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Habeck über Baerbock: Die Frauenkarte war entscheidend

„maischberger. die woche“. ARD, Mittwoch, 4.August 2021, 22.45 Uhr.

Der Grüne-Co-Chef Robert Habeck hat in der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ am Mittwoch zum ersten Mal öffentlich erklärt, dass seine Co-Vorsitzende Annalena Baerbock den Kampf um die Kanzlerkandidatur der Ökopartei als Frau gewonnen habe.

Wörtlich sagte der noch Wochen nach der Entscheidung sichtlich angefressene Politiker: „Annalena hat viele Qualitäten, und die Frage von Gleichberechtigung, Emanzipation, Frauenkarte ist ein entscheidendes Kriterium gewesen.“ Beim letzten Begriff malte er mit den Händen Anführungszeichen in die Luft.

Danach schob Habeck salvierend nach: „Aber das heißt ja nicht, dass nicht andere Qualitäten ebenfalls vorliegen.“ Ach so…

Die Kanzlerin im Vorruhestand, drei Nachfolgekandidaten im Katastrophenmodus, das Land im Klima- und Coronastress: Extremer Gesprächsbedarf für Maischberger & Co. gleich nach der Sommerpause! Die Gäste:

Habeck, immer noch der Vorzeigekopf seiner Partei, setzt jetzt auf ein Klimaministerium mit unbeschränkter Verbotsmacht.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (50, Freie Wähler) liefert sich gerade mit Ministerpräsident Markus Söder ein beinhartes Impf-Duell.

Entertainer Hape Kerkeling (56) plant  nach jahrelanger TV-Abstinenz ein Comeback noch in diesem Jahr.

Die Autorin Amelie Fried (62) schimpft über Impfgegner: „Die Debatte darum, ob wir uns schon auf dem Weg in eine Diktatur befinden, geht mir unglaublich auf die Nerven!“

Der Publizist Wolfram Weimer (56, „The European“)  ärgert sich über eine „Corona-Panikmache“: Der Inzidenzwert sei „nicht die Mutter aller Zahlen“.

Robin Alexander (46). Der WELT-Vize gruselt sich: „Kaum Debatten um Inhalte, Kanzlerkandidaten ohne Charisma – erleben wir den ödesten Wahlkampf seit 1945?

Politik, Show, Presse: Wer bringt das Talk-Karussell am schnellsten wieder auf Touren? Das Zoff-o-Meter zählte die Umdrehungen, und auch das Studiopublikum war wieder dabei.

Der Talk kam gut aus dem Blöcken, denn Aiwanger, aus Regensburg zugeschaltet, ging ab wie Schmidts Katze: „Jeder einzelne hat sein Freiheitsrecht, selber zu entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht“, grollte der Niederbayer, „und wenn er hier bedrängt wird, vor laufender Kamera, dann geht das einfach zu weit!“

Misstrauischste Feststellung

Impfen ist wichtig, und ich unterstütze auch die Impfkampagne“, machte Aiwanger dann gleich klar. Mehr ließ er sich allerdings nicht entlocken, denn: „Egal, welches Argument ich sagen würde, es würde zerlegt und gegen mich verwendet!

Seine Position: „Solange wir keine Impfpflicht haben, ist es die freie Entscheidung, und ich muss dazu keine Begründung abgeben!“

Trutzigster Standpunkt

„Wenn man täglich gefragt wird, wird es ja immer schwieriger, sich für die Impfung zu entscheiden, weil es dann immer heißt, warum ist er jetzt umgefallen“, wetterte Aiwanger weiter.

Sein Credo: „Ich bin nicht der Impfgegner, aber ich bin auch ein Verteidiger der persönlichen Freiheitsrechte. Wir dürfen Corona nicht nur aus medizinischer Sicht bewerten, sondern auch aus gesellschaftlicher und sozialer Sicht.“ Dafür gab’s den ersten Beifall.

