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Hofreiter bei Maischberger: Waffen für die Ukraine ist linke Politik!

„Maischberger“. ARD, Mittwoch, 1.Juni 2022, 22.50 Uhr.

Der Oppositionsführer treibt den Zauder-Kanzler immer wieder an. Jetzt rächte sich Scholz im Bundestag auf die arrogante Tour: „Verehrter Herr Merz, Sie haben sich ja sehr viel Mühe gegeben…“ Bei Sandra Maischberger will sich dazu ein Grüner mit einer Dunkelroten zoffen. Nervensache! Die Gäste:

Anton Hofreiter (52, Grüne). Der Außenpolitiker mahnt aus gutem Grund, das versprochene Flugabwehrsystem nun aber auch fix in die Ukraine zu liefern: „Die Russen greifen immer stärker an!

Janine Wissler (41, Linke).  Die umstrittene Parteichefin schimpft: „Die Bundeswehr ist ein Fass ohne Boden!

David Garrett (41). Der Stargeiger weiß aus eigener Erfahrung: „Wenn du etwas erreichen willst, musst du knallhart arbeiten und kämpfen ohne Ende!“

Sonia Mikich (70). Die Ex-ARD-Moderatorin („Monitor“) war einst Korrespondentin in Moskau und nimmt die Russen in Schutz: „Nicht alle sind putinbesoffen!“

Rainer Hank (69). Der Wirtschaftsjournalist (FAS) hofft: „Wenn das Gas ausgeht, rettet uns die Marktwirtschaft!“

Markus Feldenkirchen (46). Der Journalist („Spiegel“) forderte schon früh eine „Exit-Strategie für Wladimir Putin“, sonst „wird es für uns alle brandgefährlich“.

Kombattanten mit klaren Kanten! Da Zoff-o-Meter vergibt Haltungs- und Spaltungsnoten.

Überraschendstes Urteil

Zum Start lässt Maischberger die Journalistenrunde den Schlagabtausch im Bundestag schiedsrichtern. ARD-Mikich zieht für den Kanzler eine glatte 10: „Er hat für seine Verhältnisse geradezu getobt!“, lobt sie den Temperamentsausbruch des plötzlich gar nicht drögen „Scholzomat“.

Ihre Wertung: „Sehr handfeste Sprache. Konkrete Ankündigungen. Die einzige negative Seite war, dass kein Zeitplan dahintersteht. Merz war aber auch gut.  Das wünsche ich mir von einer Generaldebatte, dass die klügsten Köpfe beider Seiten sich nichts schenken.“ Klares Unentschieden!

Treffendste Beschreibung

Der „Spiegel“-Journalist hängt das Kanzler-Bild deutlich niedriger: „Es war der siebte Versuch eine Befreiungsschlages“, spottet er. „Scholz reagiert immer dann, wenn der Druck von außen, aber auch aus der eigenen Koalition keine andere Möglichkeit mehr zulässt.“

Als Belastungszeugen zitiert Feldenkirchen den ukrainischen Außenminister: „Wir warten geduldig auf die Lieferung von Waffen aus diversen Ländern“, seufzte Dmytro Kuleba, „bei Deutschland haben wir das Hoffen und Warten mittlerweile aufgeben.“ Die bedenkliche Analyse des „Spiegel“-Manns: „Es gibt eine massive Frustration!“

Konstruktivste Kritik

„Scholz hat Merz vorgeworfen, er würde nur Fragen stellen“, erinnert FAS-Hank. „Das fand ich ein bisschen unterkomplex, weil, Merz ist der Oppositionsführer, er regiert nicht, und natürlich muss der Oppositionsführer Fragen stellen an den Kanzler!“

Mikich verteidigt Scholz gegen den Vorwurf mangelnder Kommunikation: „Er stellt sich nicht hin und sagt, ich liefere jetzt das komplizierte Luftabwehrsystem, aber das kommt erst in drei Monaten. Das wäre ein bisschen sehr viel Transparenz!“ Dazu liefert sie auch noch eine psychologische Kurzanalyse: „Scholz ist nicht der Typ, der übers Stöckchen springt!“

