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Katastrophen-Talk bei Maybrit Illner: Laschets klares Versprechen an die Flutopfer

„Maybrit Illner: Regenflut und Hitzerekorde – schutzlos in der Klimakrise?“ ZDF, Donnerstag, 15.Juli 2021, 22.15 Uhr.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armen Laschet hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag allen Opfern der Jahrhunderflut schnelle und und unbürokratische Hilfe zugesichert.

Wörtlich sagte Laschet: „Ich habe jetzt auch mit Olaf Scholz und der Bundeskanzlerin gesprochen. Wir brauchen eine große nationale Kraftanstrengung, damit schnell die schlimmsten Dinge beseitigt werden!“

Der Starkregen-Tsunami in der Nacht zum Donnerstag riss auch die Sendepläne weg: Statt über Außenpolitik zu theoretisieren, trommelte ZDF-Talkmasterin Maybrit Illner eine schnelle Talktruppe zusammen. Die Gäste:

Armin Laschet, von der Flut-Front in Stolberg bei Aachen zugeschaltet, fordert: „Wir brauchen mehr Tempo beim Klimaschutz!“

Fraktionsvize Andreas Jung (CDU) stellte fest: „Den Klimawandel kann niemand mehr leugnen.“

Die Wirtschaftsforscherin Prof. Claudia Kemfert klagte: „Wir haben wertvolle Jahre verloren.“

Der Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach (SPD) sagte voraus: „Die nächsten zehn Jahre werden für den Klimawandel entscheidend sein.“

Die ZDF-Meteorologin Katja Horneffer prophezeite weitere Starkregen.

Der ARD-Entertainer Eckart von Hirschhausen glaubt: „Die Klimakrise ist menschengemacht, aber wir können etwas ändern.“

Die Journalistin Christiane Hoffmann („Spiegel“) meinte: „Fürs Klima werden alle zahlen müssen.“

Politik, Medien, aber kein Katastrophenschutz, kein THW, keine Bundeswehr. Stattdessen zwei Talkshow-Dauerbrenner ohne jeden Aktualitätsbezug, die vor allem für ihre Bücher werben wollten. Peinlich!

Dramatischste Startvorgabe

„Deutschland hält den Atem an: Tote, Vermisste und eine Spur der Verwüstung!“ meldete die Talkmasterin. Ihre erste Frage geht an Laschet: „Was hat Sie am meisten schockiert?“

Der Ministerpräsident sand im durchnässten Anorak vor blinkendem Blaulicht. „Ich war gestern in Altena“, berichtete er. „Dort hat gestern ein 46-jähriger Feuerwehrmann sein Leben verloren.“

Emotionalste Schilderung

„Er hatte gerade noch einen Menschen gerettet, und dann kam eine Flutwelle, hat ihn mitgerissen“, erzählte Laschet sichtlich betroffen. „Die Kollegen wollten ihm noch helfen, und er ist dann ums Leben gekommen. Sie können sich vorstellen, wie das auf die Feuerwehrleute gewirkt hat, die da ihren Dienst machen.“

Denn, so der Ministerpräsident: „Die denken, sie helfen bei einer Flut, und sind am Ende in ihrem eigenen Leben  gefährdet und verlieren einen ihrer Kameraden. Und in der gleichen Nacht ist noch ein zweiter gestorben, der einen Herzinfarkt erlitten hat.“

Seine Mahnung auch nach einem Besuch der völlig zerstörten Wohnung einer Witwe in Stolberg: „Das hat mich sehr erschüttert. Das Denken an die Opfer ist jetzt genauso wichtig wie die politische Diskussion.“

Klarste Erkenntnis

„Das muss sehr schnell gehen“, sagte der Ministerpräsident zu den staatlichen Hilfen. „Der Bürgermeister hier, ein engagierter junger Sozialdemokrat, hat mir heute geschildert: Wenn wir das jetzt nach dem europäischen Ausschreibeverfahren machen, dann steht hier in fünf Jahren noch nichts!“

Wichtigste Ankündigung

„Wir werden morgen früh zu einer Sondersitzung des Kabinetts zusammenkommen, wo jeder Minister eine Bestandsaufnahme macht“, erklärte Laschet weiter.

