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Jens Spahn lobt bei Anne Will sein Impf-Management: Wir haben entscheidend Druck gemacht!

„Anne Will: Schwindendes Vertrauen ins Corona-Krisenmanagement – was muss jetzt passieren?“ ARD, Sonntag, 7.Februar 2021, 21.45 Uhr.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag behauptet, die Lieferung des ersten bisher zugelassenen Impfstoffs gegen das Corona-Virus sei vor alle ihm und seiner Behörde zu verdanken.

Wörtlich sagte der Minister: „Ich behaupte, einen Vertrag mit Biontech-Pfizer gibt es unter anderem deswegen, weil Deutschland, weil wir aus dem Bundesgesundheitsministerium immer wieder so vehement Druck gemacht haben!“

Uff! Der Flockdown kickt den Lockdown aus den Schlagzeilen, doch auch der Schnee bremst das Virus nicht aus. Anne Wills Gäste:

Der Bundesgesundheitsminister hatte sich zum „Einzelinterview“ angesagt.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will nach den Winterferien wieder Kinder in Kitas und Schulen sehen.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) möchte den Föderalismus aufpeppen, um die Bürger besser zu schützen.

Ex-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht (Linke) motzte auf Twitter über „Impfstoffdebakel & Endlos-Lockdown“.

Die Psychologin Prof. Cornelia Betsch warnte: „Wer vorher schon vulnerabel war, dem geht‘s auch deutlich schlechter in der Krise!“

Der Journalist Georg Mascolo (NDR/SZ) moserte schon früh: „Wir erleben, dass Länder, die sich einen Lockdown noch viel weniger leisten können als wir, es trotzdem tun!“

Politik, Presse, Psychologie: Wer hat den besten Plan? Deutlichstes Warnsignal

Die Psychologin, aus Erfurt zugeschaltet, beobachtet Volk und Virus seit März: „Wir haben gesehen, dass wir bei 60 Prozent Vertrauen angefangen haben, und im Moment sind wir bei 40 Prozent“, meldete sie.

Leider setze der Vertrauensschwund gerade bei denen ein, die eigentlich die Maßnahmen der Regierung befürworteten, klagte die Professorin. Das liege daran, „dass die Maßnahmen nicht als so effektiv empfunden werden“, besonders bei denen, „die sich über das Impfen informieren.“

Lautester Alarmruf

„Die psychologische Großwetterlage ist beunruhigend“, warnte die Psychologin. „Wir sehen weniger Vertrauen, steigende Pandemiemüdigkeit und eine sehr hohe psychische Belastung. Das zusammen ergibt einen gewissen Zündstoff!“

Um einen Push in der Bevölkerung auszulösen, empfahl Prof. Betsch einen Strategiewechsel: „Jede andere Strategie wäre besser!“ kritisierte sie.

Klarste Erkenntnis

„Wir sehen, dass eine Einheitlichkeit der Maßnahmen gewünscht wird“, fügte die Professorin hinzu. „Die Einfachheit der Regeln ist wichtig. Wenn sich alle Ministerpräsidenten auf einen bestimmten Stufenplan einigen könnten, wäre das eine wichtige Botschaft!“

Bedenklichste Analysen

„Im Herbst gingen zu viele Dinge falsch!“ kritisierte der Journalist. „Die Politik reagierte spät. Jetzt können wir nicht einmal sagen, ob wir das Schlimmste möglicherweise noch vor uns haben!“

Wagenknecht haute sich wieder mal voll rein, forderte „viel zielgenauere Maßnahmen“, statt „mal eben das gesamte wirtschaftliche Leben lahmzulegen.“ Es sei „nicht verantwortbar“, ohne genaue Datenlage „ganze Branchen dichtzumachen“. Rumms! Schepper!

Ehrlichste Selbstkritik

Brinkman hatte kein Problem damit, Irrtümer und Versäumnisse zuzugeben: „Es ist was passiert, aber es ist zu spät was passiert, und das müssen wir uns auch anrechnen lassen!“

Die vielen Toten in den Pflegeheimen etwa seien „unwürdig für eine Gesellschaft“. Und: „Es ist zu spät Bundeswehr bereitgestellt worden.“

Klarste Ansage

Zum Auf und Ab der Inzidenz von pro Woche 50 Infektionen auf 100.000 Einwohner meinte der Fraktionschef: „Wir müssen aus diesem ‚Scheibchenweise‘ raus. Jetzt lieber ehrlich sein und sagen: Die nächsten Wochen werden noch mal hart!“

Brinkmanns Vorschlag zur nächsten Konferenz der Ministerpräsidenten am Mittwoch: Den Lockdown noch „einige Wochen“ weiterführen, dann vorsichtig differenzierte Lockerungen: Schulen, Einzelhandel, Restaurants.

Wichtigste Forderung

Schwesig kam aus Schwerin auf den Schirm. „Wir können nicht nächste Woche einfach sagen: Wir verlängern, sondern wir müssen auch einen Perspektivplan geben!“ machte sie als erstes klar. „Und der muss bundesweit einheitlich sein!“

Ihre Stratege: regelmäßige Nachfragen. „Wenn wir unter 100 sind, kann da schon was gehen? Wenn man 50 erreicht hat: Was ist der nächste Schritt, was geöffnet werden kann? Und wenn man 35 erreicht hat? Wir werden nicht alles auf einmal öffnen können.“

Schwesigs eindringliche Warnung: „Unter uns kommt gerade eine dritte Welle, das ist die Mutation. Die ist zurzeit nicht sichtbar!“

Kompetenteste Lagebeurteilung

Zum „Einzelinterview“ erschien Jens Spahn auf dem Monitor. „Das sind noch harte Wochen, die vor uns liegen“, kündigte nun auch der Minister an.