Ehrenwertestes Bekenntnis

Danach freut sich die Talkmasterin auf das Studio-Duell. „Er schaut schon so gequält“, begrüßt sie Hofreiter. Der Grüne hält sich nicht mit Vorreden auf: „Wir haben uns da in ganz vielen Dingen ziemlich grundlegend geirrt“, gibt er umstandslos zu, und, mehr noch: „Ich habe mich da auch persönlich grundlegend geirrt!“

Denn, so Hofreiter als reuiger Sünder mit leiser Stimme und gefalteten Händen: „Der Ukrainekrieg geht ja eigentlich seit 2014. 2015 haben wir ‚Nordstream 2‘ unterschrieben. Wir waren dagegen, aber ich muss mir das absolut vorwerfen lassen, dass ich damals auch nicht laut genug war.“

Unangenehmste Erinnerung

Prompt hält ihm die Talkmasterin vor, was er Anfang 2015 sagte: „Waffenlieferungen an ukrainische Streitkräfte lehnen wir ab. Es erschwert die politische Lösung. Eine militärische Lösung des Konflikts kann es nicht geben.“ Uff!

„Vielleicht war das damals schon naiv“, gesteht der Grüne nun. Denn: „Putin hat uns bei all seinen täglichen Lügen über eins ziemlich offen die Wahrheit gesagt, nämlich, dass er das russische Reich wiedererrichten will.“

Ernüchterndste Erkenntnis

„Wenn man genauer zugehört hätte!“, klagt er und klopft sich an die Brust. „Das muss ich mir auch selber vorwerfen, das offensichtlich nicht ausreichend getan zu haben. Spätestens seit dem 24.Februar haben wir es mit einem Eroberungs- und Vernichtungskrieg zu tun. Mit einem imperialen, kolonialem Angriffskrieg!“

„Ein Eroberungskrieg von einer Diktatur gegen eine Demokratie!“, fügt der Grüne dann sichtlich betroffen hinzu. „Von einem Imperium gegen ein schon öfters kolonialisiertes Land! Das haben wir sehr, sehr lange Zeit nicht gesehen.“

Prompt springt das Zoff-o-Meter an

Wissler lehnt Waffenhilfe trotz allem ab: „Zu was führt das?“, fragt sie. „Gerade die Lieferung von schweren Waffen hat ein großes Eskalationspotential. Russland ist Atommacht! Zum anderen könnte es einen Zermürbungs- und Abnutzungskrieg geben, der auch die ukrainische Zivilbevölkerung zermürben würde.“

Ohne Waffen würde die Ukraine verlieren, warnt dagegen Hofreiter. „Dann würde Russland diesen Krieg klar gewinnen, die Ukraine besetzen, die Strukturen zerstören, einen Teil der Bevölkerung ins Gefängnis werfen, vielleicht foltern und ermorden!“

Überraschendste Einschätzung

„Wir stärken die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine so sehr, dass es sich für Russland nicht mehr lohnt, den Krieg fortzusetzen“, kündigt der Grüne an und hebt beschwörend die Hände: „Wenn der Aggressor nicht bereit ist, zu verhandeln, dann hilft’s doch nichts, dem Opfer zu sagen, jetzt verhandelt doch mal!“

Und dann kommt eine neue politische Bewertung: „Für mich ist das eine ganz klar linke Perspektive“, erklärt Hofreiter. „Wir unterstützen das Opfer gegen den Aggressor. Wir hören darauf, was die Opfer, was die Betroffenen sagen. Wir unterstützen die Kolonisierten gegen die Imperialisten.“ Zeitenwende!

Verräterischster Dialog

„Natürlich ist Putin der Aggressor, ist Russland der Aggressor“, gibt die Linke zu, „und wir müssen alles dafür tun, die Ukraine zu unterstützen!“

Hofreiter hakt sofort ein: „Alles dafür tun?“, fragt er.

„Die Frage ist doch, was ist der richtige Weg dafür“, weicht Wissler aus. „Keine Waffen zu liefern heißt nicht, nichts zu tun.“

„Was würden Sie denn tun?“, wundert sich Maischberger. „Wir sehen die Bilder aus dem Donbass, wir sehen, dass eine russische Militärmacht einen Ort nach dem anderen zusammenschießt!“

„Wir müssen darüber reden, wie die Sanktionen umgesetzt werden können“, antwortet die Linke-Chefin etwas lau. Aber: „Das Problem bei den Sanktionen ist ja, dass es so viele Ausnahmen gibt, dass die Sanktionen überhaupt nicht wirken.“ Puh!

