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Irrer Zoff bei Maischberger: Lafontaine beschimpft Biden als Kriegsverbrecher

„maischberger: die woche“. ARD, Mittwoch, 30.März 2022, 22.50 Uhr.

Gas-Notfallplan, Inflationsschock, Raketenschutzschirm: Immer neue Ängste, Sorgen und Fragen zu Putins Krieg. Welche Antworten liefert Sandra Maischbergers „Woche“-Talk? Die Gäste:

Annalena Baerbock (41, Grüne). Die Außenministerin rechnet knallhart mit der deutschen Russland-Politik ab: „Das rächt sich jetzt auf brutalste Art und Weise!“ Sie wird aus Berlin zugeschaltet.

Norbert Röttgen (56, CDU). Der Außenpolitiker twittert: „Mit unseren Energieimporten stabilisieren wir Putins System und verlängern damit den Krieg!“

Oskar Lafontaine (78, vormals Linke). Der Ex-Parteichef setzte sich kurz vor dem Wahldebakel von seinen Genossen ab. Als prominenter Putin-Versteher pöbelte er 2021 auf Facebook: „Fuck the US-Imperialism!“

Petra Gerster (67). Die Ex-„heute“-Moderatorin warnt: „Putin führt diesen Krieg nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen den Westen, gegen die Werte unserer Demokratie!“

Ulrike Herrmann (58). Die „taz“-Journalistin glaubt: „Putins Rubelnummer ist ein Propagandatrick. Die Russen sollen nicht merken, dass ihr Geld durch den Krieg wertlos wird.“

Rainer Hank (69). Der FAS-Journalist Rainer Hank macht Druck: „Wir brauchen das Energie-Embargo!“

Irrtümer, Wahrheiten, Vorwärtsstrategien und Rückwärtssaltos!

Schlimmste Erinnerung

Die Ex-Moderatorin urteilt aus böser Erfahrung: „Er hat immer auf nackte Gewalt gesetzt und Frauen und Kinder ohne Rücksicht auf Verlust zu Opfern gemacht!“, schildert sie die „Brutalität der Kriegsführung Putins“ in Tschetschenien und Aleppo.

Zu den aktuellen Verhandlungen sagt Gerster: „Ich habe mir die Hoffnung ziemlich abgeschminkt, was Putin betrifft. Es war nie Verlass auf seine Worte. Es ist wieder die alte Masche, dass er dem Westen Sand in die Augen streut, um ungestört weiterzumachen.

Schon springt das Zoff-O-Meter an

Den FAS-Journalisten wundert die helle Aufregung über Bidens Spruch, Putin könne „um Gottes willen nicht an der Macht bleiben“. Hanks vorgeblich erstaunte Frage: „Was ist denn falsch an dem, was er sagt?“

Für die „taz“-Journalistin dagegen hat Putin damit „zusätzlich noch eine Möglichkeit bekommen, sein Gesicht zu wahren“. Denn „wenn er den Krieg verliert, kann er sagen: Seht her, ich bin immer noch Präsident.“ Uff!

Deutlichste Antwort

Die Außenministerin erscheint auf dem Monitor. „Ihre Eltern haben sie schon früh mitgenommen auf Friedensdemonstrationen. Jetzt müssen Sie über einen Krieg verhandeln“, meint Maischberger. „Hätten Sie das gedacht?“

Was für eine Frage! „Nein, das hätte ich mir natürlich nicht gedacht“, antwortet die Ministerin ungeduldig. „Aber jetzt müssen wir alles versuchen, dass dieser brutale Angriffskrieg und vor allem die Bombardierung unschuldiger Menschen unverzüglich ein Ende hat!“

Naivste Frage

Das nächste Auskunftsersuchen ist von ähnlichem Kaliber: „Fänden Sie auch, eine Welt ohne Putin wäre besser?“, möchte Maischberger wissen. Ernsthaft jetzt?

„Eine Welt ohne Diktatoren, ohne Autokraten, das wäre eine friedliche Welt“, rasselt Baerbock routiniert herunter. „Wir können sie aber nicht wegzaubern. Wir haben deutlich gemacht, dass wir die Charta der Vereinten Nationen verteidigen…“ Uff!

