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Impf-Talk bei Maybrit Illner: Mega-Zoff zwischen Kretschmer und Kubicki

„Maybrit Illner: Pandemie ohne Politik – erst sorglos, jetzt planlos?“ ZDF, Donnerstag, 11.November 2021, 22.30 Uhr.

Heute alles mit I: Infektionszahl rauf, Inzidenzen immer höher, Impfquote unterirdisch, was sagt das über unseren IQ?. Die Gäste:

Michael Kretschmer (46, CDU). Sachsens Ministerpräsident schimpft über die Corona-Politik der Ampel: „Das ist schuldhaftes Zögern!“

Wolfgang Kubicki (69, FDP). Der Bundestagsvize will den Ausnahmezustand beenden und den kostenlosen Bürgertest wieder einführen.

Prof. Helga Rübsamen-Schaeff (72). Die Virologin wundert sich über die Corona-Politik zum Ampel-Start: „Da reibt man sich die Augen!“

Prof. Anika Klafki (35). Die Juristin findet „unsere Demokratie gut gerüstet für den Umgang mit Krisen.“

Annemarie Fajardo (35). Die Pflegerats-Vizechefin

fürchtet: „Auch für das Personal steigt das Risiko!“

Ulrich Reitz (61). Der Journalist („Focus“) lästert über den ersten Auftritt des nächsten Kanzlers im Bundestag: „Scholz ist und bleibt ‚Team dröge‘!“

Politik, Wissenschaft, Medien: Sechs Mal Sachverstand.

Zum Start geht gleich mal die Alarmsirene los

Der sächsische Ministerpräsident ist tief besorgt: „Ich glaube, dass die vierte Welle, die jetzt kommt, alles in den Schatten stellt, was wir erlebt haben“, fürchtet er.Es ist ein dramatisches Aufbäumen der Infektionszahlen. Zahlen, wie wir sie bisher nie erlebt haben!

Die Entscheidung der Ampel, das Ende der pandemischen Lage auszurufen, tadelt Kretschmer ungewöhnlich streng: „Die Krankenhäuser sind jetzt schon an der Belastungsgrenze! Deswegen ist es absolut fahrlässig, jetzt Maßnahmen aus dem Instrumentenkasten herauszunehmen!“

Kompetenteste Fachkritik

Auch Juraprofessorin Klafki wettert gegen das neue Gesetz der Ampel: „Es verkürzt den Maßnahmenkatalog erheblich. Schwierig, wo wir Inzidenzen von 50.000 haben!“

Ihre Zweifel an der Regel Geimpft/Genesen: „Kann man 2G auch einführen für Supermärkte, Arztpraxen und Apotheken? Das würde ja bedeuten, dass sich Ungeimpfte gar nicht mehr versorgen können! Was gilt für Kinder von 12 bis 17 Jahren? Was gilt für private Feiern? Was soll an Weihnachten gelten?“ Puh!

Spitzeste Frage

„Sind wir jetzt wieder regiert, und wenn ja, von wem?“ erkundigt sich die Talkmasterin süffisant.

Der Journalist formuliert eine passende Antwort: „Der Chef der Parlamentarier der Rechtsstaatspartei FDP, Herr Buschmann, hat gesagt, Frau Merkel möge sich zurückhalten, sie sei nur geschäftsführend im Amt.“ Uff!

Interessanteste Erläuterung

Aber, so Reitz über die Bundestagsdebatte vom Tage: „Frau Merkel ist sogar verpflichtet, ihren Job zu machen. Den Auftrag dazu hat sie vom Bundespräsidenten persönlich. Deswegen habe ich mich heute gewundert, dass sie nicht geredet hat.“

Der Journalist kennt allerdings die Gründe: „Sie ist anderer Meinung als die Ampelkoalition und Herr Scholz, was die Fortführung der pandemischen Lage anbelangt. Sie wäre nämlich dafür gewesen. Deswegen hat sie es für blöd gefunden, sich in Widerspruch zum noch nicht gewählten neuen Bundeskanzler zu begeben. Das macht man nicht…

