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Impf-Zoff bei Maischberger: Lauterbach: Die Kleinen sind vernünftiger als die Großen!

„maischberger: die woche“. ARD, Mittwoch, 16.Februar, 23.30 Uhr.

Nach zehn durchwachsenen Wochen als Minister setzt Karl Lauterbach auf alte Stärken und stürzt sich wieder vermehrt in Talkshow-Gefechte. Und der alte Debatten-Champ Jeff Kornblum macht weder Quatsch noch Gefangene. Top-Casting für Sandra Maischbergers „Woche“-Show! Die Gäste:

Prof.Karl Lauterbach (58, SPD). Der Gesundheitsminister in schwerer See: Die Impfpflicht bleibt umstritten!

Sevim Dağdelen (46. Linke). Die Abgeordnete will die Ukraine unbedingt aus der NATO raushalten.

John Kornblum (79). Der frühere US-Botschafter in Deutschland kritisiert: „Die Ohnmacht von Joe Biden hat Wladimir Putin ermutigt!“

Hubertus Meyer-Burckhardt (65). Der NDR-Talkmaster ist für die allgemeine Impfpflicht.

Dagmar Rosenfeld (48). Die Chefredakteurin (WELT am SONNTAG) hat Lauterbach als „Verlierer der Woche“.

Stephan Stuchlik (54). Der Journalist war ARD-Korrespondent in Moskau.

Heute prallen die Fakten frontal auf die Fakes, denn neutrale Experten fehlen. Da ist Zoff angesagt!

Emotionalstes Start-Statement

Meyer-Burckhardt hatte wegen einer Krebs-Diagnose Manschetten vor einer Impfung gegen Corona: „Es gibt immer einen Arzt, der sagt: Bist du wahnsinnig? Das kann vielleicht Karzinome stimulieren!“, berichtet er.

Aber, so der TV-Mann: „Ich habe trotzdem die Entscheidung getroffen, es zu tun, weil ich glaube, ich bin das als Staatsbürger anderen Mit-Staatsbürgern und Mit-Staatsbürgerinnen schuldig.“

Beunruhigendstes Beispiel

„Es ist immer dasselbe Theater!“ schimpft ARD-Mann Stuchlik. Immer wieder werde etwas beschlossen und ein paar Tage später wieder gekippt. Deshalb habe er inzwischen, so seine offenherzige Eigendiagnose, „professionelle Ermüdungserscheinungen“.

Chefredakteurin Rosenfeld sorgt sich um die Langzeit-Wirkung der Lockdowns: Eisbären im Käfig, meint sie, „laufen immer nur von links nach rechts. Wenn sie dann in einem Gehege freigelassen werden, laufen sie weiter nur von links nach rechts, weil sie es verlernt haben, sich den Freiraum zu nehmen.“

Berechtigtste Forderung

Ich vermisse seine Richtlinienkompetenz“, kritisiert Meyer-Burckhardt dann den Kanzler. Lauterbach als Gesundheitsminister sei nicht der Optimismusbeauftragte der Bundesregierung, sondern dazu da, das Worst-case-Szenario zu schildern.

Deshalb, so der TV-Mann, „müsste es der Bundeskanzler sein, der sagt: Ich bringe mal die verschiedenen Aspekte – Wirtschaft, Kultur, Freiheit – in eine Harmonie. Ich möchte mal wissen, was er möchte!“

Treffendste Formulierungen

„Es ist ein typischer Scholzismus, zu sagen, wir tun jetzt alles, was nötig ist“, assistiert Stuchlik. „Da kommt auch ein Teil der Verunsicherung her. Er klingt immer so, als würde er als Privatperson sprechen.“

Die Chefredakteurin hat Lauterbach als „Verlierer der Woche“ identifiziert, weil er „sehr oft Alarmismus verbreitet.“ Ihr einprägsamster Begriff: „Es heißt ja ‚Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste‘. Ich würde Karl Lauterbach als ‚Vater der Worst-Szenario-Truhe‘ benennen!“

Ihr harter Vorwurf: „So wortgewaltig Karl Lauterbach in Talkshows ist, so tatenungewaltig ist das, was er in seinem Ministerium macht.“ Rumms!