Deutlichste Warnung

Ob Putin ein Kriegsverbrecher sei? „Da bin ich ganz Außenministerin: Gerichte werden über Kriegsverbrechen urteilen müssen“, erwidert Baerbock so vorsichtig wie ihr Kanzler. „Aber alles, was wir sehen, sind Dinge, die Kriegsverbrechen am Ende ausmachen.“ Immerhin!

Ein Eingreifen der Nato schließt die Ministerin auch für den Fall von Chemiewaffen aus, denn: „So sehr es einem immer wieder das Herz zerreißt, müssen wir uns vergegenwärtigen, was es bedeutet, wenn wir in eine direkte Konfrontation mit Russland geraten. Dann haben wir einen dritten Weltkrieg!

Aktuellste Lagebewertung

„Wir haben Berichte von unserer Nachrichtendiensten“, plaudert Baerbock aus dem Nähkästchen. „Das, was wir noch vor einigen Tagen befürchtet hatten, zum Beispiel dass Odessa eingenommen werden könnte, ist offensichtlich derzeit zum Glück nicht der Fall.“

Ihre Analyse: „Wir wissen, dass es erhebliche Verluste auf russischer Seite gegeben hat. Aber ob das nun ein Rückzug ist oder nur eine Umorganisation, um dann wieder anzugreifen, kann man nicht sagen. Deswegen unterstützen wir die Ukraine weiter mit Waffen und sorgen dafür, dass wir bei den Sanktionen die Lücken konsequent schließen.“

Gretchenfrage des Abends

Und der Vorschlag der Ukraine, neutral zu bleiben, wenn die USA, Deutschland und andere für ihre Sicherheit bürgen? Die Ministerin zuckt nicht mit der Wimper. „Wir stehen zu hundert Prozent an ihrer Seite“, erklärt sie, „und wenn es Garantien braucht, dann wird auch Deutschland da sein und Garantien geben.“ Rumms!

„Wenn Russland von Garantien spricht, meinen sie  komplett was anderes“, warnt Baerbock gleich danach. „Der russische Präsident stellt sich vor, dass er ein Veto gegen die ukrainischen Sicherheitsinteressen haben kann. Aber das kann nicht der Fall sein. Die Ukraine ist ein freies Land, und sie muss und wird es in Zukunft auch bleiben.“ Punkt!

Neueste Ausrede

Gegen die immer drängenderen Forderungen nach einem sofortigen Energieboykott Russland hat Baerbock eine neue Begründung ausgetüftelt: „Wir können unseren Ausstieg nicht zu Lasten anderer Länder machen“, behauptet sie nun.

Denn, so die Ministerin: „Wenn wir komplett aus Gas und Öl aussteigen, dann kaufen wir es an anderen Orten. Das bedeutet aber, dass andere Länder das Öl und das Gas dort dann nicht mehr kaufen können. Und dann würden viele andere Länder bei unseren Sanktionen nicht mehr mitmachen.“ Ui! Es sei denn, die Lieferländer fahren endlich mal die Produktion hoch…

Zum Plan der Polen, schon Ende des Jahres auszusteigen, meint Baerbock beschwichtigend, „dass wir nicht diejenigen sind, die immer vorpreschen.“ Außer beim Atomausstieg, versteht sich…

Und wieder Zoff

Für die Streit-Show sind Röttgen und Lafontaine gecastet, und die beiden Politfüchse legen ohne Aufwärmphase los.

Der Ex-Parteichef haut gleich einen krachenden Aufschlag über alle roten Linien: „Ich bin der Meinung, dass Putin ein Kriegsverbrecher ist!“ doziert er mit mahnendem Zeigefinger, „ich bin aber auch der Meinung, dass Herr Biden ein Kriegsverbrecher ist.“ Wumm!

Dialog des Abends

Damit lässt Lafontaine die alte Taktik-Katze aus dem Sack: Er will auf Putin komm raus Russen und Amerikaner gleichsetzen. „Ist Biden ein Kriegsverbrecher?“, fragt er Röttgen lauernd.

„Selbstverständlich nicht“, antwortet der CDU-Politiker umstandslos.

„Bush auch nicht?“, bohrt der Ex-Parteichef weiter.

