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Klima-Talk bei „Hart aber Fair“: Hannes Jaenicke blamiert sich bei Plasberg mit Windräder-Doppelmoral

„Hart aber Fair: „Auf dünnem Eis – wie viel Zeit lässt uns der Klimawandel noch?“ ARD, Montag, 16.November 2020, 22 Uhr.

Der ARD-Talkmaster Frank Plasberg hat den Schauspieler und Dokumentarfilmer Hannes Jaenicke in seiner Sendung „Hart aber Fair“ am Montag nach Kräften lächerlich gemacht.

Nach dem Jaenicke sich mit feurigen Worten für den Ausbau der Windenergie eingesetzt hatte, blendete der Moderator ein Bild ein, das den Mimen mit einem Protestschild gegen neue Windräder zeigte. Die Talkrunde zeigte sich sehr, der Schauspieler umso weniger amüsiert..

Deutschland leidet am Virus, und doch ist Corona nicht für alle das größte Problem! In „Hart aber Fair“ sprach Plasberg mit wohlinformierten Gästen:

Der Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) warnte: „Wenn wir den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen wollen, müssen wir auch die Menschen mitnehmen. Verbote und radikale Einschnitte sind der falsche Weg!“

Die Meeresforscherin Prof. Antje Boetius schlug Alarm: „Das Eis in der Arktis schmilzt rasend. Das wird das Klima dramatisch verändern, wenn die Politik und wir alle nicht handeln!“

Die Politikstudentin Carla Reemtsma von „Fridays for Future“ schimpft: „Die Zeit für verwässerte Kompromisse ist vorbei! Es fehlt der politische Wille!

Der Zementunternehmer Dirk Spenner mahnte: „Eine effiziente Wirtschaft und sozialer Frieden sind genauso wichtig!“

Jaenicke erklärte, etwas für das Klima zu tun heiße „auch unseren Wohlstand und unseren Konsum in Frage zu stellen wie dicke Autos und Billigflüge!“

Dramatisches Thema, meinungsstarke Experten, drastische Ansagen. Die emotionalste Warnung formulierte die Meeresforscherin: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir tatsächlich die letzte Generation sein, die eine immer eisbedeckte Arktis im Sommer sieht“, sorgte sie sich.

Ihre schlimmste Befürchtung: „Besonders das arktische Eis gilt auch als ein Kipppunkt“ – mit der Gefahr einer bergrutschartigen Beschleunigung der Katastrophe.

Solideste Bewertungen

„Das sind beängstigende Informationen“, gab Brinkmann zu. „Mit der Natur kann man nicht verhandeln.“ Aber: „Wir werden jetzt Holzbauprogramme machen, weil Holz ein Stoff ist, der im Kampf gegen den Klimawandel etwas nachhaltiger ist als Beton. Das ist nicht gut für Herrn Spenner…“

„Solange wir Beton brauchen, und das brauchen wir noch lange, wird es nicht vermeidbar sein, dass wir CO2 emittieren“, konterte der Unternehmer. „Was aber nicht heißt, dass wir nicht Mittel finden, um das zu neutralisieren und unschädlich zu machen.“

Kritischste Einschätzungen

„Wir erleben eine Politik, die sehr viel über Ziele spricht“, stellte Aktivistin Reemtsma fest. „Aber da muss man sich klarmachen, dass Klimaziele zu verabschieden noch längst keine Klimapolitik ist.“

Corona ist im Vergleich zu dem, was auf uns zukommt in den nächsten 30, 40 Jahren, ehrlich gesagt der berühmte Klacks!“ urteilte Jaenicke noch härter. „Es wird gelabert und gelabert, aber es passiert nix!“

Überzeugendste Gegenbeispiele

„Sie können gerne sagen, dass wir nicht genug gemacht haben“, wehrte sich Brinkhaus. „Aber das gar nichts gemacht wird, das können wir so nicht stehen lassen!“