Dann springt der Zoff an

Wenn in Bayern und Sachsen mehr geimpft worden wäre, hätten wir das Problem gar nicht“, lästert Kubicki. „Dass wir in Schleswig-Holstein 2G einführen sollen, in dem Glauben, dass dann in Sachsen die Inzidenzen sinken, ist intellektuell wirklich erbärmlich!“

Hochmut kommt vor dem Fall!“, schießt Kretschmer zurück. Seine Forderung: „Wir brauchen die Instrumente, die zur Kontaktreduzierung notwendig sind. Hier geht es um einen Virus, und den kann man nicht durch politische Spielchen bekämpfen!“

Positivste Nachricht

„Es gibt inzwischen zwei Pillen gegen Corona“, meldet Prof.Rübsamen-Schaeff. „Molnupiravir ist inzwischen in Großbritannien zugelassen. Die haben 250.000 Packungen gekauft. Das könnte hier auch geschehen!“

Die beiden Medikamente würden die Zahl der Todesfälle um 50 bzw. sogar 89-90 Prozent senken, erläutert die Virologin. Ihre Frage: „Das wäre eine Maßnahmen, die genau diese Impflücke bei uns schließen könnte! Warum tut man das nicht, statt über Gesetzesänderungen zu diskutieren?“

Und wieder Zoff

„Die FDP wollte schon immer raus aus der pandemischen Lage“, analysiert Reitz. „Sie haben geliefert mit Hilfe von Herrn Scholz, der eine Koalition zusammenbringen will.“

Kubicki setzt zu einer massiven Regierungsschelte an: „Fundamentalversagen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion!“ wütet er. Nach Merkels gescheiterter Osterruhe sei ihm „die Hutschnur geplatzt“. Heidewitzka!

Kretschmer feuert mit gleichen Kalibern zurück: „Das ist jetzt wieder ein Hin- und Hergespiele! Keine ernsthafte Diskussion!“, schimpft er. „Banale Ausreden! Diese Schuldzuweisungen helfen überhaupt nichts! Sie verunsichern die Bevölkerung!“

Gretchenfrage des Abends

Die Talkmasterin bohrt am Nerv: „Halten Sie denn den Lockdown für ausgeschlossen?“

„Medizinisch notwendig ist eine Kontaktreduzierung“, antwortet Kretschmer erst mal. „In Regionen mit hohen Impfquoten von 20 Prozent, in Sachsen von 60 Prozent. Deswegen reicht 2G nicht.“

Dramatischste Drohung

Dann aber macht der Ministerpräsident eine klare Ansage: „Einen Lockdown kann man nicht ausschließen! Was machen Sie denn, wenn die Krankenhäuser nicht mehr können? Dann muss es dieses Instrument geben, um noch Schlimmeres zu verhindern!“

Kretschmers Schreckensvision: „Wir können doch nicht sehenden Auges in Situationen wie in Bergamo kommen wollen!

Einhelligster Widerspruch

„Mein Gott!“, murmelt Kubicki und spottet: „Wir ermächtigen ihn, in Sachsen einen Lockdown zu machen. Aber so lange wie keine Evidenz haben, dass der für das Pandemiegeschehen…“

Weiter kommt er nicht, denn von allen Seiten prasselt Protest auf ihn ein: „Dann muss man ihn dennoch möglich machen für die Länder“ findet die Talkmasterin. „Die Evidenz gibt es aber“, widerspricht die Virologin.

Schärfster Wortwechsel

Jetzt holt Kubicki die Kanone raus: „Ich bin als Parlamentarier verpflichtet, nichts zu machen, was ich für rechtwidrig halte!“ donnert er die Runde an.

„Was ist rechtwidrig?“ funkelt Kretschmer.

