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Impfstoff-Talk bei Illner: Virologin zu mutigem Selbstversuch bereit

„Maybrit Illner: Testen, Tracken, Impfen – Wettlauf gegen die Zeit!“ ZDF, Donnerstag, 2.April 2020, 22.15 Uhr.

Die Virologin Melanie Brinkmann (46), Professorin am Institut für Genetik an der Technischen Universität Braunschweig und Leiterin der Forschungsgruppe Virale Immunmodulation am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, hat sich in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag zu einem mutigen Selbstversuch bereiterklärt.

Wann werden Virologen sagen: Ich stelle mich freiwillig zur Verfügung?“ hatte Talkmasterín Maybrit Illner die Expertin ganz direkt gefragt.

„Da müsste ich mich erst mal beraten, mit meinen Impfstoffexpertenkollegen“, antwortete die Virologin nach kurzem Überlegen. „Und wenn die mir sagen, das Risiko für dich hält sich stark in Grenzen, würde ich mich glatt dort hinsetzen. Ja, das würde ich machen.“ Respekt!

Es ist ein Weltkrieg: Menschheit gegen Virus. Wo bleiben die Waffen, mit denen wir den Tröpfchen-Terror besiegen können? Maybrit Illner fragte gutinformierte Gäste.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU), selbst Intensivmediziner, erklärte: „Die Fallzahlen dürfen sich erst nach zehn Tagen verdoppeln!“

Prof. Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, forderte: „Wir brauchen danach eine schrittweise Lockerung der Kontaktsperre!“

Virologin Brinkmann sagte optimistisch voraus: „In einer Woche wissen wir, ob wir Beschränkungen für Jüngere erleichtern können!“

Prof. Michael Ziemons, Gesundheitsdezernent der StädteRegion Aachen, kündigte an: „Wir kümmern uns jetzt vor allem um den Schutz der Älteren!“

Der Physiker Prof. Dirk Brockmann arbeitet an Modellen, die den Verlauf der Infektionen vorhersagen können, und ist sicher: Wir können Covid-10 eindämmen!“

Tag 13 der Pandemie. Experten aus den Krisenstäben bei der Lagebesprechung. Kooperation ist Pflicht, Zoff unwillkommen!

Der Kanzleramtsminister setzte gleich ein Alarmsignal: „Die Verlangsamung der Infektionsgeschwindigkeit ist ganz, ganz träge“, warnte er. „Das Geschehen beruhigt sich sehr langsam!“

Wichtigste Ankündigung

Gesundheitsdezernent Ziemons klang etwas zuversichtlicher: „Jeder kennt jetzt einen Fall“, meinte er. „Zahlen bekommen Gesichter. Die Krankheit ist in den Köpfen der Menschen angekommen!“

Morgen früh wird ein Papier veröffentlicht, wo wir eine Strategie vorstellen, wie man einen risikoadaptierten Weg gehen kann, um nach und nach diese Freiheitsbeschränkungen wieder zu lockern“, erklärte die Ethikerin. Ihre Forderung: „Das muss nach klaren Kriterien erfolgen, und diese Kriterien müssen jetzt intensiv diskutiert werden!“

Beruhigendste Mitteilung

Der Kanzleramtsminister pries erst einmal das „in beispielloser historischer Weise“ verabschiedete Sozialpaket und gleich danach auch noch das „Wirtschaftspaket von historischer Dimension“. In Brauns unaufgeregter Redeweise klang das Eigenlob allerdings keineswegs überzogen.

Wichtigste Warnung: „Ich glaube“, sagte Braun, „dass es die Leute am meisten krank machen würde, wenn ich heute ein Hoffnungssignal sende und übermorgen sage: Da habe ich mich geirrt!

Stolzeste Info

Die Talkmasterin schlug einen „Ideenwettbewerb“ vor zu Fragen nach der Öffnung von Schulen oder Restaurants.

 

Braun lächelte milde: „Haben wir schon, in mannigfaltiger Weise“, berichtete er. „Wir haben zum Beispiel einen digitalen Heckathon durchgeführt, einen digitalen Ideenwettbewerb, der hat einen Weltrekord aufgestellt, weil sich über 40.000 Menschen daran beteiligt haben!“

Größte Sorge

Wir müssen nicht nur die Wirtschaft und die Gesundheit, sondern auch die breite gesellschaftliche Situation in den Blick nehmen“, forderte die Professorin aus dem Ethikrat.