Positivste Bewertungen

Dann tritt der Minister aus den Kulissen und versucht die Aufregung herunterzudimmen: „Die Fallzahlen werden jetzt sinken“, verspricht er. Wegen der vielkritisierten Maßnahmen etwa für Restaurants oder Einzelhandel „sind wir besser durch diese Omikron-Welle gekommen als andere Länder um uns herum.“

Ich werde immer wieder angegriffen, wenn ich Zahlen nenne“, klagt Lauterbach. „Da heißt es dann ‚Panikminister‘.“ Aber ohne die Maßnahmen „hätten wir viel mehr Tote gehabt.“

Dann springt das Zoff-o-Meter an

Die Talkmasterin sucht das Haar in der Suppe: 2G im Einzelhandel habe „auch dazu dienen sollen, Ungeimpfte zur Impfung zu bewegen“, meint sie. Ihre spitze Frage: „Können Sie heute sagen: Das zumindest ist gescheitert?“

„Ich sage ungerne, dass etwas gescheitert ist“, verteidigt sich der Minister, „weil, wir haben ja noch Impfungen gehabt. Die neuen Erstimpfungen sind fast alles Jugendliche und Kinder. Die sind da vernünftiger als die Erwachsenen!“

„Wir halten fest: Das hat nicht gewirkt“, stichelt Maischberger.

„Wenn Sie einen Misserfolg hören wollen: Genau!“, patzt der Minister zurück. „Ich bekenne hier einen Misserfolg, aber den haben wir schon lange, also nicht die jetzige Regierung, sondern der ist schon über die letzten anderthalb Jahre gelaufen!“

Eindringlichste Warnung

Über die Gesetzesvorlagen zur allgemeinen Impfpflicht sagt Lauterbach: „Ich hoffe, dass die beiden Gruppen – Impfpflicht ab 18, Impfpflicht ab 50 – zusammenfinden, weil sie in der Philosophie und in der Begründung sehr ähnlich sind. Da können wir einen Kompromiss finden.“

Seine unerfreuliche Vorhersage: „Wenn wir die Impfpflicht nicht bekommen, müssen wir im Herbst wieder Kontaktbeschränkungen machen. Die Debatte, die keiner mehr hören will, kommt dann erneut, und nur deshalb, weil es hier eine kleine Gruppe gibt, die nicht bereit ist, sich solidarisch einzubringen.“

Zornigste Presseschelte

Die Talkmasterin bleibt in der Offensive: Es sei doch nicht Aufgabe eines Ministers, rüffelt sie ihren Gast, „alle Szenarien, die uns erschrecken können, in ihrer grauenhaften Deutlichkeit auszubreiten!“

„Das tue ich nicht!“ wehrt sich Lauterbach. „Das wird mir unterstellt, muss man ganz offen sagen, von der Springer-Presse. Das kann ich akzeptieren, weil, ich finde es nicht illegitim, wenn Verlage oder Presseorgane eine politische Position vertreten und auf Öffnungen drängen.

Dann aber bricht der Ärger doch noch aus ihm heraus: „Ich werde von der BILD-Zeitung als Panikmacher oder Panikminister beschrieben“, grollt er. „Zusammen mit ein paar CDU-Leuten. Aus meiner Sicht ist das Kampagnenjournalismus. Es ist nicht alles wahr, was in der BILD-Zeitung steht!

Unerwartetste Kritik

Größte Überraschung: Beim Thema Ukraine dämpft ausgerechnet der ARD-Journalist die allgemeine Begeisterung über die klaren Worte des Bundespräsidenten an die Adresse Putins.