Wahlkämpferischste Frage

Illner ließ sich damit aber nicht beruhigen: Immerhin geht es bald an die Urne. „Sie fordern mehr Tempo beim Klimaschutz“, patzte sie den Ministerpräsidenten an. „Wer hat dieses Tempo zuletzt bestimmt, wenn nicht Ihre Partei?“

Cleverster Konter

„Sie hat es mitbestimmt“, antwortete Laschet. „Deshalb hat auch in dieser Wahlperiode eine der größten CO2-einsparenden Maßnahmen begonnen, nämlich der Kohleausstieg. Gerade in dieser Region werden wir schneller, als es geplant war, Kraftwerke schließen.“

„Aber wir müssen jetzt weitermachen“, fügte der Ministerpräsident hinzu, „beim Verkehr, beim Wohnen, bei Gebäudebestand.“

Zum Einsatz von grünem Wasserstoff für die Stahlindustrie hätten, so Laschet, die ersten Versuche begonnen. Das werde einige Zeit brauchen, aber „es ist ja niemandem damit gedient, dass das Stahlwerk abwandert in andere Regionen. Dann wäre unsere Klimabilanz gut, aber das CO2 würde woanders ausgestoßen.“

Naivster Einwand

Die Talkmasterin war damit nicht zufrieden: „Vielleicht müssen Stahlwerk aber in die Nähe von Sonne und von wärmeren Regionen, um eben grünen Strom erzeugen oder nutzen zu können“, schlaumeierte sie etwas unbeholfen.

„Mein Ziel ist es, dass wir Industrieland bleiben, aber klimaneutral“, machte Laschet klar. „Das ist die eigentliche Leistung!“

Dann ging der Zoff los

Illner wollte es noch mal wissen: Ob es so sei, das die USA und auch die EU mit Ursula von der Leyen jetzt in der Klimapolitik „ein Geschwindigkeit vorgeben, die die CDU noch nicht mitgeht?“

Laschet rang sich ein Lächeln ab. „Nein!“ erwiderte er. „Ich weiß gar nicht, warum Sie immer darauf kommen!“

Entertainer von Hirschhausen kicherte höhnisch, doch der Ministerpräsident hatte schlagende Argumente: „Die Große Koalition hat so viel im Senken von CO2 geleistet wie keine Bundesregierung seit viele, vielen Jahren!“

Interessanteste Info

Über die umstrittene CO2-Bepreisung sagte Laschet, die jetzt diskutierten 45 Euro pro Tonne würden „auch dazu führen, dass wir schneller aus der Kohle aussteigen, als bisher in den Plänen der Kohlekommission geplant war.“

„Es muss aber sozialverträglich bleiben“, erläuterte der Ministerpräsident, „und wir müssen auch auf Innovation setzen, auf neue Kraftstoffe, an denen auch schon geforscht wird, damit man auch in Zukunft klimaneutrales Fliegen als Ziel vor Augen hat.“

Schlauester Themenwechsel

Hirschhausen wurde nach dem Wetter gefragt, redete aber lieber über Gesundheit: In der Corona-Krise hätten „die Pflegefachkräfte ihren Körper hingehalten“, jetzt sei „die Klimakrise die größte Gesundheitsgefahr“, orgelte er los.

Energischster Empörungsanfall

Mit 20.000 Hitzetoten sei Deutschland weltweit auf Platz 3, erregte sich der Entertainer ansatzlos und donnert in die Runde: „Ich bin nicht für Panik, aber für Prioritäten! Wir sind eines der reichsten Länder der Welt und hätten längst 100 Prozent erneuerbare Energien haben können! Ich bin richtig wütend, weil ich sehe, wie die Menschen leiden!“

In eigener Sache merkte von Hirschhausen an: „Die Wissenschaft hat es vorausgesagt. Scientists for Future. Claudia Kemfert war dabei, mein Bruder war dabei. 28.000 Menschen haben unterschrieben. Die Arroganz der Politiker, jaja, wir machen ja schon so viel – das ist einfach Bullshit!“

Persönlichste Anmerkung

„Wir werden mehr von diesen Unwettern haben“, prophezeite Lauterbach. „Und die traurige Nachricht ist: Das wird jetzt noch 80 Jahre so weitergehen.“

Denn, so der Gesundheitspolitiker: „Egal, was wir jetzt machen, wird sich die Situation bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr verbessern, sondern tendenziell nur verschlechtern.“ Uff!

