzt auch den Duzbruder zurechtwies: „Wir machen es uns etwas zu leicht, wenn wir einfach sagen, nee, das ist keine Meinung, dass ist eine Einstellung. Ich glaube dass wir eine bestimmte Form der Meinungsregulierung brauchen!“

Bitterste Beschwerde

„Vielen geht es oft nicht darum, was gesagt wird, sondern wer es sagt“, stellte Bär fest. „Wenn man sich als CSU-Frau für Frauenrechte einsetzt, sagen ganz viele linke Frauen, das geht nicht, weil, du bist in der CSU!“

Und: „Man hat nicht die Möglichkeit, auf bestimmten Veranstaltungen zu sprechen, weil da nur Frauen aus dem anderen Spektrum eingeladen sind!“

Ungewöhnlichste Beispiele

BILD-Schuler griff Lobos Wort „Meinungsregulierung“ auf: „Ich bin zusammengezuckt! Aber weil ich heute ja nicht konfrontativ drauf bin, sondern konstruktiv: Man muss sich hin und wieder überwinden und sich mit Leuten zusammensetzen, deren Meinung man überhaupt nicht teilt.“

Dieter Nuhr wird plötzlich als Verfechter der neuen Rechten dargestellt, weil er Witze über Greta macht“, erläuterte der Journalist seinen Standpunkt. „Barbara Schöneberger muss sich dafür rechtfertigen, dass sie keine geschminkten Männer mag!“

Schönstes Schlusswort

„Streit in der Sache ist in Ordnung“ sagte Bär, „aber nicht, ins Persönliche zu gehen. Wenn man immer noch jeden Tag in den Spiegel schauen kann, ist es das Beste.“

Hohe Wogen, wenig Öl, die Stimmen der Vernunft hatten es schwer, Talkdompteuse Illner hielt die Streithähne nur mit Mühe unter Kontrolle. Das war starker Tobak!

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