Denn, so der Fraktionschef: „Wir sind im Bereich erneuerbare Energien unter den Top 3 der Welt. Wir haben das ambitionierteste Investitionsprogramm für Eisenbahn und Nahverkehr. Wir fördern mit viel Geld Elektromobilität…“

„Frau Merkel hat von einer Million Elektroautos in 2020 gesprochen“, wetterte Jaenicke ungerührt. „Aber das meistverkaufte Auto in Deutschland ist der SUV! Wir subventionieren mit Milliarden Firmenwägen, die absolut umweltschädlich sind!“

„Wir fahren einen Hybrid zu Hause“, verteidigte sich Brinkmann. „Sogar zwei!“

„Zwei Hybrid sind nicht besser als ein Hybrid“, spottete die Meeresforscherin. Stimmt: Besser wäre nach dieser Rechnung natürlich nur null Hybrid.

Dem Klima ist es egal, ob wir Optimisten oder Pessimisten sind!“ schob die Professorin noch hinterher.

Horrorzahlen des Abends

Die Studentin drehte den Talk wieder auf ernst: „Jedes Zehntelgrad Erwärmung bedeutet Hunderte Millionen Lebensgrundlagen, die zerstört werden!“ mahnte sie. „Es geht nicht nur um den Eisbär!“

„Zehn Prozent der über sieben Milliarden Menschen leben in hundert Metern um die Küsten, nicht von Deichen geschützt“, assistierte die Professorin. „Der Meeresspiegel steigt und steigt!“

Ihre schlimmste Sorge: „Wenn sich die großen Landeismassen der Antarktis und auch von Grönland in Bewegung setzen, und das tun sie zunehmend, dann haben wir vielleicht sogar mehr als den einen Meter Anstieg bis zum Ende des Jahrhunderts!“

Ungewöhnlichster Aspekt

Plasberg zeigte eine Untersuchung, nach der die durchschnittliche Wohnfläche pro Person von 22 Quadratmetern im Jahr 1965 auf heute 45 Quadratmeter stieg.

„Diesen Zuwachs umzukehren wäre ein starker Hebel zur Emissionsminderung, schreiben Experten in der Studie von ‚Fridays for Future‘ dazu“, hielt der Talkmaster der Aktivistin vor. „Die ARD fragt diese Woche: Wie wollen leben? Ist Ihre Antwort darauf: Enger?“

Wirksamste Blitzableiter

„Die Studie ist nicht direkt von ‚Fridays for Future‘“, verteidigte sich Reemtsma. „Wir haben nicht 14-, 15- und 16-jährige hingesetzt und eine Studie schreiben lassen!“ Sondern das hätten „Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen“ getan.

Aber, das musste die Aktivistin denn doch zugeben: „Auch das ist einer von den Bereichen, in denen wir ansetzen müssen.“

Spenner nutzte die Gelegenheit zu einer Attacke: „Sie tun sich schwer, jetzt zu sagen: Leute, lebt wieder auf der halben Wohnfläche!“ sagte er zu der Aktivistin.

Sich selbst wollte der Unternehmer sich mit einem ziemlich weit hergeholten Argument aus der Patsche helfen: „Mehr als die Hälfte des Baustoffes Zement und Beton wird seit zehn Jahren in China produziert und verbraucht!“

Blauäugigster Vorstoß

„Man könnte die Plastikkrise unglaublich einfach lösen“, behauptete Jaenicke. „Deutschland verballert pro Stunde 380.000 Coffee-to-Go-Becher. Pro Jahr 17 Milliarden PET-Flaschen. Es landen jedes Jahr 15 Millionen Tonnen Plastik im Meer. Das wäre doch mal eine Baustelle, die könnte man so“ – er schnippt mit den Fingern – „beheben.“

Ob das wirklich so einfach wäre? Die anderen Gäste halten sich merklich zurück.