„Was macht das mit den Menschen, wenn sie zuhause sitzen?“ fragte sie und gab selbst die Antwort: „Suizidgefährdung! Überforderung! Häusliche Gewalt! Kindesmissbrauch!“

Drastischste Ansage

Ziemons will unbedingt an den Einschränkungen festhalten: „Wir haben die Abstandsregel ja nicht eingeführt, weil die Leute schlecht riechen!“

Das sah der Minister genauso, auch in Bezug auf Masken der Marke Eigenbau: „Sie schützen weder den Träger noch die Menschen um ihn herum“, warnt eer. „Sie dürfen auf keinen Fall zu einer Reduzierung der Vorsicht bei der Abstandsregel oder den anderen Hygienemaßnahmen führen.“ Punkt!

Überfälligstes Vorhaben

Zum allgemeinen Masken-Mangel sagte der Minister: „Wir sind mit vielen Unternehmen im Gespräch, jetzt in Deutschland wieder schnell eine Produktion aufzubauen.“

Und: „Wir müssen uns enorm darin einüben, schutzbedürftige Menschen zu schützen, weil sie besonderen Gefahren ausgesetzt sind.“

Aber: „Es darf nicht zu einer sozialen Isolation kommen!“

Klarste Absage

Unsere größte Hoffnung liegt ganz klar in einem Impfstoff“, erklärte die Virologin. „Aber das wird einfach mehr Zeit brauchen. Jetzt in dieser Situation wird uns das nicht helfen.“

Denn: Wenn der Impfstoff nicht genug getestet werde, so die Expertin, könne es auch durch ihn Tote geben: „Dieses Risiko wollen wir nicht eingehen!“

Optimistischste Prognose

Wenigstens 50 Teams in aller Welt arbeiten an einem Impfstoff, weil sie sich, so die Talkmasterin martialisch, „den Durchbruch exakt an dieser Front erhoffen!“

Die Impfung ist der heilige Gral, um das Leben normal weiterführen zu können“, bestätigte die Virologin und hatte noch einen Mutmacher dabei: „Ich bin total hoffnungsvoll, dass einer davon funktionieren wird!“

Tröstlichstes Signal

In den USA werde jetzt an Freiwilligen eine ganz neue Impfstoffmethode erprobt, berichtete die Expertin weiter. „Man verspricht sich sehr viel davon, aber wie die Studien verlaufen, kann man erst in ein paar Monaten sagen.“

Und: „In unserer Situation sollten wir viele Optionen verfolgen. Es gibt sehr viele Wirkstoffe.“ Bei dem gegen Ebola entwickelten Medikament Remdesivir etwa sehe es besonders gut aus.

Der Minister will die nötigen Zulassungsverfahren so gut wie möglich beschleunigen, schränkte aber ein: „Die Probandensicherheit ist ein hohes Gut!“

Einprägsamstes Bild

„Nach dem Berganstieg kommt jetzt ein Plateau“, beschrieb der Physikprofessor den Verlauf der Pandemie. „Da ist die Hoffnung groß, dass es dann bergrunter geht.“

Aber: „Genauso wie das auch beim Bergsteigen ist, weiß man nicht, wie die Zukunft ist, gerade in so einem Plateaugebiet. Die Modelle können das noch nicht vorhersagen.“

Skeptischster Kommentar

Dezernent Ziemons zweifelte an der umstrittenen Handy-Ortung: „Wenn das Gesundheitsamt anruft und sagt, wir haben Sie hier auf einer Liste als Kontaktperson, dann entsteht sehr viel Angst!“

Bedenklichstes Beispiel: „In einem Fall hat eine Mutter sofort ihre Kinder von einem Kindergeburtstag abgeholt und auf der Fahrt einen Unfall gebaut. Gut, dass nix passiert ist, aber der wäre möglicherweise schlimmer ausgegangen als eine Infektion.“

Optimistischer Schlussappell

„Der Ethikrat hat seine Stellungnahme nicht umsonst ‚Europäische Solidarität und Schutz der Grundrechte in der Covid-19-Pandemie‘ genannt“, erklärte Prof. Woopen. „Diese Solidarität, die müssen wir jetzt beweisen!“

Denn: „Wir müssen uns alle, jeder einzelne und für sich, entscheiden, wie er sich jetzt verhält, und wie er das mit durchträgt, zum Wohle von uns allen. Und auch wenn es noch etwas länger dauert, bin ich der Überzeugung, dass wir das schaffen.“

Ihr Credo: „Freiheit ist das höchste Gut. Aber um frei sein zu können, muss man erst einmal leben!“

Fazit: Kluge Köpfe, einleuchtende Argumente, aber leider viel zu viel laienfeindlicher Expertensprech voller Spezialausdrücke: Das war ein Talk der Kategorie „Fachbereichskonferenz“.

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