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Klima-Zoff bei Plasberg: Neue Abwehrschlacht gegen die Atomkraft

„Hart aber fair: Kranke Wälder, überflutete Täler: Wird jetzt ernst gemacht beim Klimaschutz?“ ARD, Montag, 1.November 2021, 21.15 Uhr.

In Glasgow ziehen Politiker die großen Linien, an der Ahr zeigt ein Förster seine kleine Welt und in „Hart aber fair“ fragt Frank Plasberg interessante Gäste.

Peter Wohlleben (57). Der Förster und Buchautor („Das geheime Leben der Bäume“) verhöhnte nach der Wahl seine Ministerin: „Julia Klöckner ist soeben entlassen worden – Wald und Tiere atmen auf.“

Anne Spiegel (40, Grüne). Die Mainzer Umweltministerin meint: „Extremwetter wie die Flutkatastrophe haben gezeigt, wie wichtig schnelles Handeln ist.“

Sebastian Lachmann (35). Der Industriekaufmann beim Cottbuser Bergbau- und Kraftwerksbetreiber LEAG fordert: „Wir brauchen nicht immer neue und radikalere Ziele, sondern endlich Pläne, auf die Verlass ist!

Carla Reemtsma (23). Die Klima-Aktivistin („Fridays for Future“) forderte vor fünf Tagen bei „Markus Lanz“ eine „Radikalisierung der Aktionsformen“ ihrer Truppe.

Dorothea Siems (58). Die Wirtschaftsjournalistin (WELT) warnt: „Der CO2-Ausstoß nimmt weltweit dramatisch zu. Es macht also wenig Sinn, wenn wir nur auf uns schauen.

Beim Klima ist die Liste immer prima: Mehr Frauen als Männer, und Ü60 ist nur noch der Talkmaster selbst.

Streitbarste Starthelfer

Schon bevor die Diskussion beginnt, kriegen sich in einem ARD-Einspieler zwei Waldexperten in die Wolle: Forstwirt Christoph Abs preist sein Bauholz als nachhaltig, denn die Transportwege seien kurz und die früheren Lieferländer wollten ihre Wälder inzwischen lieber behalten.

Wohlleben wiederum wettert: „Ich finde es total irre, dass die Lösung im Kampf gegen den Klimawandel sein soll, mehr Bäume abzuholzen!“ Der Förster lässt seinen Wald drauflos wachsen und verdient lieber an Naturfreunden, die er an seiner „Waldakademie“ zu „Waldführern“ ausbildet. Klingt nach Unentschieden!

Erschütterndstes Dokument

Dann zeigt Wohlleben ein Handyvideo vom Tag der Flut: Ungeheure Wassermassen strömen durch seinen Bergwald ins Ahrtal. „Solche Regenfälle habe ich noch nie erlebt“, meldet er sichtlich erschrocken.

Die katastrophalen Folgen zeigen Fernsehbilder aus dem kleinen Ort Schuld. Eine Hausbesitzerin schildert dem Förster die verheerenden Schäden und sagt tapfer: „Wir wollen hierbleiben!“

Alarmierendste Prophezeiung

Aktivistin Reemtsma leitet das böse Wasser auf ihre politischen Mühlen: Die Ahr-Flut zeige, „dass wir jetzt konsequente Klimaschutzmaßnahmen treffen müssen, um noch viel, viel mehr solche Schicksale zu vermeiden“, erklärt sie.

Denn, so die Studentin: „Die Welt wird heißer. Wir erleben mehr Klimakatastrophen. Unwetter, Hochwasser, Ernteausfälle. Es wird noch viel dramatischer!“

Elegantestes Ausweichmanöver

Plasberg wirkt nicht recht überzeugt. Die Hausbesitzerin aus Schuld könne im Kampf gegen den Klimawandel doch kaum etwas beitragen, meint er. Denn für Solarzellen sei ihr Dach zu klein und für die Fahrt zur Arbeit in Köln das Auto mit Verbrennermotor unentbehrlich. Seine Frage: „Was sollen diese Menschen machen?“

Die flinke Antwort der Aktivistin: „Das ist ja das Problem, dass wir so oft versuchen, die Klimakrise und die Last der Eindämmung der Klimakrise und der Emissionsreduktion auf die einzelnen Bürgerinnen und Bürger auszulagern. Und das ist einfach absurd. Wir brauchen konsequente politische Maßnahmen!“

Bürokratischste Info

Reemtsmas Forderungen: „Autobahnbaustopp. Früherer Kohleausstieg. Verhindern eines Gaseinstiegs. Streichen von fossilen Subventionen.“ Uff! Im Ahrtal geht es jetzt erst mal um Straßen, Brücken, Heizungen, Strom.