„Flächendeckende Ausgangsperren“, sprudelt der FDP-Politiker heraus. „Ein flächendeckender Lockdown würde massiv in die wirtschaftliche Ausübungsfreiheit eingreifen…“

„Jetzt langsam“, bremst der CDU-Politiker. „Am 16.Dezember ist in Deutschland ein Lockdown verfügt worden. Ab diesem Zeitpunkt gingen die Zahlen massiv nach unten. Das war der Brecher dieser Welle.“ Rumms!

Juristischste Kopfwäsche

Dann zeigt Kretschmer die Marschrichtung an: „Hier geht es darum, dass wir gemeinsam der Bevölkerung gegenübertreten und sagen: Diese vierte Welle ist härter, ist schwerer, ist gefährlicher als das, was wir erlebt haben. Bleiben Sie zu Hause! Vermeiden Sie Kontakte!“

„Ich finde das ein bisschen seltsam, dass wir hier die ganze Zeit diskutieren, wer ist eigentlich schuld, die CDU, die FDP!“ beschwert sich die Juraprofessorin. „Das ist doch überhaupt nicht relevant! Es sterben täglich Menschen! Das Ziel muss doch sein, jetzt vernünftige Rechtsgrundlagen zu schaffen!“

Heftigste Attacke

„Da finde ich es ein bisschen schwach, wenn Sie sagen, die anderen sind schuld!“, rüffelt Klafki danach den FDP-Vize. „Sie haben doch jetzt eine Mehrheit! Dann schaffen Sie doch Rechtsgrundlagen, die Sie für angemessen halten!“

Und dann pfeffert sie volle Mühle los: „Ihr Vorwurf ist, die CDU hat keine ausreichenden Maßnahmen getroffen, deswegen sind wir jetzt in dieser schlimmen Situation. Und dann ist Ihre Antwort darauf: Wir mildern die Maßnahmen ab. Das verstehe ich nicht!“

Angestrengteste Verteidigung

Illner will beim lustigen Kubickitreiben nicht fehlen: „Ihr Generalsekretär erklärt, dass es eine systemische Überbelastung des Gesundheitswesens nicht mehr gibt“, piekst sie den FDP-Mann an.

„Momentan ist das auch tatsächlich so“, behauptet Kubicki störrisch, räumt aber notgedrungen ein: „Es gibt in einigen Regionen Überbelastung, das ist richtig. Aber es gibt flächendeckend keinen Engpass.“ Echt jetzt? Und morgen?

Düsterste Prophezeiung

„Die Charité hat schon gesagt: In einer Woche geht‘s nicht mehr“, warnt Prof.Rübsamen-Schaeff. Auch die ethisch verheerende Auswahl von zu vielen Patienten für zu wenig Intensivbetten stehe wohl bald bevor: „Es gibt Krankenhäuser, die sagen: Noch ein paar Wochen, und wir müssen wieder an eine Triage denken.“

„Wir sprechen nicht erst seit heute über einen Kollaps im Gesundheitssystem, sondern wir sind bereits mittendrin“, macht Pflege-Chefin Fajardo der Runde klar.

Letztes Gefecht

„Herr Kretschmer hat jede Möglichkeit, im Bundesrat jede Veränderung, die er will, einzubringen!“, stichelt Kubicki.

„Ich finde, Sie sollten von Ihrem hohen Ross herunterkommen“, keilt der Ministerpräsident zurück, „und auf die hören, die in der Vergangenheit die Arbeit gemacht haben. Einen Virus können Sie nicht politisch niederstimmen, auch wenn Sie eine Mehrheit im Bundestag haben. Die Realität wird Sie sehr schnell einholen!“

Besorgtester Rat

„Ich finde aufregend, was Frau Rübsamen-Schaeff über diese wunderbaren neuen Medikamente gesagt hat“, lobt Reitz zum Schluss, aber: „Ich kann nur hoffen, dass man nicht wieder Brüssel den Auftrag gibt, diese Medizin zu beschaffen…

Fazit

Viel Input, aber noch mehr Zoff, denn die beiden Politiker beharkten sich bis an die Grenze zum Gemetzel und die Talkmasterin löschte alle Brände mit Benzin. Das war ein Talk der Kategorie „Dauerfeuer“.

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