Unerschrockenster Kommentar

Danach schob der Talkmaster seine Show mit dem berühmten „Nackensteak-Zitat“ weiter an. Im Januar hatte Brinkhaus gesagt: „Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die Leute vertrete, die mit einem Verbrennungsmotor unterwegs sind, Nackensteak essen und fleißig sind. Diese Leute sind das Rückgrat unserer Gesellschaft.“

Von Plasberg ließ sich der Fraktionschef jetzt nicht ins Bockshorn jagen: „Das ist der Kernfehler, den wir bei dieser ganzen Umweltdiskussion machen können“, konterte er.

Denn, so Brinkhaus: „Wenn wir sagen, es gibt die Guten, die es kapiert haben, und die Blöden, die es nicht kapieren, dann haben wir verloren. Wer sind wir, dass wir uns über diese Menschen erheben?“

Exemplarischster Dialog

Beim Thema „Erneuerbare Energien“ dachte der Fraktionschef an seine Leute: „So eine Windkraftanlage ist mittlerweile 200 Meter hoch“, erklärte er. „Das ist höher als der Kölner Dom. Und wenn Sie in Ihrem Dorf wohnen, und Sie kriegen drei, vier, fünf von diesen Türmen hingestellt, dann ist das natürlich eine Belastung!“

Die Meeresbiologin dachte eher ihre Ozeane: „Es ist aber auch eine Belastung, wenn die Korallenriffe sterben, weltweit“, entgegnete sie.

Blamage des Abends

Jaenecke wollte die Windkraftgegner lächerlich machen: „All diese Leute, die meckern, wollen doch auch die Heizung hochdrehen“, spottete er. „Die wollen Netflix gucken, und googeln! Ich kann doch nicht mit einem ‚Windkraft tötet‘-Schild vor dem Landgericht Potsdam rumtapern, aber dann die Glotze laufen lassen…

„Moment!“ stoppte ihn Plasberg. „Aber das können Sie!“ Und dann zeigte der Talkmaster ein Foto von Jaenicke mit einem Schild, auf dem steht „Waldschutz ist Klimaschutz“. Uff!

„Das habe ich nicht verstanden“, kommentierte der Talkmaster das Bild süffisant. „Wenn Politiker sagen, Windräder brauchen wir, da wollen sie welche bauen, da gibt es Bürgerinitiativen, und da taucht dann der Herr Jaenicke auf und sagt: Kommt gar nicht in die Tüte.“ Rummms!

Peinlichste Ausrede

„Es geht doch darum: Wo baut man die Dinger auf“, wehrte sich Jaenicke. Doch Plasberg machte keine Gefangenen: „Das sagen die Nachbarn auch!“

Daraufhin angelte Jaenicke in ständig wachsender Verzweiflung nach immer neuen Strohhalmen: Bolsonaro in Brasilien, Borkenkäfer, der Hambacher Forst soll weg für Kohle, Fotovoltaik auf Flachdächern, das ganze Land zerfurcht von Autobahnen…

Zum Schluss bettelte der Schauspieler mit einem altbewährtem Attackenziel um rettende Sympathie: „Die CDU/CSU hat die Energiewende radikal ausgebremst!“ O weh…

Schönstes Schlusswort

„Der Pkw-Bestand auf deutschen Straßen muss schrumpfen!“ forderte die Aktivistin schließlich energisch. „Wir haben zu viele Autos!“

SUV-Fan Plasberg wollte ihr „eine Generationenfrage“ stellen: „Haben Sie überhaupt einen Führerschein?“

„Ich habe einen Führerschein“, antwortete Reemtsma, „aber ich bin seit vier Jahren nicht mehr Auto gefahren.“

Fazit: Multiresistente Maßnahmenskeptiker mit halbgaren Argumenten, der Talkmaster mit Abzügen in der B-Note und der Politiker im Finale mit dem meisten KWh: Das war ein Talk der Kategorie „Crashtest“.

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