„Steinmeier hat noch vor einem halben Jahr gesagt, man müsse Nord Stream 2 zu Ende bauen, als Brücke zu Russland. Man habe da eine historische Verantwortung.“, erinnert Stuchlik. Zum jetzigen Sinneswandel „muss ich sagen: You have come a long way, Baby!“

Denn, so  der ARD-Mann: Ich glaube nicht, dass jetzt noch irgendjemand einen Zweifel daran hat, dass die Aggression von Russland ausgeht!“

Wirrste Attacke

Irrtum! Deutschlands Putin-Versteher verstecken sich keineswegs, und eine sitzt sogar in der Talkshow: Für Linke-Politikerin Dağdelen sind ausschließlich die USA und die NATO an den Spannungen schuld.

„Dieser Angriff, von dem die CIA ja mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt hat, dass er diesen Mittwoch nachts um drei Uhr kommen wird, ist ja abgeblasen“, erläutert sie. „Ich möchte aber davor warnen, zu glauben, dass das ein Signal von Russland ist aufgrund der Position der Härte des Westens. Das ist eine Fehleinschätzung!“

Ihre Begründung: Die Ukraine habe erklärt, dass ein Beitritt zur NATO vom Tisch sei, und Scholz wie Macron hätten ein altes Veto gegen diesen Beitritt erneuert. Ui!

Wichtigste Berichtigung

Ihr nächster Vorwurf soll Putins wichtigste Propaganda-Legende stützen: Nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 habe der Westen hoch und heilig versprochen, die NATO werde sich nicht nach Osten ausdehnen, dann aber sei sie bis an Russlands Grenzen vorgerückt.

Kornblum staunt Bauklötze. „Ich war dabei“, berichtet er. „Die Russen, mit denen wir damals verhandelt haben, haben uns als Befreier vom Kommunismus empfangen. Sie wollten ein Teil von Europa werden. Die beteiligten Politiker haben sehr klar gesagt, dass ein solches Versprechen nicht gemacht wurde. Niemand dachte daran!“  Deutlichste Klarstellung.

Der Anstoß zur Osterweiterung, so Kornblum, „kam erst später durch Staaten wie Polen, die Angst hatten, Russland allein gegenüberstehen zu müssen.“

„Es war die souveräne Entscheidung der Polen, der Tschechen: Wir wollen Mitglieder der NATO sein“, wundert sich Maischberger. „Wo ist das Problem?“

Verstörendste Erklärung

„Natürlich kann jeder einen Antrag stellen“, gibt die Linke zu, „aber bei einem Taubenzüchterverein ist das auch so, dass der Verein und die Mitgliederversammlung darüber entscheiden, ob der Antrag bewilligt wird oder nicht.“ Heidewitzka!

Die Talkmasterin kann es nicht fassen: „Sie sagen, die NATO ist ein Taubenzüchterverein?“

Kornblum hat hilfesuchend zur Decke geguckt. Jetzt macht er Schluss mit dem Quatsch: „Die große Bedrohung für Russland sind nicht die Waffen“, stellt er fest. „Die Vereinigten Staaten haben ihre Truppen von 300.000 auf 50.000 reduziert. Die große Bedrohung für Russland ist die Demokratie!

Hoffnungsvollste Prognose

Denn, so der Diplomat weiter: „Die Russen fühlen sich nicht bedroht. Ihr Präsident fühlt sich bedroht. Russland ist eine Diktatur. Eine Kleptokratie. Putin hat über die letzten 20 Jahre Krieg gegen sein eigenes Volk geführt!“

Jetzt aber gelte, so Kornblum: „Putin hat seine Spielchen gehabt. Er hat verstanden, dass es nicht mehr weitergeht. Und dass wir jetzt Möglichkeiten finden werden, die Konfrontation abzubauen.“ Amen!

Fazit

Klare Analysen gegen wirre Behauptungen, die Talkmasterin mit ärztlicher Geduld: Das war eine Talkshow der Kategorie „Info-Infusion“.

 

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