Interessantester Vergleich

„European“-Chef Weimer zog eine Parallele zwischen dem Freie-Wähler-Chef und einem prominenten Freidemokraten: „Aiwanger ist der Wolfgang Kubicki des Südens“, urteilte der Publizist. „Er sagt häufig Dinge überspitzt und pointiert, aber auch vieles, wo ein Großteil der Bevölkerung sagt: Da hat er eigentlich Recht.“

Genüsslichste Racheaktion

Habeck nutzte den Bayern-Zoff für einen Heckenschuss auf den wichtigsten politischen Gegner: „Herr Söder hat sich 2018 für eine Koalition mit dem Herrn Aiwanger entschieden und gegen die Grünen!“ sagte er mit mokantem Lächeln, „jetzt wird er sehen, was er davon hat!“

Gretchenfrage des Abends

Die Talkmasterin wollte allerdings viel lieber wissen, ob Habeck sauer sei, weil Konkurrentin Baerbock trotz gegenteiligen Versprechens am Ende doch die Frauenkarte gespielt habe.

Verräterischste Analyse

Über Baerbocks Absturz in den Umfragen sagte Habeck: „Wir sind unterschiedliche Typen, und wir machen die Dinge prinzipiell fast gegensätzlich anders.“ Aber: „Ich hätte meine eigenen Fehler gemacht.“

Und die Gerüchte über eine mögliche Auswechslung der angeschlagenen Spitzenkandidatin? „Es gibt keine Debatte darüber, diese Entscheidung jetzt noch zu revidieren“, behauptete der Grüne. „Alle kämpfen dafür, dass diese Entscheidung zur richtigen gemacht wird.“ Uff! War sie also falsch?

„Da ist ein Knacks drin gewesen“, räumt Habeck immerhin ein, „aber Annalena Baerbock arbeitet daran, das Vertrauen wieder aufzubauen.“

Schönster Schwurbelanfall

Zu Vermutungen, die Grünen würden nach der Wahl das Finanzministerium anpeilen, wusste Habeck Wohlklingendes zu formulieren: „Die Finanzen sind die Tiefenströmung, auf der sich alle anderen politischen Fehler bewegen“, dozierte er, „und wenn man sie zu lesen weiß, dann kommt man leichter ans Ziel.“

Provozierendster Einspieler

Die Talkmasterin zitierte den Ex-SPD-Chef und einstigen Umweltminister Sigmar Gabriel, der über den grünen Vorschlag eines Klimaschutzministeriums mit Veto-Recht ätzte: „Auf diese Idee kann nur jemand kommen, der entweder keine Ahnung von Politik hat oder im Wahlkampf mit schön klingenden Parolen Volksverdummung betreiben will.

Prompt blies Habeck die Backen auf: „Volksverdummung, das sind Vokabeln, da sollten wir uns mal lieber zurückhalten, lieber Sigmar Gabriel“, schoss er zurück.

Wer die Vorzüge der Idee in Frage stelle, so der Grüne, „hat wiederum entweder kein Interesse am Klimaschutz oder hat sich mehrfach über den Tisch ziehen lassen und will das nicht zugeben, als Umweltminister. Schöne Grüße, Sigmar Gabriel.“ Rumms!

Unauffälligster Stolperer

Maischberger staunte über den Grüne-Plan, Klimaschutz-Teuerungen mit jährlich 75 Euro Energiegeld auszugleichen: „Wie kommen die auf mein Konto?“ fragte die Talkmasterin. „Kriegt jeder Bundesbürger am Ende des Jahres einen Scheck?

Der Grüne denkt jedoch eher an eine digitalisierte Lösung: „Es dauert vielleicht zwei Jahre, dieses System aufzubauen“, erläuterte er und hob die Schwurhand: „Aber das Geld geht trotzdem zurück. Großes Indianer-Ehrenwort.“ Aua!

Aktuellste Prophezeiung

Zu Bildern von der Flutkatastrophe sagte Habeck voraus, das Wetter werde sich niemals ändern, im Gegenteil: „Es wird krasser werden. Es geht darum, dass die Erderwärmung so eingebremst wird, dass wir uns als Menschen anpassen können.