Die Ministerin ist da deutlich näher dran: Der Wiederaufbau werde „Monate und Jahre brauchen“, sagt sie voraus. Ihr Beitrag dazu, durchaus nicht geringzuschätzen: das „neue vorläufige Überschwemmungsgebiet“, nach dem Bundeswasserschutz ausgewiesen, gebe einen Rahmen für Bauverbote und Auflagen.

Berechtigtster Einwand

Der Klimawandel ist weltweit keineswegs ein so großes Thema wie in Deutschland“, stellt die WELT-Journalistin fest. „Mit dem Kohleausstieg sind wir schneller als die meisten Länder.“

Aber, so ihre Kritik: „Wir haben uns einen Atomausstieg geleistet. Das wird von Klimaforschern sehr unterschiedlich gesehen, weil das etwas ist, was uns erst mal wieder zurückgeworfen hat.“

Fundierteste Analyse

„Wenn wir die Kohle abschalten wollen, können wir das gerne auch heute machen, aber dann wird die Sendung heute nicht mehr stattfinden“, unkt der Experte aus der Lausitz.

Am meisten ärgert Lachmann der politische Überbietungswettbewerb um einen früheren Kohleausstieg: „Was wir immer wieder hören, ist eine neue Sau durchs Dorf zu treiben!“ schimpft er. Noch sei Deutschland dafür weder beim Energiespeichern noch in der Wasserstoffwirtschaft bereit.

Dann geht der Zoff so richtig los

Der Lausitzer sticht wacker ins Wespennest: „Die Politik hat das Thema vor der Wahl aufgegriffen“, meint er zur Flutkatastrophe, „und gesagt, alles auf den Klimawandel zu schieben…“

Oha! „Das ist wissenschaftlich nachgewiesen!“ empört sich Reemtsma.

Erst mal war es Wetter und nicht Klima“, behauptet Lachmann ungerührt.

Moralisierendste Frage

Im nächsten Einspieler sagen Klimaforscher deutlich mehr Flussüberschwemmungen, Ernteausfälle, Waldbrände oder Hitzewellen voraus. Plasberg pliert den Mann aus der Lausitz an: „Wie gehen Sie mit dieser Prognose für die Zukunft Ihrer Kinder um?“

Lachmann möchte erst noch was zur Frage Wetter oder Klima sagen, doch der Talkmaster duldet keinen Aufschub  die sorgsam ausgetüftelte Moralinfrage: „Bleiben Sie doch erst mal bei dem Film!“ mahnt er.

Der Lausitzer lässt sich trotzdem nicht auf die Anklagebank setzen: „Wir konzentrieren uns sehr stark auf den Klimaschutz“, antwortet er, „aber wir müssen auch schauen: Was machen wir denn für die Klimaanpassung?“ Passt!

Exklusivste Empfehlung

„Wir schauen immer nur auf die CO2-Bilanz“, bemängelt der Förster, in seinem Dreiteiler eher eine Art Landedelmann, „dabei haben Wälder eine ganz andere Funktion. Das kann jeder in seinem Garten ausprobieren!“

Und wie? „Stellen Sie an einem heißen Sommertag bei 40 Grad einen Sonnenschirm auf und setzen Sie sich drunter“, schlägt Wohlleben vor. „Und dann mal vergleichsweise unter einen alten Baum. Sie spüren auf der Haut, dass das kühler ist.“ Ja was!

Seine frohe Botschaft: „Sie können Ihren eigenen Garten schon um ein, zwei Grad runterkühlen.“ Halleluja!

Persönlichste Enttäuschung

„Eine frisch gepflanzte Aufforstung gast in den ersten Jahrzehnten aus dem Boden mehr CO2 aus, als die neu gepflanzten Bäume aufnehmen“, teilt Wohlleben dann der verblüfften Runde mit.

