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Habeck bei Anne Will: Scholz Klimakanzler? Sorry, das ist ein Hohnplakat!

„Anne Will: „Noch eine Woche bis zur Wahl – was ist uns das Klima wert?“ ARD, Sonntag, 19.September 2021, 21.45 Uhr

Alle wollen was für Mutter Erde tun, aber kosten darf es nichts, weder Geld noch Anstrengung oder gar Verzicht auf den gewohnten Lebensstil. Anne Wills Gäste:

Volker Bouffier (CDU). Hessens Ministerpräsident warf seinem strampelnden Kanzlerkandidaten einen Rettungsring zu: „Selbstverständlich kann eine zweitplatzierte Union Regierungsbildung versuchen!“

Saskia Esken (SPD). Die Ko-Parteichefin macht mit dem Uralt-Vorwurf der „sozialen Kälte“ Stimmung gegen die Union.

Christian Lindner (FDP). Der Partei- und Fraktionschef setzt voll auf liberale Power: „Freiheit ist der Innovationstreiber!

Robert Habeck (Grüne). Der Parteichef ärgert sich über das Etikett „grüne Verbotspartei“.

Cerstin Gammelin. Die Journalistin („SZ“) mosert: „Die Wahlprogramme passen alle nicht zur Realität!“

Nach dem letzten TV-Triell geht es jetzt auf die Zielgerade. Zum Start eine Watschen

Lindner geht es um einen „Wechsel in ein anderes Wirtschaftsmodell in Deutschland, das Wohlstand und Wachstum verbindet mit der Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen“. Wichtig seien dabei vor allem Innovationen. Jou.

Doch Will hörte etwas ganz anderes heraus. Ihre spitze Frage an den Grüne-Chef: „Herr Habeck, hat Christian Lindner mit dem Der-Markt-regelt-alles-Weg den Stein der Weisen gefunden…“

Der FDP-Chef funkte sofort dazwischen: „Frau Will, das war nicht meine Position!“

Und auch bei Habeck kam sie nicht durch: „Das ist nicht seine Position“, stellt der Grüne knallhart klar, „und so habe ich es auch nicht verstanden.“ Rumms!

Optimistischste Prognose

„Es gibt einen CO2-Preis“, erklärte Lindner dann. „Aus diesem Grunde ist jedenfalls in naher Zukunft die Verstromung von Braunkohle gar nicht mehr rentabel.“

Seine Vorhersage: „Wir werden im Lauf der 20er Jahre in eine Situation kommen, wo die Betreiber von Kohlekraftwerken aus betriebswirtschaftlichen Gründen sagen: Wir würden das Kraftwerk vom Netz nehmen, ohne eine Entschädigung zu fordern.“

Pfiffigstes Sockenkampagne

Habeck hat keine Lust, seine Grünen ständig als Verbotspartei vorgeführt zu sehen: „Verbote und ordnungsrechtlicher Rahmen sind das gleiche“, dozierte er.

Schlüssigstes Beispiel: „Wenn der ordnungsrechtliche Rahmen ist, man muss für seine Socken im Laden bezahlen, dann kann man sie nicht umsonst rausnehmen. Es ist halt verboten, zu klauen.“ Passt!

Argerlichste Beschwerde

„Ordnungsrechtlicher Rahmen, meinen alle Parteien, heißt: Das ist verboten“, fügte Habeck hinzu. „Dass wir uns dann immer für die Übersetzung ins normale Deutsche rechtfertigen müssen, ist ein Treppenwitz dieses Wahlkampfs!

Klarste Ansage

„Ich würde nicht eine Koalition an der Rhetorik der Ideologie scheitern lassen“, versprach der Grüne-Chef. „Wenn wir uns nicht darüber einigen können, ob wir das ‚Ordnungsrahmen‘ oder ‚Verbote‘ nennen, das wäre ja affig!“

Habecks hartes Urteil: „Wenn wir beim Klimaschutz versagen, haben wir als politische Generation versagt!“

Parteiischster Blitzableiter

Die SPD-Chefin saß ganz in Rot am linken Rand und versuchte immer wieder, sich dazwischenzuklemmen: „Jetzt muss ich schon sehr deutlich widersprechen!“ – „Wir müssen doch irgendwie ehrlich auf die Realität achten!“ Aber niemand achtete auf sie.

Doch als sich Will endlich ihrer erbarmte und sie fragte, warum die Bundesregierung nicht längst mehr für den Klimaschutz getan habe, schob Esken den Schwarzen Peter flugs an die Landesregierungen weiter, und zwar an die in Baden-Württemberg, Hessen, NRW und Bayern: Da ist die SPD nirgends dabei.

Beeindruckendste Zahlen

Bouffier, als einziger der Herren rasiert, hing in seinem Stuhl, als wollte er sagen: Ich bin zu alt für diesen Mist. Doch bei der ersten Frage an ihn war er sofort auf 180.

„Ich akzeptiere nicht, wenn behauptet wird, ihr habt gar nichts getan“, dröhnte er los. „Das stimmt nicht! Wir haben den CO2-Ausstoß in den letzten 30 Jahren um 42 Prozent gesenkt! Gleichzeitig ist die deutsche Wirtschaftskraft um 50 Prozent gestiegen!“

Realistischste Ziele

„Wir streiten nicht über die Frage, dass das noch mehr sein muss“, fügte der Ministerpräsident hinzu und hob gleich beide Zeigefinger, „aber ich bin kein Freund, das ‚Ende der Welt‘ nur zu bringen!“

Bouffiers Forderung: „Was wir jetzt schaffen müssen, ist, drei Dinge zusammenzubringen: Wir müssen eine nachhaltige Reduktion klimaschädlicher Ausstöße haben, und gleichzeitig müssen wir es schaffen, Arbeitsplätze und den Wohlstand zu erhalten.“

Bitterstes Eingeständnis

„Selbst das grüne Wahlprogramm ist, weil wir so spät dran sind, und so viel Zeit verloren gegangen ist, wenn es nur linear runtergeht, nicht in der Lage, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen“, gab Habeck etwas gewunden zu. Puh!