Dann springt das Zoff-o-Meter an

Ein ARD-Einspieler zeigte zum x-ten Mal, wie Laschet bei der Flutkatastrophe hinter dem Bundespräsidenten über einen Witz lacht. Autorin Fried ging mit dem Kanzlerkandidaten streng ins Gericht: „Wenn ich nicht mal mein Gesicht unter Kontrolle habe, wie soll der Wähler glauben, dass ich irgendetwas anderes unter Kontrolle habe?“

„Wenn er Pech hat, kostet ihn dieses Flutbild die Kanzlerschaft!“ unkte WELT-Alexander.

Über die Konkurrenz lästerte der Journalist: „Kevin Kühnert denkt, ich lasse den Scholz noch mal verlieren, und dann gehört der Laden sowieso mir.“

Scharfsinnigste Bemerkung

„Mich irritiert diese Fixierung auf Kleinigkeiten“, kritisierte Weimer. „Das wäre so, als wenn ich jetzt sagen würde, nach dieser Sendung hat Habeck seinen Wahlkampf vermasselt, weil er vorhin ‚Indianer‘ gesagt hat.“

Wie bitte? Die anderen hatten das offenbar gar nicht recht mitgekriegt. „Er sagte ‚Indianerehrenwort‘, klärte der Publizist die verblüffte Runde auf. „Wir wissen, die Grünen sind sprachpolizeilich unterwegs, da darfst du ‚Indianer‘ eigentlich nicht sagen.“ Heidewitzka!

Coolstes Intermezzo

Zum Schluss spielte Maischberger eine Szene vom CDU-Parteitag 2000 ein: Hape Kerkeling nähert sich Angela Merkel während ihrer Rede von hinten als Kellner mit einem Tablett: „Hatten Sie einen Eisbecher Copacabana bestellt?“

Doch die künftige Kanzlerin ließ sich nicht verblüffen: „Bringen Sie das mal dem Hape Kerkeling!“ sagte sie über die Schulter.

„Da so locker zu bleiben, das zeugt von starken Nerven“, lobte der Entertainer jetzt, „und die hat sie dann 16 Jahre lang gehabt.“

Fröhlichstes Finale

Kerkeling warb für sein Katzenbuch, und Duzfreundin Maischberger lieferte freundliche Fragen. Die interessantesten Antworten: „Ich glaube, dass Katzen unsere Sensorik erweitern. Dass sie uns helfen, bessere Menschen zu werden. Katzen gehören zum Leben wie die Liebe.“

Emotionalste Erinnerungen

Nach dem Freitod seiner Mutter hatten die Großeltern dem Achtjährigen eine Katze geschenkt. „Bei ihr konnte ich meine Trauer ganz gut loswerden“, berichtete Kerkeling nun.

Als er von einer Reise mit den anderen Großeltern zurückkam, habe er erfahren, dass seine Katze gestorben sei. „Das konnte ich mir nicht vorstellen“, berichtet der Entertainer. „Ich bin in den Garten, habe die Katze gerufen, wir hatten so einen Pfiff, und nach knapp drei Minuten stand sie abgemagert vor mir. Mein Großvater hatte die falsche Katze, die vom Nachbarn, beerdigt.“

Ungewöhnlichster Kommunikationsweg

„Ich rufe an, jemand hält der Katze den Hörer, und dann  spreche ich mit der Katze“, erzählte Kerkeling zum Schluss, „und in der Regel miaut die Katze dann so, wie ich es von ihr gewohnt bin, was ich als Erkennen deute.“ Schnurr!

Fazit

Teils leicht übermöbliertes Parteiformat, aber zum Glück ohne Multifunktionsantworten, Belehrungsräusche und Gleichdenkdiktate. Stattdessen gewitzte Antworten auf punktgenaue Fragen, gewürzt mit Sprüchen und Döntjes: Das war ein Talk der Kategorie „Polit-Hack süßsauer mit Scharf“.

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