Röttgen blickt kurz hoch: „Bush ist kein Kriegsverbrecher“, erwidert er zögernd, weil er den Braten riecht.

„Na gut!“, ruft Lafontaine triumphierend und wirft die Hände ganz weit weg, „dann brauchen wir nicht weiterzureden. Dann überlasse ich das dem Publikum.“ Heidewitzka, Herr Kapitän! Es hat wieder geklappt: Wer die Fragen stellt, steuert die Debatte.

Wirkungsvollste Argumente

Röttgen verteidigt dafür mit Schmackes die Idee eines sofortigen Energie-Boykotts: „Unser Land ist nach dem Krieg gegründet worden mit ‚Nie wieder Krieg‘“, erinnert er und hebt beschwörend die Hände. „Dann müssen wir das jetzt tun, weil es eine rationale Maßnahme ist, diesen Krieg zu beenden!“

Lafontaine ist trotzdem nicht einverstanden. „Das würde die jetzigen Preissteigerungen massiv ausweiten“, entgegnet er. „Ich habe gestern noch mit einer Frau gesprochen, die ganz knapp ist und Tränen in den Augen hatte, sagte: Ich kann meine Fahrten nicht mehr..“

Schärfster Vorwurf

„Was jetzt scheinbar an Verhandlungen stattfindet, ist Kriegstaktik von Putin“, macht Röttgen energisch klar. „Zu glauben, er wäre bereit, seine imperialen Ansprüche aufzugeben, ist wirklich naiv! Wenn Sie das wirklich glauben, haben Sie nichts gelernt!“

Lafontaine will ihm in Wort fallen, doch Röttgen dreht noch mal richtig auf: „Mitbürgern mit geringerem Einkommen zu unterstellen, dass sie nicht bereit wären, einen Beitrag zu leisten, dass Babys nicht erfrieren und Kindern nicht die Arme abgeschossen werden, das ist unglaublich!“

Ärgerlichste Abmahnung

„Wir haben nicht Menschen in unserem Land, die so egoistisch sind!“, wettert der CDU-Politiker weiter. „Die sagen, ich kann mir nicht dreißig Euro leisten, die sollen doch lieber sterben. Das denken Deutsche nicht!“

„Ich erfahre, dass die Menschen mit den permanenten Preissteigerungen nicht mehr zurechtkommen“, beharrt Lafontaine. Die Talkmasterin möchte auch was sagen, wird aber rüde abgerammt: „Ich bitte, mich nicht ständig von zwei Seiten zu unterrechen!“, knurrt der Ex-Parteichef, und Maischberger hebt die Hände.

Erbittertstes Gefecht

„Putins Interesse ist, dass er aus dieser Angelegenheit, wo er sich verkalkuliert hat, wo er offensichtlich Schwierigkeiten hat, einen Ausweg findet“, erklärt Lafontaine dann und ringt theatralisch die Hände. „Deshalb muss man verhandeln. Wenn man das nicht tut, verlängert man den Krieg!“

„Die Realität ist, dass Putin in Europa Kriege führt und uns mit dem Einsatz der Atombombe droht“, kontert Röttgen grimmig. Die Aggression gehe nicht von den USA, sondern „allein von Putin aus, nicht von russischen Volk, sondern von Putin und seinem System.“

Persönlichste Frage

„Sind Sie damit zufrieden, wie Ihr langes politisches Leben jetzt zu Ende gegangen ist?“ will die Talkmasterin von Lafontaine noch wissen.

„Nein, natürlich nicht“, gesteht der Ex-Parteichef. „Wenn man Programmtreue hat, muss man sich entsprechend verhalten. Entscheiden ist die Vertretung der Arbeitnehmerschaft. Wenn eine Partei fünf Prozent Arbeiterstimmen kriegt…“

„Der Querkopf der deutschen Politik!“, spottet Maischberger.

„Wenn Sie Programmtreue als Querköpfigkeit bezeichnen, nehme ich das als Kompliment entgegen“, grient Lafontaine und hat das letzte Wort. Puh!

Fazit

Beharrliche Fragen, bezeichnende Antworten, alle drei Politgäste mit klarer Geschmacksrichtung, unverwechselbarem Aroma und hochprozentigen Ansagen: Das war eine Talkshow der Kategorie „Realitätsschluck“.

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