Lauterbachs größte Erleichterung: „Ich bin froh, dass meine fast 87-jährige Mutter, die alleine lebt, zwischen zwei Bächen, die hatten Hochwasser, dass sie gut klargekommen ist.“

Gretchenfrage des Abends

Auch ZDF-Wetterfee Katja Horneffer wurde zugeschaltet. „Kann man sagen, dass dieses Unwetter ein Zeichen für den Klimawandel ist?“ wollte Illner wissen.

„Nein!“ antwortet die Meteorologin. „Dieses Unwetter ist zuerst mal ein Wetterphänomen!

Aber: „Dass Unwetter wie dieses, also Extremwetterereignisse wie Dürre, Hagelschlag, Starkregen immer häufiger auftreten, das hängt sehr wohl mit dem Klimawandel zusammen.“

Pessimistischste Ansage

Lauterbach arbeitete weiter an seinem Ruf als kerniger Katastrophenprophet: „Wenn wir die Wende nicht hinbekommen, werden große Teile Kaliforniens nicht mehr bewohnbar sein“, unkte er über die Hitzewelle in der USA. „Auch die Ankündigungen vom Joe Biden sind da wenig wert!“

Unverblümteste Eigenwerbung

Hirschhausen rührte weiter die Werbetrommel. „Ich bin mit (ZDF-Experte) Harald Lesch befreundet und habe ihn für mein Buch zitiert“, gibt der Entertainer bekannt. „Mit Karl Lauterbach und Ursula von der Leyen (und ihm) sind auch ja auch drei Ärzte mit diesem Thema beschäftigt.“

Dann folgt aus dem Nichts ein gut kalkulierter Gefühlsausbruch: „Diese Priorisierung von Wirtschaft geht mir derartig auf den Sack!“ erboste er sich.

„Ui!“ feuert ihn die Talkmasterin an.

„Weil wir immer noch einer Wachstumsideologie anhängen, die krank ist!“ legte der Entertainer effektvoll nach. „Wenn man ein Ei in ein Wasserbad tut, ist es irgendwann hart. Wir bestehen wie ein Ei aus Wasser und Proteinen. Unser Hirn ist bei 42 Grad im Arsch.“ Heidewitzka!

Vernünftigstes Statement

CDU-Jung hob den entgleisten Talk wieder auf die Schiene. „Der Klimawandel ist eine Menschheitsfrage“, stellte er fest. „Genauso ist Technologieführerschaft eine Überlebensfrage der deutschen Wirtschaft.“

Jungs Credo: „Deshalb geht es nicht um die Frage, ob Klimaschutz, sondern wie wir ihn erreichen. Wir müssen ihn mit Innovationen erreichen. Wir wollen zeigen, dass es geht, Industrie klimaneutral zu machen, und Mobilität für alle klimaneutral zu erreichen.“

Tiefster Stoßseufzer

Lauterbach hatte den Wahlkampf im Blick: „Wir haben jetzt gemeinsam regiert“, bemerkte der SPD-Politiker, „von daher können wir nicht wirklich glaubwürdig vortragen, dass die CDU alles falsch gemacht hat.“

Unverblümteste Wahlempfehlungen

In der Union gebe es viele Kräfte, die eine „Entfesselung“ des Klimaschutzes gar nicht wollten, behauptete Kemfert. „Immer drei Schritte vor und fünf wieder zurück! Da sind viele dicke Bretter, und die muss man auch mal aussprechen!“

„In dem Moment, wo die Grünen gesagt haben, der Sprit wird bei uns um 16 Cent teurer, sind sie zwei Punkte in den Umfragen runter“, beschwerte sich die „Spiegel“-Journalistin.

Schönstes Schlusswort

„Ich hatte mit (dem EU-Kommissar) Frans Timmermans über meine Stiftung ‚Gesunde Erde, gesunde Menschen‘ neulich ein sehr bewegendes Gespräch“, brachte von Hirschhausen schnell noch unter.

Dann machte Illner den Sack zu: „Wir verabschieden uns in eine kurze Sommerpause“, kündigte sie in leichter Untertreibung an, „und sind am 26. August wieder da.“ Also in knapp sechs Wochen. Gute Erholung!

Fazit

Der Ministerpräsident zeigte, wie’s geht, die Talkmasterin wirkte reif für die Insel, prompt enterten selbsternannte Moralpächter und eigenlobende Selbstüberschätzer die Show. Das war ein Talk der Kategorie „Schwachreden zum Starkregen“.

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