Sein Trost: „Trotzdem gibt es Hoffnung, weil wir hyperehrgeizig rangehen.“

Härteste Attacke

Über das Verfassungsgerichtsurteil zur Klimapolitik der Bundesregierung sagte Habeck: „Sie, Frau Esken, haben es schwarz auf weiß, dass Ihr Programm nicht reicht!“

Dann knöpfte sich der Grüne den SPD-Kanzlerkandidaten vor: „Herr Scholz läuft rum und sagt: Der Kohleausstieg wird nicht angetastet. Herr Scholz rühmt sich, dafür zu kämpfen, dass der CO2-Preis nicht steigt!“

Habecks Urteil: „Ich halte ja Herrn Scholz für einen fähigen Bürgermeister in Hamburg, aber beim Klimaschutz und ‚Klimakanzler‘ – sorry! Das ist schon ein Hohnplakat!“

Dann ging der Zoff richtig los

„Wissen Sie, wieviel Windräder Sie im letzten Jahr genehmigt haben?“ patzte Esken den Hessen an und gab auch gleich selber die Antwort: „Zehn! So werden wir nicht vorankommen!“

„Frau Eskens…“ wollte Bouffier erwidern, doch das war schon falsch: „Mein Name ist Esken, ohne S!“ korrigierte ihn die SPD-Chefin pikiert. Uff!

„Frau Baerbock hat ja die These aufgestellt: Mit Verboten kommen die meisten Innovationen. Das halte ich für Unsinn. Wenn Sie den Menschen Verbote geben, ist die meiste Innovation, wie sie an den Verboten vorbeikommen!“ spottete Bouffier.

Schwungvollstes Pingpong

Der FDP-Chef und der Grüne-Chef saßen zusammen wie Plisch & Plum und machten ein Lob-Kartell auf. „Wie wäre es, wir würden uns selbst ein neues Denken verordnen, vielleicht auch im Sinne von Robert Habeck“, schlug Lindner vor.

Der Grüne-Chef zeigte gleich die Richtung an: „Wir müssen E-Fuels und Wasserstoff, den Champagner der Energiewende, aufheben für die Bereiche…“

Champagner? „Das muss Mineralwasser werden!“ griente Lindner.

„Da reichen zwei Prozent der Landesfläche (für Windräder, d.Red.) nicht aus“, schätzte Habeck und warnte vor den Risiken falscher Energiepolitik: „Zu was das führen kann, sehen wir gerade bei den Gaspreisen, weil jetzt Russland mit Nordstream 2 versucht, uns zu erpressen.

Härtester Ellenbogen

Zum Schluss forderte Habeck für den Klimaschutz riesige „Investitionen von der öffentlichen Hand“, also Steuergelder. Sonst nähmen uns China und die USA „die „Arbeitsplätze, die Technik, die Zukunft, die Jobs, die Produktionsstätten der Zukunft alle ab.“

„Also da würde ich gern mal eine Bemerkung…“ mischte sich Bouffier ein.

Allgemeiner Protest. Auch die SPD-Chefin wollte was sagen: „Ich würde ja…

Will eilte ihr zu Hilfe: „Frau Esken hatte sich länger gemeldet!“

Der Hesse war trotzdem nicht zu bremsen: „Wenn wir die Menschen mitnehmen wollen…“

„Nee, Herr Bouffier!“ ärgerte sich Esken, doch der Ministerpräsident redete ungerührt einfach immer weiter.

Hilflosester Kommentar

„Herr Bouffier!“ mahnte Will den CDU-Granden nach einer halben Minute. Keine Reaktion. Esken fuchtelt empört mit den Händen: „Ihre Show!“ rief sie der Talkmasterin auffordernd zu.

Auch Gammelins Einsprüche scheiterten. Dann redeten wieder alle gleichzeitig. „Aus Fairnessgründen müssen Sie Frau Esken jetzt mal zu Wort kommen lassen!“ bat die Talkmasterin schon fast verzweifelt.

„Das hatten wir letztes Mal auch schon!“ rief Esken grimmig.

Doch Bouffier hörte erst auf, als er alles losgeworden ist. „Ich find’s nicht fair!“ schimpfte die Talkmasterin danach, doch den Hessen juckte das erkennbar in keiner Weise.

Letztes Gefecht

Zu Bahn und ÖPNV meinte die SPD-Chefin: „Da können wir auch nicht private Investitionen losschicken, sondern das ist unsere ureigene Aufgabe!“ Außerdem fordert sie  „weniger motorisierten Individualverkehr.“

„Sie haben Recht. Das ist nur nicht die Position von Olaf Scholz“, ätzte Habeck.

„Ich sage auch, dass Olaf Scholz wenig mit der SPD zu tun hat“, stichelte Lindner.

„Die gesamte Partei steht dahinter!“ wehrte sich Esken. „Da muss man jetzt nicht versuchen, ein Blatt dazwischen zu schieben!“ Sie würde gern noch mehr sagen, doch da schnitt ihr die Talkmasterin lieblos das Wort ab: „Ich gebe jetzt nach Hamburg zu den Tagesthemen.“ Na dann gute Verrichtung!

Fazit

Ein TV-Triell heißt deshalb so, weil sich drei Kandidaten in Rede und Gegenrede messen. Bei Anne Will hingegen bedeutet Triell, dass immer mindestens drei Gäste gleichzeitig reden. Das war ein Talk der Kategorie „Verbalvandalen“.

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