Eindringlichste Warnung

Hofreiter glaubt nicht, dass Sanktionen schnell genug wirken könnten. Seine düstere Prognose: „Die Panzer sind bereits gebaut Die Munition ist bereits ausgeliefert. Russland würde innerhalb kürzester Zeit die gesamte Ukraine besetzen. Als nächstes würde passieren, dass die Republik Moldau angegriffen wird.“

Seine Argumente zählt der Grüne an den Fingern ab: „Wir liefern so viele Waffen, und wir machen die Sanktionen so streng, dass es für Russland lohnender ist, ernsthafte Verhandlungen mit der Ukraine zu beginnen, als den Krieg fortzusetzen.

Klügste Antwort

Falls Russland die Ukraine überrolle, werde klar, dass es sich wieder lohne, Angriffskriege zu führen, fürchtet Hofreiter, und „das führt dann auch noch weltweit zu einer gigantischen Aufrüstung.“

„Sie haben gesagt, das Problem sitzt im Kanzleramt“, erinnert die Talkmasterin und hebt die Brauen. „Haben Sie das Gefühl, der Kanzler folgt Ihnen jetzt?“

Doch darauf fällt der Grüne nicht herein: „Das mag ich mir überhaupt nicht anmaßen“, erwidert er cool.

Wichtigste Forderung

„Ich habe es gesagt, bevor wir diesen sehr guten Antrag im Bundestag beschlossen haben“, erläutert er dann seine Scholz-Schelte. „Jetzt muss es die Regierung umsetzen. Noch ist ja nichts geliefert, aber das muss jetzt wirklich schnell passieren!“

„Unser Beschaffungswesen ist hochgradig reformbedürftig“, wettert der Grüne dann. „Wir müssen innerhalb der Europäischen Union besser zusammenarbeiten. Wir haben in Europa 17 verschiedene Kampfpanzertypen!“

Hofreiters überraschendes Bekenntnis: „Ich hab‘ halt manchmal sowas bisschen Nerdiges, aber ich würde es weit von mir weisen, dass ich ein Militärexperte bin.“

Letztes Gefecht

Wissler darf auch noch mal: „Der Militäretat der Nato-Staaten ist 20 Mal so groß wie der Russlands“, simpelt sie drauflos. „Ein großer Fehler ist, dass man am Ende der Blocksituation nicht die Atomwaffen von diesem Planeten getilgt hat…“

Der Wirtschaftsjournalist startet schnell noch eine Attacke: Viele internationale Ökonomen würden sagen, dass russisches Gas ersetzt werden könnte, erklärt er der staunenden Runde. Das müsse jetzt aber schnell passieren, denn „Putin bekommt jeden Tag eine Milliarde Euro aus den Gas-, Öl- und Kohlelieferungen!“

Heftigster Wutanfall

Dass ein Gas-Embargo für die Bundesrepublik zu teuer käme, habe die Industrie der Regierung eingeredet“, schimpft Hanke zum Schluss sichtlich erbost.

Bei Corona hätte man über die Kosten gesagt: Das ist Schicksal und ein Virus. „Jetzt wird davon geredet, wir sind solidarisch mit der Ukraine, und wir sind nicht bereit zum Gas-Embargo“, donnert der Journalist in die Runde. „Das ist unaufrichtig und verlogen!“

Geeignetster Promi

Der Stargast des Abends passt perfekt ins politische Programm: David Garretts Großeltern wanderten zur Stalin-Zeit aus Kiew nach Deutschland aus, und jetzt musste der Künstler wegen des Krieges eine Ukraine-Tournee absagen.

„Ich hoffe immer noch auf eine diplomatische Lösung, denn dort sterben Menschen“, erklärt der weltberühmte Virtuose. „Meine Mutter und mein Papa würden sich Sorgen machen, wenn ich jetzt einfach mal mit meiner Band über die Autobahn in die Ukraine fahre.“

Fazit

Erfrischende Statements, verblüffende Positionen, neuer Wein in alten Schläuchen: Das war eine Talkshow der Kategorie „volle Gärung“.

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