„Alle haben eine Sehnsucht nach etwas, das dann hält, sechs oder zwölf Monate lang“, weiß Spahn. Aber: „Das geht nicht. Das Virus ist zu dynamisch. Die Lage verändert sich zu sehr. Jetzt kommen die Mutationen dazu. Deswegen werden wir immer wieder auch anpassen müssen.“

Ernüchterndste Mitteilung

Über den weiteren Verlauf der Pandemie macht sich Spahn keine Illusionen: Eine Verbesserung der Situation werde „sicherlich nächsten Sonntag nicht erreicht sein“, sagte er klipp und klar.

Ächz! Damit ist der ursprünglich für den 15.Februar angedachte Lockerungstermin wohl endgültig in der Tonne.

Realistischste Prognose

Allerdings, so viel Trost durfte dann doch sein: „Der Winter dauert bis Ende März“, besänftigte Spahn, „und dass wir sechs Wochen lang gar keinen Schritt gehen, wenn die Zahlen sich so weiterentwickeln, das sehe ich nicht.“

Großes Aber: „Das heißt nicht, dass dann alles wieder so ist wie im Sommer. Das Virus ist nicht müde – im Gegenteil, es nimmt mit dem Mutationen gerade noch mal Anlauf!“

Kühnste These

Zum Impfstoff-Ärger dreht der Minister dem Spieß einfach um und strich die Leistung seines Ministeriums bei den Impfstoffverhandlungen heraus. Prompt triezt ihn Will mit einem Zitat des Finanzministers und SPD-Frühwahlkämpfers Olaf Scholz: „Es hätte mehr Impfstoff bestellt werden können und müssen. Das ist unterblieben. Das sollte niemand beschönigen.“

Prompt ging der Zoff los

Spahns Konter: „Am selben Tag, also gestern, hat der Produktionsvorstand von Biontech, Poetting, gesagt: Mehr Geld, auch mehr Produktionswerke, hätten die Situation zu Beginn nicht verändert.“

Grund seien die überaus komplizierten Produktionsprozesse. Heißt, so der Minister: „Auch mit mehr Geld und mehr Bestellungen wären Ende letzten Jahres nicht mehr als die 50 Millionen Biontech-Pfizer weltweit zur Verfügung gewesen.“ Ui! Aber wieso hat dann ganz Deutschland so viel mehr erwartet?

„Jeder Handwerker weiß, dass auch bei der Schraube nach ganz fest ganz locker kommt“, warf Georg Mascolo an passender Stelle ein.

Mildeste Kanzlerinkritik

Als nächsten wollte die Talkmasterin den Fraktionschef auf den Rost legen. Als Grillanzünder nutzte sie ein Zitat der Kanzlerin: „Also ich glaube, im Großen und Ganzen ist nichts schiefgelaufen“, hatte Angela Merkel am Dienstag gesagt.

„Man muss das Ganze natürlich auch im Kontext sehen“, wiegelte Brinkhaus ab, räumte aber immerhin ein: „Aus der Rückschau hätte man das eine oder andere anders machen können.“

Dann lenkte Merkels Fraktionsgeneral den Pfeil flugs auf die Fußtruppen um: „Wir haben zum Beispiel auch gelernt, dass öffentliche Verwaltungen nicht die Flexibilität haben, nicht die Verfahren haben, Beschaffungsprozesse unkompliziert und unbürokratisch abzuwickeln.“ Oha!

Emotionalster Vorwurf

Die Ministerpräsidentin nimmt sich den Impfstoff-Mangel sehr zu Herzen: „Ich erlebe, was es bedeutet, wenn es zu wenig ist“, schilderte sie sichtlich bewegt. „Ältere Menschen weinen in den Impfzentren, weil sie froh sind, dass sie die Impfung kriegen, und betteln darum, dass das vielleicht auch für andere Familienangehörige geht!“

Schwesigs Ärger: „Das sind Zustände, wo ich manchmal denke, dass die Leute im Bund nicht mitkriegen, wie es vor Ort aussieht.“ Heiliges Ofenrohr! Spahn konnte nicht mehr kontern, er war schon abgeschaltet.

Und noch mal Zoff

Wagenknecht warf Nebelkerzen ins letzte Gefecht: „Wir müssen mit dem Virus irgendwie so klarkommen, dass wir nicht unsere Wirtschaft ruinieren, was viele Menschen sozial kaputtmacht!“ rief sie kämpferisch in die Runde.

Brinkhaus wollte ihr die Parolen nicht durchgehen lassen und drängte auf Fakten: „Wo läuft’s denn richtig, und von wem sollten wir da jetzt lernen?“ fragte er nach.

„Frankreich!“ erwiderte Wagenknecht, doch Brinkhaus grätschte sie gleich ab: „Sehr hohe Inzidenz! Sehr hohe Totenzahlen!“

Will eilte der Linke-Politikerin zu Hilfe: „Taiwan! Südkorea! Japan!“

Das überzeugte den Fraktionschef aber ebenfalls nicht: „Sehr konsequenter Lockdown!“ entgegnete er, was meinte: Ganze Stadtviertel wochenlang abriegeln sei bei uns wohl eher nicht erwünscht.

Fazit: Ernüchternde Ansagen, ungewöhnliche Meinungen, die Politiker zogen locker die jeweils passenden Argumente für ihre widersprüchlichen Thesen aus dem

Hut. Das war ein Talk der Kategorie „Business as usual“.

 

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