Plasberg kann es nicht fassen. „Bei mir in der Familie, wir haben zum Geburtstag in der Eifel 104 Bäume gepflanzt“, stammelt er konsterniert. „Gut, es wurde auch ein Bier dabei getrunken, aber wir haben gedacht, wir tun was Gutes. Ich bin frustriert!“

Trickreichste Einspieler

Im nächsten Video geht es um den deutschen Anteil am Weltklima. „Der CO2-Ausstoß liegt nur bei zwei Prozent“, heißt es darin. Zum Vergleich: „China mehr als 30 Prozent, USA knapp 13 Prozent.“

Aber, so die schlaue Info-Kurve: „Rechnet man den CO2-Ausstoß auf die Einwohner um, sieht es schlecht aus. Mit acht Tonnen pro Kopf verursacht jeder Mensch in Deutschland viel mehr als der globale Durchschnitt.“

Klügster Konter

Der Talkmaster rät den Deutschen prompt, „sich mal ehrlich zu machen und in den Spiegel zu gucken“.

Doch die WELT-Journalistin lässt ihm rasch die heiße Luft aus dem Faktenballon: „Wir sind ein Industrieland“, erklärt sie so schlicht wie wahr. Und: Frankreich etwa „hat eben zu siebzig Prozent CO2-freien Atomstrom!“

Wütendste Anklage

Lachmann erklärt den beiden Umweltpolitikerinnen technische Zusammenhänge: „Sie wollen 2030 aus der Kohle raus, aber wir sind aktuell noch zur Hälfte konventionell im Netz. Das heißt, wir brauchen Alternativen.“

Reemtsma fuchtelt empört mit den Händen: Ihr stinkt Lachmanns Gag mit dem Abschalten der Sendung noch immer. „Wenn Sie jetzt mit Schauergeschichten vom Blackout versuchen, von Klimaschutzbemühungen abzulenken“, blafft sie den Experten an, „dann machen Sie kein Plädoyer für einen gerechten Strukturwandel in der Lausitz!“

Uff – Angriff ist die beste Verteidigung, das lernt sich schon im Kindergarten.

Überfälligste Idee

Die WELT-Journalistin wagt noch einmal einen Vorstoß ins Verstrahlte: „Lassen wir doch einfach mal die sechs Atomkraftwerke länger laufen! Dann kann man mit der Kohle 2030 draußen sein!“

Höhnisches Lachen bei Grün und FFF! Plasberg hakt trotzdem nach: „Wie verlogen ist es, wenn wir sagen, wir sind raus, aber kaufen den Atomstrom bei den Nachbarn?“ Seine direkte Frage an die Ministerin: „Ist das so, dass man darüber lachen kann, Frau Spiegel?“

Verräterischste Ausrede

„Es war ein eher verzweifeltes Lachen“, erwidert die grüne Ministerin, „weil, ich bin damals, weil ich mich gegen die Atomenergie entschieden wehre, überhaupt erst in die Politik gegangen.“

Hm – warum sollen eigentlich immer nur die anderen dazulernen, nur die Grünen nicht? „Wir müssen in Deutschland dafür sorgen, dass Atomenergie für immer der Vergangenheit angehört“, fügt Spiegel trotzig hinzu.

Ihre Sorgen: Gefährliche Technik, ungelöste Endlagerung, und, so die Ministerin: Auch international müsse jetzt der Ausstieg vorbereitet werden. Hm – in China? Russland? USA?

Gretchenfrage des Abends

Plasberg lässt sich nicht abschütteln: „Sind die Franzosen blind?“ höhnt er mit sichtlichem Behagen. „Haben wir andere Erkenntnisse?“

In der EU gebe es einen Durchbruch für die Atomkraft, assistiert die Journalistin.

„Da sage ich als Klimaschutzministerin ganz klar Nein!“ regt sich Spiegel auf, „und habe mich auch so positioniert.“ Basta!

Stolzeste Erinnerung

Auch die FFF-Aktivistin weiß etwas beizusteuern: „Tatsächlich war eine Anti-AKW-Demo meine erste“, berichtet sie.

„Wie alt waren Sie da?“ will Plasberg wissen.

Antwort: „Zwölf.“

Klügstes Schlusswort

„Wir können nicht immer nur emotional aufgeladen dieses ganze Thema diskutieren“, fasst Lachmann die Debatte zusammen. „Wir müssen uns auch mal an die Realität halten, an die Physik, und diesen Diskurs von allen Wissenschaftlern führen lassen – nicht nur immer der einen Sparte.“

Denn, so der Lausitzer: „Mir ist das immer zu viel Meinung. Was wir nicht wollen, ist, dass wir nicht mehr diesen Lebensstandard haben, nicht mehr diese Industrienation sind, die diesen Wohlstand geschaffen hat.“ Amen!

Fazit

Wohlfeile Sprüche, platte Parolen, fossile Argumente: Das war ein Talk der Kategorie „Je grüner das Holz, je dicker der Qualm“.

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